163. Kapitel – Regentropfen-sonntagsblues

Es ist stockfinstere Nacht, als ein ungewohntes Geräusch mich aus dem Tiefschlaf hochschrecken lässt. Verwirrt sehe ich mich um und versuche einzuordnen, was ich da höre … wie im Dschungel gurrt, piepst und flötet es. Draußen rauscht dichter Regen in die Straßenschluchten.

Wie spät ist es? Schlaftrunken taste ich nach meinem Handy.

Dieses erklärt, heute sei Sonntag, der 18. September, und um nunmehr 5 Uhr 10 sei es Zeit zum Aufstehen. Die Funktion „Schlafenszeit“ habe mich daher wie gewünscht mit angenehmen Vogelzwitschern geweckt.

Stöhnend falle ich zurück auf mein Kopfkissen, während Kater Tonio mich ob der Störung missmutig anblickt. Richtig – die neue Weckfunktion. Hatte ich diese nicht erst für Montag programmiert? Argwöhnisch schiele ich nach dem Butler. Der liegt aber offensichtlich nicht mehr in seinem Nestchen – nun fällt mir auch auf, dass aus Küche und Bad Licht und leise Geräusche dringen. Vielleicht kann ich mich noch ein paar Minuten schlafend stellen?

Ein Klappen und Klicken ertönt, gefolgt von einem lauten Rauschen. Der Butler hat die Waschmaschine angestellt. Was gibt es am Sonntag um Viertel nach 5 zu waschen? Ich stöhne. An Schlaf ist nun nicht mehr zu denken.

Eiligen Schritts betritt der Butler mein Schlafzimmer und klatscht in die Hände. „Aufgewacht!“ ruft das Untier – schon hat es die Bettdecke ergriffen und mir entrissen. „Die kommt gleich als nächstes in die Wäsche!“ kündigt es drohend an. „Raus aus dem Bett!“

Schlotternd vor Kälte – es hat sich offenbar in der Nacht empfindlich abgekühlt – und unter leisem Protest schlurfe ich ins Bad. Dort brennt freundlich die Badezimmerlampe – hier muss ich mich nicht vor Dschungeltieren und einem waschwütigen Saurier fürchten, hoffe ich.

Verstimmt rufe ich dem Butler zu, es müsse doch möglich sein, die große Wäsche innerhalb der Woche zu erledigen – und nicht sonntags um kurz nach 5! Giftig antwortet das Tier, nun offensichtlich in der Küche am Werkeln, in der Woche habe es andere Dinge zu tun – Einkäufe, Gänge zur Post und andere Erledigungen. Diese könne es am Sonntag nicht bewältigen!

Ich enthalte mich einer Antwort. Immerhin stelle ich mit Wohlgefallen fest, dass Anatol sowohl die Katzenklos gesäubert als auch den Katzen bereits zu fressen gegeben hat. Ich gähne, drehe das warme Wasser an und will gerade in die Dusche, da stellt Anatol mir das Radio ins Bad. „Da, damit Du Dich mal informierst, was in der Welt so vorgeht!“ keift er noch, bevor er weiteren Beschäftigungen in der Küche nachgeht.

Gehorsam schalte ich den Deutschlandfunk ein. Geistliche Musik erklingt – aber ich möchte nun lieber Nachrichten oder eine aktuelle Reportage hören. Ich stelle also unsere französische Radiostation France Inter ein, die über die heutige Wahl in Berlin berichtet. Um mich nicht wegen der im Ausland manchmal etwas verzerrt dargestellten deutschen Verhältnisse bereits so früh am Morgen zu ärgern, stelle ich mich schnell unter die warme Dusche, wo sich die Berichterstattung in einen angenehmen Klangteppich verwandelt.

Nach einer mir recht kurz erscheinenden Zeit rieselt erst lauwarmes, dann kühleres und schließlich kaltes Wasser aus der Dusche. Ich stelle das Wasser ab, dann erneut an – es bleibt kalt. Fluchend verlasse ich die Dusche.

„Anatol! Hast Du den Boiler leergeduscht?“ schreie ich, voll verzweifelter Wut. Schließlich habe ich noch Seife im Haar.

Das Untier antwortet umgehend: „Du hattest doch selbst den Boiler umgeschaltet, damit nur noch weniger Wasser erhitzt wird – und die Temperatur hast Du auch runtergedreht.“

Nun fällt es mir wieder ein. Wir hatten kürzlich eine Stromsparfunktion bei dem Boiler eingerichtet – dennoch muss das Saurierbiest heute früh eine geschlagene Stunde unter der Dusche gestanden haben, um das gesamte warme Wasser aufzubrauchen. Ich fluche. So hatte ich mir das Stromsparen nicht vorgestellt!

Ich versuche gerade, meinen Kopf unter dem Wasserhahn am Waschbecken von den Seifenresten zu befreien, als der französische Kommentator ein vermutlich gutes Abschneiden der rechtsextremen Parteien bei der Wahl in Berlin in Aussicht stellt. Meine Laune bewegt sich nun auf ihren Nullpunkt zu – dafür kann der Kommentator nichts. Wütend und mit Seifelauge in den Augen, die höllisch brennt, brülle ich Anatol zu, er solle für heute Abend den Fernseher aus dem Schrank holen und im Wohnzimmer aufbauen. Durch die katzenbedingte Gefährdung des Fernsehgeräts steht letzteres ganzjährig im Schrank und wird nur zu den wichtigsten Gelegenheiten herausgeholt und angeschlossen.

Als ich endlich meinen – nun entseiften – Kopf unter dem Wasserhahn hervorziehen und in ein Handtuch einhüllen kann, sind die französischen Radiomoderatoren beim Zustand der EU angelangt. Ich bin versucht, das Radio auszuschalten – lassen mich doch Berichte über die angeblich in Auflösung begriffene europäische Union regelmäßig in Panik verfallen – da wird ein Beitrag über den Euro angekündigt. Vertrauensselig beginne ich, mich einzucremen und meine Kleider für den heutigen Tag im Geiste zusammenzustellen – nun weiss das Radio zu berichten, dass Wirtschaftspapst Joseph Stiglitz der EU empfiehlt, den Euro am besten ganz abzuschaffen, da er Europa zerstöre.

Ich schlucke… ohne Euro sind Anatol und ich aufgeschmissen! Ich kann mich noch gut an die Zeit vor dem Euro erinnern – jede Woche musste ich Geld umtauschen, um meine Sachen in Deutschland zu kaufen. Es war teuer, zeitaufwendig und erschien im Zeitalter Europas völlig sinnlos. Ich jedenfalls will zu diesen Zuständen nie wieder zurück … Joseph Stiglitz vermutlich auch nicht, aber ihm kann es egal sein: er lebt in Amerika.

Aber nun setzt der Wirtschaftsexperte noch einen drauf: vielleicht könne man Europa noch retten, wenn dafür Deutschland aus der EU austrete.

Meine Geduld an diesem Sonntagmorgen ist zu Ende. Mit einem Wutschrei schalte ich das Radio aus und trampele auf meinem Handtuch herum. Ich will kein Europa ohne einheitliches Geld, und ich will auch kein Europa ohne Deutschland! Ein Deutschland ohne Europa will ich noch weniger.

In Rage knalle ich meine Cemetube zurück auf das Bord.

Dass Stiglitz‘ Ideen, auch die guten, sowieso nie befolgt werden, kommt mir in diesem Augenblick nicht in den Sinn.

Was angesichts der katastrophalen Lage allenthalben aber in 10 oder 20 Jahren aus Europa und uns allen geworden sein mag, darüber darf nicht einmal anzufangen, nachzudenken – um nicht in Depressionen zu verfallen.

In Grabesstimmung verlasse ich etwas später das Bad – bis mir einfällt, dass Anatol gestern bei unserem verpackungsfreien Laden Day by Day die sündhaft teure, köstliche Nuss-Nougatcreme (vegan und ohne Palmöl!) gekauft hatte.

Diese Nuss-Nougatcreme brauche ich jetzt, um wenigstens ein kleines bisschen Aufmunterung zu erfahren. Erfreut ob der leckeren Aussicht betrete ich die Küche – und schreie auf. Was muss ich sehen?

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Schmatzend sitzt das Untier vor einem fast leeren Nougatcremetöpfchen – einen peinlich sauber abgeleckten Löffel vor sich.

Der Saurier hat sich die Creme nicht einmal auf ein Brot geschmiert!

Mir verschlägt es die Sprache. Ich schaffe es nur, zu flüstern: „Anatol, das Glas war gestern noch voll!“

Gut gelaunt leckt sich der Saurier das Mäulchen. „Hat wirklich gut geschmeckt, die Nougatcreme. Du kannst das Gläschen auskratzen – das reicht gerade noch für ein Brot, glaube ich!“ meint Anatol.

„Reicht noch für ein Brot…“, stammele ich und will mich auf den Küchensitz fallen lassen.

„Nein, hier kannst Du nicht bleiben!“ ruft der Sauier. „Ich muss jetzt die Spülmaschine ausräumen und dann die Küche wischen. Aber drüben bei den Katzen ist noch was frei!“

161. Kapitel – Anatols kleiner Lieblingsladen

Ein Besuch bei Day by Day in Strasbourg

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Nachdem Anatol unseren Kühlschrank nicht nur außen aufs Gründlichste abgeschrubbt, sondern auch innen mehrfach mit Essig ausgespült und abgetrocknet hat, bietet sich nun ein sehr annehmbares Bild. So sauber hat der Kühlschrank selten ausgesehen.

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Der Kühlschrank nach Anatols Essigbehandlung.

Ich bin mit der Arbeit des Sauriers außerordentlich zufrieden und erlaube Anatol, heute mit zum Einkauf bei unserem Lieblingsladen, Day by Day in der Route du Polygone in Strasbourg, Neudorf zu kommen.

Day by Day ist das, was in Deutschland als „Unverpackt-Laden“ bezeichnet wird. Bei Day by Day gibt es alles ohne Verpackung! Man wiegt einfach das ab, was man braucht, füllt es in ein Marmeladenglas, welches man entweder selber mitbringt oder von Céline, der freundlichen und hilfsbereiten Ladeninhaberin, geschenkt bekommt. Die Gläser sind beliebig oft wiederverwenbar – es entsteht überhaupt kein Verpackungsmüll.

Alternativ kann man auch spezielle Behältnisse dort kaufen (Sprühflaschen zum Beispiel, und hübsche Fläschchen und Phiolen), aber im Regelfall reichen die Gläser, die dort verschenkt werden, vollkommen aus.

Um Day by Day zu unterstützen, kann man nicht mehr benötigte Gläser und Flaschen dort spenden.

Endlich können wir einkaufen, ohne überflüssigen Müll zu produzieren!

Was bekommt man bei Day by Day? Eigentlich fast alles. Zucker, Mehl, Reis, Nudeln, Tee… aber auch sehr feine Öle (vor allem Olivenöl), Essig, eingelegte Oliven, einen veganen und absolut unwiderstehlichen Schokoaufstrich (noch dazu ohne Palmöl!), und vieles, vieles mehr.

Viele Produkte haben ein Bio-Label (Ecocert zum Beispiel), andere sind nicht „Bio“. Ich habe beides ausprobiert: die Qualität ist durchweg hervorragend.

