36. Kapitel – Gender Studies I

Eben gerade kommen Anatol und Elie von Annas Dinosauriergeburtstag zurück. Ich höre sie das Treppenhaus hinaufspringen – und aufgeregt diskutieren!

Foto 4Anatol ist zwar eigentlich nicht eingeladen gewesen, weil Anna und ihre Freunde deutlich jünger sind als Anatol. Annas Eltern wollten aber gern noch einen weiteren „großer“ Dinosaurier dabei haben, der ihnen helfen würde, die Spiele aufzubauen, den ganz Kleinen die Spielregeln zu erklären und beim Kuchenessen etwas zu assistieren. Für so eine Aufgabe ist Anatol natürlich der perfekte Kandidat.

Auch Schäfchen Mirko ist eingeladen – und so gehen die drei heute um halb vier zusammen los. Annas Zuhause ist nur gegenüber – weit ist es also nicht. Dinogeburtstage beginnen hier immer um halb vier; nicht um drei und nicht um vier – es muss „halb vier“ sein. Warum auch immer!

Nun ist es kurz vor 20 Uhr. Die Geburtstagsfeier ist vorbei. Es muss hoch hergegangen sein, denn Anatol und Elie kommen mit geröteten Gesichtchen zur Haustür herein – weiter in eine hitzige Diskussion vertieft!

„Anatol. Elie!“ sage ich. „Was ist denn los? Ihr geht jetzt bitte in die Badewanne, zieht Euch Eure Schlafanzüge an, und dann ab ins Nestchen. Da dürft Ihr mir alles erzählen, was Euch gerade so bewegt.“

„Nein!“ ruft Elie. „Ich will nicht in die Badewanne! Und ich will mich auch nicht beruhigen! Ich ärgere mich so sehr!“

So habe ich Elie noch nie erlebt. Ich bekomme Angst, dass er sich mit Anatol gestritten haben könnte – aber es sieht eher so aus, als ob sie sich gemeinsam über etwas aufgeregt hätten.

Ich spreche ein Machtwort. „Ganz egal, worüber Ihr Euch geärgert habt, nun geht es in die Wanne. Keine Widerrede!“ Anatol – obwohl ihm die Zornesröte noch im Gesicht steht – pflichtet mir bei. „Elie, ein Bad kann Dir nur gut tun. Es hat sowieso keinen Zweck, dass wir uns so aufregen.“

„Aber … Du kannst doch nicht einfach so aufgeben, Anatol!“ ruft Elie – und bricht in Verzweiflungstränen aus.

Nun muss ich handeln. Energisch packe ich die beiden Butler am Schlafittchen und setzte sie in das bereits eingelassene Badewasser. Elie zappelt wütend und versucht sogar (allerdings erfolglos), mich zu beissen – eine Reflexreaktion, die ich ihm nicht übel nehme – beruhigt sich aber schließlich im warmen Lavendelbad, als Anatol ihn stumm in den Arm nimmt.

Eine Viertelstunde später sitzen die beiden im Nestchen und trinken einen warmen Kakao. Kakao hilft in allen Lebenslagen.

„Was ist denn bei Anna passiert? Ich hoffe, dass es keinen Zwischenfall gegeben hat, der dem armen Mädchen den Geburtstag verdorben hat?“

„Herr Hase ist schuld!“ ruft Elie. „Der hat angefangen, ganz böse Dinge zu sagen!“

Nun berichtet Anatol. Der Dinogeburtstag habe sehr friedlich begonnen. Die kleinen Dinos hätten sich mit Topfschlagen, Blinder Dino und Flaschendrehen vergnügt. Anna habe wunderschöne Geschenke bekommen – Elie habe Mona mitgebracht, die anderen Gäste Spielzeug und Bücher. Das mit Abstand tollste Geschenk sei allerdings ein Piratenkostüm gewesen, das Anna von ihren Eltern geschneidert bekommen habe. Annas Eltern, die der alternativen Szene angehören, haben nämlich eine Schneiderei, in der sie ausgefallene, elegante Dinomode entwerfen, die man sonst nirgendwo finden würde. In den 70er Jahren hätte man sie sicher als Blumenkinder bezeichnet, aber diesen Terminus kennen heute nur noch wenige Menschen.

Anna habe das Kostüm gleich anziehen dürfen – und sich so in einen verwegenen, überaus hübschen, säbelschwingenden kleinen Piraten verwandelt. Ich sehe Elie an seinem Gesichtsausdruck an, dass er sich in diesem Augenblick unsterblich in den Anna-Piraten verliebt haben muss.

Anatol bestätigt meine Vermutung, als er schildert, dass Elie der kleinen Anna nicht mehr von der Seite gewichen sei und die Augen nicht mehr von ihr habe lassen können. Der Pirat hatte ihm ganz klar den Kopf verdreht.

Anatol bemerkt, dass das sehr süß gewesen sei und dass es alle Anwesenden natürlich bemerkt hätten – ohne daran in irgendeiner Weise Anstoß zu nehmen.

Als der Pirat beim Flaschendrehen gewonnen habe, sei es zum Eklat gekommen. Der Gewinner dürfe sich nämlich beim Flaschendrehen den Dino aussuchen, der neben ihm sitzen darf. Anna habe sich Elie ausgesucht – und nicht nur das: als sich Elie mit hochroten Wangen neben sie gesetzt habe, habe sie ihm ganz zärtlich und behutsam einen echten Piratenkuss mitten auf den Mund gegeben. Elie wähnte sich einer Ohnmacht nahe, während die Geburtstagsgäste fröhlich lachten und klatschten, und „Ein Hoch auf unser Piratenpaar“ riefen.

Und in eben diesem Augenblick sei Herr Hase, ein Urzeitsaurier – genauer: ein Nyasasaurus – hereingekommen. Herr Hase ist der Vater von Eliane, einer Freundin von Anna. Und der musste nun ausgerechnet in dem Moment ins Zimmer platzen, als der Pirat Elie küsste.

Herr Hase sei vor Wut rot angelaufen und habe Eliane befohlen, die Feier sofort zu verlassen. Dann habe er Annas Eltern angeherrscht, er hätte niemals erlaubt, dass Eliane einen Nachmittag in einem solchen Sündenpfuhl verbrächte, wenn er es nur vorher gewusst hätte. Das Ganze werde noch Konsequenzen haben, dessen sollten sie sich gewiss sein.

Annas Eltern seien vor Entsetzen stumm gewesen.

Hier habe Anatol sich eingemischt: Worin der gnädige Herr denn bitte einen Sündenpfuhl erblicken würde? Er selbst sehe nur eine Runde von kleinen Sauriern, die bis eben gerade fröhlich miteinander gefeiert hätten und dabei keine nennenswerten Sünden begangen hätten – von einem übermäßigen Kuchenkonsum einmal abgesehen.

Nun habe Herr Hase losgewettert. Dass es eine Ungeheuerlichkeit sei, auf einer Geburtstagsfeier zwei sich küssende Saurierjungen anzutreffen. Dass solche neumodischen Verirrungen zu verbieten seien und er es Eliane nie wieder erlauben werde, mit Anna zu spielen. Und dass er gegen Annas Eltern noch gesondert vorgehen werde!

Anatol habe mit der ihm eigenen Ironie angemerkt, dass es – obschon es Anatols Meinung nach ganz gleichgültig wäre, ob sich  nun Jungen oder Mädchen küssten – dem gnädigen Herrn wohl nicht aufgefallen sei, dass es sich bei dem hier küssenden Paar sehr wohl um ein Mädchen und einen Jungen handele. Ob er seine Äußerungen in diesem Lichte nicht noch einmal überdenken wolle?

Dies habe dem Urzeitsaurier aber den Wind nicht aus den Segeln genommen. Im Gegenteil – er wurde noch wütender, soweit das überhaupt möglich war. Ein Sittenverfall sei es, und ein Greuel, dass man althergebrachte Geschlechtergrenzen willkürlich verschieben würde! Dass man Mädchen erlaubte, sich wie Jungen zu kleiden und zu verhalten – und dass Jungen zu Mädchen gemacht würden. In seiner Welt seien Jungen noch echte Jungen, und ein Mädchen würde sich auch wie ein solches benehmen.

Anatol habe es sich an dieser Stelle nicht verkneifen können, Herrn Hase darauf hinzuweisen, dass das, was er als „seine Welt“ bezeichne, seit 243 Millionen Jahren nicht mehr existiere. Die Trias – das Zeitalter der Nyasasaurier – sei, sollte dies dem gnädigen Herrn nicht aufgefallen sein, mittlerweile vorüber, und die damaligen prähistorischen Moralvorstellungen obsolet. Erdzeitgeschichtlich befinde man sich vielmehr aktuell im Quartär.  Dieser Erdzeitabschnitt habe tiefgreifende gesellschaftliche Entwicklungen mit sich gebracht. Dazu gehöre unter anderem, dass ein Dinosauriermädchen im Piratenkostüm einen schüchternen und sehr verliebten kleinen Diplodocus küssen dürfe – und dass es jedem Saurier selbst überlassen sei, ob er lieber Hosen oder Röcke trage.

Leider hätten diese Äußerungen Herrn Hase gänzlich zur Weissglut gebracht. Er habe Anatol als „Hippie“ und „verkappten Feministen“ beschimpft und Annas Eltern als Anhänger der Gendertheorie abgekanzelt. All das werde Konsequenzen haben! Wutschnaubend habe er – Eliane hinter sich herziehend – die Feier verlassen.

Zurück blieben konsternierte Gäste, eine weinende Anna und das entgeisterte Elternpaar. Ich muss sagen, dass eine solche Szene auch mich aus der Fassung gebracht hätte.

Umso bewundernswerter sei die Reaktion der Eltern von Anna gewesen, berichtet Anatol. Sie hätten die Geburtstagsfeier nämlich nicht einfach um 18 Uhr wie geplant beendet. Stattdessen hätten sie Anatol darum gebeten, noch etwas länger zu bleiben und ein Abendessen für alle Gäste zuzubereiten.

Das Abendessen sei mitten im Wohnzimmer auf dem Boden serviert worden. Alle Gäste hätten nämlich nicht Platz am Esstisch gehabt. Jeder habe sich nehmen dürfen, was er mochte – oder auch vom Tellerchen des Nachbarn mitnaschen.

Annas Eltern hätten nun erkärt, dass Dinosaurierkinder nicht immer so frei erzogen worden seien, wie es heute meist der Fall sei. Dass es Zeiten gegeben habe, in denen kleine Sauriermädchen nur Mädchenkleider tragen und Mädchenspiele spielen durften. Dass sie nicht dasselbe in der Schule lernten wie die Dinojungen und oft nicht einmal in die Schule gehen durften. Dass sie später, wenn sie erwachsen wurden, nicht die selben Rechte hatten wie die männlichen Dinosaurier und nur fürs Kochen da waren. Und dass dies auch heute noch in manchen Ländern der Welt so gehandhabt würde.

Diese Zeiten seien hierzulande vorbei. Das Piratenkostüm sei nicht nur ein Spielanzug – es sei auch ein Symbol für diese Entwicklung, in der Dinomädchen genau dasselbe tun dürften wie Dinojungen. Und genau deshalb sei es auch Leuten wie dem Urzeitsaurier so ein Dorn im Auge – weil es ihnen zeigte, dass die Ungleichbehandlung nicht mehr gewünscht sei und der Vergangenheit angehöre.

Elie habe verunsichert gefragt, ob das denn auch umgekehrt für Dinosaurierjungen gelten würde? Ob er, wenn er das gern tun würde, auch ein Kleidchen tragen dürfte? Annas Eltern hätten gelacht und Elie angeboten, ihm – sollte er das wünschen – gern ein Kleidchen genau nach seinen Vorstellungen zu schneidern. Elie wird also demnächst dort zur Anprobe gehen!

Während Anatol in der Küche Brot gebacken und veganen Aufschnitt und Käse zurechtgemacht habe (zum Nachtisch sollte es Vollkornbrot mit Zuckerrübensirup geben – was bei uns wegen der damit verbundenen Schweinerei verboten ist), hätten die kleinen Gäste noch sehr aufgeregt diskutiert – auch wegen Eliane. Was könne man denn nur für Eliane tun? Hierfür habe sich allerdings an diesem Abend keine Lösung mehr finden lassen.

Ich schlage meinen beiden Butlern nun vor, dieses in der Tat aufwühlende Ereignis zu überschlafen und morgen ausgeruht noch einmal darüber nachzudenken.

Bis dahin wünsche ich Elie wilde Piratenträume und Anatol eine erholsame Nacht.

Hier gehts zur Fortsetzung: Gender Studies II

35. Kapitel – Das Skateboard

IMG_2079Als ich heute Abend nach Hause komme, wartet Anatol mit einem wunderbaren Salat auf mich. Er hat ihn in der blauen Schüssel zubereitet, die ich vor etwas über einem Jahr von der palästinensisch-jüdischen Friedensinitiative gekauft habe. Eine so schöne große Schüssel findet man selten. Ich freue mich, dass Anatol sie heute herausgeholt hat und nun den Salat daraus serviert.

Mein Lieblingsessen – der vegane capverdische Gemüseeintopf – köchelt im Schmortopf vor sich hin: ein gemütlicher Abend mit einem guten Essen in Aussicht beginnt.

Mitten in diese friedliche Stimmung kräht Elie fröhlich hinein: „Anatol hat sich ein supertolles Skateboard gebaut! Wir sind den ganzen Nachmittag in der Wohnung herumgefahren – mit dem Skateboard und dem Roller! Man kann damit auch ganz toll die Sofalehne runterfahren!“

Ich verschlucke mich an der Vinaigrette und gucke Anatol entsetzt an. „Was hat es denn damit auf sich? Skateboardfahren auf dem Sofa – und auf dem Parkett?! Anatol, was habt Ihr Euch dabei gedacht?“ Ich huste – die Vinaigrette brennt im Hals.

Anatol zischt Elie böse an. „Musstest Du das jetzt ausplaudern?! Sie sollte doch erst das gute Abendessen bekommen – und danach wollten wir das mit dem Skateboard erzählen!“ Elie guckt betreten. „Aber sie hat doch schon was von dem Salat gegessen … ich dachte, jetzt darf ich es sagen… Wir hatten doch so einen Spaß mit dem Skateboard auf dem Sofa …“ Anatol rollt mit den Augen.

