164. Kapitel – Eine Lamentatio

Geschätzte Leserinnen und Leser, Euch ist aufgefallen, dass in diesem Blog eine irritierende Stille herrscht. Mir, Anatol, ist es jedenfalls nicht verborgen geblieben.

Daher nehme ich selbst die Feder in die Hand und teile Euch mit, warum mein (MEIN !) Blog verödet. Zumindest eine Erklärung ist man seinen Lesern schuldig, finde ich. Nicht so Susanne! Tagaus, tagein klagt und jammert sie: sie habe zuviel Arbeit und keine Zeit für den Blog – keine Inspiration, keinen „Flow“… manchmal heisst es auch hochtrabend, es handele sich gar um eine Schreibblockade.

Papperlapapp! Derlei dient nur dazu, den Anschein einer Professionalität zu erwecken, von der in Wirklichkeit keine Rede sein kann.

Wenn ihr nichts mehr einfällt, hat ihr Arm eine Sehnenscheidenentzündung. Morgen schreibe man aber bestimmt wieder im Blog. Ja, ja.

Faule Ausreden, sage ich. Wie oft habe ich ihr gesagt, sie solle ihre Ideen sammeln, und dann frisch losschreiben! Die Inspiration will erhascht sein! Sie wird sich nicht einstellen, wenn man dumpf und träge vor dem Bildschirm sitzt und sich durch stupide Internetseiten klickt.

Nun muss ich zugeben, dass die Aktualität der letzten Wochen und Monate alles andere als anregend gewesen ist. Als Saurier verfolge ich das Zeitgeschehen von jeher mit großem Interesse – seit kurzem aber vor allem mit zunehmender Sorge. Leider weiss ich, dass der Mensch, seit er im Holozän entstand, an Intelligenz – wenn überhaupt – nicht viel hinzugewonnen hat. Seine Vorliebe für aggressive, psychisch auffällige Alpha-Affenmännchen ist seit diesen weit zurückliegenden Tagen ungebrochen. Zu gern macht er diese zum Herdenführer und unterwirft sich ihnen bereitwillig.

Gerade beobachten wir eine lange nicht mehr dagewesene Konzentration dieser Männchen überall auf der Welt. Wüsste ich es nicht besser, so würde ich darüber lachen. Aus meinen Erfahrungen der letzten Jahrmillionen heraus aber habe ich Angst. Ich fühle mich ohnmächtig – als müsste ich tatenlos zusehen, wie ein unabwendbares Schicksal seinen fatalen Lauf nimmt. Sollten wir es nicht besser wissen? Welches brüllende Alpha-Männchen hat jemals der Welt gut getan? Ich kann mich an keines erinnern.

Elie reagiert auf die neuesten Entwicklungen wie er es auch sonst tut: er geht demonstrieren. Seine Papp-Manifeste, die er – an ein umfunktioniertes Stäbchen vom benachbarten Chinarestaurant angeklebt – in die Höhe hält, sind Sinnbild unserer Ohnmacht. „Keine Macht dem Rassismus“ steht darauf, „Europa = 70 Jahre Frieden“ oder „Rettet Aleppo“. Nebenan werden Tyrannen groß.

Elie weiss nicht mehr, für oder gegen was er noch demonstrieren soll. Es gibt zu vieles, was man anklagen muss. So oft kann er gar nicht demonstrieren.

Gestern hatte Elie das berüchtigte Böhmermann-Gedicht hochgeladen und war schon dabei, es hier im Blog zu veröffentlichen – ein Manifest für Meinungsfreiheit und freie Presse. Susanne hatte das Vorhaben in letzter Sekunde bemerkt und unter einem Entsetzensschrei den Stecker gezogen.

„Willst Du uns alle in den Knast bringen!?“ hatte sie Elie angeschrien.

„So weit ist es nun also gekommen! Hier bei uns!“ hatte Elie geheult – und war weggelaufen.

Nun sind alle Blogzugänge gesperrt und das Passwort mehrfach geändert. Was Susanne nicht weiss: ich kenne das Master-Passwort.

Morgen wählen Österreich und Italien. Ob wir dafür den Fernseher rausholen, wissen wir noch nicht.

