29. Kapitel – Mangold

IMG_1984Anatol hat sich heute selbst übertroffen.

Offenbar ist es ihm nun doch etwas peinlich, dass er am Freitag Abend auf meine Verspätung so verärgert reagiert hat.

Gestern war er mit einem riesigen Einkaufskorb vom Markt zurückgekehrt, hatte aber sichtlich niemanden erlauben wollen, hineinzugucken. Schnell war der Inhalt des Korbs im Kühlschrank verstaut und dieser mit dem Befehl „Da geht keiner ran!“ geschlossen worden.

Heute abend wird das Geheimnis gelüftet. Anatol zieht ein riesiges grünes Ungetüm aus dem Kühlschrank und erklärt: „Das ist Mangold. Wir essen viel zu selten solche feinen Gemüsesorten!“

Mangold habe ich schon einmal probiert – zu Sylvester vor über 20 Jahren, in Paris. Es muss wohl 1990 oder 1991 gewesen sein … Damals hatte unser Freund Marc den Mangold zubereitet. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er mit seinen langen, spillerigen Armen die großen, grünen Blätter aus einem gigantischen Topf herausfischt und sie uns serviert – und dabei die Vorteile der „blettes“ (so heisst Mangold auf Französisch) aufzählt: der Mangold sei voller Vitamine und Mineralstoffe und habe einen wunderbar aromatischen, leicht nussigen Geschmack. „Les blettes“ hatten mir damals in der Tat sehr gut geschmeckt – aber ich hatte es leider versäumt, mir das Rezept aufzuschreiben, und hatte dieses schöne Gemüse dann auch vergessen.

Heute, nach fast 25 Jahren, ist es Zeit für den nächsten Mangold.

Verdächtig finde ich allerdings, dass Anatol erstaunlich oft zum Computer läuft und dort nachliest. Hat der Spitzbube etwa kein eigenes Rezept…? Etwas verschämt gibt Anatol zu, dass er in seiner Sammlung leider kein Mangold-Rezept vorhalte. Er habe aber eine ganz großartige Kochanleitung hier bei Chefkoch.de gefunden! Diese wolle er nun ein wenig abwandeln, da wir nicht alles im Haus hätten, was dafür benötigt würde.

IMG_1985Als erstes schneidet Anatol 2 kleine Schalotten und 2 Knoblauchzehen in Würfelchen und brät sie in einem großen Topf leicht mit Olivenöl an.

Dann gibt er die gewaschenen und kleingeschnittenen Mangoldstiele (das Weisse unten an den Blättern) in den Topf und lässt das Ganze etwas schmoren. Dazu kommen 3 kleine Chilis, Salz, Pfeffer und ein Teelöffelchen Vanillezucker.

Diese Mischung wird nun unter Rühren angebraten. Das Rezept von Chefkoch.de sieht noch Gemüsebrühe vor, aber die vertrage ich wegen der enthaltenen Würzstoffe nicht. Anatol lässt sie also weg, ebenso wie den Weisswein (der allerdings durch Rotwein ersetzt wird).

IMG_1988Letzteren gießt Anatol nun hinzu, gibt den Rest des Mangolds in den Topf (die geschnittenen Blätter), rührt einmal gut um und verschließt den Topf mit dem Deckel. Der Mangold muss nun etwa 20 Minuten sanft garen.

Indessen setzt Anatol einen zweiten Topf mit gesalzenem Wasser auf. Offenbar soll es Nudeln zu dem Mangold geben! Ich freue mich.

Das Wasser kocht – Anatol hat Penne vorgesehen und gibt sie in den Topf. Ich liebe Penne! Mittlerweile habe ich großen Hunger und bin sehr gespannt auf das, was Anatol da herbeizaubert.

IMG_1990Es ist soweit. Anatol serviert die „Penne mit Mangold à la Chefkoch.de„.

Ich finde sie einfach köstlich. Ehrlich gesagt kann ich gar nicht mehr aufhören … schon habe ich mir zum dritten Mal  nachgenommen.

Mit etwas Glück bleibt zumindest eine Kleinigkeit von dem herrlichen Mangold-Gericht für morgen übrig. Aber sicher ist das nicht.

24. Kapitel – Möhrenkuchen

Anatol und Elie rumoren nun schon seit geraumer Zeit in der Küche. Ich soll sie nicht stören und wurde sogar der Küche verwiesen. Ungeduldig klopfe ich an die Tür: „Kann ich kurz reinkommen?“

„Noch nicht!“ knurrt Anatol durch die geschlossene Tür. „Aber gleich darfst Du rein und Photos machen. Schließlich soll das ja alles in den Blog.“

Ich bereite die Kamera vor, und darf nun endlich in die Küche.

IMG_1607Dort sehe ich die Butler inmitten eines Sammelsuriums von Zutaten, Töpfen, Tiegeln und Rezepten. Was soll das denn nur geben?

Elie ruft fröhlich: „Juhu, wir backen einen Möhrenkuchen!“ Ich bin sehr überrascht. Möhrenkuchen finde ich zwar unglaublich lecker, aber ich habe mich bisher an so etwas noch nie herangetraut.