Dann gibt er zu, dass er tatsächlich aus den verbleibenden Bettkasten-Rädern und einem Brettchen ein richtiges Skateboard gebaut habe und dann in der Wohnung etwas Skaten geübt habe. Da die Räder allerdings aus Gummi seien, habe das Parkett nicht darunter gelitten. Ebenso sei das Sofa unversehrt. Und die Nachbarn hätten sich auch (noch?) nicht beschwert.

Ich finde zwar, dass man diese Sache mit mir hätte absprechen müssen, und bitte sehr nachdrücklich darum, dass dies in Zukunft so gehalten werde. Dann bin ich aber auf das Skateboard gespannt.

„Anatol, hol das mal her. Ich möchte es gern sehen.“

Was ich den beiden Sauriern nämlich noch nicht erzählt habe, ist, dass ein Skateboard in meiner Kindheit zu den begehrtesten Gegenständen überhaupt gehörte. Wer ein solches besaß, war ein Held. Überflüssig zu erwähnen, dass ich selbstverständlich keines hatte – obwohl ich so davon träumte. Meine Eltern fanden ein Skateboard zu teuer und auch etwas gefährlich. „Kinder, Ihr habt schon die Rollschuhe – das muss reichen!“ hiess es da.

IMG_2083Anatols Skateboard ist im Grunde das erste Skateboard, was ich in meiner eigenen Wohnung beherberge.

Hier zeigt sich Anatol auf seinem tollen Brett. Nun muss er noch üben, damit richtig zu fahren.

Am Wochenende werden wir gucken, ob es hier irgendwo eine Anlage gibt, in der man Skateboard und Roller fahren kann!

 

 

33. Kapitel – Der Roller

IMG_2048Elie quengelt. Gestern hat er im Park seinen Freund Lilian gesehen – mit einem Tretroller. Lilian hatte den Roller zum Geburtstag geschenkt bekommen und ihn stolz im Park präsentiert.

Seitdem gibt es für Elie nur noch das Thema „Roller“. „Ich will auch so einen Roller haben wie Lilian!“ – so geht es in einer Tour.

„Elie, es tut mir so leid … aber wir haben im Moment überhaupt kein Geld, um Dir einen Roller zu kaufen. So ein Roller wie der von Lilian kostet sicher 100 Euro – das ist viel zu teuer. Wir bezahlen doch immer noch die Rechnung beim Tierarzt ab, für Tonio und seine Freunde.“ Normalerweise hätte ich Elie den Roller so sehr gegönnt. Aber im Moment erlaubt das Budget einfach keine solche Ausgabe.

Ich füge deshalb vermeintlich tröstend hinzu: „Außerdem sind Roller nur etwas für Vorschul-Dinosaurier. Du bist doch schon groß und gehst in die richtige Schule! Da fährt man keinen Roller mehr.“

„Nein, da fährt man mit dem Fahrrad – und das ist noch viel teurer als ein Roller!“ heult Elie.

Ich bin nun am Ende meines Lateins. Leider stimmt es ja, was Elie sagt. Ich bin immer wieder froh, dass Anatol nie solche Ansprüche stellt. Er ist eben schon etwas erwachsener – manchmal jedenfalls. So glücklicherweise auch heute. Anatol sagt nämlich die rettenden Worte:

„Wir brauchen keinen Roller zu kaufen. Ich kann einen bauen!“

Ich bin platt. „Wie und woraus willst Du denn einen Tretroller bauen, Anatol?“ frage ich ungläubig.

„Wir haben doch letztens die Bettkästen auseinandergenommen. Da sind unten ganz tolle Räder dran. Die können wir für den Roller verwenden. Dann brauche ich noch ein paar Bretter, Schrauben und einen Holzbohrer. Und daraus kann ich einen Tretroller bauen.“

Elie ist selig. Er himmelt Anatol manchmal richtig an wegen seines handwerklichen Geschicks und seiner tollen Ideen. Ich bin da etwas vorsichtiger – nicht, dass der Butler Star-Allüren kriegt und sein Saurierkopf zur Melone bzw. zum melon anwächst (wie man hier in Frankreich sagt, um einen Gernegroß zu beschreiben) … aber ich muss zugeben, dass ich heute sehr froh über Anatols Idee bin.

Anatol geht in die Abstellkammer und holt eines der Bettkasten-Bretter hervor. Daran sind in der Tat kleine Räder angeschraubt – damit haben wir die Kästen ja immer unter dem Bett hervorgezogen und wieder darunter gerollt:

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Die beiden Rädchen schraubt Anatol nun ab und bringt sie an einem kleinen Brettchen an, welches das Trittbrett des Rollers werden soll:

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Eine schwierigere Operation als die Räder stellt der Lenker dar. Anatol hat einen meiner Holz-Handbohrer als den am besten geeigneten Gegenstand identifiziert und duldet keine Widerrede, als ich ihm klarmachen will, dass der Bohrer ein Werkzeug und keine zu verarbeitende Sache sei. Leider findet sich nichts anderes, was als Lenker herhalten könnte.

Widerwillig erlaube ich daher die Verwendung des Bohrers.

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Nun fehlt dem Roller noch ein Standbein. Anatol schraubt kurzerhand eine lange Schraube seitlich an das Trittbrett, und der Roller ist vollständig:

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Elie traut seinen Augen nicht – und ich ehrlich gesagt auch nicht. Nie hätte ich gedacht, dass Anatol heute wirklich einen fahrtüchtigen Roller herstellen kann. Aber da ist der Roller:

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Elie will nun sofort raus in den Park, und seinen Roller ausprobieren. Aber erst wird zuende gefrühstückt!

Hier kommt die Fortsetzung!

32. Kapitel – Anatol backt Brot

IMG_2027Anatol inspiziert den Küchenschrank. Eben hat er mehrere angebrochene Packungen Mehl gefunden, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen.

Obwohl es seine Aufgabe ist, die Vorräte zu überwachen und dafür zu sorgen, dass nichts schlecht wird, versucht er dennoch, mir dieses Vergehen in die Schuhe zu schieben: „Wenn ich jetzt nicht in den Schrank geguckt hätte, wäre das Mehl im April abgelaufen! Ich muss mich hier wirklich um alles kümmern!“

„Anatol, die Vorräte sind Deine Sache, das weisst Du doch!“ antworte ich – etwas verstimmt.

Darauf kommt von ihm nur ein verächtliches Schnauben, auf das ich nichts weiter erwidere. Meist ist so eine vermeintliche schlechte Laune bei Anatol nämlich nur Vorbote irgendeiner originellen Aktion – diesen Impetus will ich auf keinen Fall stoppen.

IMG_2021Und richtig – Anatol bereitet etwas vor. Er hat einiges zusammengestellt und will nun damit photographiert werden. Hier die Zutaten, die Anatol gleich zu einem Fladenbrot verarbeiten wird:

100g Einkornmehl
100g Khorasan-Weizenmehl
1 EL Maismehl
1 EL Kreuzkümmel
1 EL Koriandersamen
1 TL Salz, 1/2 TL Zucker, 1/2 TL Natron
ca. 200 ml Wasser

Anatol sagt, das Natron stehe normalerweise nicht in seinem Rezept. Er möchte aber mal ausprobieren, ob das Fladenbrot damit etwas weicher wird. Es wird also ein Experiment!

Nun mischt Anatol als erstes das Mehl, den Kreuzkümmel, die Koriandersamen, Salz, Zucker und Natron. Er sagt, man könne das Mehl auch noch sieben, wenn man dazu Zeit habe. Wichtig sei das Sieben vor allem, wenn man einen Kuchen backen wolle, der schön locker werden solle. Beim Fladenbrot sei das aber nicht so besonders wichtig. Er verzichtet heute also darauf.

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Das wird alles gut verrührt, dann kommt etwas Wasser dazu. Diese Mischung verknetet Anatol nun gut, bis ein schöner fester Klops daraus wird.

Letzteren rollt Anatol nun in der Backform aus, die er mit Olivenöl eingefettet hat.

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Nun kommt der Teig, der ca. 5 mm dick ist, in den Ofen. Diesen hat Anatol auf 100°C vorgeheizt, denn das Brot soll im Grunde nur getrocknet werden – und das ca. 40 Minuten.

Ob das schmeckt? Ich bin gespannt …

Das Fladenbrot ist fertig. Es ist schön weich und locker – aber es fehlt ein wenig Salz. Das nächste Mal muss etwas mehr rein. Ansonsten: ganz köstlich!

Wer es lieber etwas fester mag, dem rät Anatol, einfach das Natron wegzulassen.

31. Kapitel – Migräne…

IMG_0521Hallo, hier schreibt Edwige!

Ich habe mir den Computer geschnappt, da ich glaube, dass wir hier Hilfe für unseren Menschen bekommen … im Internet sollte man sich doch unter Katzen helfen, denke ich. Ich hoffe, dass hier auch Katzen mitlesen.

Der Mensch liegt im Bett, und das ist um diese Zeit total untypisch!

Leider habe ich nichts gefunden, was speziell Menschenkrankheiten beschreibt, deshalb schreibe ich einfach hier in dem Blog. Hoffentlich krieg ich deshalb keinen Ärger …

Ich beschreib Euch mal, was los ist. Heute morgen war der Mensch schon komisch. Also, ich glaub es ist eigentlich ein Weibchen, aber wir finden das bei Menschen sehr schwer rauszufinden. Deshalb sag ich immer „der Mensch“. Die Menschen sagen ja auch immer „die Katze“, auch wenn es ein Kater ist.

Also … heute morgen merkten wir schon, dass der Mensch nicht gesund war. Er oder vermutlich eher sie ist spät zum Füttern gekommen und war auch sehr langsam mit allem. Hat es aber noch geschafft, unsere Klos sauberzumachen und sich zu putzen, wie jeden Morgen. Gefressen hat er dann nichts und ist viel zu spät weggegangen. Was er dann draußen macht, wissen wir nicht so genau – er sagt immer, dass er da Geld für uns verdient … was auch immer das ist.

Ja, und dann ist er/sie schon jetzt nach Hause gekommen, hat sein Fell ausgezogen (wozu das gut ist, kapieren wir nie!) und hat sich in unser Bett gelegt. Tonio und Noah haben sich dazugelegt und geschnurrt, aber der Mensch war zu müde, um sie zu streicheln. Das ist ganz unnormal!

Irgendwann hat der Mensch sich überhaupt nicht mehr bewegt! Riri hat sich angeschlichen und ist voll draufgesprungen – damit wir wissen, ob der Mensch noch lebt! Aber er hat sich dann noch etwas gerührt und irgendwas gegrunzt „Riri lass das bitte“ … dann hat er sich den Kopf zwischen den Pfoten gehalten und hat dann wieder nur still dagelegen…

Wir hatten großen Hunger und haben Lärm gemacht … dann haben wir Futter gekriegt (das ging also noch) und der Mensch hat wieder diese winzigkleinen weissen Bröckchen gefressen… und dann hat er sich eine warme Flüssigkeit gemacht, die er tatsächlich getrunken hat.

Aber der Mensch hat immer noch nichts gefressen!

Wir vermuten, dass der Mensch wieder Migräne hat. Er hat das ganz oft, aber fast nie so schlimm wie heute. Er hält sich dann den Kopf, frisst ein kleines weisses Brekkie, und dann ist es normalerweise eine halbe Stunde später deutlich besser. Aber nicht heute!

Wir würden ihn jetzt gern zum Menschenarzt bringen, aber kein Transportkorb ist groß genug! Und wir wissen auch nicht, wie wir einen Menschenarzt erreichen!

Wenn es sehr schlimm ist, würden wir sicher auch den gräßlichen Tierarzt anrufen, damit der vielleicht hilft (aber den Kontakt mit dem Tierarzt würden wir lieber vermeiden, ehrlich gesagt … nachdem, was der letztens erst hier abgezogen hat – na, Loup hats ihm ja gezeigt und ihn ordentlich gebissen, gut so).

Der Mensch liegt jetzt apathisch im Bett. Er kneift immer ein Auge zu und hält sich den Kopf mit den Pfoten. Was können wir nur tun?

Was macht Ihr, wenn Eure Menschen krank sind?

Wir denken auch schon eine Weile nach, ob der Mensch vielleicht kastriert werden sollte? Aber damit wollen wir noch abwarten, bis er wieder ganz gesund ist.

Bitte helft uns – es gibt eine Kommentarfunktion, dort könnt Ihr Eure Tipps reinschreiben! Danke!

PS: eben kommen Anatol und Elie nach Hause, und haben gleich dies hier für den kranken Menschen zubreitet:

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28. Kapitel – Feng Shui II

IMG_1982Anatol sagt mir gerade, dass wir uns eigentlich entschuldigen müssen für unseren Beitrag von gestern. Und zwar bei den Anhängern des traditionellen Feng Shui, die die daoistische Lehre studiert haben und danach leben.

Auf keinen Fall wollten wir diese jahrtausendealte, komplexe chinesische Harmonielehre in irgendeiner Weise lächerlich machen. Besonders Anatol interessiert sich sehr für die chinesische Kultur, was sich in seiner Liebe zum Tee und zur chinesischen Teezeremonie Gong Fu Cha ausdrückt. Hierzu aber später.

Der Beitrag von gestern wirft – so findet Anatol nun – die neuzeitliche „Minimalismus-Bewegung“ und die Philosophie des Feng Shui in einer etwas respektlosen Weise zusammen.

Aber so war es nicht gemeint. Wir wollten die beiden Theorien nicht einfach so „über einen Kamm scheren“ oder gar unreflektiert vermischen.

Dennoch gibt es Berührungspunkte zwischen Minimalismus und Feng Shui. Minimalismus hat mit der Lehre des Feng Shui zumindest dies gemeinsam: die ganz bewusste Einrichtung und Ausrichtung von Wohnraum mit wenigen Gegenständen, die etwas aussagen und die eine Bedeutung, einen Hintergrund haben. Zufällig zusammengewürftelten Krimskrams gibt es dort nicht. Auch im Feng Shui ist nur Platz für das Wesentliche.

Diese Gemeinsamkeit ist für uns wichtig. Denn eben dieser Punkt soll bei unserer neuen Wohngestaltung zum Tragen kommen.

Wir dürfen nun gespannt sein.