Alles Liebe,

Anatol

142. Kapitel – Wer hat Angst vor Kater Paul? Eine Parabel

Seit Jahren, fast Jahrzehnten gehört er zu unserem Viertel: der stattliche schwarze Kater Paul. Ursprünglich von den Nachbarn schräg gegenüber angeschafft – sie leben schon lange nicht mehr hier – hat er nun seine Bleibe am Mehlspeicher unserer Bäckerei gefunden, den er seither sehr erfolgreich gegen Ungeziefer jeglicher Art verteidigt: Pauls Spezialität ist die Mäusejagd.

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass Paul oft auf seiner Decke in der Sonne liegt. Er ist seltener in der Dämmerung auf Mäusefang zu sehen – dennoch bringt er immer noch eine beachtliche Anzahl Mäuse zu Strecke, wie mir die Bäckersfrau erzählt.

Der Bäcker hingegen findet, Paul sei faul geworden: er schlafe bald mehr als dass er jage. Er werde ihm daher die Decke wegnehmen – wenn er es weniger bequem habe, werde er schon öfter jagen gehen. Als ich lautstark protestiere, wiegelt der Bäcker ab: das sei selbstverständlich nur ein Scherz gewesen.

Ein paar Tage später ist die Decke indessen verschwunden.

Auf meine Anweisung hin legen Anatol und Elie unauffällig ein weiches Kissen neben den Speicher – in der Hoffnung, dass Paul es finden und auch nutzen werde. Ein Schälchen Katzenmilch lassen die beiden auch da, denn diese liebt der alte Kater.

Am Mittag kommen die Butler aufgewühlt nach Hause. „Paul soll weg!“ rufen sie mir entsetzt bereits auf der Treppe entgegen. „Die Bäckersfrau hat es gesagt, als wir eben dort Bonbons gekauft haben! Ihr Mann sei nicht umzustimmen. Paul sei ja auch gar nicht ihr Kater, eigentlich…“

Elie weint. „Können wir Paul nicht aufnehmen?“

Ich seufze und schüttle den Kopf. Die Katzendichte in unserer Wohnung hat jedes vernünftige Maß längst überschritten, und Auslauf in einem eigenen Garten können wir dem alten Paul auch nicht bieten.

Ich verspreche den Sauriern, gleich nach der Mittagspause zur Bäckerei zu gehen und alles zu versuchen, um Paul ein weiteres Leben im Viertel zu ermöglichen. Ein gutes Gefühl habe ich aber nicht.

Das Gespräch mit dem Bäcker gestaltet sich in der Tat unschön. Der sonst so zuvorkommende Händler macht mir unmissverständlich klar, dass es für Paul in seinem Mehlspeicher keine weitere Zukunft gebe.

„Ich brauche einen dynamischen Mäusefänger, keinen Schläfer von vorgestern!“ erklärt er unumwunden. Als ich bemerke, dass Paul – obwohl mindestens 15 Jahre alt – immer noch eine hohe Mäusefang-Quote aufweise, beendet der Bäcker das Gespräch mit einer kategorischen Handbewegung. „Die Entscheidung ist gefällt. Paul kommt auf den Reiterhof am Park. Dort bekommt er – so wollte es meine Frau – das Gnadenbrot und darf im Stroh bei den Pferden schlafen.“

Auf meinen fassungslosen Blick hin setzt der Bäcker nach, andernorts hätte man sich nicht so viel Sorgen um das weitere Wohl des Katers gemacht und ihn schlicht weggejagt. Ich verlasse wortlos die Bäckerei. Unser Brot werden wir in Zukunft nicht mehr hier kaufen.

Als ich in unsere Straße einbiege, sehe ich Paul – gut versteckt unter einem Busch – zusammengeringelt auf unserem Kissen liegen. Er ist alt geworden, etwas struppig sein Fell. Dennoch ist er immer noch ein großartiger Mäusefänger, und ein gern gesehener Bewohner des kleinen Stadtteils. Ohne ihn wird das Viertel ein anderes sein.

Seufzend steige ich die Treppe hoch in unseren vierten Stock. Zu Hause wähle ich als erstes die Nummer des Reiterhofs und bringe in Erfahrung, wie die hauseigenen Katzen dort untergebracht sind – und ob Paul dort überhaupt willkommen ist.