Die beiden Butler haben aber offenbar keinerlei Hemmungen und sind mitten im Backen.

Aber woher haben sie das Rezept? Ich selbst besitze nämlich keines für Möhrenkuchen!

IMG_1610Stolz zeigt Anatol mir das Rezept. Es kommt von totallyveg und handelt sich um einen vollkommen veganen Möhrenkuchen! Ich bin begeistert. Laut Anatol ist es einfach das beste Rezept für Möhrenkuchen überhaupt!

Was brauchen die Butler für den Möhrenkuchen?

Hier sind die Zutaten, die die beiden auch schon vorbereitet haben:

200 g Dinkelvollkornmehl
180 g Zucker
1 Packung Vanillezucker
1 TL Natron
1 TL Backpulver
1 TL Zimt
1/2 TL Salz
150 – 200 g geriebene Möhren
200 g Soja-Joghurt Natur
100 ml Sonnenblumenöl

Und hier die Photos vom Backen – Ihr könnt das ganz leicht nachmachen (aber bitte nur in Anwesenheit der Eltern!)

Als erstes werden die trockenen Zutaten (Mehl, Zucker, Vanillezucker, Zimt, Natron, Backpulver, Salz) genau abgewogen, in einer Backschüssel gut verrührt und dann beiseitegestellt.

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Dann müssen die Möhren gerieben werden (lieber etwas mehr als zu wenig – Anatol nimmt gut 200g geriebene Möhre!). Dazu kommen die Soja-Joghurts und das Öl. Diese feuchten Zutaten solltet Ihr in eine ordentlich große Schüssel tun, auf keinen Fall in eine zu kleine, und sie dann vorsichtig verrühren.

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Schließlich wird das Mehl, der Zucker etc. aus der vorhin beiseite gestellten Schüssel in die Schüssel mit den Möhren, dem Joghurt und dem Öl gegeben (am besten in drei Schritten), und sehr vorsichtig per Hand verrührt (auf keinen Fall mit einem Rührer!), bis es eine einheitliche Masse ist.

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Diese wird dann in eine mit Sonnenblumenöl eingefettete Backform gegeben; Anatol und Elie nehmen hier eine 24er Form:

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Das Ganze kommt dann für etwa 30 – 35 Minuten in den auf 180°C vorgeheizten Ofen.

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Wenn der Kuchen fertig gebacken ist, sieht er so aus. Aber er ist noch nicht „ganz fertig“!

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Jetzt kommt nämlich das i-Tüpfelchen (und es ist wichtig – also bitte nicht weglassen!): der Zitronenzuckerguss:

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Dieser wird mit Puderzucker und etwas Zitronensaft angerührt und dann auf den Kuchen gepinselt (das geht auch mit einem Esslöffel – man braucht keinen Pinsel dafür).

Der Kuchen sieht dann bald so aus:

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Er ist nämlich so saftig, locker und leicht und schmeckt so gut, dass er immer sehr schnell gegessen wird! Da er ganz vegan ist, musste kein Tier für die Zutaten leiden. Anatol und Elie ist das sehr wichtig – und mir auch.

Wir wünschen Euch guten Appetit !

22. Kapitel – Anatols Borschtsch

IMG_1936Anatol hat sich heute entschlossen, Borschtsch zu kochen – vegan selbstverständlich! Was ist Borschtsch? Borschtsch ist sicher die leckerste Suppe der Welt. Das Rezept stammt aus Ost- und Mitteleuropa, und vermutlich ist der russische Borschtsch der bekannteste.

Aber es gibt auch polnischen, ukrainischen, galizischen, kasachischen Borschtsch… und noch mehr – Borschtsch ist in Osteuropa und darüber hinaus überall zuhause. Und nun auch hier in Frankreich!

Woher kenne ich Borschtsch? Anatol kocht ihn mir natürlich vor allem, weil ich ihn darum gebeten habe. Aber warum? Meine Familie stammt zwar aus dem Osten, aber Borschtsch gehört leider gar nicht zu ihrer Kultur… Nein – vor langer Zeit, als ich noch studierte, kochte eine gute Freundin mir ab und zu ein Borschtsch. Und seitdem weiss ich, dass es einfach keine bessere Suppe gibt!

Anatol sagt, man lese oft, Borschtsch werde immer mit Rindfleisch zubereitet. Das stimme aber im Grunde nicht. Es habe Zeiten gegeben, in denen Fleisch sehr teuer und rar war – und in denen man nicht immer Fleisch für die Suppe hatte. Da wurde dann ein Borschtsch ohne Fleisch gekocht – und der schmeckt genauso gut, wenn nicht sogar besser! Wir essen ja sowieso nie Fleisch, daher stellt sich die Frage nicht.

Gleich zu Anfang gibt es ein Drama. Anatol findet DAS Rezept nicht mehr. DAS Borschtsch-Rezept, wie er sagt, ist von Attila Hildmann. Bis vor einiger Zeit fand man es im Internet. Und nun? Verschwunden. Attila Hildmann, der vegane Starkoch (Anatols Vorbild!), hat das Rezept in eines seiner Kochbücher übernommen, und nun muss man das Buch kaufen, um das Borschtsch-Rezept zu finden. Anatol schäumt vor Wut!