Anatols Lieblingsabteilung ist der Haushaltsbereich. Dort findet man vorwiegend Bioputzmittel, Savon de Marseille in jeglicher Form, Alepposeife… Anatol kauft hier die großartige schwarze Seife aus Marseille, die wie keine andere unsere Fliesen und das Parkett säubert und herrlich duften lässt. Für das Parkett gibt Anatol noch etwas Leinöl hinzu, damit alles glänzt und blinkt. Bisher hat kein anderer Reiniger es vermocht, die von den Katzen bei ihren Festgelagen angerichtete Schweinerei so zu beseitigen, dass niemand auf die Idee kommen würde, es habe jemals eine Katze hier etwas gefressen.

Was haben wir heute gekauft?

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Im Einkaufsbeutel waren: Spüli, WC-Reiniger, zwei Olivenölseifen (diesmal die flüssigen), Reis, Rohrzucker – und zum Naschen getrocknete Apfelscheibchen und kandierter Ingwer.

Geschenkt bekommen haben wir: ein Stück festes Shampoo von Pachamamaï – das Shampoo ist vegan und sehr sanft zu Haut und Haaren. Ich habe es heute schon ausprobiert, es macht die Haare wunderbar weich und leicht. Merci beaucoup!

Vergessen wurde: das désinfectant cuisine und das détachant avant lavage (Seifenspray für hartnäckige Flecken), das Anatol unbedingt probieren wollte. Vielleicht fahren wir morgen noch einmal hin. Wir finden jedesmal wieder neue praktische Dinge dort!

Wie sieht es mit den Preisen aus? Da hier nur sehr hochwertige Artikel verkauft werden, ist Day by Day kein Billigladen. Die Produkte werden zum großen Teil in Frankreich hergestellt – meist von handwerklichen Kleinbetrieben und Familienunternehmen – und sind von ihrer Zusammensetzung und Herstellung her ausgezeichnet, so z. B. die Haushaltsreiniger und auch unsere geliebte schwarze Olivenseife. Die Produkte sind außerordentlich ergiebig. Nach dem Gebrauch weiss man, warum man gut daran getan hat, sie zu kaufen – und warum man sie immer wieder kaufen wird.

Zudem muss man bei Day by Day keine großen Mengen kaufen – man entscheidet selbst, wieviel oder wie wenig man braucht. Und viele Produkte sind sogar deutlich günstiger als in anderen Läden, weil sie ohne die kostspielige Verpackung auskommen.

Das Preis-Leistungsverhältnis ist daher sehr gut, finden Anatol und ich. Und es ist uns wichtig, dass die Menschen, die Dinge für uns herstellen und verkaufen, einen fairen Preis dafür bekommen.

Hier ein paar Bilder von unserem Besuch. Der Laden ist wunderschön eingerichtet, wir fühlen uns dort jedesmal sehr wohl:

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Nachtrag – 26. August 2016

Da wir gestern ein paar Sachen vergessen haben, sind wir heute noch einmal zu Day by Day gefahren.

Dort haben wir zwei kleine Phiolen mit Sirup gekauft, sowie den détachant und den désinfectant cuisine. Der Pfirsich-Sirup wird gerade schon von Anatol und Elie weggeschlürft (verdünnt, selbstverständlich) :

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Den désinfectant werden wir sogleich am Kühlschrank ausprobieren. Leider hat er es doch noch nötig.

Anatol macht mich gerade darauf aufmerksam, dass unser Kühlschrank sehr viel Plastik enthält (insbesondere die Tupperdosen, die gar keine echten Tupperdosen sind). Und dass er immer mehr Blogger liest, die plastikfrei leben! Sicher würde unsere Plastikausstattung nicht gut ankommen … Dem widerspreche ich ausdrücklich.

Müssen unsere Nicht-Tupperdosen aus Plastik weg? Nein. Solange sie nicht kaputt sind, werden sie natürlich weiter benutzt. Es wäre widersinnig, Plastik wegzuwerfen, um Plastikmüll zu vermeiden. Für uns jedenfalls.

Die Tupper, pardon Nicht-Tupper (genauer gesagt: Ikea-Plastikboxen) bleiben also. Irgendwann werden wir sicher nur noch Glas- oder Edelstahlbehälter haben, aber bis dahin wird es noch etwas dauern.

156. Kapitel – Hausarbeit und Okara-Makrönchen

Der faulste Tag des Jahres geht zuende. Nachdem ich es immerhin geschafft habe, mich fertigzumachen und anzuziehen, drusele ich bei einer heissen Tasse Tee in meinem Lieblingssessel ein.

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Von Zeit zu Zeit weckt mich das geschäftige Werkeln des Sauriers, der es sich offenbar zum Ziel gesetzt hat, die Küche in eine Hochleistungs-Cuisine zu verwandeln…

Ich schrecke hoch. Anatol ruft nach mir. „Komm sofort her! Es ist fertig!“

Verschlafen reibe ich mir die Augen. Was ist fertig…? Ich schaffe es, mich aus dem Sessel herauszuschälen und schlurfe in die Küche.

„Da!“ ruft der Butler stolz und präsentiert mir sein soeben aus dem Backofen kommendes, offenbar wunderbar geratenes Roggen-Sauerteig-Brot.

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„Diesmal habe ich es in der Porzellanform gebacken,“ erklärt Anatol. „Ich bin gespannt, wie es schmeckt.“

Seit einigen Monaten führt Anatol seinen eigenen Sauerteig. Ich liebe das leckere Sauerteigbrot, das der Saurier jede Woche aus dem Backofen hervorzaubert. Auf die neue Form bin ich ebenfalls neugierig. Bisher war das Brot ein eher flacher Fladen. Diesmal ist es richtig aufgegangen.

Mit Wohlgefallen sehe ich, dass die Küche herrlich sauber ist und dass der Butler die  gesamte Bügelwäsche erledigt hat. Dann lasse ich  mich in meinen Sessel fallen und döse wieder ein.

Etwas später weckt mich das Dröhnen des Staubsaugers. Anatol will offenbar die ganze Wohnung zum Blitzen und Glänzen bringen. Muss das jetzt sein … ich bin so müde… Das Untier saugt um meinen Sessel herum und unten hindurch – dann saust es ins Schlafzimmer, wo es bei den Katzen eine Massenpanik auslöst.

„Es hilft nichts!“ ruft der Saurier. „Dieser Saustall muss auch mal geputzt werden!“

Zum Glück zieht er sich alsbald wieder in seine Küche zurück und macht sich dort am Froster zu schaffen. ‚Was will er da?‘ frage ich mich … aber ich bin zu müde, um nachsehen zu gehen – und schlafe wieder ein.

Als Anatol mich erneut aufweckt, ist es schon Abend. Draußen dämmert es. Der Saurier zeigt mir stolz, was er vorbereitet hat, während ich geschlummert habe:

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„Ich habe Deine alten Reste zusammengekramt, um daraus endlich etwas Anständiges zu backen. Das Okara, das jedes Mal bei der Sojamilch übrig bleibt, wollte ich ja auch schon lange weiterverarbeiten. Hier sind sie – meine phantastischen neuen Okara-Kokos-Makrönchen!“

Stolzgeschwellt präsentiert mir der Butler das Backblech, das er sogleich in den Ofen schiebt.

So so. Meine alten Reste hat das Biest also aufgebraucht. Dass die Vorratsverwaltung selbstverständlich Anatols Aufgabe ist, lässt der plüschige Haustyrann ganz einfach unter den Tisch fallen. Ich entscheide mich, darüber hinwegzuhören.

Nach den Zutaten und der Zubereitung der Makrönchen muss ich nicht fragen – der Butler ist viel zu stolz auf sein Werk, um mir nicht sofort das gesamte Rezept mitzuteilen.

„Ich habe so etwa 100g Okara, vielleicht auch 150g im Wasserbad aufgetaut. Dazu habe ich mehrere Esslöffel Lupinenmehl und den ganzen Rest der veganen weissen Schokopaste gemixt. Die ist also nun aufgebraucht. So war der Teig aber noch etwas dünn. Dann habe ich die Kokosraspeln ganz hinten im Küchenschrank gefunden – ich will dir nicht sagen, seit wann die abgelaufen sind. Schmecken tun sie aber prima. Die hab ich also auch reingetan. Dann kleine Makrönchen daraus geformt, den Backofen auf 180° vorgeheizt, und eine halbe Stunde eingestellt. Gleich sind sie fertig. Ach ja – den Vorratsschrank habe ich auch aufgeräumt. Er hatte es mehr als dringend nötig.“

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„Ping!“ sagt der Backofen. Die dreissig Minuten sind um. Anatol zieht das Backblech aus dem Ofen und stellt es auf den Herd. Dann muss er – abwarten kann der Saurier nie! – sofort ein Makrönchen probieren.

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Zufrieden schmatzt der Butler seine erste Kokos-Okara-Makrone. „Das nächste Mal bleiben sie 40 Minuten im Ofen. Aber lecker sind sie geworden!“

Ich muss dem zustimmen. Hoffentlich sind morgen noch Makronen vorhanden …

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17. Mai 2016, Nachtrag:

Anatol ist sich plötzlich nicht mehr sicher, ob die Okara-Makronen über mehrere Tage haltbar sind. Er hat sich daher – aufopferungsvoll und aus reiner Vorsicht! – über das Schälchen hergemacht.

Es ist nun fast nichts mehr übrig von den Makrönchen.

Gut, dass wir noch einiges an Okara im Froster haben!

 

154. Kapitel – Rogan Josh by Anatol

Zu meinem Geburtstag vor ein paar Tagen hat mir meine Mama mit Hilfe meiner Schwester ein großartiges Geschenk gemacht: einen emaillierten gußeisernen Bräter in der „Anatol-Farbe“ Basilikumgrün.

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Der Saurier hat sich das herrliche Utensil sofort unter den Nagel gerissen. Abwaschen, Abtrocknen und Wegräumen des Bräters – darum dürfe ich mich kümmern. Die noblere Aufgabe der Zubereitung von feinsten Gerichten in diesem Rolls-Royce der Haute cuisine, das obliege einzig und allein dem Chef – mithin Anatol.

Seufzend hatte ich mein Geburtstagsgeschenk dem Butler überlassen. Ich hatte den Bräter noch ausspülen und trocknen dürfen, danach war ich der Küche verwiesen worden. Mit dem Laptop hatte der Saurier sich dort eingeschlossen – dann war längere Zeit nur leises Rumoren aus des Untiers Allerheiligstem zu vernehmen.

„Susanne!“ ruft der Butler schließlich im Befehlston. „Ich brauche Dich zum Gemüseschneiden. Komm sofort her!“

Ich weiss, dass das Tier nun keine Widerrede duldet. Neugierig, wie wohl mein schöner Bräter eingesetzt werden mag, betrete ich die Küche.

Anatol weist mich an, Kartoffeln, Paprika und Tomaten zu waschen und in kleine Viertelchen zu schneiden. Er selbst springt zwischen dem Laptop und der kleinen Casserolle, in der er offenbar eine Marinade zubereiten will, hin- und her.