Die Antwort fällt überrascht positiv aus. Es gebe ein Katzenhaus am Reiterhof: die Katzen würden dort nicht nur gefüttert, sondern auch bei Bedarf vom Tierarzt versorgt. Natürlich würden sie nicht im Stroh bei den Pferden schlafen, sondern hätten ihre eigene Katzenunterkunft mit Bettchen und Decken. An Paul sei man sehr interessiert, da ein guter Mäusefänger im Reiterhof dringend benötigt werde. Das einzige, was man Paul nicht bieten könne, sei ein echtes Familienleben – aber das habe er offenbar bisher auch nicht gehabt…

Dass Paul in jedem Haus unseres Viertels sein Zuhause mit ausgiebigen Streicheleinheiten gehabt hatte, erzähle ich der jungen Dame vom Reiterhof nicht. Ich lege auf – wohlwissend, dass der Hof nicht die schlechteste Lösung für Paul ist. Dennoch macht es mich innerlich rasend, dass nach all den Jahren treuer und guter Dienste der alte Kater nun abgeschoben wird, anstatt seinen Lebensabend in Frieden in seinem Zuhause verbringen zu können.

Der Tag von Pauls Umsiedlung kommt schnell. Als hätte der alte Kater es geahnt, sitzt er an diesem Morgen stolz vor der Bäckerei – so als wolle er sich von jedem in Viertel verabschieden. Er steigt freiwillig in das Auto, das ihn zum Reiterhof bringt. Das Kissen, das wir Paul an den Speicher gelegt hatten, geben wir ihm für sein neues Zuhause mit.

Wir nehmen uns vor, Paul dort bald zu besuchen – und uns zu versichern, dass es ihm an nichts fehlt.

Bereits am selben Abend zieht Pauls Nachfolger in den Mehlspeicher ein. Ein junger, roter Kater – offenbar aus einem Vermehrerhaushalt. Nun gut, dafür kann das Tier, welches uns die Bäckerin als „Tino“ vorstellt, nichts.

Tino ist äußerst umtriebig, fängt aber außer einigen Nacktschnecken nichts.

Nachdem der Mehlvorrat im Speicher von Mäusen vernichtet und die Hygienebehörde mehrfach erschienen ist, wird die Bäckerei geschlossen.

An einem Sonntag rufe ich den Reiterhof an, um mich nach Kater Paul zu erkundigen. Ich habe, obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte, nicht übers Herz gebracht, Paul zu besuchen. Das junge Mädchen sagt mir, Paul läge wie so oft auf seinem Kissen, draußen in der Sonne. Mäuse gebe es im Reiterhof keine mehr, seit Paul da sei. Ich lasse ihm Streicheleinheiten ausrichten und lege auf.

In der Woche darauf berichtet mir der freundliche Herr, der den Schreibwarenladen führt, Paul komme regelmäßig zu Besuch in unser Viertel – meist am frühen Abend, wenn ich noch bei der Arbeit sei. Deshalb hätte ich Paul wohl nicht gesehen. Er wechsle dann gern ein paar Worte mit Paul und streichle den alten Kater über das struppige Fell.

Aber wie früher sei es nicht mehr.

141. Kapitel – Flüchtlinge willkommen!

Es ist 13 Uhr 30 – ich erwarte meine Saurier in Kürze zum Mittagessen. Im Treppenhaus höre ich Stimmen: das müssen die beiden sein.

Aber halt: anstelle von fröhlichem Schwatzen und Lachen scheint mir, als hörte ich ein leises Weinen – und es wird lauter. Ich öffne die Etagentür und sehe ein Häuflein Elend am Treppenabsatz im dritten Stock.

Es ist Elie – daneben Anatol, der ihn streichelt und verzweifelt zu mir hochschaut.

Schnell laufe ich die Treppe in den dritten Stock hinunter und hebe Elie hoch. Auf meine Frage, ob Angelo ihn wohl wieder geärgert habe, schüttelt er energisch den Kopf. „Nein es war nicht Angelo… Es ist ganz allein meine Schuld!“ Ein weiterer Erklärungsversuch geht in einem Weinkrampf unter – Elie kann nicht weitersprechen.

Ich bringe den verzweifelten Saurier in unsere Wohnung und setze ihn in sein Körbchen. Anatol trägt Elies Schulranzen – halbgeöffnet und etwas schludrig gepackt lässt dieser ein bedrucktes Papier, offenbar einen Aufruf zu irgendeiner Aktion, halb hervorgucken. Ich ziehe den Zettel heraus, überfliege ihn und bin sprachlos.