Eben hat Anatol jedenfalls den ersten gelben Sack zugebunden und vor die Tür gestellt. Was wir für einen Papier- und Kartonkrempel hier rumfliegen hatten … das gibts gar nicht. Der zweite gelbe Sack wird jetzt sofort zum Einsatz gebracht. Denn es geht weiter mit dem Entrümpeln.

27. Kapitel – Feng Shui I

„Entrümple Dein Leben“ – diesen Slogan hat Anatol im Internet entdeckt. Zu lesen bekommt man ihn auf Seiten über den neuen „Minimalismus“ wie Simplify your life, in Blogs wie z.B. Becoming minimalist oder auch in der ganzheitlichen Lebenslehre des Feng-Shui.

Anatol ist begeistert vom Minimalismus. Sofort will er die neuen Ideen in die Tat umsetzen. Ihm schwebt eine Umgestaltung der Wohnung in etwas wie diesen Tempel der Wohnkultur vor.

Ich muss Anatol enttäuschen. Eine solche Einrichtung werden wir niemals haben. Dafür sorgen bereits unsere pelzigen Mitbewohner, die von meinen Freunden als „Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet werden. In Bezug auf schöne Möbel werden sie dieser Bezeichnung leider gerecht.

Doch was bedeutet „Minimalismus“?

Es handelt sich dabei nicht einfach um Aufräumen. Nein, es geht um „Loslassen“, um „Weniger besitzen“. Die Engländer nennen es „de-own“ – die  eigenverantwortete, bewusste Selbstenteignung, um es in ordentlichem Juristendeutsch auszudrücken.

„Wozu soll das gut sein?“ fragt Elie. „Schließlich habe ich lange gespart, um mir endlich meinen tollen Chèche zu kaufen! Und nun soll ich den weggeben? Nein – ohne mich!“

IMG_1537Elie hat in der Tat lange Zeit seine Steinzeittaler angespart, weil er in einer Boutique einen wunderschönen tunesischen Wüstenschal (den „Chèche“) gefunden hatte, den er beim Sommer-Treffen der „Söhne der Wüste“ tragen will. Der Chèche ist sein ganzer Stolz, und um nichts in der Welt würde er ihn hergeben.

Ich versuche, es Elie zu erklären. „Elie, auf keinen Fall musst Du Deinen Chèche abgeben. So funktioniert Minimalismus nicht. Es geht um etwas anderes, nämlich darum, Sinnloses und Überflüssiges hinter sich zu lassen.“

Anatol pflichtet mir bei. „Ein Chèche ist gut. Zehn Chèches, die Du nie trägst, ist Anti-Minimalismus. Und das wollen wir nicht mehr.“

Nun wird Elie etwas ungehalten. „ICH habe nur einen einzigen Chèche. Und sonst habe ich GAR kein Kleidungsstück. Dieser Minimalismus geht mich deshalb nichts an. Die einzige Person, die hier Kleidung in 100facher Ausführung besitzt, so dass die Schränke überquellen und alles an den Türen hängen muss, weil in die Schränke nicht einmal mehr ein hauchdünnes Pfefferminzblättchen hineinpasst – von den Schuhen mal ganz zu schweigen! – ist Susanne!“

Elie hat damit ins Schwarze getroffen. Betreten schaue ich zu Boden. „Elie, Du hast ja recht. Es geht hier vor allem um mich und meinen Kram. Er nimmt einfach zu viel Platz weg. Und daran wollen wir etwas ändern. Ich habe ja schon beschlossen, in diesem Jahr kein einziges neues Kleidungsstück zu kaufen. Bisher habe ich mich daran gehalten.“

Elie bemerkt etwas spitz, dass es mit dem „nichts Neues mehr kaufen“ ja schön und gut sei – dass aber eine sinnvolle Nutzung der Wohnung seiner Meinung nach erst wieder möglich sei, wenn mindestens ein Drittel der vorhandenen Kleidungsstücke entfernt würde. Ich schlucke.

Anatol erinnert nun daran, dass der materielle Teil (das Aufräumen und Weggeben von Sachen) nur ein Aspekt des Minimalismus sei. Es gehe dabei vor allem um die Einstellung zum Konsum. Um Nachhaltigkeit – aber auch um Verzicht auf den neuesten technischen Schnickschnack und allgemein auf alles Unwesentliche.

Elie guckt sehr skeptisch. Er ist – was ihn selbst betrifft – sichtlich nicht von der Idee des Verzichts angetan. Deshalb muss ich mir etwas einfallen lassen, das ihn überzeugt. Und schon habe ich eine Idee.

„Ihr Lieben, wann habt Ihr eigentlich das letzte Mal in Eurem Nestchen das Gefühl gehabt, dass es dort bequem und angenehm war? So dass Ihr beide Platz hattet, um Euch mal richtig auszustrecken?“

Anatol druckst etwas herum und weiss sichtlich nichts zu antworten. Elie wird rot bis hinter beide Ohren (die bei ihm nicht sehr ausgebildet sind). Der Grund liegt auf der Hand – seit Tagen sieht das Nestchen so aus:

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Man kann es mit Fug und Recht als einen wahren Schweinestall bezeichnen.

Die erste Aufgabe für die frischgebackenen Minimalisten ist es also, das eigene Nestchen auszuräumen und dann gemäß Feng Shui zu ordnen. Mit Feuereifer machen sich die beiden an die Arbeit.

Über den Fortgang des „Feng Shui à la Anatol“ werden wir berichten!

16. März 2014

Und so sieht ein schön aufgeräumtes, entrümpeltes Dino-Nestchen aus:

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Anatol und Elie fühlen sich sichtlich wohler darin und wollen nun die ganze Wohnung entrümpeln. Gut, dass ich eine Woche Ferien habe und das Ganze überwachen kann …

26. Kapitel – Eine Woche Ferien!

FotoIch habe eine Woche Ferien!

… Ferien? Eigentlich sollten sie schon begonnen haben. Es ist 18 Uhr 10, heute ist mein letzter Tag im Büro, und ich habe alles abgearbeitet, was man nur abarbeiten kann. Seit 7 Uhr 45 bin ich da – nun ist es 18 Uhr 10, und ich kann immer noch nicht gehen. Ein „Eilfall“ (bzw. das, was der Chef dafür hält) ist soeben eingetrudelt, und nun muss beraten werden, was damit zu tun sei.

Das Handy klingelt – es ist Anatol. Zum wiederholten Mal.

Ich hebe ab. „WANN KOMMST DU ENDLICH? WIR WARTEN!“ heisst es da mit wütender Stimme am anderen Ende der Leitung.

„Anatol. Ich weiss doch, dass ich zu spät dran bin. Ja, ich wollte heute schon um halb sechs zu Hause sein. Aber es ging einfach nicht. Hier ist noch so viel los, und ich kann jetzt nicht weg. Wollt Ihr nicht schon mal anfangen, zu kochen …?“

„Den Teufel werden wir tun! Wir gehen jetzt zum Italiener. Und zwar allein. Basta!“

Nach dieser entsetzlichen Drohung legt Anatol auf. Ich bin traurig. Ich hatte mich so auf einen geruhsamen Abend mit den Katzen und den beiden Butlern gefreut.

Nun wird es wieder der übliche Stress – und ein viel zu kurzer Abend, weil ich ja nicht erst um Mitternacht ins Bett möchte.

Der Chef ist am Telephon. Er kann auch noch nicht nach Hause … aber ich werde jetzt einfach mal fragen, ob nun endlich Zapfenstreich ist.

Ich mag meinen Chef. Er hat mir im letzten Jahr, als die Katzen so furchtbar krank waren, eine Woche Urlaub mehr gegeben, so dass ich die Tiere weiter pflegen konnte und Anatol damit nicht alleinlassen musste. Er ist ein guter Chef. Nur manchmal weiss er einfach nicht, wann man Feierabend machen muss.

18 Uhr 40

Der Chef hat ein Einsehen. Heute abend können wir sowieso nichts mehr ausrichten, und werden endlich in die Freiheit entlassen.

Mit meinem Kollegen gehe ich nach Hause. Es ist noch nicht ganz dunkel, und die Luft ist mild. Der Himmel bietet ein herrliches Farbenspiel im Sonnenuntergang… Die japanischen Kirschbäume blühen schon, und man hört die ersten Vogelstimmen.

Bald wird es Frühling!

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25. Kapitel – Help Syrian children!

Anatol and Elie just discovered a video on the internet. Ever since, they have not been able to calm down.

They keep asking me „Why is this, why does nobody do anything to stop it? That can’t be! Why does war exist? We don’t understand!“

I do not understand either. But i am unable to give them an answer.

Both Anatol an Elie now want to show the video in the blog – they hope that even more people will watch it and perhaps will help. The video shows the story of a little girl experiencing the outbreak of war in her country.

Here you can see the video. It was produced by the childrens help organisation „Save the children„. Please watch it, and if you can: please help!

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Anatol und Elie haben heute ein Video im Internet entdeckt. Seitdem kommen sie nicht mehr zur Ruhe.

Andauernd fragen sie mich „Warum gibt es sowas? Wieso tut niemand etwas, damit es aufhört? Das kann doch nicht sein! Wieso gibt es Krieg? Wir verstehen das nicht!“

Ich verstehe es auch nicht … Und ich kann ihnen keine Antwort geben.

Die beiden möchten nun unbedingt, dass das Video im Blog erscheint. Sie hoffen, dass es dann noch mehr Leute sehen und vielleicht helfen. Das Video zeigt die Geschichte eines kleinen Mädchens, in dessen Land ein Krieg ausbricht.

Oben seht Ihr das Video. Es stammt von der Kinderhilfsorganisation „Save the children„. Wenn Ihr könnt: bitte helft!

24. Kapitel – Möhrenkuchen

Anatol und Elie rumoren nun schon seit geraumer Zeit in der Küche. Ich soll sie nicht stören und wurde sogar der Küche verwiesen. Ungeduldig klopfe ich an die Tür: „Kann ich kurz reinkommen?“

„Noch nicht!“ knurrt Anatol durch die geschlossene Tür. „Aber gleich darfst Du rein und Photos machen. Schließlich soll das ja alles in den Blog.“

Ich bereite die Kamera vor, und darf nun endlich in die Küche.

IMG_1607Dort sehe ich die Butler inmitten eines Sammelsuriums von Zutaten, Töpfen, Tiegeln und Rezepten. Was soll das denn nur geben?

Elie ruft fröhlich: „Juhu, wir backen einen Möhrenkuchen!“ Ich bin sehr überrascht. Möhrenkuchen finde ich zwar unglaublich lecker, aber ich habe mich bisher an so etwas noch nie herangetraut.

Die beiden Butler haben aber offenbar keinerlei Hemmungen und sind mitten im Backen.

Aber woher haben sie das Rezept? Ich selbst besitze nämlich keines für Möhrenkuchen!

IMG_1610Stolz zeigt Anatol mir das Rezept. Es kommt von totallyveg und handelt sich um einen vollkommen veganen Möhrenkuchen! Ich bin begeistert. Laut Anatol ist es einfach das beste Rezept für Möhrenkuchen überhaupt!

Was brauchen die Butler für den Möhrenkuchen?

Hier sind die Zutaten, die die beiden auch schon vorbereitet haben:

200 g Dinkelvollkornmehl
180 g Zucker
1 Packung Vanillezucker
1 TL Natron
1 TL Backpulver
1 TL Zimt
1/2 TL Salz
150 – 200 g geriebene Möhren
200 g Soja-Joghurt Natur
100 ml Sonnenblumenöl

Und hier die Photos vom Backen – Ihr könnt das ganz leicht nachmachen (aber bitte nur in Anwesenheit der Eltern!)

Als erstes werden die trockenen Zutaten (Mehl, Zucker, Vanillezucker, Zimt, Natron, Backpulver, Salz) genau abgewogen, in einer Backschüssel gut verrührt und dann beiseitegestellt.

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Dann müssen die Möhren gerieben werden (lieber etwas mehr als zu wenig – Anatol nimmt gut 200g geriebene Möhre!). Dazu kommen die Soja-Joghurts und das Öl. Diese feuchten Zutaten solltet Ihr in eine ordentlich große Schüssel tun, auf keinen Fall in eine zu kleine, und sie dann vorsichtig verrühren.

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Schließlich wird das Mehl, der Zucker etc. aus der vorhin beiseite gestellten Schüssel in die Schüssel mit den Möhren, dem Joghurt und dem Öl gegeben (am besten in drei Schritten), und sehr vorsichtig per Hand verrührt (auf keinen Fall mit einem Rührer!), bis es eine einheitliche Masse ist.

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Diese wird dann in eine mit Sonnenblumenöl eingefettete Backform gegeben; Anatol und Elie nehmen hier eine 24er Form:

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Das Ganze kommt dann für etwa 30 – 35 Minuten in den auf 180°C vorgeheizten Ofen.

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Wenn der Kuchen fertig gebacken ist, sieht er so aus. Aber er ist noch nicht „ganz fertig“!

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Jetzt kommt nämlich das i-Tüpfelchen (und es ist wichtig – also bitte nicht weglassen!): der Zitronenzuckerguss:

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Dieser wird mit Puderzucker und etwas Zitronensaft angerührt und dann auf den Kuchen gepinselt (das geht auch mit einem Esslöffel – man braucht keinen Pinsel dafür).

Der Kuchen sieht dann bald so aus:

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Er ist nämlich so saftig, locker und leicht und schmeckt so gut, dass er immer sehr schnell gegessen wird! Da er ganz vegan ist, musste kein Tier für die Zutaten leiden. Anatol und Elie ist das sehr wichtig – und mir auch.

Wir wünschen Euch guten Appetit !

23. Kapitel – Für Elisabeth !

Siedend heiss fällt es mir eben gerade ein. Elisabeth. Meine Nichte! Ihr, Jakob und Julian ist der Blog gewidmet.

Elisabeth hatte vorletzten Donnerstag ihren 5. Geburtstag. Und ich habe es vergessen.

Es ist eine SCHANDE.

Wütend sehe ich auf meine Butler. Sie sind normalerweise dafür verantwortlich, dass ich meine Termine einhalte und keine wichtigen Ereignisse verpasse. Wie konnten sie diese Aufgabe so sträflich vernachlässigen?

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Elie versteckt seinen Kopf hinter dem Sofakissen, neben das er sich gerade genüsslich hingeflezt hatte, um zu schmökern.