Während ich das Gemüse abwasche, schiele ich auf den Bildschirm des Laptops. Dort lese ich „Rogan Josh“ und „Jamie Oliver“. Die Webseite ist auf Englisch – versteht der Butler das denn überhaupt ausreichend? Dann sehe ich, dass das Rezept ein Lammfleisch-Curry ist. Was hat der Saurier sich denn dabei nur gedacht?!

Anatol errät meine Gedanken. „Keine Sorge, wir essen kein Fleisch. Ich habe das Rezept etwas abgewandelt – so wird es sogar vegan. Fleisch kommt mir nicht auf den Teller. Schließlich bin ich ein reiner Pflanzenfresser. Anstelle von Lammfleisch nehmen wir einfach Kartoffeln.“

Dann vertieft er sich wieder in das Rezept – jedes zweite Wort auf leo.org nachschlagend. Kann das etwas werden…?

Gerade versuche ich, das kompliziert klingende Rezept nachzuvollziehen, da flucht das Untier laut auf. „Ingwer! Frischer Ingwer soll da auch rein – den habe ich aber nicht im Haus. Susanne, haben wir noch Ingwerpulver?“ Ich schüttle den Kopf. Der Saurier setzt zu einer Schimpfkanonade an – dann verstummt er. „Ich habe noch etwas Zitronensaft. Das kann vielleicht den Ingwer … nun vielleicht nicht ersetzen, aber doch einen etwas exotischen Geschmack dazugeben. Könnte klappen …“

Dann zückt er das kleine Fläschchen, in dem er den Zitronensaft aufbewahrt, und gießt ihn in die Casserolle, in die er bereits Unmengen von kleingehacktem Knoblauch geworfen hat:

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Was für ein Gemisch soll das nur geben? Bang versuche ich, das Rezept nachzulesen und zu verstehen – dies gelingt indessen nicht.

Anatol schnappt sich das gestern frisch angesetzte Sojajoghurt aus dem Kühlschrank und gibt 4 große Esslöffel davon in die Casserolle. Dann streut er einen Teelöffel Kurkume darüber und vermischt Knoblauch, Zitronensaft, Kurkume und Joghurt miteinander zu einer Marinade, in die ich die Kartoffelviertelchen geben darf.

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Die kleine Casserolle bekommt einen Deckel aufgesetzt und kommt in den Kühlschrank.

Dem Rezept entnehme ich, dass das Ganze über Nacht marinieren soll – hierfür ist aber keine Zeit, denn wir wollen ja das Curry (sollte es denn ein solches werden) heute Abend essen …

Knapp erklärt Anatol, es reiche aus, wenn die Kartoffeln nur eine Stunde in der Marinade eingelegt blieben. Da sei er sich ganz sicher!

Ich bin weniger sicher, äußere mich aber lieber nicht. Wenn der Butler erst einmal in Aktion ist, kann man ihn nicht bremsen!

Nun wird endlich der Bräter – oder sollte man nicht eher „Schmorpfanne“ sagen? – eingesetzt. Mit etwas Olivenöl brät Anatol zwei klein geschnittene Zwiebeln an, dann darf ich die Paprikastückchen und die Tomatenviertelchen hinzugeben.

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„Das muss jetzt schmoren!“ erklärt der Saurier und entfernt sich aus der Küche – das Überwachen des Bräters überlässt er wortlos mir.

Ich vertiefe mich indessen in das Rezept. Entsetzt stelle ich fest, dass – zusätzlich dazu, dass das darin verwendete Fleisch durch Kartoffeln ersetzt wurde – Anatol überhaupt nichts so zubereitet hat, wie das Rezept es vorsieht. Offenbar ist es unter des Sauriers Würde, einfach nur ein Rezept nachzukochen. Was werden wir heute Abend zu essen bekommen? Schon die Gewürze, die das Rezept aufzählt, sind gar nicht vorhanden. Wir haben weder frischen Koriander noch Kardammom, geschweige denn eine Zimtstange, Paprikapulver oder Sesamöl. Von den weiteren geforderten Zutaten haben wir eigentlich gar nichts im Haus. Doch- Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten. Diese sollen aber eigentlich zu einer Paste gemixt werden: auch das hat der Butler nicht getan.

Was hat er sich hier nur gedacht?

Händereibend betritt der Saurier die Küche. Als erstes lüpft er den Deckel der Sauteuse, wie der Bräter hier heisst. „Fein!“ meint er. „Jetzt können die Kartoffeln dazu.“ Dann holt er die in dem Knoblauch-Joghurt-Mix eingelegten Kartoffeln aus dem Kühlschrank und löffelt das Ganze in den Bräter.

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Zum Schluß gibt er noch etwas von unserer Rogan Josh-Paste von Pataks dazu und schließt den Deckel wieder.

Dann befiehlt er mir, das von ihm „ganz allein erdachte Rezept“ hier im Blog aufzuschreiben.

Da ich nicht lügen möchte, lege ich unter lautem Protestgeschrei des Sauriers die Wahrheit offen. Das Ursprungsrezept stammt von dem nicht unumstrittenen englischen Starkoch Jamie Oliver. Anatol hat im Grunde nichts von dem Rezept beachtet und dankenswerterweise das Lammfleischgericht in ein veganes Essen verwandelt. Nur den Namen (Josh Rogan) hat er übernommen.

Anatol behauptet, er habe aus dem Rezept erst ein perfektes Curry gezaubert.

Ich hingegen frage mich, ob der Butler – des Englischen nicht wirklich mächtig – einfach alles nur falsch verstanden hat.

Geschmeckt hat es aber trotzdem!

 

 

 

151. Kapitel – Der Fall des Öko-Gurus: Joghurt-Miseren

Bedröppelt schaut der Saurier in die Joghurtmaschine.

Anstelle eines glatten, festen, weissen Joghurtblocks grinst ihm die hässliche Fratze unserer ersten Joghurt-Havarie entgegen:

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Was ist geschehen?

Heute früh hatte Anatol die selbstgemachte Sojamilch mit einem letztens hergestellten wunderbar festen Sojajoghurt vermischt und in die Joghurtmaschine gestellt.

Beides – Sojamilch und „Starterjoghurt“ – kamen aus dem Kühlschrank. Anatol hatte die beiden Zutaten erst auf Zimmertemperatur erwärmen wollen, aber ich hatte vorgeschlagen, die Joghurtmaschine einfach eine Stunde länger laufen zu lassen – was der Saurier dann unter leisem Protest getan hatte.

Nun, acht Stunden später, haben wir den Salat: geronnene, phasengetrennte Sojamilch:  klare, molkeartige Flüssigkeit als obere Schicht, heller Sojaschlamm auf dem Boden.

„Ihhhh ist das eklig!“ zetert Elie. „Das ess ich jedenfalls nicht!“

„Papperlapapp!“ grummelt Anatol, sichtlich enttäuscht von der Sojamisere. Er zückt einen Teelöffel, nachdem er vorsichtig an der unappetitlich aussehenden Masse geschnuppert hatte.

„Riechen tut es prima!“ vermeldet der Saurier. Dann probiert er etwas von der Flüssigkeit, die er vorher umgerührt hat.

„Es schmeckt wie sehr dünnflüssiges Joghurt!“ Freudig schlürft der Butler den Teelöffel aus. „Ist eindeutig essbar. Vielleicht können wir es im Müsli als Milchersatz verwenden und so immerhin aufbrauchen.“

„Ich vergifte mich doch nicht mit Euren Experimenten!“ Elie ist empört. „Guck doch wie fies das aussieht! Diese ekligen kleinen Stücke in der Pampe da – nee ich ess das nicht!“

Anatol muss zugeben, dass das Ergebnis optisch kein Bringer sei. Weggeworfen werde hier jedoch nichts, was noch gut sei. Von „vergiften“ können keine Rede sein. Einzig Konsistenz und Optik seien nur suboptimal gelungen – der Geschmack sei wie immer „eins A“.

Das verunglückte Joghurt bekommt einen Deckel und wandert flugs in den Kühlschrank.

Dann beratschlagen wir.

Was ist schiefgegangen? Was hat das Missgeschick verursacht? Anatol vertieft sich ins Internet und die einschlägigen Blogs und Foren – und findet ähnliche Misserfolge bei der Joghurtherstellung aus selbstgemachter Sojamilch. Wie kann das sein?

Wir werden weiter forschen.

Für heute bleibt uns nur, die Joghurt-Misere in den Mixer zu befördern und zu versuchen, zumindest eine etwas homogene „Soja-Sauermilch“ herzustellen.

Wir werden berichten.

 

150. Kapitel – Öko-Guru Anatol: wir kochen Sojamilch

Vor kurzem hatten wir von Anatols Joghurt-Experimenten berichtet. Wie ist es damit weitergegangen?

Leider muss ich sagen, dass Anatols Ergebnisse mit der Heizungs-Methode alles andere als zuverlässig sind. Mal schmeckt das Joghurt wunderbar, dann wieder ist es alkoholisch bizzelig und ungenießbar.

Nachdem Anatol diverse Joghurtversuche in der Mülltonne versenkt hatte, waren wir zähneknirschend zu der Erkenntnis gekommen, dass eine Joghurtmaschine her muss. Für diese hat Anatol sich entschieden:

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Anatols Joghurts sind seither ein Hochgenuss – nach gewissen Abenteuern mit unterschiedlichsten Joghurtkulturen. Mit den Yalacta-Kulturen aus der Apotheke haben wir nun unser Glück gefunden.

Aber wie kommen wir weg von den Tetra-Packs, in denen unsere Sojamilch schlummert?

Anatol hat beschlossen, einen Versuch zu wagen: und zwar will er Sojamilch einfach aus Sojabohnen selber herstellen. Ob das gut geht…?

Im Bioladen findet Anatol geschälte Sojabohnen. Das ist wichtig: ungeschälte Bohnen, so heisst es im Internet, sorgen für einen strengen Geschmack der Sojamilch und infolgedessen für eine schlechte Compliance beim Patienten – pardon, beim Sojamilchtrinker. Auf gut Deutsch: die Milch schmeckt dann so scheußlich, dass sie niemand trinken mag. Das wollen wir natürlich nicht.

Nach eifrigem Studium der einschlägigen Webseiten hat Anatol eine gute Anleitung für die Herstellung der Sojamilch gefunden.

Zunächst werden die Bohnen über Nacht eingeweicht (ganz einfach im Glas mit viel Wasser):

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Am nächsten Morgen macht Anatol sich an die Arbeit mit den Sojabohnen. Die eingeweichten Bohnen werden gewaschen und in einem großen Topf für anderthalb Stunden gekocht.

Meine Bemerkung, stromsparend sei die Sache wohl nicht, straft Anatol mit Nichtbeachtung. Mit Argusaugen überwacht er den Topf, in dem seine Sojabohnen köcheln und macht sich in der Küche zu schaffen.

Stören darf man den Saurier jetzt nicht.

Als die schier unendliche Kochzeit um ist, baut der Butler unseren Mixer auf und füllt eine relativ kleine Menge der gekochten und noch einmal gründlich gewaschenen Sojabohnen ein. Wasser kann man mit dem Rezept leider ebenfalls nicht sparen – dies verkneife ich mir jedoch, dem am Mixer hantierenden Saurier mitzuteilen.