Keine Zwangsbelegung unserer Turnhalle!“ steht dort in großen, unfreundlichen Lettern. Dann folgt ein Text, der darlegt, man habe zwar nichts gegen Flüchtlinge aus den Krisengebieten – es sei jedoch undenkbar, diese in der schuleigenen Turnhalle unterzubringen. Der Turnunterricht müsse dort weiterhin ungestört abgehalten werden können.

Unterzeichnet ist die Brandschrift von einer nicht namentlich bezeichneten Lehrergruppe und mehreren Schulklassen, darunter auch die 5b – Elies Schulklasse.

Bestürzt sehe ich die Saurier an. „Habt Ihr das wirklich unterschrieben? Dazu habe ich kein Einverständnis gegeben – dass man Euch in der Schule so einen Mist unterzeichnen lässt!“ Ich nehme mir insgeheim vor, ein sehr ernstes Wort mit der Klassenlehrerin zu sprechen.

Anatol schüttelt den Kopf. „Als das bei uns in der Klasse rumging, habe ich nicht unterschrieben. Ein paar andere Schüler übrigens auch nicht – deshalb ist die 8b auch nicht bei den unterzeichnenden Klassen genannt.“

Elie heult laut auf. „Ich Idiot habe es unterschrieben! Aber nicht, weil ich dafür bin! Also – ich bin dagegen, dass man dafür ist! Nein, ich bin dafür, dass man dafür … ach – ich weiss nicht!!“ Seine Stimme erstickt fast im Schluchzen.

Dann fasst er sich und gibt leise und reumütig zu: „Ich hab nicht aufgepasst, als Frau Berger dieses blöde Schreiben erklärt hat. Ich habe immerzu nur an Anna gedacht … sie hat sich gestern mit Angelo getroffen, und heute hat sie mir noch keine einzige Nachricht über Dinotalk geschickt! Ich war so traurig und hab immer mein Handy gecheckt … und da hab ich nur was von „Petition für unsere Turnhalle“ mitgekriegt, und die habe ich wie alle einfach unterschrieben. Irgendwie hab ich gedacht, die soll wohl renoviert werden – was weiss ich …“

Dann fügt er hinzu: „Wenn Anna das erfährt, spricht sie nie wieder mit mir. Sie ist doch in der Amnesty Gruppe, die die Flüchtlinge berät …“ Dann beginnt er wieder zu weinen.

Ich schüttle den Kopf. „Elie, deine Unterschrift hat überhaupt keine Bedeutung. Gleich nach dem Mittagessen rufe ich in der Schule an und lasse sie entfernen. Wie kann Eure Lehrerin Euch so etwas unterzeichnen lassen – ohne mich vorher zu fragen! Das Handy wird ab jetzt morgens konfisziert; das nimmst Du nicht mehr in die Schule mit. Und wie bist Du überhaupt darauf gekommen, was Du da unterschrieben hast? Gelesen hast Du die Petition hinterher sicher nicht – wie ich Dich kenne…“ Elie ist leider manchmal etwas nachlässig mit Schulpapieren.

Anatol berichtet, was nach der Schule vorgefallen war. Auf dem Schulhof sei nach der letzten Stunde nur noch über die Turnhallenpetition gesprochen worden. Schnell hätten sich Lager gebildet – einige Schüler seien sogar handgreiflich geworden.

Zwar sei niemand offen gegen eine Aufnahme der Flüchtlinge gewesen – aber die eigene Turnhalle zur Verfügung zu stellen, dazu sei nur eine Minderheit der Schüler bereit gewesen. Elie habe sich lauthals dafür ausgesprochen, die Turnhalle für die Flüchtlinge einzurichten – schließlich könne man auch draußen im Park oder auf dem Schulhof turnen!