Er glaubt nämlich immer noch, dass man ihn dann nicht sehen kann.

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IMG_1941Anatol hingegen sieht mich angriffslustig an. Er hat sichtlich kein schlechtes Gewissen – im Gegenteil, er scheint mir die Schuld zuschieben zu wollen: „Weisst Du eigentlich, was in den letzten zwei Wochen hier los war? Sag mir doch bitte mal, wann Du überhaupt zu Hause warst in dieser Zeit! Wann um Himmels Willen hätten wir Dir etwas sagen können? Du warst morgens weg, bevor wir aufstehen, und abends bist Du lange nach Dienstschluss erst wiedergekommen – mehrmals sogar erst nach 22 Uhr! Das ist eine Zumutung!“

Das stimmt leider. Anatol hat recht: am Montag vor 2 Wochen hatte es begonnen. Eine Klage war im Büro eingegangen, und es sah schlecht aus für uns. In Windeseile musste unsere Verteidigung aufgestellt werden; Zeugen gefunden und Beweismaterial gesammelt werden. Die mündliche Verhandlung war für Freitag, den 28. März anberaumt – der Tag nach Elisabeths Geburtstag. Die verbleibende Zeit verging wie im Flug – und die Bürostunden wurden ausgedehnt bis 21 Uhr, 21 Uhr 30 und mehrmals eben auch bis nach 22 Uhr.

Die Aktenlage des sich anbahnenden Prozesses war leider für uns nicht vorteilhaft. Das bereits kommerzialisierte Computerspiel verletze angeblich Rechte seiner Mandanten, so behauptete der gegnerische Anwalt.

Meine Aufgabe war nun, anhand des vorliegenden Beweismaterials zu prüfen, ob dies stimmte, und herauszufinden, wie wir uns gegen den Angriff verteidigen könnten. Natürlich muss ich das nicht vollkommen allein tun; wir arbeiten dann mit einem Kollegen im Tandem. Meist läuft es so, dass der eine die Aktenlage durchgeht und die Sache juristisch prüft, und der andere die Produktionsteams und Chefs abklappert, die weitere Strategie abspricht, den Sachverhalt aufklärt und den Kollegen auf dem Laufenden hält. In diesem Fall war ich der Part, der an der Akte sitzt.

Spät am Donnerstag Abend war unser Schriftsatz fertig und konnte fristgerecht bei Gericht vorgelegt werden. Freitag fand die mündliche Verhandlung statt. Das ist hier im Eilverfahren so: es gibt immer eine mündliche Verhandlung, da das Eilverfahren kontradiktorisch ist (in Deutschland ist das etwas anders geregelt).

Worum ging es? Wie ich oben schon geschrieben habe, hatten wir ein Computerspiel produzieren lassen und dies dann herausgebracht. Ihr müsst es Euch wie eine kleine Geschichte vorstellen, in der man entweder auf seinem Computer, auf tablets wie dem iPad oder auch auf einem dafür ausgestatteten Handy direkt mitspielen kann. Ja, und die diesem Computerspiel zugrundeliegende Geschichte war angeblich von jemand anderem abgeschrieben worden.

Im richtigen Leben ist es wie in der Schule: von anderen abschreiben wird nicht gern gesehen. In der Schule gibt es dafür eine Sechs. Im richtigen Leben verliert man damit Prozesse – wenn man wirklich abgeschrieben hat. Wir standen selbstverständlich auf dem Standpunkt, dass hier NICHT abgeschrieben worden war. Aber wie würde der Richter urteilen?

IMG_1947Die Entscheidung sollte uns am Freitag abend sehr spät zugehen. Mein Kollege und ich waren im Büro geblieben, um die Entscheidung abzuwarten. Um 21 Uhr hatten wir solchen Hunger, dass wir uns Pizza bestellt haben.

Die Pizza war allerdings sehr gut. Das war ein Lichtblick, denn um 22 Uhr bekamen wir die traurige Nachricht:

Wir hatten unseren Prozess verloren – trotz aller Arbeit, die wir uns gemacht hatten. Leider bedeutete das auch, dass nun das gesamte Computerspiel überall dort entfernt werden musste, wo es schon veröffentlicht war. Diese Arbeit hat dann noch einen großen Teil der Nacht in Anspruch genommen.

Als ich ziemlich deprimiert an diesem Freitagabend (besser: in der Nacht) nach Hause kam, schliefen Anatol und Elie schon. Sie hatten den Katzen zu fressen gegeben und sich auch um den Haushalt gekümmert. Alles war fein säuberlich aufgeräumt und ordentlich.

Aber das wichtige Datum, der 27. Februar – Elisabeths großer Tag – war in der ganzen Aufregung vergessen worden.

Wir sind alle drei untröstlich. Es tut uns sehr leid! Deshalb lieber spät als nie:

HAPPY BIRTHDAY LIEBE ELISABETH !

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Vielleicht haben die Eltern ja auch noch eine Idee für ein Geschenk …?

22. Kapitel – Anatols Borschtsch

IMG_1936Anatol hat sich heute entschlossen, Borschtsch zu kochen – vegan selbstverständlich! Was ist Borschtsch? Borschtsch ist sicher die leckerste Suppe der Welt. Das Rezept stammt aus Ost- und Mitteleuropa, und vermutlich ist der russische Borschtsch der bekannteste.

Aber es gibt auch polnischen, ukrainischen, galizischen, kasachischen Borschtsch… und noch mehr – Borschtsch ist in Osteuropa und darüber hinaus überall zuhause. Und nun auch hier in Frankreich!

Woher kenne ich Borschtsch? Anatol kocht ihn mir natürlich vor allem, weil ich ihn darum gebeten habe. Aber warum? Meine Familie stammt zwar aus dem Osten, aber Borschtsch gehört leider gar nicht zu ihrer Kultur… Nein – vor langer Zeit, als ich noch studierte, kochte eine gute Freundin mir ab und zu ein Borschtsch. Und seitdem weiss ich, dass es einfach keine bessere Suppe gibt!

Anatol sagt, man lese oft, Borschtsch werde immer mit Rindfleisch zubereitet. Das stimme aber im Grunde nicht. Es habe Zeiten gegeben, in denen Fleisch sehr teuer und rar war – und in denen man nicht immer Fleisch für die Suppe hatte. Da wurde dann ein Borschtsch ohne Fleisch gekocht – und der schmeckt genauso gut, wenn nicht sogar besser! Wir essen ja sowieso nie Fleisch, daher stellt sich die Frage nicht.

Gleich zu Anfang gibt es ein Drama. Anatol findet DAS Rezept nicht mehr. DAS Borschtsch-Rezept, wie er sagt, war von Attila Hildmann. Bis vor einiger Zeit fand man es im Internet. Und nun? Verschwunden. Attila Hildmann, der vegane Koch (Anatols Koch-Vorbild! – *Anmerkung 2020 : dieses Vorbild gehört der Vergangenheit an, seit Hildmann sich politisch in mehr als fragwürdiger Weise betätigt. Hierzu empfehlen wir dieses exzellente Video), hat das Rezept offenbar gelöscht. Anatol schäumt vor Wut!

Nun muss der Borschtsch „so“, also ohne das famose Rezept gekocht werden. Anatol ist findig und stellt kurzerhand aus der Erinnerung ein Rezept auf, das uns auch einen ganz ordentlichen Borschtsch bescheren soll.

IMG_1915Was kommt in den Borschtsch? Anatol hat eingekauft: einen Weisskohl, rote Beete (frisch, nicht gekocht), zwei Möhren, Zwiebel, Knoblauch, eine kleine Steckrübe, eine Tomate und viel frischen Dill.

Gerade schneidet er die Zwiebel und den Knoblauch klein, dann kommt der Weisskohl dran. Dieser wird gut gewaschen, in Streifen geschnitten und dann mit der Zwiebel und dem Knoblauch im Topf mit etwas Olivenöl angeschmort.

In der Zwischenzeit (während der Kohl leicht anbrät), schneidet Anatol die Kartoffeln, die Möhren, die Steckrübe und die rote Beete in Würfel.  All dieses Gemüse kommt dann zu dem Kohl in den Topf. Dazu wird Wasser gegeben, Salz, Pfefferkörner, 4 kleine Lorbeerblätter und nur 2-3 Pimentkörner. Da Anatol es gern scharf mag, gibt er auch noch 2 getrocknete Chilischoten hinzu.

Hier ein paar Photos von den verschiedenen Etappen des Rezepts:

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Nun muss es mindestens eine, besser aber zwei Stunden köcheln. Am allerbesten schmeckt der Borschtsch am nächsten Tag, wenn er gut durchgezogen ist.

Schließlich wird der Borschtsch mit viel Dill und und einem großzügigen Klecks Sojajoghurt serviert. Anatol wünscht guten Appetit!

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21. Kapitel – Der Torvosaurus

cropped-anatol-elie.jpgMit Schrecken haben Anatol und Elie eben dies hier entdeckt: einen Spiegel-Artikel über den Torvosaurus gurneyi:

Seine Zähne waren mit zehn Zentimetern doppelt so lang wie die eines Weißes Hais. Mit ihnen hat der Räuber wohl vor allem andere Dinosaurier verspeist, glauben die Forscher. Sie haben das Urtier deshalb Torvosaurus gurneyi genannt, was so viel wie „wilde Echse“ heißt.“

Meine beiden kleinen Butler sitzen zitternd in ihrem Nestchen. „Was, wenn der Torvosaurus kommt ?“ – diese Frage spricht aus ihren vor Angst weit aufgerissenen Augen.

Mir fällt indessen ein Spiel von früher ein … in den 70er Jahren dachte noch niemand über Political correctness nach:

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ „Niemand!“

„Und wenn er kommt?“ „Dann laufen wir!“

Ich rate Anatol und Elie, genau das zu tun, wenn der Torvosaurus kommt. Entrüstet sehen die beiden mich an! Wie könne ich ihre Ängste so überhaupt nicht ernst nehmen ?

„Anatol. Elie! Der Torvosaurus ist ausgestorben. Der kommt nicht mehr wieder! Nicht einmal als Plüsch-Saurier.“

Und vielleicht ist es auch nur ein Märchen, dass er andere Dinos gefressen hat. Wir hoffen es zumindest.

20. Kapitel – Silvester

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Elie hat mich heute morgen darauf aufmerksam gemacht, dass ich – obwohl wir schon den 26. Februar schreiben – immer noch nicht erzählt habe, was Anatol und Elie letztes Silvester erlebt haben.

Ja, das stimmt. Ich war mir bisher nicht sicher, ob es angezeigt sei, dieses « Abenteuer », wie die beiden es heute nennen, hier aufzuschreiben. Schließlich haben Anatol und Elie gegen geltendes Recht verstoßen. So etwas sollte man weder als Abenteuer bezeichnen, noch in irgendeiner Weise nachahmen.

Dies vorausgeschickt möchte ich die Geschichte aber dennoch schildern. Sie findet ein versöhnliches Ende, und Recht und Gesetz bleiben zu guter Letzt auch gewahrt.

Was ist am 31. Dezember 2013 passiert? Nachfolgend die Aufzeichnungen aus meinem Logbuch.

Tagebucheintrag vom 31. Dezember 2013

Das Jahr geht ausgesprochen mild zur Neige. Wohl deshalb sind Anatol und Elie heute schon früh aus dem Haus gegangen – wie ich vermute, um Freunde im Park zu treffen und sich darüber auszutauschen, was zu Silvester geplant ist, wer wo feiert und was es zu essen geben wird. Für einen Butler sind diese Informationen sehr wichtig !

Gegen 15 Uhr komme ich aus der Stadt zurück. Ich habe letzte Einkäufe für unseren Silvesterabend erledigt und will nun einen kleinen Mittagsschlaf halten, um heute abend gut ausgeruht zu sein. Schließlich bleibt man zu Silvester lang auf!

Anatol und Elie sind noch nicht wieder da – das wundert mich . Wir wollten nämlich spätestens gegen 16 Uhr beginnen, unser Silvesterfest vorzubereiten. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass sie vor mir zuhause sind.

Nun gut, sie werden schon kommen, sage ich mir. Ich lege mich aufs Sofa – und schlummere ein.

Zwei Stunden später – ich habe gehörig verschlafen ! – wache ich auf. Ein Kratzen an der Tür hat mich geweckt, und nun höre ich auch zwei leise Stimmchen, die sich zuflüstern, man solle bloß keinen Lärm machen ! Es kann kein Zweifel daran bestehen, um wen es sich da handelt!

Ich springe vom Sofa auf und öffne die Tür. Im Treppenhaus stehen die beiden Dinos – schmutzig, sehr übelriechend, und mit dem Versuch beschäftigt, sich mittels eines Lappens notdürftig zu säubern ! In dieser misslichen Lage überrascht, scheinen die beiden sehr darauf bedacht, alles « vollkommen normal » aussehen zu lassen. Elie gelingt dies nicht ganz, denn er bricht in Tränen aus.

« Ihr geht schnurstracks in die Badewanne, wascht Euch, und wenn Ihr wieder präsentabel seid, will ich einen genauen Bericht davon, was Euch widerfahren ist » sage ich streng.

Nicht einmal Anatol macht Widerworte. Ich lasse das Badewasser ein, gieße ein wenig Lavendel-Badeöl dazu, und schon hüpfen die beiden hinein – sichtlich froh, sich waschen zu können. Sprechen will keiner der beiden.

IMG_1700Jetzt liegen sie mit ihrer Wärmflasche im Nestchen und ich finde, es ist Zeit für eine Erklärung.

Stückchenweise kommt die Wahrheit ans Licht.

Anatol und Elie sind heute früh nicht in den Park gegangen. Nein – die beiden sind allein nach Kehl aufgebrochen! Erst wollten sie mit dem Bus fahren, aber die Stufen waren zu hoch – sie konnten nicht einsteigen, geschweige denn eine Fahrkarte lösen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn jemand sie mitgenommen hätte.

So marschierten sie also zu Fuß nach Deutschland hinüber, erst durch halb Strasbourg, dann über die große Rheinbrücke – und zwar um dort von ihrem Taschengeld Feuerwerksmaterial für heute abend zu kaufen. Im Lidl wurden sie fündig: Kracher, Chinaböller, Raketen. Im Grunde mehr, als sie tragen konnten.