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Die Bohnen werden etwa drei Minuten ganz fein gemixt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

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Die nächsten Schritte sind so aufwendig und machen so viel Dreck, dass wir in Zukunft darauf verzichten werden:

Die Milch, in der noch winzige Sojastückchen schwimmen, soll laut Rezept abgeseiht werden. Dies stellt sich als eine riesige Schweinerei heraus, da die Milch nicht durch das Passiertuch hindurchfließt. Auf Verlangen des Sauriers, der sich seine Pfötchen nicht schmutzig machen möchte, muss ich das Tuch mitsamt Inhalt auswringen – dies sollte nur mit frisch gewaschenen Händen stattfinden.

Nach einigen Anstrengungen ist die Milch im Glas:

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Der im völlig verschmierten Passiertuch noch vorhandene Rückstand heisst Okara und kann zu leckeren Dingen weiterverarbeitet werden. Leider ist unser Okara untrennbar mit dem Passiertuch verbunden. Unter dem lauten Protestgeschrei des Butlers wasche ich das Tuch aus – wir werden in Zukunft ein feines Sieb verwenden und das Okara gebührend weiterverarbeiten.

Wie schmeckt die selbstgemachte Sojamilch?

Anatol findet sie göttlich. Ich würde ihren Geschmack, wenn das Untier nicht mit dem Nudelholz neben mir lauerte, als gewöhnungbedürftig bezeichnen – auf keinen Fall aber als ungenießbar.

Anatol meint, man dürfe durchaus etwas Zucker oder Agavendicksaft in die Milch geben, um sie noch schmackhafter zu machen.

Fazit: der Arbeitsaufwand ist groß, der Geschmack annehmbar. Ich werde mit den Sauriern die Anschaffung eines Getreidemilch-Automaten erörtern. Vielleicht lohnt sich eine solche für uns?

Hier noch einmal alle Arbeitsschritte und das Rezept, welches inspiriert wurde von www.mehr-als-rohkost.de

  • Im Bioladen geschälte Sojabohnen kaufen; wir haben 500g gekauft, damit kommt man recht weit.
  • Etwa zwei Handvoll Sojabohnen über Nacht einweichen lassen (man kann aber auch deutlich mehr nehmen – siehe unten)
  • Am nächsten Morgen die Bohnen gut waschen und in einem Topf anderthalb Stunden kochen. Das ist wichtig, weil die Bohnen sonst unbekömmlich sind und Bauchschmerzen verursachen.
  • Die gekochten Bohnen in den Mixer tun, mit etwa drei mal soviel Wasser wie Bohnen.
  • Mindestens drei Minuten mixen, bis alles schön „glatt“ ist.

Den folgenden Schritt werden wir demnächst nicht mehr durchführen (wir werden uns nach einem sehr feinen Sieb umsehen; das Passiertuch gibt wirklich eine sehr große Schweinerei):

  • Die Sojamilch aus dem Mixer durch ein Passiertuch abseihen

Nun kommt die Sojamilch in eine Flasche und dann in den Kühlschrank. Sie hält sich gekühlt etwa eine Woche, sagt Anatol.

Je nach Gusto kann man sie mit Zucker, Agavensaft oder Ahornsirup verfeinern.

Um Strom zu sparen, hat Anatol gleich eine große Menge Sojabohnen eingeweicht und gekocht. Die überschüssigen gekochten Bohnen hat er eingefroren; ob das eine gute Idee ist, wird sich bei der nächsten Sojamilch-Aktion zeigen.

Viel Spaß beim Sojamilchherstellen!

Nachtrag: heute waren wir bei dm und haben Rohrzucker (Bio Vollrohr-Zucker) gekauft. Mit diesem lässt sich unsere Sojamilch tatsächlich in etwas verwandeln, das man durchaus als lecker bezeichnen könnte! Von unseren weiteren Sojamilch-Experimenten werden wir berichten!

126. Kapitel – Pancakes vegan

Ein verregneter 1. Mai verrinnt. Nachdem mehrere Versuche, an meiner Novelle weiterzukommen, kläglich gescheitert sind, lege ich mich mißmutig zu einem Mittagsschlaf hin. Am späteren Nachmittag wühle ich ich mich endlich aus dem Bett – und stelle fest, dass Anatol alles andere als müßig gewesen ist. Mehrere Wäschen hängen bereits zum Trocknen auf der Leine, die Küche ist geputzt, und der Butler schickt sich soeben an, das Teewasser aufzusetzen. Elie schmökert, ins Nestchen eingekuschelt, in seinem neuen Buch.

Meine schlechte Laune verwandelt sich augenblicklich in Wohlgefallen. Bald gibt es Tee – eine herrliche Aussicht.

Ein Rumoren ertönt aus der Küche. Anatol scheint den Vorratsschrank umzugraben – so hört es sich jedenfalls an. „Patsch“ – da fliegt eine Packung Mehl aus dem unteren Fach auf den Küchenboden. Backutensilien folgen. Der Butler scheint etwas vorzuhaben.

„Wir haben Unmengen von Mehl,“ stellt der Saurier fest. „Vom Lagern wird es nicht besser. Ich backe jetzt Pancakes.“

„Aber davon wird sie doch fett!“ ruft Elie aus dem Nestchen heraus. Bevor ich das Früchtchen packen kann, ist es allerdings schon aus dem Nest herausgeklettert und flink in den Küchenschrank zu Anatol gehüpft. Von dort aus sieht es mich feixend an.

Drohend gehe ich auf den Küchenschrank zu, da meint Anatol beschwichtigend „Nein, ich mache ganz kalorienarme Pancakes. Also – so kalorienarm, wie das bei Pancakes möglich ist.“

Elie krabbelt aus dem Schrank heraus und sieht mich treuherzig an. „Du hattest doch letztens gesagt, Du wolltest nicht mehr soviel Süßes essen … damit Du nicht dick wirst! Oder?“

Das stimmt sogar. Angeregt von meinen minimalistischen Blogger-Kameraden Apfelmädchen und Sadfsh hatte ich mich entschlossen, nur noch ganz wenig oder sogar gar keinen Zucker mehr zu konsumieren. Bisher ist es mir auch gelungen, den Zuckerverbrauch einzuschränken – ein gänzlicher Verzicht war indessen nicht möglich.

Anatol stellt nun klipp und klar fest, dass er keine Pancakes ohne Zucker brät. Für derlei neumodische Geschmacksverirrungen sei ihm seine Zeit zu schade. Heimlich freue ich mich darüber, denn zuckerfreie Pancakes mag ich mir nicht vorstellen.

IMG_3641„Ich will heute ein neues Rezept ausprobieren,“ kündigt der Butler an. „Und zwar habe ich ein original amerikanisches ‚5 minutes vegan pancakes‚ Rezept gefunden. Das mache ich jetzt.“

Was kommt in den Pancake-Teig? Hier tut sich ein ungewohntes Problem auf: die Maßangaben sind unklar: wir brauchen unter anderem „1 cup Mehl“ und „1 cup Sojamilch“.

Was ist ein „cup“? Glücklicherweise finden wir auf „USA kulinarisch“ schnell Hilfe. Ein „cup“ entspricht ca. 235 ml bei Flüssigkeiten, und ungefähr 120g bei trockenen Zutaten wie Mehl.

Wir nehmen also:

60 g Mehl (Anatol hat heute den Rest glutenfreies Mehl verwendet, aber das muss man nicht, wenn man Gluten verträgt)
1/2 Esslöffel Zucker
1 gestrichenen Esslöffel Backpulver
1 Prise Salz
100 ml Sojamilch (+/-)
1 Esslöffel Sonnenblumenöl

IMG_3643Anatol mischt zuerst die trockenen Zutaten und fügt dann langsam die Sojamilch hinzu, damit es nicht klumpt.

Danach wird die kleine Pancake-Pfanne, die unsere Vermieter uns vor Jahren aus dem Urlaub mitgebracht haben, auf die Kochplatte gestellt und aufgeheizt.

Anatol zetert bereits im Voraus – seine Pancakes brennen nämlich immer an und kleben an der Pfanne an. Elie und mir ist das allerdings gleich – schmecken tun sie ja trotzdem! Anatol möchte aber verständlicherweise eine auch optisch gelungene Leistung erbringen: der Stolz des Kochs … dies wird indessen einmal mehr nicht gelingen. Die Pancakes verschmelzen gleichsam mit der Pfanne und müssen – ein heikler Vorgang – unter Aufbietung aller Kräfte Anatols aus dem Küchenutensil herausgekratzt werden.

Die beabsichtigte Form behalten sie dabei naturgemäß nicht vollständig – das heutige Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen. IMG_3644IMG_3645 Mit etwas Honig (nicht vegan, aber hier machen wir manchmal eine Ausnahme) schmecken die Pancakes köstlich. Ganz original amerikanisch – und vegan! – wäre Ahornsirup gewesen, aber leider hat Anatol so etwas nicht im Haus. Aber das kann man ändern.

Wir wünschen Euch allen einen wunderschönen 1. Mai!IMG_3646

107. Kapitel – 2015 wird minimalistisch!

Anatol ist vollkommen aus dem Häuschen. Beim Surfen im Netz hat er einen neuen Blog gefunden, der sich mit Minimalismus beschäftigt: Einfach bewusst. Anatol ist begeistert.

Ich runzle die Stirn. „Anatol, solche Blogs gibt es doch wie Sand am Meer. Was ist an diesem denn so besonders?“

„Das ist ein veganer minimalistischer Blog! Bisher habe ich noch nie so einen gefunden – zumindest erinnere ich mich nicht. Endlich mal jemand, der nicht nur Esoterik-Tipps zum Entrümpeln gibt, sondern auch für Tierschutz eintritt!“

Ich bin in der Tat verblüfft. Der „Einfach bewusst-Blog“ spricht auch mir aus der Seele. Letztens hatte ich mich wieder einmal dabei ertappt, wie ich mir wünschte, ein Erdrutsch oder welche (ansonsten harmlose) Naturgewalt auch immer möge unseren gesamten Krempel verschlingen … und dabei selbstverständich Katzen, Saurier und mich verschonen.

Dementsprechend hat es mir insbesondere dieser Beitrag angetan: 25 weitere Tipps, wie Du minimalistischer leben kannst. Diese Ratschläge wollen Anatol, Elie und ich im kommenden Jahr umsetzen – und so Widerstand leisten gegen die Konsumgesellschaft, die uns umgibt.

Ein zentraler Punkt, wenn nicht gar Dreh- und Angelpunkt unserer Gesellschaft ist es, unermüdlich mehr und mehr Dinge anzuhäufen. „Ich habe, also bin ich“ ist der Wahlspruch des modernen Menschen. Anatol, Elie und mir ist das Ansammeln von Sachen ein Gräuel. Wir würden gern so vieles loswerden! Eine unerwünschte Nebenwirkung unserer Überflussgesellschaft – dass wir uns weniger wünschen?

Früher hatten die Menschen nicht viel und oft nicht einmal genug vom Lebensnotwendigen … wir hingegen ersticken im Zuviel des Überflüssigen. Die meisten Sachen, die ich habe, brauche ich im Grunde gar nicht. Für mich und die Saurier würde eine hübsche – und möglichst leere – Ein-Zimmer-Wohnung ausreichen (hier würden indessen die Katzen streiken).