Hier seien Stimmen laut geworden, die Elie darauf hingewiesen hätten, er habe doch soeben die Petition gegen Flüchtlinge in der Halle unterzeichnet – woraufhin Elie verstummt sei. Nun erst sei ihm offenbar aufgegangen, worunter er da seine Unterschrift gesetzt hatte, was die Anwesenden an den ihm entgleitenden Gesichtszügen auch sofort bemerkt hätten. Unter dem hämischen Gelächter der größeren Schüler sei er weinend weggelaufen. So sei ihm auch nicht aufgefallen, dass noch ein paar andere unaufmerksame Klassenkameraden unauffällig das Weite gesucht hätten …

Elie richtet sich schluchzend in seinem Bettchen auf. „Anna hat gesagt, die Leute, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, seien Nazis! Ich will kein Nazi sein! Was genau machen Nazis ? Passen die alle beim Unterschreiben nicht auf…? Oder was?“ Anatol runzelt die Stirn. „Seit vorhin versuche ich, ihm das auszureden. Es hilft nichts!“

Ich beruhige Elie, er sei ganz sicher kein Nazi. Was es damit auf sich hat, werde ich zu einem geeigneteren Zeitpunkt erläutern.

Dann serviere ich das Mittagessen und überlasse es vorerst Anatol, Elie über die Flüchtlingskrise in Syrien aufzuklären:

„Also in Syrien gibt es ein bösen Diktator. Gegen den kämpfen viele Syrer. Leider sind dann noch Bösere dazugekommen. Woher, weiss ich nicht – sie waren plötzlich da, also in den Nachrichten. Sie heissen IS. Die kämpfen auch dort und versuchen, den Menschen in Syrien und in den umliegenden Ländern eine religiöse Diktatur aufzuzwingen. Weshalb, weiss ich nicht. Ich glaube, keiner weiss das. Man erkennt sie daran, dass sie immer schwarz angezogen sind.“

Elie schnieft. „Die kenne ich. Das ist der schwarze Block! Aber was ist eine ‚religiöse Diktatur‘?“

„Nein“, sagt Anatol. „Der schwarze Block, das sind andere. Glaub ich jedenfalls. Und was eine religiöse Diktatur ist, weiss ich nicht so genau. Jedenfalls ist es Mist. Bring mich nicht durcheinander! Also, diese IS-Leute sind sehr brutal. Sie schlagen den Journalisten und anderen Leuten den Kopf ab. Das hat Mirko erzählt, er weiss es aus dem Internet!“

Elie hält sich die Ohren zu und verkriecht sich tief unter der Bettdecke. „Nein!“ schreit er. „Ich will das nicht hören! Das macht mir Angst!“

„Na ja, Du musst ja verstehen, warum die Leute aus Syrien hier herkommen. Stell dir mal vor, hier würden so schwarz gekleidete Typen kommen und uns umbringen wollen. Vor denen würden wir doch auch fliehen, oder?“ Elie nickt. „So wie vor dem schwarzen Dino. Vor dem habe ich nachts immer Angst, falls meine Beine unter der Bettdecke rausgucken. Die packt ja der schwarze Dino sonst – deshalb passe ich immer auf, dass alles unter der Bettdecke ist!“

„Glaub mir, den schwarzen Dino  kannst Du vergessen, verglichen mit IS“ meint Anatol grimmig. „Das hat Mirko jedenfalls gesagt.“ Mirko scheint gut informiert.

Elie schluckt. „Aber wie fliehen die Leute denn? Haben sie ein Auto? Ich weiss gar nicht, wie wir fliehen sollten … wir haben doch nicht einmal ein Auto… mit dem Fahrrad vielleicht? Und was ist, wenn die Leute auch kein Fahrrad haben? Wie transportieren sie ihre Sachen? Mit der Eisenbahn? Sie können doch nicht alles tragen!“

„Sie können nichts mitnehmen“ sagt Anatol. „Sie müssen alles zurücklassen. Viele habe auch Babies… oder Tiere… die müssen sie ja auch mitnehmen – da kann nicht noch Sachen schleppen.“ Sprachlos und entsetzt sieht Elie uns an. „Was ist mit den Teddybären?“

Anatol und ich beruhigen Elie. „Die Teddybären werden alle gerettet. Ganz bestimmt.“

Elie weint dennoch immer lauter. „Was würde denn aus uns, wenn das hier passieren würde? Wer würde uns helfen? Würde man uns auch in einer Turnhalle unterbringen? Wieso überhaupt in einer Turnhalle – da kann man doch gar nicht wohnen… ich würde lieber in eine richtige Wohnung mit einem Bett! Das ist alles schrecklich! Warum geschieht so etwas überhaupt? Gibt es da keine Polizei, die aufpasst?“

Anatol und ich sehen uns hilflos an. Wir haben keine Antwort darauf.