IMG_1825Den ganzen Einkauf an Feuerwerkskörpern gut in einer Einkaufstasche verstaut und auf den Rücken geschnallt, machten sie sich wieder auf in Richtung Frankreich – und mitten hinein in eine Grenzsperre der französischen Polizei. An der Grenze wird besonders zu Silvester streng kontrolliert, denn das Silvesterfeuerwerk ist in Frankreich unter Strafe verboten! Es passieren einfach zu viele Unfälle beim Knallern.

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Die französischen Flics dachten zunächst, dass es sich bei der wandelnden Einkaufstüte um eine ferngesteuerte Drohne handele, die die Feuerwerkskörper unbemerkt über die Grenze schmuggeln sollte.

Hier auch die Beweisphotos der französischen Polizei.

Bei näherem Betrachten bemerkte man jedoch, dass unter dem Sprengmaterial zwei kleine Saurier versteckt waren, die nun eilig weg wollten. Anatol und Elie hatten nicht mal einen Ausweis dabei!

Der Verdacht, dass die beiden „Packesel“ einer kriminellen Bande sein mussten, lag nahe. Anatol und Elie wurden daher unverzüglich verhaftet – und ohne lange zu fackeln ins Hôtel de Police gebracht! „Au poste!“ sagt man hier dazu.

IMG_1855Elie habe die ganze Zeit geweint, sagt Anatol. Den Polizisten sei es sichtlich peinlich gewesen, einen heulenden Stoffdinosaurier festzunehmen – aber Gesetz ist nun mal Gesetz. Anatol selbst habe keinen Mucks gemacht. Die Polizisten hätten daraus geschlossen, dass er der Rädelsführer sein müsse (was ich ehrlich gesagt auch vermute!) und Elie nur ein harmloser Mitläufer. Als beide Butler darauf beharrten, sie hätten das Feuerwerk ausschließlich für den eigenen Verbrauch gekauft, und nicht für irgendwelche „Auftraggeber“, seien sie zum Zwecke der Beugehaft in die Ausnüchterungszelle gesteckt worden. Und darin haben sie mehrere Stunden zugebracht.

Leider sind die Ausnüchterungszellen hierzulande keine empfehlenswerte Unterkunft. Daher auch der äußerst unangenehme Geruch, den die beiden vorhin an sich hatten.

Anatol habe bald großes Spektakel veranstaltet. Er habe geschrien, gebrüllt, sich an die Tür geworfen – und nach einem Anwalt verlangt !

Nach einiger Zeit sei dann ein Polizist mit einem Telephon gekommen – und Anatol konnte Fridolin anrufen, den Tyrannosaurus, der bei meinem Hausarzt arbeitet. Da Fridolin im Wartezimmer des Hausarztes mit den Patienten spricht, hat er Kontakte in alle Milieus – und auch zu guten Strafverteidigern. Fridolin setzte sich ohne zu Zögern mit Maître Prawosaur in Verbindung, eine bekannte Anwältin, vor der sogar die Polizei Angst hat.

Diese machte dem zuständigen Kommissar unmissverständlich klar, dass Stoffdinosaurier weder strafmündig sind noch in polizeilichen Gewahrsam genommen werden dürfen. Die Festnahme sei rechtswidrig und sie werde für ihre Mandanten Schadensersatz sowie Schmerzensgeld insbesondere dafür einklagen, dass man Anatol und Elie in Beugehaft genommen habe.

Das missfiel den Polizisten. Noch Geld für diese Stoffdinosaurier zahlen zu müssen, und von der Hierarchie gar wegen einer „bavure“ (so wird hier polizeiliches Fehlverhalten genannt) zur Rechenschaft gezogen zu werden … das wollten sie nicht. So haben sie Anatol und Elie freigelassen. Und nicht nur das: bis vor die Tür hat der eine Polizist die beiden mit dem Polizeiwagen gebracht. Dem taten sie nämlich leid, als sie da wie zwei kleine Häuflein Elend vor dem Hôtel de Police saßen und nicht einmal wussten, wie sie nun nach Hause kommen sollten. Das war sehr lieb von dem Polizisten.

Die Feuerwerkskörper sind allerdings auf der Wache geblieben – sie wurden beschlagnahmt, da half nichts.

Mich wollten Anatol und Elie offenbar nicht anrufen, da sie das Ganze hofften geheimhalten zu können. Das hat allerdings nicht geklappt.

Die beiden sind zwar froh, nicht mehr in der Ausnüchterungszelle zu sitzen … aber mit Knallerei wird es nun nichts! Müde, enttäuscht und mit sichtlich schlechtem Gewissen sitzen sie in ihrem Nestchen. Elie fängt schon wieder an, zu schlucken…

Obwohl sie es nicht verdient haben, tun sie mir ein wenig leid. Ich verspreche also, gleich nachher im Keller nach Wunderkerzen zu gucken. Da müsste ich nämlich noch welche haben. Vielleicht können die das Feuerwerk ersetzen. Aber ob ich sie finde? Und ob sie überhaupt noch brennen werden … ?

Anatol hat offenbar noch nicht genug Abenteuer erlebt und will mit in den Keller. Elie bleibt lieber im kuschligen Nestchen. Ihm reicht die Aufregung für heute !

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Nun kramen wir im Keller …. der ist so vollgestellt, wir finden die Wunderkerzen nicht … Schon will ich aufgeben, aber Anatol quengelt!

Und da – ENDLICH: Wir haben sie ! Nun müssen sie nur noch funktionieren, denn leider ist es im Keller sehr feucht und darunter können Wunderkerzen leiden.

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Aber versuchen werden wir es.

Anatol und Elie sind selig. Nun sind sie sehr brav und machen sich ans Kochen, denn heute zu Mitternacht soll es ein Gemüsecurry geben.

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Es ist Mitternacht. Draußen gibt es in der Tat vereinzelt Geböller – aber die französische Polizei war sehr gründlich: so wenig Feuerwerk hatten wir noch nie. Die Katzen und ich sind froh, denn die Knallerei mögen wir gar nicht.

Dennoch haben wir unser eigenes kleines Neujahrsfeuerwerk – ganz ohne Lärm:

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Meine beiden Saurier sind gerade sehr glücklich!

19. Kapitel – Die Drachenfliegerin

Antonia PaketSicher habt Ihr Euch schon gefragt, was es denn Neues von Antonia gibt. Antonia war im letzten Herbst in einem Paket von Bea hierhergekommen. Schnell hat sie sich mit Anatol und Elie angefreundet und hat auch eine ganze Weile hier mit den beiden gewohnt.

Besonders Elie hat sich sehr eng an Antonia angeschlossen. Die beiden können stundenlang unter einem Baum im Park liegen, in den Himmel gucken und sich Geschichten erzählen. Oft sehen sie den vorbeiziehenden Wolken nach und denken sich aus, von wo sie herkommen mögen, und wo sie wohl noch hinfliegen.

Antonia seufzt dann immer: „Wenn ich doch nur auf so eine Wolke steigen könnte. Um die ganze Welt würde ich reisen! Was ich da alles sehen und erleben würde … es wäre zu schön!“

Elie fragt: „Gefällt es Dir denn nicht bei uns, Antonia?“ „Doch, sehr sogar … aber die Ferne zieht mich unwiderstehlich an … Wenn ich mich irgendwo eingelebt habe, denke ich, nun ist es Zeit, weiterzuziehen und ein anderes Leben zu beginnen.“ „Möchtest Du denn nie irgendwo bleiben?“ Antonia lacht. „Ich weiss es nicht. Später vielleicht! Aber nun möchte ich doch noch so viel erleben, fremde Länder und Dinosaurier sehen …“ „Aber … kommst Du dann niemals wieder zu uns …?“ Elie weint fast! Er kann Antonias Lebenseinstellung nicht verstehen. Er braucht sein Zuhause, das sich möglichst nicht verändern soll. Anatol ist da ähnlich – er mag Veränderungen auch nicht so gern. Antonia ist deutlich abenteuerlustiger!

„Du musst nicht weinen, Elie. Ich bin einfach so. Ich kann mir nicht vorstellen, jeden Tag das Gleiche zu sehen, am gleichen Ort zu leben und immer dasselbe zu tun. So würde ich ersticken… Ich brauche die Abwechslung! Ich sollte vielleicht eine Pilotin des Drachenflugdienstes fragen, ob ich dort arbeiten kann – dann könnte ich in die weite Welt reisen, aber auch immer wieder zurückkommen zu den Dinos, die ich mag!“

Elie findet Antonia sehr mutig. Er selbst nimmt nicht so gern den Drachenflugdienst. Er hat nämlich beim Fliegen etwas Angst! Die Luft ist einfach kein Element für Dinosaurier, sagt er dann. Dabei vergisst er allerdings vollkommen, dass es auch Flugsaurier gibt.

Heute beim Mittagessen hat Antonia ihre Entscheidung verkündet. „Ihr Lieben! Ich muss Euch etwas Wichtiges sagen. Ihr wisst doch, dass ich mich beim Drachenflugdienst als Flugbegleitung beworben habe.“

„Ja, das wissen wir“ knurrt Anatol. „Und ich finde es gar keine gute Idee!“ Anatol liebt es, mit Antonia Musik zu machen – Anatol spielt nämlich Geige – und Antonia hat eine schöne Stimme. Die beiden haben schon kleine Hauskonzerte für Elie und mich gegeben, die wir sehr genossen haben. Geige und Gesang – ein wunderbares Duo. Auf das gemeinsame Musizieren möchte Anatol in Zukunft auf gar keinen Fall verzichten.

„Ich denke, es ist nicht nur eine gute Idee. Es ist auch genau das Richtige für mich! Ich will etwas von der Welt sehen. Das ist sehr wichtig für mich. Gestern habe ich eine Antwort vom Drachenflugdienst bekommen! Sie nehmen mich – schon diesen Freitag soll ich anfangen! Mein erster Flug geht nach New York!“

Ich bin beeindruckt. Antonia hat bereits alles vorbereitet. Sie wird die erste Zeit in New York in einem Loft wohnen, das sie mit einer anderen Dino-Flugbegleiterin teilen wird. Von dort aus wird sie weiter in alle Welt reisen – und ab und zu auch uns besuchen.

Elie fängt leise an zu schluchzen. Er möchte sich nicht von seiner neuen Freundin trennen! Anatol guckt auch sehr traurig. Er kann aber, anders als Elie, besser verstehen, warum das Reisen für Antonia so wichtig ist. Antonia hat das bisher nur Anatol und mir erzählt; Elie war dafür noch ein wenig klein.

Heute ist aber der Moment gekommen, wo sie auch Elie ihre Familiengeschichte erzählt. Damit er besser versteht, was in ihr vorgeht.

„Elie, ich bin als kleines Dinosauriermädchen von meiner Familie getrennt worden. Was aus meine Eltern und meinem Bruder geworden ist, weiss ich nicht … seit ich denken kann, suche ich sie. Und nun habe ich eine Spur gefunden, die nach Amerika führt. Ich muss dieser Spur folgen. Kannst Du das verstehen?“

Elie nickt. Seine Tränen tropfen fleissig in den Teller mit der guten Kohlsuppe, der vor ihm steht.

Anatol räuspert sich. „Ich glaube, wenn ich an Deiner Stelle wäre, Antonia, würde ich auch sofort nach Amerika reisen, und nach meiner Familie suchen!“ Elie möchte dem zustimmen, aber der Satz geht in einem Schluchzen unter.

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„Ihr helft mir doch packen, oder?“ Aber natürlich!

Amelia-Earhart-Plane

18. Kapitel – La soupe aux choux

Anatol hat heute mit mir geschimpft. Das tut er leider manchmal. Anatol findet, dass ich mich zu einseitig ernähre: nämlich vorwiegend von Gemüsecurry, Paprikaschmortopf und Marmeladenbroten. Von der veganen Leberwurst ab und zu mal abgesehen. Und da Anatol für die Küche verantwortlich ist, hat er meine heutige Bestellung (Gemüsecurry) einfach ignoriert und einen riesigen Wirsingkohl gekauft, der nun gekocht werden soll.

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Ich stehe der Kohl-Aktion skeptisch gegenüber. Der Kohl ist gigantisch! Wie soll der auch nur in einen unserer Töpfe passen? Aber da es ja Anatol ist, der sich um die Zubereitung kümmert, versuche ich, mir darüber keine Sorgen zu machen.

Elie guckt sich den Kohlkopf einmal an, entscheidet, dass dies eine Nummer zu groß für ihn ist, und zieht sich mit einem Buch ins Nestchen zurück. „Ruft mich einfach, wenn es fertig ist!“ sagt er noch – und vertieft sich in seinen neuen Schmöker.

Anatol ist ein versierter Koch. Erst will ich ihn ja allein werkeln und köcheln lassen, aber dann bin ich doch zu neugierig, wie er diesem Kohl zu Leibe rücken mag. Ich nehme also meinen Photoapparat zur Hand und halte Anatols Kohlkochkünste hier fest:

Zuerst nimmt Anatol den Kohl Blatt für Blatt auseinander und schneidet die Strünke heraus. Dann wäscht er die Blätter und blanchiert sie. Das bedeutet, dass er sie kurz in kochendem Wasser wendet und sie dann mit kaltem Wasser abschreckt. Das ist etwas aufwendig, aber Anatol behauptet, dass der Kohl so bekömmlicher wird und auch besser schmeckt.

Hier sieht man ihn mit dem fertig blanchierten Kohl:

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Nun bereitet Anatol einen Sud vor. Er erhitzt etwas Wasser in unserem größten Topf und gibt Salz dazu. In den Sud kommen dann: eine ganze Zwiebel, eine Knoblauchzehe, Lorbeerblätter, Pfefferkörner, 2 Chilischoten (die kleinen scharfen!), ein paar Körner Piment, Olivenöl, ein Stückchen Knollensellerie, 2 kleine Kartoffeln und eine Möhre:

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Das wird nun etwas angeköchelt, mit Wasser aufgegossen, und dann kommt der Kohl hinzu. Zum Schluß gibt Anatol noch ein klein wenig Zucker hinzu.

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Der Topf ist randvoll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der nicht überkocht! Anatol ist aber zuversichtlich und meint, das müsse jetzt mindestens eine Stunde kochen. Dann wolle er abschmecken.

Ich bin gespannt!

Die Suppe köchelt nun seit fast einer Stunde. Anatol hat noch etwas Muskatnuss gerieben und in die Suppe gegeben. Diese Suppe muss einfach köstlich werden.