Oft schon habe ich mich gefragt, warum ich mich so gern von all den Dingen trennen würde, die ich im Laufe der Jahre angesammelt habe – muss es doch gute Gründe dafür gegeben haben, diese Sachen anzuschaffen. Viele der Dinge sind nützlich – warum will ich sie loswerden? Hier fällt mir mein erstes Studentenzimmer in Gießen ein. Es gab darin nur ein Bett, einen kleinen Schrank, ein Regal und meinen Schreibtisch. In diesem Zimmer hatte ich alles, was ich brauchte – vor allem aber: eine offene Zukunft. Mein Leben war damals ein weisses Blatt – nun ist es ein zugestellter, voller Raum.

Natürlich werde ich nie wieder 19 sein und die selbe unbeschriebene Zukunft haben wie damals. Das ist nicht schlimm.  Angehäuften Ballast abwerfen zu können, das Gefühl zu haben, nur das Notwendige zu besitzen und frei zu sein: das ist dennoch eine phantastische Aussicht.

Gerade Weihnachten und Geburtstage sind kritische Momente im Leben eines Minimalisten. Wohlmeinende Mitmenschen setzen ihren Ehrgeiz daran, uns mit Dingen zu versorgen, die wir nicht brauchen – und die wir nicht unterbringen können. Echte Freunde erkenne ich daran, dass sie mir entweder gar nichts schenken oder nur ganz „kleine“ Dinge – insbesondere solche, die mich für den Moment erfreuen, sich von selbst „verbrauchen“ und eine schöne Erinnerung hinterlassen. So ein herrliches Geschenk hat Uyen mir dieses Weihnachten gemacht: zwei köstliche Marmeladen und einen ebensolchen Dattel-Essig.

Wie erreichen wir diese Wunschvorstellung – freie, lichte Räume, die Platz für die Zukunft lassen …? Welche der Tipps von „Einfach bewusst“ wollen wir zuerst realisieren?

Anatol hüpft aufgeregt hin und her. „Der tollste Tipp ist Tipp Nr. 3: „Trenne Dich einen Monat lang täglich von zehn Dingen. Wenn Du das Experiment verlängerst, hast Du nach anderthalb Jahren 5.555 Dinge verkauft, verschenkt, gespendet und entsorgt“.

Ich räuspere mich. „Anatol, zehn Dinge am Tag sind sehr viel… vielleicht fangen wir mal mit zwei, nun gut: drei Dingen pro Tag an…?“ Dass die Butler in meiner Abwesenheit mir liebgewonnene Dinge entsorgen, bereitet mir doch Bauchschmerzen.

Anatol ist damit sichtlich nicht einverstanden – ich setze mich jedoch durch und stelle die folgenden Entrümpelungsregeln auf:

  • Regel Nr. 1: es wird nichts entsorgt, wenn ich nicht da bin.
  • Regel Nr. 2: wir streben an, pro Tag 1-5 Dinge zu entsorgen (insbesondere zu spenden).
  • Regel Nr. 3: es wird nur noch das Nötigste angeschafft.
  • Regel Nr. 4: vom 1. Januar 2015 an wird ein dreimonatiger Kaufstopp für alles, was nicht lebenswichtig ist, verhängt.

Heimlich denke ich ‚Wie gut, dass ich gerade heute die neue Teekanne bestellt und auch bereits bezahlt habe…‘ Denn selbstverständlich besitzen wir bereits eine – nein zwei … nein noch mehr Teekannen. Am 1. Januar wäre die schöne Kanne unter das verhängte Kaufembargo gefallen.

Anatol sieht mich scharf an – ihm muss etwas aufgefallen sein. Da ich aber seinen Geschmack für schöne Gegenstände kenne, weiss ich, dass er mir die Teekanne nicht vorhalten wird.

Unsere nächste Amtshandlung wird sein, mehrere große Kartons zu beschaffen. Die Entrümpelung kann beginnen.

106. Kapitel – Anatol backt Springerle

Der kritischste Tag des Jahres ist angebrochen – der erste Weihnachtsfeiertag. Heute backt Anatol. Nachdem er den Rotkohl aufgesetzt hat, holt er die Backutensilien aus dem Küchenschrank und kündigt an, was wir sowieso bereits wissen – und fürchten:

„Ich backe jetzt die Springerle!“

Wir wissen nicht, woran es liegt – ist doch Anatol ansonsten ein Meisterkoch: die Springerle misslingen Anatol beharrlich. Jahr für Jahr macht er sich aufs Neue ans Springerlebacken – und jahraus jahrein muss er neue Fehlschläge einstecken. Das eine Mal bleiben die Springerle im Model kleben, das andere Mal zerbröckeln sie. In einem Jahr sind die Springerle wie aus Stahlbeton, dann wieder matschiger Krümelkram. Anatol sieht das Springerlefiasko mittlerweile als persönliche Heimsuchung – und Herausforderung – an.

„Was habe ich den Springerle nur getan“ seufzt Anatol jedes Jahr, wenn sein obligatorischer Wutausbruch vorbei ist. Elie und ich passen den Moment, in dem Anatols Wut sich springerlebedingt in der Küche entlädt, ab, um gerade dann „kurz weg“ zu sein. Hernach bauen wir den Butler mit Lob und einer Tasse Tee wieder auf. Dies wird indes jedes Jahr schwieriger.

Dieses Jahr wird – wie üblich – ein neues Rezept ausprobiert. Während Anatol in der Küche werkelt, nimmt Elie mich beiseite.

„Was tun wir, wenn seine Aniskekse wieder mal Mist sind …?“ flüstert er mir ängstlich zu. „Ich kann doch dieses Jahr nicht zu Anna rüber. Du weiss schon – Angelo ist da.“ Ich kratze mich ratlos am Kopf. „Ich weiss es nicht, Elie. Ich befürchte jedoch Schlimmstes. Vorhin habe ich mir das Rezept angesehen. Ich denke, das kann nicht gutgehen.“

IMG_3370Anatol hatte sich eine ganz neue Art, die Springerle zuzubereiten, ausgedacht. Händereibend hatte er in der Küche gestanden und gemeint „Diesmal muss es klappen!“

Veganer Ei-Ersatz, Puderzucker und Hirschhornsalz waren bald mit dem Mehl verknetet. Ich hatte darauf bestanden, dass diesmal ein richtiger Ei-Ersatz angeschafft wird, aber Anatol hatte das abgelehnt. „Das geht auch mit Mondamin!“ hatte er gesagt.

IMG_3371Ich bezweifle dies. Unser Mondamin – ein Geschenk einer sparsamen Freundin, die nichts wegwerfen kann – war bereits im Jahre 2008 abgelaufen.

Auch, wenn Maisstärke vielleicht nicht verdirbt – geschmacklich besser wird sie in der langen Zeit nicht. Anatol hatte jedoch gemeint, „das ginge noch“.

Da wir kein Weizenmehl mehr verwenden dürfen (Anatol hält das für ungesund), hat Anatol Einkorn- und Kamutmehl ins Springerlerezept gegeben. Ob das schmeckt …?

Anatol ist sich seiner Sache – wie jedes Jahr – ganz sicher. Die Springerle müssen heute gelingen. Ein erneutes Scheitern ist einfach ausgeschlossen.

IMG_3372Optisch sind die Springerle nicht zu beanstanden. Die Model haben ganze Arbeit geleistet, diesmal ist auch nichts kleben geblieben.

Der Ofen wird auf 140° Umluft eingestellt, und der Springerleteig 30 Minuten darin gebacken.

Als der Backofen sein fröhliches „Ping“ von sich gibt, welches das Ende der Backzeit ankündigt, schlüpft Elie zur Tür heraus. „Ich bin bei Mirko! Bis nachher!“ ruft er uns noch zu – und ist verschwunden.

Ich habe keinen Vorwand, unter dem ich mich absetzen könnte – daher greife ich zu einer Notlüge. „Anatol, ich fühle mich nicht besonders gut. Ich lege mich kurz hin!“ sage ich schnell und schleiche ins Schlafzimmer, wo ich den Wut-Urschrei des Sauriers erwarte.

Dieser unterbleibt jedoch. Ich lasse mehrere Minuten verstreichen – kein Wutgeheul erklingt.

War es möglich? Sollten die Springerle diesmal gelungen sein?

Vorsichtig verlasse ich das Schlafzimmer und höre fröhliches Pfeifen aus der Küche. Verwundert sieht Anatol mich an. „Geht es Dir schon besser?“ fragt er stirnerunzelnd.

IMG_3373Ich gehe auf die Frage nicht ein, denn mein Blick fällt auf etwas geradezu Unglaubliches: ein Backblech voller offensichtlich perfekt gelungener Springerle.

Diese schneidet Anatol nun mit dem großen Brotmesser aus.

So stolz habe ich den Butler lange nicht gesehen.

Hier sehen wir das Ergebnis seiner Hartnäckigkeit. Ich hätte nie gedacht, dass ich dies erleben würde: Anatol vor einem Teller schöner Springerle. IMG_3376Aber schmecken die Aniskekse auch …?

Im Hinblick auf die seltsamen Ingredienzien – insbesondere das prähistorische Mondamin – bin ich skeptisch.

Anatol belehrt mich, dass Springerle nicht sofort gegessen werden. Sie sollten mehrere Wochen ruhen, bevor sich die die ihnen eigene Konsistenz und ihr Geschmack ausgeformt haben.

Ungeduldig wie das Tier ist, knabbert es hingegen bald an einem Randstück, um sein Werk zu begutachten. „Hm.“ meint es. „Das nächste Mal nehmen wir eher kein Mondamin. Ich denke, ich werde mal No-Egg versuchen. Und vielleicht sollten wir doch auf Weissmehl umsteigen, zumindest auf Dinkelmehl. Aber: sie schmecken!“

Ich probiere ein Stückchen und bin verblüfft. Die Springerle schmecken wirklich gut.

Bald ist ein großer Teil des Gebäcks verschwunden – den Rest heben wir für Elie auf.

Welches Rezept hat Anatol verwendet?

Das ursprüngliche Rezept stammt von chefkoch.de; dieses hat Anatol in ein veganes Rezept umgewandelt und die Mengen halbiert:

– Anstelle eines Eis: 1 gehäufter Esslöffel Mondamin (bitte frisches verwenden und nicht wie Anatol uraltes, abgelaufenes!)
– 125g Puderzucker
– etwas Natron / Bicarbonat (ca. 1/4 TL)
– 1-2 EL Wasser (nach Gefühl)
Dies alles wird lange Zeit schaumig geschlagen. Im Rezept steht 45 Minuten, aber das haben wir nicht geschafft. Zu dem schaumigen Gemisch kommt 1 Messerspitze Hischhornsalz, welches Anatol in ca. 1/2 TL Wodka aufgelöst hat. Danach wird alles weiter gerührt.
Dazu werden dann 125g Mehl (am besten gesiebt) gegeben, und alles gut mit dem Handmixer geknetet.

Der Teig soll dann eine Nacht ruhen, aber das hat Anatol zu lang gedauert. Er hat den Teig direkt ausgerollt, die Springerleformen darauf gedrückt (gut mit Mehl bestäuben!) und dann den Teig in ein gefettetes und mit Anissamen bestreutes Blech gegeben.