Schnell verspreche ich, das Buch bei nächster sich bietender Gelegenheit zu kaufen. Nun muss der Borschtsch aber „so“, also ohne das famose Rezept gekocht werden. Anatol ist findig und stellt kurzerhand aus der Erinnerung ein Rezept auf, das uns auch einen ganz ordentlichen Borschtsch bescheren soll.

IMG_1915Was kommt in den Borschtsch? Anatol hat eingekauft: einen Weisskohl, rote Beete (frisch, nicht gekocht), zwei Möhren, Zwiebel, Knoblauch, eine kleine Steckrübe, eine Tomate und viel frischen Dill.

Gerade schneidet er die Zwiebel und den Knoblauch klein, dann kommt der Weisskohl dran. Dieser wird gut gewaschen, in Streifen geschnitten und dann mit der Zwiebel und dem Knoblauch im Topf mit etwas Olivenöl angeschmort.

In der Zwischenzeit (während der Kohl leicht anbrät), schneidet Anatol die Kartoffeln, die Möhren, die Steckrübe und die rote Beete in Würfel.  All dieses Gemüse kommt dann zu dem Kohl in den Topf. Dazu wird Wasser gegeben, Salz, Pfefferkörner, 4 kleine Lorbeerblätter und nur 2-3 Pimentkörner. Da Anatol es gern scharf mag, gibt er auch noch 2 getrocknete Chilischoten hinzu.

Hier ein paar Photos von den verschiedenen Etappen des Rezepts:

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Nun muss es mindestens eine, besser aber zwei Stunden köcheln. Am allerbesten schmeckt der Borschtsch am nächsten Tag, wenn er gut durchgezogen ist.

Schließlich wird der Borschtsch mit viel Dill und und einem großzügigen Klecks Sojajoghurt serviert. Anatol wünscht guten Appetit!

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18. Kapitel – La soupe aux choux

Anatol hat heute mit mir geschimpft. Das tut er leider manchmal. Anatol findet, dass ich mich zu einseitig ernähre: nämlich vorwiegend von Gemüsecurry, Paprikaschmortopf und Marmeladenbroten. Von der veganen Leberwurst ab und zu mal abgesehen. Und da Anatol für die Küche verantwortlich ist, hat er meine heutige Bestellung (Gemüsecurry) einfach ignoriert und einen riesigen Wirsingkohl gekauft, der nun gekocht werden soll.

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Ich stehe der Kohl-Aktion skeptisch gegenüber. Der Kohl ist gigantisch! Wie soll der auch nur in einen unserer Töpfe passen? Aber da es ja Anatol ist, der sich um die Zubereitung kümmert, versuche ich, mir darüber keine Sorgen zu machen.

Elie guckt sich den Kohlkopf einmal an, entscheidet, dass dies eine Nummer zu groß für ihn ist, und zieht sich mit einem Buch ins Nestchen zurück. „Ruft mich einfach, wenn es fertig ist!“ sagt er noch – und vertieft sich in seinen neuen Schmöker.

Anatol ist ein versierter Koch. Erst will ich ihn ja allein werkeln und köcheln lassen, aber dann bin ich doch zu neugierig, wie er diesem Kohl zu Leibe rücken mag. Ich nehme also meinen Photoapparat zur Hand und halte Anatols Kohlkochkünste hier fest:

Zuerst nimmt Anatol den Kohl Blatt für Blatt auseinander und schneidet die Strünke heraus. Dann wäscht er die Blätter und blanchiert sie. Das bedeutet, dass er sie kurz in kochendem Wasser wendet und sie dann mit kaltem Wasser abschreckt. Das ist etwas aufwendig, aber Anatol behauptet, dass der Kohl so bekömmlicher wird und auch besser schmeckt.

Hier sieht man ihn mit dem fertig blanchierten Kohl:

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Nun bereitet Anatol einen Sud vor. Er erhitzt etwas Wasser in unserem größten Topf und gibt Salz dazu. In den Sud kommen dann: eine ganze Zwiebel, eine Knoblauchzehe, Lorbeerblätter, Pfefferkörner, 2 Chilischoten (die kleinen scharfen!), ein paar Körner Piment, Olivenöl, ein Stückchen Knollensellerie, 2 kleine Kartoffeln und eine Möhre:

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Das wird nun etwas angeköchelt, mit Wasser aufgegossen, und dann kommt der Kohl hinzu. Zum Schluß gibt Anatol noch ein klein wenig Zucker hinzu.

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Der Topf ist randvoll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der nicht überkocht! Anatol ist aber zuversichtlich und meint, das müsse jetzt mindestens eine Stunde kochen. Dann wolle er abschmecken.

Ich bin gespannt!

Die Suppe köchelt nun seit fast einer Stunde. Anatol hat noch etwas Muskatnuss gerieben und in die Suppe gegeben. Diese Suppe muss einfach köstlich werden.