17. Kapitel – Für Judith

Die Geschichte von der Leberwurst

cropped-cropped-foto.jpgHeute habe ich Anatol und Elie zum Einkaufen in die Stadt geschickt. Gerade mit den Einkaufskünsten meiner beiden Butler bin ich sehr zufrieden: die Haus-Saurier finden sich selbst im dichtesten Getümmel der Fußgängerzone perfekt zurecht und bringen nicht nur alle Einkäufe, sondern auch das Wechselgeld wohlbehalten nach Hause. Immer ist es auf Heller und Pfennig abgerechnet – dafür sorgt Elie, der bei solchen Dingen äußerst genau ist. Ich bin sehr stolz auf die beiden. Hier sieht man sie (links Elie in beige, rechts Anatol in grün).

So sieht es gewöhnlich aus, wenn die Butler vom Einkaufen kommen: die herangeschafften Vorräte werden begutachtet und danach in Windeseile verstaut.

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Natürlich dürfen Anatol und Elie sich bei Görcke, unserem geliebten Tante-Emma-Laden gleich um die Ecke, jedesmal eine Kleinigkeit aus dem Süßigkeitenregal kaufen. Meist suchen sie sich da die leckeren Weingummischlangen für 5 Pfennig – pardon : Cents heisst es ja jetzt – aus. Für jeden gibt es eine oder zwei Gummischlangen : das ist eine angemessene Belohnung für den Einkauf, finde ich. Bis sie zu Hause sind, haben sie die Gummischlangen meist auch schon aufgefuttert.

Heute vormittag sind die beiden mit ihrem Freund, dem Schäfchen Mirko, im Park und spielen, als ich sie bitte, den Einkauf zu übernehmen.

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Mirko will natürlich auch mit in die Stadt. Er ist allerdings nicht immer so vorsichtig und besonnen, aber da Anatol und Elie ja dabei sind, kommt Mirko sicher nicht in Gefahr bei der Einkaufstour. So denke ich jedenfalls.

Sehr lang ist der Einkaufszettel heute nicht, aber es steht eine ganz wichtige Sache drauf : die gute vegane Leberwurst von Klages, dem Feinkost-Bioladen in der Theaterstraße.

Bis zu Klages ist es ein ordentlicher Fußweg. Meist gehen die beiden nebenan bei Görcke einkaufen oder auch mal bis zum Markt, der nicht weit weg ist. Die vegane Leberwurst gibt es aber nur bei Klages. Anatol und Elie zockeln also gleich los – Schäfchen Mirko im Schlepptau.

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Ich bin froh, dass sie mir den Einkauf abnehmen, denn ich habe noch viel zu tun und will eine dicke Akte, die ich von der Arbeit mit nach Hause genommen habe, endlich erledigen. Dabei freue ich mich schon auf das Mittagessen mit frischem Gersterbrot, veganer Leberwurst und Salat, das die beiden nachher servieren werden.

Ein paar Stunden verstreichen: bei der Arbeit merkt man gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Plötzlich ist es schon 1 Uhr mittags ! Anatol und Elie hätten längst wieder da sein müssen – ich gerate in Sorge.

Schnell werfe ich meinen Mantel über und setze mich aufs Fahrrad. Der Weg in die Stadt führt durch den Park – aber dort sehe ich weder Elie noch Anatol, noch Mirko. Ich bekomme Angst. Was, wenn jemand meine beiden Butler und Schäfchen Mirko entführt hat? Was sage ich Mirkos Familie?

Auf der anderen Seite des Parks komme ich am Rohnschen Badehaus vorbei zur Stadthalle, wo der Springbrunnen schon fleissig Wasser speit. Ich werfe einen Blick in das Becken – aber dort ist weder ein Dino noch ein Schäfchen zu sehen. Meine Befürchtung, dass hier ein Unfall hätte passiert sein können, bewahrheitet sich glücklicherweise nicht.

Ich fahre weiter. Auf dem um diese Zeit ausgestorbenen Schulhof der Albani-Schule sehe ich ebenfalls keinen Dinosaurier … also weiter hinein in die Stadt. Zunächst muss ich allerdings wieder etwas nach rechts hochfahren, um dort den Zebrastreifen zu überqueren. Und da … auf der anderen Straßenseite, auf dem Mäuerchen direkt vor dem Gesundheitsamt, sehe ich die Bande! Anatol und Mirko hocken vor einem heulenden Elie und reden auf ihn ein. Elie sitzt da wie angewurzelt und will sichtlich nicht weg. Ob er sich wehgetan hat ?

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Schnell fahre ich über den Zebrastreifen und ertappe mich dabei, wie meine erste Regung die ist, sowohl Anatol als auch Elie gewaltig auszuschimpfen, weil ich mir solche Sorgen gemacht habe. Ich unterdrücke das, denn ich bin für eine auch verbal gewaltfreie Haltung von Sauriern. Stattdessen frage ich Anatol nur mit sehr verärgerter Stimme, was das denn solle – ob er denn wisse, dass es schon fast 2 Uhr mittags sei, und dass ich mir Sorgen gemacht habe, was ihnen und Mirko hätte passiert sein könnte !

Anatol ist der Älteste der drei und deshalb natürlich für alles verantwortlich. Aber nicht er, sondern Mirko antwortet mir : « Das tut uns wirklich sehr leid. Aber wir mussten doch bei Elie bleiben. Er will einfach nicht mehr hier weg ! »

Anatol nickt zustimmend. In der Tat sitzt Elie tränenüberströmt auf dem Mäuerchen und macht keinerlei Anstalten, aufzustehen. Er hält das Gesichtchen mit seinen Händen bedeckt, zwischen den Dino-Fingerchen laufen die Tränen hindurch. Elie ist nicht ansprechbar.

Da Mirko sichtlich der Einzige ist, der noch einigermaßen sinnvoll antworten kann (Anatol scheint auch recht mitgenommen zu sein!), wende ich mich direkt an ihn und frage, was denn mit Elie passiert sei.

Mirko äußert unumwunden, dass mit Elie gar nichts passiert sei. Schuld sei nur die falsche vegane Leberwurst. Ich gucke erstaunt – denn wie soll eine vegane Leberwurst erstens falsch und zweitens schuld am Nervenzusammenbruch eines kleinen Dinos sein ?

Mirko kann auch das erklären. Auf dem Hinweg zum Feinkostladen in der Theaterstraße sei Elie noch bester Laune gewesen. An der Wursttheke habe sich Anatol um alles gekümmert, die vegane Wurst ausgesucht, sie einpacken lassen und bezahlt. Sie hätten sich dann gleich wieder auf den Rückweg gemacht, die Theaterstraße hoch, am Theater, am Max-Planck-Gymnasium und am Museum für Völkerkunde vorbei. Anatol und er seien sogar schon an der Stadthalle gewesen, da hätten sie gemerkt, dass Elie fehlte !

Schnell seien sie zurückgelaufen – und hätten Elie auf dem Mäuerchen vor dem Gesundheitsamt sitzend – mit verdicktem Kopf (ein untrügliches Zeichen für sehr schlechte Laune bei Elie) – gefunden. Erst sei Elie nur « beleidigt » gewesen, dann habe er angefangen, bitterlich zu weinen.

Den Grund habe er ihnen sogar noch gesagt : Anatol habe die falsche Leberwurst gekauft, nämlich die feine. Elie möge nur die grobe. Eine echte Katastrophe.

Mirko habe dann vorgeschlagen, schnell zu Klages zurückzugehen und dort einfach noch etwas von der groben veganen Wurst zu holen. Elie habe sofort aufgehört zu weinen ! Jedoch habe ein ein kurzer Blick in das von Anatol verwaltete Portemonnaie gezeigt, dass das noch vorhandene Geld nicht einmal mehr für die kleinste Leberwurst ausreichte.

Daraufhin habe Elie wieder angefangen zu weinen – und seitdem nicht aufgehört.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich nun lachen oder auch weinen soll. Als erste packe ich die ganze Bande zu mir auf Fahrrad und sage Elie, zuhause sei noch ein Rest grobe Leberwurst im Kühlschrank. Den dürfe er ganz allein haben. Schlagartig wird das Weinen eingestellt.

Mirko – der mich hier wirklich sehr positiv überrascht – erklärt Elie, das ganze Drama sei doch leicht zu vermeiden gewesen, wenn er gleich im Laden gesagt hätte « Ich mag aber die feine vegane Leberwurst nicht – kauf‘ doch bitte die grobe! ». Elie nickt. Aber er habe es irgendwie nicht geschafft, das zu sagen. Erst auf dem Nachhauseweg sei ihm klar geworden, wie schlimm es für ihn sei – dass es jetzt eine ganze Woche lang nur die feine Wust geben würde, bevor neue gekauft werden könne. Und dann habe er eben angefangen zu weinen.

Damit es nicht wieder losgeht mit dem Weinen, stelle ich klar : von jetzt an wird immer sofort gesagt, wenn etwas nicht so abläuft, wie man es gerne hätte. Denn zu Anfang ist ja oft noch etwas zu ändern. Anatol, Elie und Mirko finden das eine gute Idee.

Zuhause muss ich Mirkos Verspätung bei seiner Familie entschuldigen – aber zum Glück sind wir ja wohlbehalten zurück, und so bekommen wir keine Schimpfe.

Zum Mittagessen gibt es heute Gemüsesuppe – die vegane Leberwurst wandert erst einmal in den Kühlschrank.

Anatol gibt eben zu, dass er geheult hätte, wenn die grobe Leberwurst gekauft worden wäre.

Göttingen, im Sommer 1979

16. Kapitel – Antonia

Tagebucheintrag vom 25. Oktober 2013

Es sind ein paar Tage vergangen seit meinem letzten Eintrag. Elie geht es besser; er konnte sogar gestern einen ganz kleinen Spaziergang mit Anatol machen (ich war aus Sicherheitsgründen auch dabei). Leider hat er sein Gedächtnis bisher nicht wiedererlangt. Er weiss weiterhin weder, woher er kommt, noch von wem er angegriffen wurde. Es versteht sich von selbst, dass wir bei jedem Ausgang sehr vorsichtig sind und dass Elie vorerst auf keinen Fall auf die Straße, geschweige denn in den Park darf.

Unser „Stubenarrest“ wird eben sehr angenehm unterbrochen: Der Briefträger bringt nämlich ein großes Paket von Emil, Rasmus und Bea:

PäckchenBEA

Anatol und Elie freuen sich wie die Schneekönige! Das Päckchen soll gleich ausgepackt werden … da bemerkt Elie, dass es sich bewegt! Ängstlich springt er einen Schritt zurück. Er hat sich richtig erschrocken!

Anatol klettert eilig von dem Päckchen herunter und hält sein Ohr an den Karton. Plötzlich ruft er: „Ich höre jemanden sprechen! In dem Paket! Da ist jemand drin!!“

So schnell ich kann, hole ich eine Schere und schneide das Päckchen auf – und was sehen wir da … ? Ein ganz grünes Dinosauriermädchen, das sichtlich froh ist, endlich aus dem Karton befreit zu werden:

Antonia Paket

Anatol und Elie müssen sich erst einmal von ihrem Schrecken erholen. Beide gucken mit großen Augen auf das mutige Sauriermädchen, das da in dem Päckchen gereist ist! Ich habe das Gefühl, dass keiner der beiden sich das getraut hätte …

Die junge Dame stellt sich vor: „Ich heisse Antonia. Vor ein paar Wochen bin ich von Rasmus, Emil und Bea aufgenommen worden… Und da habe ich erfahren, dass hier viele Dinos leben! Dann hab ich Bea gebeten, mich hier her zu schicken – Dinosaurier leben nun mal lieber mit ihren Artgenossen zusammen. Ich hoffe, Ihr seid nicht böse, dass ich einfach so gekommen bin …“

Elie bleibt die Sprache weg. Anatol will gerade zu einer längeren Rede ansetzen und erklären, dass zwei Dinosaurier in einer Wohnung im Grunde schon eine „volle Besetzung“ darstellen – sprich, dass für eine Dinosaurierdame eigentlich kein Platz mehr da sei – da sieht er, dass Antonia feuchte Augen bekommt. Anatol hat das Gefühl, dass sie kurz davor ist, in Tränen auszubrechen. Sie sieht müde und mitgenommen aus. Schließlich war sie 2 Wochen in dem Paket … Schnell sagt Anatol: „Herzlich willkommen, Antonia! Es ist toll, dass Du da bist! Ich freu mich sehr, und Elie ganz bestimmt auch – er ist nur etwas schüchtern, deshalb sagt er grad nichts. Hattest Du denn eine gute Reise? Du musst Hunger haben – wie wäre es, wenn wir Dir erst mal etwas zu Essen machen? Magst Du etwas essen?“

Antonia nickt. Sie braucht dringend eine Stärkung!

Während Anatol und Elie sich um ihre neue Freundin kümmern, packe ich den Karton weiter aus. Bea hat Antonia Geschenke für die Katzen und auch für mich mitgegeben! Ich bin so gerührt. Im Päckchen finde ich Katzenspielzeug, Kaustangen und Glückspfennige für die Katzen:

Glückspfennige

… und für mich: MARZIPAN! Marzipan liebe ich über alles:

Antonia Geschenke

Einen ganz lieben Brief von Bea hat Antonia auch mitgebracht.

Aus der Küche höre ich Lachen und Schwatzen. Ich freue mich für die drei Dinos. Dem Brief aber entnehme ich, dass Antonias Geschichte eine traurige ist. Um so glücklicher bin ich, dass Antonia von Anatol und Elie mit viel Zuneigung und Freundschaft aufgenommen wird.

Bettchen

15. Kapitel – Am Eaton Place

Tagebucheintrag vom 21. Oktober 2013

Elie ist immer noch sehr angeschlagen. Er hat die Reise zwar verkraftet, aber er kann noch nicht wieder aufstehen. Er muss im Nestchen bleiben und sich ausruhen.

Anatol umsorgt ihn unermüdlich. Fast ist es schon zu viel für den armen Elie.

Ich beende also das geschäftige Umhereilen meines Butlers, verordne eine Ruhezeit und setze die beiden kleinen Saurier vor den Fernseher, wo sie „Das Haus am Eaton Place“ gucken dürfen.

So große Augen habe ich lange nicht gesehen.