Danach kam der Teig bei 140° Umluft für 30 Minuten in den Backofen.

Anatol, Elie und ich wünschen guten Appetit, raten aber zur Verwendung eines richtigen Ei-Ersatzes, z.B. No-Egg.

IMG_3377 IMG_3378 IMG_3379 IMG_3380

101. Kapitel – Liebeskummer zu Weihnachten

Elie ist seit gestern nicht mehr ansprechbar. Was sich seit einigen Wochen bereits abgezeichnet hatte, ist nun offiziel: Anna und Angelo sind ein Paar. Und Elie weiss nicht, wohin mit seinem Liebeskummer.

Kluge Sprüche wie „Es gibt doch so viele andere nette Dino-Mädchen!“ sparen Anatol und ich uns. Helfen kann Elie im Moment gar nichts – und schon gar kein gutes Zureden. Schließlich hatte Elie jeden freien Moment mit Anna verbracht, und auch bereits die kommenden Weihnachtstage heimlich verplant, um mit ihr zusammen zu sein. Für Elie ist das seine gesamte Zukunft – und dementsprechend groß ist seine Verzweiflung.

„Ich backe jetzt eine Cornish Pasty.“ kündigt Anatol an. „Du brauchst jetzt was richtig Kräftiges, um Dich wieder auf die Beine zu bringen, Elie.“  Elie schüttelt den Kopf. „Ich esse nichts.“

„Wir werden ja sehen. Ich backe jetzt. Irgendetwas musst Du schließlich essen.“ Und zu mir gewandt „Nimm ihm die Ingeborg Bachmann Gedichte weg. Das kann ihm jetzt nicht gut tun.“

Ich trete näher an Elies Versteck heran und sehe mit Bestürzung, dass Elie sich ein regelrechtes literarisches Liebeskummer-Arsenal angelegt hat: „Die gestundete Zeit“ und „Die Anrufung des Großen Bären“ von Ingeborg Bachmann, Gedichte von Erich Fried, Anna Achmatowa … Goethes „Werther“. Als ich darauf hinweise, dass dies kein Schriftgut sei, das Elie jetzt aufbauen werde, ernte ich als einzige Antwort ein wütendes Knurren.

‚Wer sich noch wehren kann, hat sich nicht aufgegeben‘, sage ich mir, und lasse Elie in seiner Melancholie versinken. Es gibt, Momente, in denen das sein muss. Dennoch nehme ich mir vor, besonders die Lektüre des „Werther“ genau zu überwachen.

IMG_3296Anatol hat sich währenddessen in der Küche an den Backutensilien zu schaffen gemacht. Der Teig für die Cornish Pasty ist fast fertig – Anatol hat eine vegane Variante der englischen Delikatesse entwickelt. Das Rezept stammt urspünglich von der gestrengen „Cornish Pasty Association„; diese wacht darüber, dass die Cornish Pasty in ihrer originären Form erhalten bleibt und keiner modernen Geschmacksverirrung zum Opfer fällt.

Der Teig der Pasty wird aus Brotmehl (Anatol nimmt recht dunkles Dinkel-Vollkornmehl), Margarine, Salz und Wasser hergestellt und gut geknetet. Dann kommt er für mehrere Stunden in den Kühlschrank, wo er ruhen muss. Diese Etappe sparen wir uns heute, da nicht genügend Zeit dafür ist. Normalerweise sollte der Teig aber etwa 3 Stunden im Kühlschrank bleiben.

Nun schneidet Anatol einen Kohlrabi, eine große Kartoffel und eine Schalotte in winzige Würfelchen, und salzt und pfeffert das Gemisch großzügig. Dann rollt er den Pasty-Teig aus und gibt das Gemüse sowie etwas Sojajoghurt darauf.

Plötzlich schlägt sich der Butler mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Ich Esel!“ ruft er ungehalten. Und an mich gerichtet: „Oder vielmehr – DU Esel! Warum hast Du die Pastinake vergessen? Die wollte ich in die Pasty tun, um zu probieren, ob wir damit das Rindfleisch ersetzen können!“ Ich gehe auf die Provokation nicht ein und bemerke nur ruhig „Dann müssen wir die Pastinake eben nächstes Mal versuchen, Anatol“.

Der Butler zischt „Ja, das müssen wir wohl.“ Zum Glück lässt er es dabei bewenden. In die Cornish Pasty kommt traditionell gewürfeltes Rindfleisch – aber für uns als Vegetarierer bzw. Veganer ist das natürlich ein No Go.

Der nächste Schritt besteht darin, den Teig „umzuklappen“ und eine Art Pastete daraus zu formen. Dies ist ein heikler Moment, da der Teig nicht einreissen darf. Anatol gelingt dies heute glücklicherweise ohne Probleme.

IMG_3297Danach wird ein hübscher Rand um die Pasty geknetet und die Pasty so ganz geschlossen. Zum Schluss piekst Anatol ein kleines Loch oben in die Pasty, damit beim Backen der Dampf entweichen kann – sonst platzt die Pasty an einer ungünstigen Stelle auf, was natürlich nicht gewünscht ist.

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Anatol hat den Backofen bereits auf 210°C vorgeheizt. In diesen wird die Pasty nun geschoben – um dort eine ganze Stunde zu backen.

Wir sind gespannt auf das Ergebnis.

Eine Stunde später klingelt der Backofen – die Pasty ist fertig. Anatol ist stolz auf sein Werk.

IMG_3299IMG_3300IMG_3301Die Pasty ist köstlich. Wir hoffen, dass wir Elie werden überreden können, zumindest ein kleines Stückchen zu probieren.

96. Kapitel – Der Rotkohl

Seit mehreren Wochen liegt mir Anatol mit dem Rotkohl in den Ohren.

„Wir müssen unbedingt Rotkohl kaufen! Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Den dürfen wir nicht verpassen!“

Ich für meinen Teil habe es mit dem Rotkohl nicht so eilig. Der Kohlkopf ist schwer und unhandlich. Das Kleinschneiden ist mühsam – und meine Aufgabe, da der Butler dafür zu klein ist. Davor schrecke ich etwas zurück. Allerdings hat Anatol mit einem Recht: gut zubereiteter Rotkohl ist eine Delikatesse.

Daher habe ich mich am Samstag breitschlagen lassen und Anatol erlaubt, einen riesigen Rotkohl vom Markt mitzubringen.IMG_3218 Der mittlere Topf ist damit überfordert: Anatol klaubt ganz hinten aus dem Küchenschrank den riesigen Kochtopf hervor. In diesen wird der Kohl hoffentlich hineinpassen.

Auf die Waage bringt der stattliche Kohlkopf ganze 3 kg.

Anatol trägt mir nun auf, das Kohlmonstrum in vier Teile zu schneiden, zu waschen und dann in feinste Streifchen zu hobeln – diese Arbeit sei selbstverständlich unter seiner Würde.

Während ich den Kohl schneide, brät Anatol in dem Topf Äpfelchen und Zwiebelchen mit etwas Olivenöl und viel Zucker an.

Wir lassen uns von dem Rezept unserer Omi aus Pommern inspirieren – original hätte dazu noch Gänseschmalz gegeben werden müssen, aber Anatol kocht ja rein vegan. Daher wird der Rotkohl mit ein wenig Olivenöl zubereitet.

Der Kohl ist nun so fein gehobelt, wie mir das nur möglich ist. Dennoch ernte ich üble Beschimpfungen des Butler, der mich anbrüllt:

„Was ? Das soll feingeschnitten sein ? Noch grober konntest Du es wohl nicht schnippeln ? Höchstens 2mm dick dürfen die Kohlstreifen sein! Mit diesem groben Kram kann ich nichts anfangen! Ich sag es immer wieder: in der Küche bist Du mir ein Klotz am Bein!“

Ich packe das unverschämte Biest und halte es drohend über den Kochtopf. Dies beruhigt den selbsternannten Küchentyrannen etwas.

„Ist ja schon gut – ich werde versuchen, doch noch etwas aus diesen groben „Abschnitten“ zu zaubern. Aber sogar ich kann da nichts versprechen“ fügt er herablassend hinzu.

IMG_3219Auf die gedünsteten, leicht angebratenen Zwiebeln und Äpfel darf ich nun den Kohl geben.

Sogleich träufelt Anatol Essig über den Kohl – so bekomme dieser seine schöne lila, ins tiefblaue gehende Farbe, sagt der Saurier.

Anschließend wird der Kohl gezuckert, und es kommen Gewürznelken, ein paar Pfefferkörner und Salz hinzu.

Der Kohl muss nun – zunächst ohne Deckel – vor sich hinköcheln. Ab und zu rührt Anatol um.

Der Topf ist bis an die Oberkante voller Kohl. Wir hoffen, dass nichts überkochen wird.IMG_3220 Schließlich kann der Topf mit dem Deckel geschlossen werden, und der Kohl muss nun mehrere Stunden schmoren.

Ab und zu schmeckt Anatol ab: unter Gefauche und Geschimpfe – da die Kohlstreifen zu grob geraten sind – werde ich zurechtgewiesen, dass ich den Kohl verhunzt habe. Dass so grob geschnittener Kohl gar nicht schmecken könne – aller Kochkünste zum Trotz, deren Anatol fähig sei.

Ich ziehe mich zu Elie aufs Sofa zurück, schlage ein Buch auf und überlasse Anatol die Küche. Zeternd und mit Küchenutensilien klappernd macht sich der Butler daran, die Kartoffeln aufzusetzen, die zum Kohl serviert werden sollen. Die Kohlaffäre scheint für den Saurier eine rechte Haupt- und Staatsaktion zu sein.

Kohl und Kartoffeln köcheln nun fleißig vor sich hin. IMG_3224Anatol baut indessen das Bügelbrett auf und beginnt, die Bügelwäsche zu bearbeiten – nicht ohne Elie und mich mit scharfem Unterton darauf hingewiesen zu haben, dass in diesem Haushalt nichts funktionieren würde, wenn er, Anatol, sich nicht um alles kümmerte.

Ob wir Anatol in Zukunft wohl noch duzen dürften, fragen Elie und ich spitzbübisch – oder ob Seine Herrlichkeit nun fordere, dass man sie im Pluralis Majestatis anspreche?

Darauf erleidet unser Haustyrann einen Wutanfall. Blindwütig stampft er mit der Plüschtatze auf den Boden, dass es nur so knallt. Elie springt vor Schreck vom Sofa auf.

„Ab jetzt streike ich!“ brüllt Anatol. „Alles bleibt an mir hängen! Ihr sitzt wie die Ölgötzen auf dem Sofa, und ich darf arbeiten!“

Ich lasse mich von dem Tobsuchtsanfall des Butlers nicht beeindrucken. Das Biest ist ein hervorragender Schauspieler.

„Anatol, ich habe Dir in der Küche geholfen, bis Du mich als „Klotz am Bein“ bezeichnet und wüst beschimpft hast. Gib es zu: Du hast nur Angst, dass Dir der Kohl nicht gelingt – und suchst nun einen Schuldigen!“

Elie fügt leise hinzu „Also ich esse den Kohl auch, wenn er nicht zu 100% gelungen ist… “

Schlagartig verfliegt der Zornausbruch. Zerknirscht gibt Anatol zu, dass irgendwas mit dem Kohl „nicht stimme“. Aber was das nun sei – ob es an dem groben Zuschnitt, den Äpfeln oder der Nelke läge oder am Olivenöl, das wisse er noch nicht.

Ich probiere den Kohl. Er ist nur nicht ausreichend durchgezogen. Zudem fehlt etwas Salz. Ansonsten ist der Kohl jedoch perfekt – wenn auch etwas zu grob geschnitten, das muss ich zugeben.

IMG_3229Stunden später serviert uns der Butler bester Laune einen köstlichen, wunderbar durchgegarten, süß-säuerlichen Rotkohl mit Salzkartoffeln.

Ich nehme mir dreimal nach, Elie und Anatol viermal.

Unser Starkoch ist selig.

35. Kapitel – Das Skateboard

IMG_2079Als ich heute Abend nach Hause komme, wartet Anatol mit einem wunderbaren Salat auf mich. Er hat ihn in der blauen Schüssel zubereitet, die ich vor etwas über einem Jahr von der palästinensisch-jüdischen Friedensinitiative gekauft habe. Eine so schöne große Schüssel findet man selten. Ich freue mich, dass Anatol sie heute herausgeholt hat und nun den Salat daraus serviert.

Mein Lieblingsessen – der vegane capverdische Gemüseeintopf – köchelt im Schmortopf vor sich hin: ein gemütlicher Abend mit einem guten Essen in Aussicht beginnt.

Mitten in diese friedliche Stimmung kräht Elie fröhlich hinein: „Anatol hat sich ein supertolles Skateboard gebaut! Wir sind den ganzen Nachmittag in der Wohnung herumgefahren – mit dem Skateboard und dem Roller! Man kann damit auch ganz toll die Sofalehne runterfahren!“

Ich verschlucke mich an der Vinaigrette und gucke Anatol entsetzt an. „Was hat es denn damit auf sich? Skateboardfahren auf dem Sofa – und auf dem Parkett?! Anatol, was habt Ihr Euch dabei gedacht?“ Ich huste – die Vinaigrette brennt im Hals.

Anatol zischt Elie böse an. „Musstest Du das jetzt ausplaudern?! Sie sollte doch erst das gute Abendessen bekommen – und danach wollten wir das mit dem Skateboard erzählen!“ Elie guckt betreten. „Aber sie hat doch schon was von dem Salat gegessen … ich dachte, jetzt darf ich es sagen… Wir hatten doch so einen Spaß mit dem Skateboard auf dem Sofa …“ Anatol rollt mit den Augen.

Dann gibt er zu, dass er tatsächlich aus den verbleibenden Bettkasten-Rädern und einem Brettchen ein richtiges Skateboard gebaut habe und dann in der Wohnung etwas Skaten geübt habe. Da die Räder allerdings aus Gummi seien, habe das Parkett nicht darunter gelitten. Ebenso sei das Sofa unversehrt. Und die Nachbarn hätten sich auch (noch?) nicht beschwert.

Ich finde zwar, dass man diese Sache mit mir hätte absprechen müssen, und bitte sehr nachdrücklich darum, dass dies in Zukunft so gehalten werde. Dann bin ich aber auf das Skateboard gespannt.

„Anatol, hol das mal her. Ich möchte es gern sehen.“

Was ich den beiden Sauriern nämlich noch nicht erzählt habe, ist, dass ein Skateboard in meiner Kindheit zu den begehrtesten Gegenständen überhaupt gehörte. Wer ein solches besaß, war ein Held. Überflüssig zu erwähnen, dass ich selbstverständlich keines hatte – obwohl ich so davon träumte. Meine Eltern fanden ein Skateboard zu teuer und auch etwas gefährlich. „Kinder, Ihr habt schon die Rollschuhe – das muss reichen!“ hiess es da.

IMG_2083Anatols Skateboard ist im Grunde das erste Skateboard, was ich in meiner eigenen Wohnung beherberge.

Hier zeigt sich Anatol auf seinem tollen Brett. Nun muss er noch üben, damit richtig zu fahren.

Am Wochenende werden wir gucken, ob es hier irgendwo eine Anlage gibt, in der man Skateboard und Roller fahren kann!

 

 

29. Kapitel – Mangold

IMG_1984Anatol hat sich heute selbst übertroffen.

Offenbar ist es ihm nun doch etwas peinlich, dass er am Freitag Abend auf meine Verspätung so verärgert reagiert hat.

Gestern war er mit einem riesigen Einkaufskorb vom Markt zurückgekehrt, hatte aber sichtlich niemanden erlauben wollen, hineinzugucken. Schnell war der Inhalt des Korbs im Kühlschrank verstaut und dieser mit dem Befehl „Da geht keiner ran!“ geschlossen worden.

Heute abend wird das Geheimnis gelüftet. Anatol zieht ein riesiges grünes Ungetüm aus dem Kühlschrank und erklärt: „Das ist Mangold. Wir essen viel zu selten solche feinen Gemüsesorten!“

Mangold habe ich schon einmal probiert – zu Sylvester vor über 20 Jahren, in Paris. Es muss wohl 1990 oder 1991 gewesen sein … Damals hatte unser Freund Marc den Mangold zubereitet. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er mit seinen langen, spillerigen Armen die großen, grünen Blätter aus einem gigantischen Topf herausfischt und sie uns serviert – und dabei die Vorteile der „blettes“ (so heisst Mangold auf Französisch) aufzählt: der Mangold sei voller Vitamine und Mineralstoffe und habe einen wunderbar aromatischen, leicht nussigen Geschmack. „Les blettes“ hatten mir damals in der Tat sehr gut geschmeckt – aber ich hatte es leider versäumt, mir das Rezept aufzuschreiben, und hatte dieses schöne Gemüse dann auch vergessen.

Heute, nach fast 25 Jahren, ist es Zeit für den nächsten Mangold.

Verdächtig finde ich allerdings, dass Anatol erstaunlich oft zum Computer läuft und dort nachliest. Hat der Spitzbube etwa kein eigenes Rezept…? Etwas verschämt gibt Anatol zu, dass er in seiner Sammlung leider kein Mangold-Rezept vorhalte. Er habe aber eine ganz großartige Kochanleitung hier bei Chefkoch.de gefunden! Diese wolle er nun ein wenig abwandeln, da wir nicht alles im Haus hätten, was dafür benötigt würde.

IMG_1985Als erstes schneidet Anatol 2 kleine Schalotten und 2 Knoblauchzehen in Würfelchen und brät sie in einem großen Topf leicht mit Olivenöl an.

Dann gibt er die gewaschenen und kleingeschnittenen Mangoldstiele (das Weisse unten an den Blättern) in den Topf und lässt das Ganze etwas schmoren. Dazu kommen 3 kleine Chilis, Salz, Pfeffer und ein Teelöffelchen Vanillezucker.

Diese Mischung wird nun unter Rühren angebraten. Das Rezept von Chefkoch.de sieht noch Gemüsebrühe vor, aber die vertrage ich wegen der enthaltenen Würzstoffe nicht. Anatol lässt sie also weg, ebenso wie den Weisswein (der allerdings durch Rotwein ersetzt wird).

IMG_1988Letzteren gießt Anatol nun hinzu, gibt den Rest des Mangolds in den Topf (die geschnittenen Blätter), rührt einmal gut um und verschließt den Topf mit dem Deckel. Der Mangold muss nun etwa 20 Minuten sanft garen.

Indessen setzt Anatol einen zweiten Topf mit gesalzenem Wasser auf. Offenbar soll es Nudeln zu dem Mangold geben! Ich freue mich.

Das Wasser kocht – Anatol hat Penne vorgesehen und gibt sie in den Topf. Ich liebe Penne! Mittlerweile habe ich großen Hunger und bin sehr gespannt auf das, was Anatol da herbeizaubert.

IMG_1990Es ist soweit. Anatol serviert die „Penne mit Mangold à la Chefkoch.de„.

Ich finde sie einfach köstlich. Ehrlich gesagt kann ich gar nicht mehr aufhören … schon habe ich mir zum dritten Mal  nachgenommen.

Mit etwas Glück bleibt zumindest eine Kleinigkeit von dem herrlichen Mangold-Gericht für morgen übrig. Aber sicher ist das nicht.

24. Kapitel – Möhrenkuchen

Anatol und Elie rumoren nun schon seit geraumer Zeit in der Küche. Ich soll sie nicht stören und wurde sogar der Küche verwiesen. Ungeduldig klopfe ich an die Tür: „Kann ich kurz reinkommen?“

„Noch nicht!“ knurrt Anatol durch die geschlossene Tür. „Aber gleich darfst Du rein und Photos machen. Schließlich soll das ja alles in den Blog.“

Ich bereite die Kamera vor, und darf nun endlich in die Küche.

IMG_1607Dort sehe ich die Butler inmitten eines Sammelsuriums von Zutaten, Töpfen, Tiegeln und Rezepten. Was soll das denn nur geben?

Elie ruft fröhlich: „Juhu, wir backen einen Möhrenkuchen!“ Ich bin sehr überrascht. Möhrenkuchen finde ich zwar unglaublich lecker, aber ich habe mich bisher an so etwas noch nie herangetraut.

Die beiden Butler haben aber offenbar keinerlei Hemmungen und sind mitten im Backen.

Aber woher haben sie das Rezept? Ich selbst besitze nämlich keines für Möhrenkuchen!

IMG_1610Stolz zeigt Anatol mir das Rezept. Es kommt von totallyveg und handelt sich um einen vollkommen veganen Möhrenkuchen! Ich bin begeistert. Laut Anatol ist es einfach das beste Rezept für Möhrenkuchen überhaupt!

Was brauchen die Butler für den Möhrenkuchen?

Hier sind die Zutaten, die die beiden auch schon vorbereitet haben:

200 g Dinkelvollkornmehl
180 g Zucker
1 Packung Vanillezucker
1 TL Natron
1 TL Backpulver
1 TL Zimt
1/2 TL Salz
150 – 200 g geriebene Möhren
200 g Soja-Joghurt Natur
100 ml Sonnenblumenöl

Und hier die Photos vom Backen – Ihr könnt das ganz leicht nachmachen (aber bitte nur in Anwesenheit der Eltern!)

Als erstes werden die trockenen Zutaten (Mehl, Zucker, Vanillezucker, Zimt, Natron, Backpulver, Salz) genau abgewogen, in einer Backschüssel gut verrührt und dann beiseitegestellt.

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Dann müssen die Möhren gerieben werden (lieber etwas mehr als zu wenig – Anatol nimmt gut 200g geriebene Möhre!). Dazu kommen die Soja-Joghurts und das Öl. Diese feuchten Zutaten solltet Ihr in eine ordentlich große Schüssel tun, auf keinen Fall in eine zu kleine, und sie dann vorsichtig verrühren.

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Schließlich wird das Mehl, der Zucker etc. aus der vorhin beiseite gestellten Schüssel in die Schüssel mit den Möhren, dem Joghurt und dem Öl gegeben (am besten in drei Schritten), und sehr vorsichtig per Hand verrührt (auf keinen Fall mit einem Rührer!), bis es eine einheitliche Masse ist.