14. Kapitel – Elie kommt zurück

Tagebucheintrag vom 19. Oktober 2013

Elie hat sich so weit erholt, dass er morgen mit dem Drachenflieger zurück zu uns reisen darf. Als Anatol das hört, überschlägt er sich vor Freude regelrecht! Nun ist er sehr aufgeregt und will sofort alles für Elies Rückkehr vorbereiten.

Als erstes müssen wir auf den Markt: schließlich soll es morgen ein Festessen für den kleinen Dino-Kumpel geben! Anatol überwacht den Einkauf mit Argusaugen:

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Am Abend will Anatol ein ganz besonders leckeres Apfelkompott für Elie vorbereiten. Hier hat er alles zusammengestellt, um gleich mit dem Kochen loszulegen:

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Gerade hat er angefangen, die Äpfelchen zu schälen, kleinzuschneiden und in den Schmortopf zu geben. Dazu kommt etwas Weisswein, Zucker und Zimt. Und dann muss es eine Weile schmoren.

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Das ist der Moment, in dem Anatol etwas langweilig wird …  Zudem hat er auch solchen Durst – und dann ist da ja der gute Weisswein… Und so …

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… nimmt das Unglück seinen Lauf – bzw. der Wein nimmt seinen Lauf: direkt in Anatols Mäulchen hinein.

Ich höre aus der Küche ein lautes RRRRRUMMMMS – sofort komme ich angerannt, und sehe dies:

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Einen nicht mehr zurechnungsfähigen Butler! Und das Apfelkompott ist ihm auch angeschmort:

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Anatol ist für heute außer Gefecht. Ich kann ihn nur noch in sein Nestchen legen, ansprechbar ist er nicht mehr. Kein Wunder – Dinosaurier vertragen keinen Alkohol!

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Ich werde wohl morgen ein ernstes Wort mit meinem Butler reden müssen.

Tagebucheintrag vom 20. Oktober 2013

Ich hätte Anatol heute früh sicher eine Standpauke gehalten, wegen des gestrigen Alkoholexzesses. Nur ging es Anatol so schlecht, dass ich es nicht über mich gebracht habe, ihn auch noch auszuschimpfen. Der arme Butler konnte nur noch wimmern „Ich tus nie wieder, nie wieder, nie wieder … mir geht es ja soooooo schlecht!“.

Nach einer Kopfschmerztablette und sehr viel Fencheltee geht es ihm zumindest so gut, dass er aufstehen und etwas Toastbrot mit Butter essen kann.

Ich lasse Anatol am Nachmittag ein Weilchen allein zu Haus (dass er weitere Dummheiten anstellt, ist in seinem Zustand ausgeschlossen) und gehe einmal selbst in den Park.

Nach meinem Sonntagsspaziergang ist es Zeit, langsam zum Dino-Flugplatz zu gehen. Ich hole Anatol von zu Hause ab, und stelle voller Freude fest, dass er wieder ganz der Alte ist. Später bemerke ich, dass er sich an meinem Alka-Seltzer-Vorrat zu schaffen gemacht und diesen erheblich dezimiert hat.

Nun ist es 17 Uhr. Um 17 Uhr 30 soll Elie landen… Anatol ist schon vorausgelaufen und steht am Rollfeld – dieses ist mittlerweile sogar asphaltiert worden: Offenbar hat der Drachenflugdienst expandiert.

Der Drachenflieger schießt aus den Wolken hervor und setzt zum Landeanflug an. Ich muss Anatol die Ohren zuhalten, der Motorenlärm ist ohrenbetäubend.

Schließlich steht das Flugzeug vor uns auf der Landebahn. Die Gangway klappt herunter, und viele kleine Dinos mit ihren Reiseköfferchen steigen aus. Wo ist Elie denn nur?

Da! Als letzter Passagier kommt er die Gangway herunter. Schüchtern blinzelt er zu uns herüber, als er unten auf dem Rollfeld steht. Anatol kann nun nichts mehr halten. Er reisst sich los, springt über die Absperrung und rennt so schnell er nur kann auf Elie zu:

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Weitere Worte erübrigen sich.

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13. Kapitel – Wird Elie gesund ?

Tagebucheintrag vom 17. Oktober 2013

Anatol streicht mir seit heute früh um die Beine – er hat sich das von den Katzen abgeguckt. Zum 100. Mal fragt er: „Wann rufen wir endlich in der Zwergenklinik an?!“

Ich antworte – ebenfalls mindestens zum 100. Mal: „Anatol, es ist noch viel zu früh. So früh kann man dort nicht anrufen. Du musst Dich noch ein bisschen gedulden.“

In Wirklichkeit ist es aber nicht so früh. Was ich Anatol nicht sagen möchte, ist, dass es mir bei dem Anruf nicht wohl ist. Was, wenn es Elie schlechter geht? Wenn es vielleicht keine Hoffnung mehr gibt? So schiebe ich das Telephonat seit heute morgen vor mir her.

Trotz allem muss ich nun anrufen. Anatol wird immer ungeduldiger, und ich kann den Anruf nicht weiter hinauszögern. Ich hebe ab und wähle die Nummer der Intensivstation der Tierklinik der Zwerge.

Der mittlere Zwerg hat heute Dienst. Er weiss sofort, um wen es geht. Anatol krallt sich regelrecht an mir fest, so aufgeregt ist er.

Der Zwerg hat aber recht gute Nachrichten! Elie hat sich ein wenig erholt, hat etwas gegessen und sogar nach Anatol gefragt. Ich hätte mir nicht mal träumen lassen, dass es dem kleinen Kerl so schnell besser geht!

Wir bekommen von der Klinik sogar ein Photo von Elie geschickt – darauf sieht man, wie gut es ihm schon wieder geht:

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Anatol kann sich gar nicht mehr einkriegen. Er sitzt vor dem Computer und guckt sich das Photo von Elie immer und immer wieder an.

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Mir fällt ein Stein vom Herzen!

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12. Kapitel – Anatol räumt auf

Tagebucheintrag vom 16. Oktober 2013

Anatol hat nicht nur die Katzen gefüttert und mir das Frühstück gemacht, er hat auch die ganze Wohnung aufgeräumt! Wie ein kleiner Putzteufel ist er nun dabei, zu wischen und zu wienern, was das Zeug hält. Ich habe das Gefühl, selten in einer so sauberen Wohnung gelebt zu haben …

Auf meine Frage, was das denn zu bedeuten habe, antwortet er nur kurz: „Das ist für Elie. Elie kommt bald wieder! Dann soll alles für ihn schön aufgeräumt sein.“ – und wendet sich sofort wieder seiner Putzaktion zu. Mehr ist nicht aus ihm herauszukriegen.

Ich setze mich in meinen Sessel und schlage ein Buch auf. Aber ich kann mich nicht in die Geschichte vertiefen. Irgendetwas stimmt nicht mit Anatol.

Gerade will ich ihn fragen, ob er nicht lieber in den Park gehen möchte, da sehe ich, dass Anatol weint. Es laufen dicke Tränen aus seinen Dinosaurieräuglein, aber man hört ihn nicht weinen. Die Tränen laufen einfach herunter, während er mit dem Putzlappen durch die Wohnung wischt.

„Anatol … was ist denn los …“ sage ich, nehme ihn hoch und setze ihn neben mich auf den Sessel. Er zappelt unwillig und möchte runter – aber dann bricht es aus ihm heraus. Er schluchzt nur noch – zwar will er etwas sagen, aber er kann nicht. Ich streichle ihm einfach das Köpfchen und sage nichts. Es braucht keine Worte, um zu verstehen, was in ihm vorgeht. Sein neuer Freund Elie liegt schwer verletzt auf der Intensivstation einer Tierklinik, und niemand weiss, ob Elie überleben wird. Ich kann nur versuchen, Anatol zu trösten, indem ich ihn in den Arm nehme und ihm sage „Anatol, ich bin sicher, es wird alles für Elie getan. Er ist in guten Händen, und sie tun dort alles Menschenmögliche, um ihn zu retten.“

Nach einer Weile geht es etwas besser. Anatol möchte weiterputzen. Ich sage ihm, es sei nun gut. Es sei alles vorbereitet und sauber für Elie.

Aber Anatol möchte noch das Nestchen ganz schön machen. Hier zieht er es glatt.

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Ich wage es nicht mir vorzustellen, was werden soll, wenn Elie nicht wiederkommt.

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11. Kapitel – Der perfekte Butler

Es ist 11 Uhr nachts. Draußen ist es schon lange dunkel. Seit er heute Nachmittag mit Elie abgeflogen ist, hat sich Anatol nicht mehr gemeldet. Langsam fange ich an, mir Sorgen zu machen – um beide Dinos. Was kann nur passiert sein?

Ich lege mich zu den Katzen aufs Bett. Meine Kleider lasse ich an – um schnell aufstehen zu können. Obwohl ich mich dagegen wehre, falle ich bald in einen unruhigen Halbschlaf.

Ein Kratzen an der Tür lässt mich aufschrecken! Jemand dreht den Schlüssel im Schloss, öffnet die Tür, die ein leises Knarren von sich gibt –  und betritt die Wohnung. Es ist Anatol!

Er sieht müde und eingefallen aus. Offenbar ist dieser Tag auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen. Sofort nehme ich ihn hoch und setze ihn in sein Nestchen, wo er unter seine Decke kriecht, und murmelt „Elie ist in Sicherheit. Der Drachenflieger konnte erst nicht wieder starten, weil es so geregnet hat. Deshalb komme ich auch so spät…“ Er will noch etwas sagen, aber da schläft er schon. Ich lege mich nun auch hin, und bin innerhalb weniger Sekunden ebenfalls im Tiefschlaf.

16. Oktober 2013, 9 Uhr

Als ich aufwache, ist es heller Tag. Ich schrecke hoch, denn ich darf nicht verschlafen! Die Katzen erwarten ihr Essen, die Katzenklos müssen gesäubert werden … die guten Tiere reagieren sonst sehr ungehalten. Mit einem Satz springe ich aus dem Bett, vergesse meinen immer noch etwas steifen Rücken – und stelle fest, dass das Katzenfutter bereits serviert wurde, die Klos gemacht sind und die Raubtiere satt und zufrieden in ihren Körben liegen.

Anatol muss schon ganz früh aufgestanden sein – er hat sich um alles gekümmert! Und nicht nur das: er hat auch das Frühstück vorbereitet.

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Anatol ist einfach ein perfekter Butler! Um nichts in der Welt würde ich ihn wieder hergeben.

Ich setze mich an mein Frühstück, gieße mir einen herrlich duftenden Jasmintee ein, und lasse Anatol erzählen, wie die Reise mit Elie gestern verlaufen ist.

Nachdem der Drachenflieger abgehoben sei, habe Anatol versucht, Elie mit Konversation wachzuhalten. Er habe nämlich große Angst davor gehabt, dass Elie wieder bewusstlos wird. Elie habe zu Anfang tatsächlich noch etwas sprechen können. Er wisse nicht, wie er überhaupt hierher gekommen sei … wo er herkäme, was er vorher getan hätte…

Anatol hat ihn nach dem Park befragt – ob er sich an die schöne Dino-Wiese erinnern könne … den Angriff auf Elie hat er lieber nicht erwähnt. Elie konnte sich auch an den Park nicht erinnern. Das einzige, was er noch glaubt zu wissen ist, dass sein Name Ismael sei. Aber auch da ist er nicht vollkommen sicher. Anatol hat kurzerhand die Abkürzung „Elie“ daraus gemacht.

Schon nach kurzer Zeit sei Elie nicht mehr ansprechbar gewesen. Er sei einfach „weggesackt“! Anatol habe es mit der Angst zu tun bekommen – und um Hilfe gerufen. Ob denn ein Arzt an Bord sei? Leider war das nicht der Fall – aber der freundliche Dino-Steward war in erster Hilfe ausgebildet. Er schaffte es, Elie wieder soweit zu Bewusstsein zu bekommen, dass er ruhig atmete und in ein Liegeabteil gebracht werden konnte, wo er dann unter Bewachung durch Anatol für den Rest des Fluges schlief.

Die Landung verlief problemlos, und die beiden Dinos wurden vom Bordpersonal in die Tierklinik der Zwerge gebracht. Elie kam sofort auf die Intensivstation. Anatol habe eine warme Mahlzeit bekommen, und habe sich etwas ausruhen können, bevor er den Drachenflieger zurück nach Hause nehmen wollte. Der Abflug war für 21 Uhr geplant – aber um 20 Uhr 30 zog eine Unwetterfront auf, die um kurz vor 21 Uhr in ein Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen mündete. So konnte der Drachenflieger nicht wieder starten. Irgendwann kurz vor Mitternacht habe sich die Gewitterfront endlich beruhigt, und der Drachenflieger konnte abheben.

So sei Anatol dann um 1 Uhr 30 hier auf der Rollfeld-Wiese angekommen … und sei den Weg nach Hause zu Fuß zurückgekrabbelt. Es sind nur 2 1/2 Kilometer, aber für einen kleinen Stegosaurus ist das ein ziemlicher Gewaltmarsch. Schließlich sei er gegen 2 Uhr früh mit letzter Kraft die Treppe heraufgekrochen… Aber nach ein paar Stunden erholsamen Schlafs sei er nun wieder voll da und zu Diensten!

Anatol ist unglaublich.

Hier gehts zu Kapitel 12

10. Kapitel – Flug in die Freiheit

Es gibt nur eine Möglichkeit: Der kleine Diplodocus muss hier weg, so schnell es nur geht.  Nur wohin? Hier und im Park ist er in großer Gefahr. Wir brauchen dringend eine sichere Unterkunft, denn der Amtstierarzt kommt spätestens morgen früh, um den „Leguan“ abzuholen.

15. Oktober 2013, 14 Uhr 20

Anatol sagt gerade, er sei schon einmal mit Dino-Voyages geflogen – um eine im Göttinger Hainberg sehr malerisch gelegene Tierklinik für unterschiedlichste Tierarten zu besuchen. Dorthin will Anatol den Diplodocus bringen – zumindest provisorisch.

Ob die Tierklinik den Saurier wohl aufnehmen kann? Anatol ruft an. Er muss nicht lange verhandeln: der Diplodocus darf kommen!