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Diese wird dann in eine mit Sonnenblumenöl eingefettete Backform gegeben; Anatol und Elie nehmen hier eine 24er Form:

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Das Ganze kommt dann für etwa 30 – 35 Minuten in den auf 180°C vorgeheizten Ofen.

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Wenn der Kuchen fertig gebacken ist, sieht er so aus. Aber er ist noch nicht „ganz fertig“!

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Jetzt kommt nämlich das i-Tüpfelchen (und es ist wichtig – also bitte nicht weglassen!): der Zitronenzuckerguss:

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Dieser wird mit Puderzucker und etwas Zitronensaft angerührt und dann auf den Kuchen gepinselt (das geht auch mit einem Esslöffel – man braucht keinen Pinsel dafür).

Der Kuchen sieht dann bald so aus:

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Er ist nämlich so saftig, locker und leicht und schmeckt so gut, dass er immer sehr schnell gegessen wird! Da er ganz vegan ist, musste kein Tier für die Zutaten leiden. Anatol und Elie ist das sehr wichtig – und mir auch.

Wir wünschen Euch guten Appetit !

22. Kapitel – Anatols Borschtsch

IMG_1936Anatol hat sich heute entschlossen, Borschtsch zu kochen – vegan selbstverständlich! Was ist Borschtsch? Borschtsch ist sicher die leckerste Suppe der Welt. Das Rezept stammt aus Ost- und Mitteleuropa, und vermutlich ist der russische Borschtsch der bekannteste.

Aber es gibt auch polnischen, ukrainischen, galizischen, kasachischen Borschtsch… und noch mehr – Borschtsch ist in Osteuropa und darüber hinaus überall zuhause. Und nun auch hier in Frankreich!

Woher kenne ich Borschtsch? Anatol kocht ihn mir natürlich vor allem, weil ich ihn darum gebeten habe. Aber warum? Meine Familie stammt zwar aus dem Osten, aber Borschtsch gehört leider gar nicht zu ihrer Kultur… Nein – vor langer Zeit, als ich noch studierte, kochte eine gute Freundin mir ab und zu ein Borschtsch. Und seitdem weiss ich, dass es einfach keine bessere Suppe gibt!

Anatol sagt, man lese oft, Borschtsch werde immer mit Rindfleisch zubereitet. Das stimme aber im Grunde nicht. Es habe Zeiten gegeben, in denen Fleisch sehr teuer und rar war – und in denen man nicht immer Fleisch für die Suppe hatte. Da wurde dann ein Borschtsch ohne Fleisch gekocht – und der schmeckt genauso gut, wenn nicht sogar besser! Wir essen ja sowieso nie Fleisch, daher stellt sich die Frage nicht.

Gleich zu Anfang gibt es ein Drama. Anatol findet DAS Rezept nicht mehr. DAS Borschtsch-Rezept, wie er sagt, ist von Attila Hildmann. Bis vor einiger Zeit fand man es im Internet. Und nun? Verschwunden. Attila Hildmann, der vegane Starkoch (Anatols Vorbild!), hat das Rezept in eines seiner Kochbücher übernommen, und nun muss man das Buch kaufen, um das Borschtsch-Rezept zu finden. Anatol schäumt vor Wut!

Schnell verspreche ich, das Buch bei nächster sich bietender Gelegenheit zu kaufen. Nun muss der Borschtsch aber „so“, also ohne das famose Rezept gekocht werden. Anatol ist findig und stellt kurzerhand aus der Erinnerung ein Rezept auf, das uns auch einen ganz ordentlichen Borschtsch bescheren soll.

IMG_1915Was kommt in den Borschtsch? Anatol hat eingekauft: einen Weisskohl, rote Beete (frisch, nicht gekocht), zwei Möhren, Zwiebel, Knoblauch, eine kleine Steckrübe, eine Tomate und viel frischen Dill.

Gerade schneidet er die Zwiebel und den Knoblauch klein, dann kommt der Weisskohl dran. Dieser wird gut gewaschen, in Streifen geschnitten und dann mit der Zwiebel und dem Knoblauch im Topf mit etwas Olivenöl angeschmort.

In der Zwischenzeit (während der Kohl leicht anbrät), schneidet Anatol die Kartoffeln, die Möhren, die Steckrübe und die rote Beete in Würfel.  All dieses Gemüse kommt dann zu dem Kohl in den Topf. Dazu wird Wasser gegeben, Salz, Pfefferkörner, 4 kleine Lorbeerblätter und nur 2-3 Pimentkörner. Da Anatol es gern scharf mag, gibt er auch noch 2 getrocknete Chilischoten hinzu.

Hier ein paar Photos von den verschiedenen Etappen des Rezepts:

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Nun muss es mindestens eine, besser aber zwei Stunden köcheln. Am allerbesten schmeckt der Borschtsch am nächsten Tag, wenn er gut durchgezogen ist.

Schließlich wird der Borschtsch mit viel Dill und und einem großzügigen Klecks Sojajoghurt serviert. Anatol wünscht guten Appetit!

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18. Kapitel – La soupe aux choux

Anatol hat heute mit mir geschimpft. Das tut er leider manchmal. Anatol findet, dass ich mich zu einseitig ernähre: nämlich vorwiegend von Gemüsecurry, Paprikaschmortopf und Marmeladenbroten. Von der veganen Leberwurst ab und zu mal abgesehen. Und da Anatol für die Küche verantwortlich ist, hat er meine heutige Bestellung (Gemüsecurry) einfach ignoriert und einen riesigen Wirsingkohl gekauft, der nun gekocht werden soll.

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Ich stehe der Kohl-Aktion skeptisch gegenüber. Der Kohl ist gigantisch! Wie soll der auch nur in einen unserer Töpfe passen? Aber da es ja Anatol ist, der sich um die Zubereitung kümmert, versuche ich, mir darüber keine Sorgen zu machen.

Elie guckt sich den Kohlkopf einmal an, entscheidet, dass dies eine Nummer zu groß für ihn ist, und zieht sich mit einem Buch ins Nestchen zurück. „Ruft mich einfach, wenn es fertig ist!“ sagt er noch – und vertieft sich in seinen neuen Schmöker.

Anatol ist ein versierter Koch. Erst will ich ihn ja allein werkeln und köcheln lassen, aber dann bin ich doch zu neugierig, wie er diesem Kohl zu Leibe rücken mag. Ich nehme also meinen Photoapparat zur Hand und halte Anatols Kohlkochkünste hier fest:

Zuerst nimmt Anatol den Kohl Blatt für Blatt auseinander und schneidet die Strünke heraus. Dann wäscht er die Blätter und blanchiert sie. Das bedeutet, dass er sie kurz in kochendem Wasser wendet und sie dann mit kaltem Wasser abschreckt. Das ist etwas aufwendig, aber Anatol behauptet, dass der Kohl so bekömmlicher wird und auch besser schmeckt.

Hier sieht man ihn mit dem fertig blanchierten Kohl:

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Nun bereitet Anatol einen Sud vor. Er erhitzt etwas Wasser in unserem größten Topf und gibt Salz dazu. In den Sud kommen dann: eine ganze Zwiebel, eine Knoblauchzehe, Lorbeerblätter, Pfefferkörner, 2 Chilischoten (die kleinen scharfen!), ein paar Körner Piment, Olivenöl, ein Stückchen Knollensellerie, 2 kleine Kartoffeln und eine Möhre:

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Das wird nun etwas angeköchelt, mit Wasser aufgegossen, und dann kommt der Kohl hinzu. Zum Schluß gibt Anatol noch ein klein wenig Zucker hinzu.

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Der Topf ist randvoll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der nicht überkocht! Anatol ist aber zuversichtlich und meint, das müsse jetzt mindestens eine Stunde kochen. Dann wolle er abschmecken.

Ich bin gespannt!

Die Suppe köchelt nun seit fast einer Stunde. Anatol hat noch etwas Muskatnuss gerieben und in die Suppe gegeben. Diese Suppe muss einfach köstlich werden.

2. Kapitel – Anatols Dienstantritt

Wie ging es mit Anatol weiter? Ich habe in meinen alten Tagebüchern nachgelesen und gebe sie hier im Originaltext wieder:

Tagebucheintrag vom 23. August 2013

Anatol Süsskartoffel Anatol hat heute seinen Dienst angetreten.

Vorerst erscheint er mir sehr motiviert und bemüht, alle Aufgaben zu meiner Zufriedenheit zu erledigen – ich kann mir nicht erklären, warum er bei anderen Anstellungen nicht überzeugt haben soll.

Fast glaube ich an eine Verleumdung seitens der Vermittlungsstelle.

Anatol2Abends hat Anatol sich sehr diskret am Kühlschrank zu schaffen gemacht und mir ein Taboulé hergezaubert.

So ein Haus-Saurier ist großartig.

 

Tagebucheintrag vom 24. August 2013

Alle Katzen sind schwer krank. Im Stundentakt müssen Medikamente gegeben und Brühe eingeflößt werden. Tonio findet sein Katzenklo nicht und Sofa, Zimmerecken und Küchenfliesen halten als Ersatz her. Anatol fliegt von einem Katastrophenherd zum nächsten, wischt auf, gibt mir Medikamente an, damit ich sie verabreiche, kocht Hühnerbrühe.

Am späteren Nachmittag verkriecht er sich in die Wäscheschublade, zieht sich einen meiner Schals über den Kopf und lässt sich nicht mehr blicken. Ich hoffe, dass ich ihn nicht überfordert habe.

Später am Abend:

Anatol möchte vielleicht doch wieder ausziehen. Er ist sich nicht sicher, ob er dem Stress standhält. Für heute Abend hat er mir dennoch ein Gemüsecurry versprochen.

Ich bin entsetzt. Da stellt man einen Haus-Saurier ein, und dann will er schon am zweiten Tag kündigen!

Ich muss den Butler halten – allein werde ich der Lage hier nicht mehr Herr. Mein erster Versuch wird darin bestehen, eine Gehaltserhöhung anzukündigen. Zudem hole ich mir Rat bei Freunden. Vielleicht wissen die, was zu tun ist? So ein Telephongespräch tut ja auch gut…

So. Meine Freunde empfehlen mir, dem Butler einen vollkommen eigenen Bereich anzubieten. Das sollte ihm die nötige Sicherheit und auch Rückzugsraum vermitteln.

Die Diskussion mit dem Butler beginnt leider explosiv: Anatol beschwert sich über die unmöglichen Arbeitszeiten. Regelmäßig nach 22 Uhr warme Mahlzeiten bestellen – nein, das sei wirklich nicht die feine englische Art.

Trotz allem Ärger kocht Anatol mir ein Curry. Dabei lassen sich Probleme besser besprechen, findet er.

Anatol Curry

Ich muss sagen: dieser Butler ist unverschämt! Aber er kocht einfach göttlich.

Tagebucheintrag vom 25. August 2013

Ich habe Anatol einen klar definierten Arbeitsbereich zugewiesen: Kochen und Einkaufen, sowie Organisation des gesamten Haushalts. Anatol bekommt ein eigenes Fach im Regal, wo er sein Nest ganz nach seinen Wünschen einrichten kann.

Und ich habe sein Gehalt verdoppelt.

Anatol will jetzt doch bleiben.

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