Indessen spitzt sich die Lage zu: Mein Telephon klingelt – es ist der Amtstierarzt. Er will den „Leguan“, egal in welchem Zustand, noch heute beschlagnahmen! Er habe den Transfer für 17 Uhr vorgesehen, ich solle dann zu Hause sein und den Leguan der Transportcrew aushändigen. So seltene Arten dürften auf keinen Fall bei Privatpersonen untergebracht bleiben, zumal die Gefahr bestehe, dass die Schmuggler, die den Leguan hier eingeführt hätten, ihn bei mir fänden und entführten.

Die letzte Bemerkung des Tierarztes lässt mich auf eine Idee kommen. Schlagartig weiss ich, wie wir den Diplodocus retten!

Wir müssen nun sehr schnell handeln.

Anatol ordert Tickets für die Dino-Flights. Er sagt, es gebe einen Flug um 16 Uhr – den will er mit dem kranken Kumpel nehmen. Nur ist der Diplodocus immer noch nicht wach! Und ich kann mich kaum bewegen mit meinem kaputten Rücken…

Anatol ist verzweifelt! Er tätschelt dem Diplodocus die Wangen und spricht leise auf ihn ein, um ihn aufzuwecken. Es gelingt! Der kleine Dino kommt kurz zu Bewusstsein. Anatol sagt nur: „Wir bringen Dich in Sicherheit. Ich bleibe bei Dir, Du musst keine Angst haben. Kannst Du aufstehen?“

Der Diplodocus versucht, zu nicken, schafft es aber nicht … ein tapferer kleiner Kerl! Er kann natürlich nicht aufstehen … aber ich hebe ihn aus dem Bettchen, wickle ihn in eine warme Decke ein und setze ihn in meine Tasche. Anatol hüpft sofort dazu. „Ich bin Anatol. Wie heisst Du?“ Der kleine Dino flüstert „Ich kann mich an nichts erinnern … ich glaube, ich heisse Ismael …“ Anatol beruhigt den Kleinen: „Du kannst später versuchen, Dich zu erinnern. Ich nenne Dich jetzt Elie, denn es ist besser, Deinen echten Namen geheimzuhalten!“

Elie Anatol Tasche

Schon sind wir auf dem Weg zum Drachenflugdienst – den Dino-Flights. Die beiden Saurier haben sich nun ganz tief in meiner Tasche verkrochen, damit man sie auf keinen Fall bemerkt.

Der Drachenflieger geht um 16 Uhr, aber wir sind etwas früher da. Ich muss ja auch bald wieder zurück zu Hause sein, wenn die Transportcrew des Amtstierarztes kommt… denn sonst mache ich mich verdächtig.

Zum Glück ist der Drachenflugplatz nicht weit entfernt. Ich kann also mit dem Fahrrad dort hinfahren. Wenn es nur nicht so regnen würde…!

Der Drachenflieger von Dino-Flights steht schon auf dem Rollfeld bereit. Unter „Rollfeld“ ist in diesem Fall eine Wiese zu verstehen, die sich in der Nähe des Autobahnzubringers befindet. So ist man dort zum Glück ganz ungestört: Spaziergänger verirren sich nur selten hierher. Der Drachenflieger geht sogar täglich mehrmals – in alle Welt!

Anatol holt am Schalter (der mitten auf der Wiese steht, als eine Art Kiosk getarnt) die beiden Flugtickets ab, während ich den kleinen Elie bis zum Drachenflieger trage. Ein freundlicher Dino-Steward nimmt ihn mir ab und bringt ihn an seinen Platz, wo er in sich zusammensinkt. Er ist sehr schwach, und ich frage mich, ob wir hier wirklich das Richtige tun.

Anato reisst mich aus diesen Gedanken heraus. „Wir sind startklar!“ ruft er. „Ich melde mich später. Wenn alles wie geplant läuft, bin ich heute abend gegen Mitternacht wieder da.“

Ich kann nur noch gegen den Motorenlärm anschreien „Guten Flug! Passt auf Euch auf!“ – und schon hebt der Drachenflieger, der von einer verwegenen Dino-Pilotin gesteuert wird, ab.

Kurze Zeit später ist er in den Wolken verschwunden.

15. Oktober 2013, 16 Uhr 05

Es wird nun höchste Zeit für mich, nach Hause zu fahren und dort alles für die Leute vorzubereiten, die ihren Leguan abholen wollen …

15. Oktober 2013, 16 Uhr 45

Es klingelt. Ich habe einen dicken Kloß im Hals, denn nun muss ich etwas tun, was ich nicht mag und was ich nur im absoluten Notfall mache: lügen.

Ein Herr im weissen Kittel steht vor der Tür, dahinter zwei Gorillas mit einem kleinen Käfig. Er wolle „den Fund-Leguan“ mitnehmen. Ich gucke verdutzt. „Aber es waren doch eben schon Leute da, die den Leguan geholt haben! Sie sagten, der Amtstierarzt schicke sie. Haben Sie denn zwei Transportteams beauftragt?“

Der Herr im weissen Kittel wird ungeduldig. „Wir sind die einzigen befugten Personen, denen der Leguan ausgehändigt werden darf. Bitte geben Sie ihn mir, sonst muss ich eine Hausdurchsuchung anordnen.“

„Ich habe den Leguan den Herren übergeben, die vor ca. 15 Minuten hier waren. Sie haben mir sogar einen Ausweis gezeigt, auf dem „Veterinäramt“ stand. Sie dürfen aber auch gern hereinkommen und sich selbst davon überzeugen, dass hier kein Leguan mehr ist. Ich bin ja froh, dass er weg ist. Vor diesen Tieren habe ich nämlich Angst!“

Der Herr will es wirklich ganz genau wissen. Er betritt die Wohnung und inspiziert sie minutiös. Ich zeige ihm das leere Bettchen des Leguans. Er will auch in alle Schränke und Schubladen sehen – nun gut. Ich sage ganz unschuldig „Sie sollten einfach das andere Transportteam anrufen. Die haben den Leguan doch jetzt. Wieso fragen Sie denn dort nicht nach?“

Der Herr im weissen Arztkittel reagiert nun zusehends gereizter: „Ja verstehen Sie denn nicht, was passiert ist? Sie haben den Leguan an die Schmuggler oder an was weiss ich für Leute herausgegeben! „

Ich gucke sehr betreten. „Das tut mir leid! Aber das konnte ich doch nicht wissen. Diese Leute sagten mir, sie seien Amtspersonen!“

Verärgert verlässt der Herr mitsamt den beiden Gorillas und dem Käfig meine Wohnung. Ganz besonders scheint er zu bedauern, dass er den seltenen Leguan nicht werde sezieren können! Ich bin schockiert. „Aber der Leguan überlebt seine Verletzungen doch sicher!“ „Ja, vielleicht. Das ist aber unwahrscheinlich! Und wenn er überlebt hätte, hätten wir ihn in eine Kolonie zu anderen Leguanen gebracht, damit sie ausgewildert werden. Das wäre für ihn sicher das Beste gewesen!“

Mit letzterem hat der Herr vielleicht sogar recht – wenn es sich denn bei dem Tier wirklich um einen Leguan gehandelt hätte! Die Vorstellung hingegen, dass der kleine Elie – ein hochintelligenter, sprechender Diplodocus! – sich in einer Gruppe von auszuwildernden, möglicherweise aggressiven Leguanen wiedergefunden hätte, ist geradezu beängstigend!

Noch erschreckender ist allerdings der Gedanke, dass Elie auch auf einem Seziertisch der Pathologie des Herrn im weissen Kittel hätte enden können.

Ich bin daher froh, zur Notlüge gegriffen zu haben.

15. Oktober 2013, 18 Uhr 30

Der Herr im weissen Kittel und seine Gorillas sind weg. Ich habe etwas aufgeräumt und merke erst jetzt, dass über die ganze Aufregung und Sorge mein Rücken ganz schmerzfrei ist. Der Tag hat zumindest eine positive Wendung genommen.

Leider erreiche ich Anatol nicht und er ruft auch nicht an. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als zu warten.

hier kommt die Fortsetzung: Kapitel 11

9. Kapitel – Elie

Elie rutscht ungeduldig auf seinem Kissen herum. Ich habe schon seit ein paar Minuten gemerkt, dass er immer unruhiger wird. Jetzt platzt es aus ihm heraus: „Und ich?? Wann komm eigentlich ICH ?! Immer geht es nur um Anatol in Deinen Geschichten!“

Anatol bemerkt etwas spitz, dass es ja Elie selbst gewesen sei, der unbedingt seine Geschichte habe hören wollen … und schon setzt Elie zu einer längeren Tirade an, die ich jedoch unterbreche: nichts ist schlimmer als zwei zankende kleine Saurier. Ich beeile mich, klarzustellen, dass Elie auf keinen Fall eine unwichtige Rolle in meinen Erzählungen spielt. Nur … Anatol ist schon viel länger da als Elie. Und ich muss natürlich der Vollständigkeit halber alles erzählen, was Anatol hier erlebt hat, bevor Elie zu uns kam – am 15. Oktober 2013.

An diesem Tag war mir ein Missgeschick widerfahren – ich hatte mir einen schlimmen Hexenschuss geholt und konnte mich kaum bewegen. Anatol hatte mich mit Medikamenten und einer Wärmflasche versorgt, und war dann losgezockelt, da es ihm endlich etwas besser ging, und er dringend frische Luft im Park schnuppern wollte.

15. Oktober 2013, 11 Uhr 35

Ich habe mich gerade langgelegt und versuche nun, meinen Rücken zu entspannen, da höre ich im Treppenhaus laut um Hilfe rufen! Anatol ist erst eine Viertelstunde weg – und kommt nun in höchster Aufregung die Treppe hochgesprungen so schnell er nur kann! Mein erster Gedanke: „Oh weh, die Brontos müssen heute schlecht draufgewesen sein …“…

Aber da ist Anatol schon in der Wohnung – vollkommen aus dem Häuschen, schnappt nach Luft und schreit mehr als er spricht: ich müsse SOFORT mit ihm zurück in den Park! Da liege ein schwerverletzter Dino im Gebüsch – er habe ihn ansprechen können, also er sei erst noch bei Bewusstsein gewesen, dann aber ohnmächtig geworden!

Er konnte ihn alleine nicht wegtragen – und die Kumpels waren alle schon zum Mittagessen nach Hause gegangen!

Da ist Anatol: im Treppenhaus – und fiept, wir müssen sofort los!!!

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Ich hab diesen Hexenschuss und gerade hat es angefangen, dicke Bindfäden zu regnen … Aber ein schwerverletzter Dino draussen – also los!

Schnell sind wir im Park.  Anatol sucht alles ab, er kann sich nicht mehr so genau an die Stelle erinnern, da er sich so erschrocken habe! Es sei etwas tiefer im Unterholz, unter den Büschen gewesen – er sei nur darauf aufmerksam geworden, weil er ein Stöhnen gehört habe!

Da! Wir haben ihn gefunden:
 
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Anatol traut sich nicht an den armen Dino ran – er glaubt, er lebt vielleicht nicht mehr … Anatol hält sich vor Angst die Augen zu und weint!

Ich hebe den Dino natürlich sofort hoch. Er atmet! Aber er blutet und ist nicht bei Bewusstsein. Soweit ich es erkennen kann, ist es ein Diplodocus. Anatol hat ihn hier noch nie gesehen…

Wir bringen ihn schnellstens nach Hause und versuchen, ihn zu verbinden. Aber der arme Dinosaurier verliert sehr viel Blut, ich kann es nicht stoppen. Er muss unbedingt zum Arzt bzw. ein Arzt muss hier herkommen.

Ich entscheide mich, den französischen Tierarzt anzurufen und ihm zu sagen, es handele sich um einen verletzten Leguan. Dann hält er mich vielleicht nicht für verrückt.

15. Oktober 2013, 12 Uhr 30

Der Notarzt ist unterwegs. Ich habe gesagt, der Patient sei eine Art Fund-Leguan … vielleicht merkt er dann nichts.

Der Dino atmet noch. Er stöhnt auch, aber ist nicht ansprechbar. Er hat sehr viel Blut verloren.

Ich fürchte, Anatol kann sich schon mal für eine Bluttransfusion zur Verfügung stellen. Der springt hier grad im Deieck – zwischen der Panik wegen des Dinos und der wegen einer Blutabnahme … davor hat er nämlich große Angst.

15. Oktober 2013, 12 Uhr 40

Der Notarzt ist da:

Notarzt

Er meint, so einen „komischen“ Leguan habe er noch nie gesehen. Es müsse sich um eine ganz illegale Kreuzung von seltenen Arten handeln; wenn der Leguan überleben sollte, müsse er ihn sofort beschlagnahmen. Er nehme ihn jetzt nur nicht mit, weil das Tier transportunfähig sei. Mir wird angst und bange um den Diplodocus!

Die Überlebenschancen stünden nicht gut, meint der Arzt, aber es sei nicht ganz ausgeschlossen, dass er es schaffe.

Anatol hat sich sofort versteckt, als er den Arzt gehört hat. Mir ist es auch ganz lieb, dass der Arzt Anatol nicht gesehen hat, denn auf eine weitere „Beschlagnahme einer seltenen Leguan-Art“ kann ich gerne verzichten.

Der Diplodocus (pardon – der Leguan!) ist nun verbunden, der Notarzt ist weg – er wurde zu einem anderen Notfall gerufen. Nur gut, dass er fort ist!

Die Wunde blutet immer noch ein wenig, der Verband ist schon durch… Aber es ist besser geworden.

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15. Oktober 2013, 14 Uhr 10

Wir haben den kleinen Diplodocus nun in Anatols Nestchen gelegt.  Er schläft, ist also nicht mehr bewusstlos. Der Arzt hat ihm mehrere Aufbauspritzen gegeben, die für Leguane geeignet sind… Leguane sind ja Echsen – ferne Verwandte der Dinosaurier … daher hoffe ich, dass diese Medikamente auch für Dinosaurier geeignet sind.

Sobald der Dino wieder krabbeln kann, muss er hier weg und in Sicherheit gebracht werden – er kann auf keinen Fall bleiben. Der Notarzt hat den Amtstierarzt bereits angerufen und ihm gesagt, er solle hier einen Fundleguan abholen.

Anatol passt jetzt auf den kleinen Diplodocus auf, der in seinem Körbchen liegt.

Und ich brauche dringend einen Flucht- und Rettungsplan!

hier kommt die Fortsetzung: Kapitel 10