Ich nehme den Telephonhörer zur Hand und wähle die Nummer der Schule. Dort bitte ich um die Entfernung von Elies Unterschrift von der „Petition“ – und erfahre, dass ich nicht die einzige bin, die deswegen anruft. Der gesamte Aufruf sei im Übrigen von der Schulleitung annulliert worden: dies gibt ein wenig Hoffnung.

Elie ist erleichtert. Nachher wird er Anna berichten können, dass er für die Aufnahme von Menschen ist, die vor der Diktatur und dem IS fliehen und bei uns Zuflucht suchen. Nun kennt er ja auch die Hintergründe.

„Warum nehmen wir bei uns eigentlich keine Flüchtlingsfamilie auf?“ fragt Elie.

Das ist eine gute Frage. Warum nicht? Wenn wir ein Gästezimmer hätten, wäre es möglich. Aber wir haben keines. Die Unterbringungsinitiativen, bei denen man sich melden kann, weisen unsere Wohnung als ungeeignet zur Aufnahme von Schutzsuchenden aus.

Elie und Anatol sind enttäuscht. „Können wir denn nichts tun?“ „Doch“, meine ich. „Ihr könnt Euer Taschengeld für die Flüchtlinge spenden. Ich gebe auch etwas dazu.“

Entsetzen spricht aus den Augen der Saurier. „Unser Taschengeld?!“ flüstern sie.

Dann fasst Anatol sich und läuft zum Sparschwein, das gut gefüttert im Spielzeugregal steht. „Ich finde das eine gute Idee!“ ruft er. „Wir haben doch schon alles, was wir brauchen – da können wir ruhig etwas abgeben.“ Elie nickt – auch wenn das heisst, dass er sich das neue Skateboard nicht wird kaufen können. „Das alte fährt ja noch ganz gut!“ versucht er, sich selbst zu überzeugen. Eine kleine Träne läuft ihm dennoch über die Wange, aber die trocknet schnell, als wir die Überweisung für die Flüchtlingshilfe vorbereiten.

Diese Links wollten Anatol und Elie unbedingt auch veröffentlichen:

http://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/wir-ueber-uns/

http://www.fluechtlinge-willkommen.de/

http://www.welt.de/politik/deutschland/article143884918/CDU-Politiker-teilt-sein-Zuhause-mit-Fluechtlingen.html

http://www.proasyl.de/de/ueber-uns/foerderverein/mitmachen/

http://www.proasyl.de/fileadmin/fm-dam/q_PUBLIKATIONEN/2014/Infopapier-Fluechtlinge_privat_aufnehmen-PROASYL-Nov-2014.pdf

119. Kapitel – Mobberdämmerung

Was bisher geschah:

Boshafte Klassenkameraden – insbesondere der smarte Angelo – haben sich angewöhnt, Anatol zu drangsalieren. Dem heutigen Brauch folgend, derlei Problemen mittels einer psychologischen Behandlung bzw. eines Coachings abzuhelfen, habe ich Anatol bei einem Anti-Mobbingkurs mit Schlagfertigkeitstraining angemeldet.

Diesen Kurs hat Anatol eine Woche lang besucht. Sein Selbstbewusstsein ist gegen Ende dieses Kurses – ein wenig zu unserem Bedauern – ins fast Unermessliche gestiegen. Ob das in der kommenden Woche anstehende Aufeinandertreffen der nun auf Gleichstand gebrachten Egos der Kontrahenten einen positiven Ausgang nehmen wird – wir wagen es nicht vorherzusagen.

Anatol übt in seinem Zimmer ein letztes Mal seine Schlagfertigkeitslektionen, während Elie und ich im Wohnzimmer einen Nachmittagstee trinken.

Elie zieht die Stirn in Falten. „Das gibt ein Drama – ich sehe es kommen. Diese ganzen Kurse und Coachings, da glaube ich nicht dran! Die dienen doch nur dazu, schüchternen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wenn sie dann ihrem mobbenden Chef die perfekte schlagfertige Antwort geben, sind sie auch noch ihre Stelle los! Oder glaubst Du, dass irgendjemand seinem Mobber-Chef sagen wird ‚Übrigens, wie weit ist es mit Ihrer Scheidung?‘, wenn der Chef wieder mal eine fiese Bemerkung macht? Das tut doch niemand. Und wenn, dann braucht er danach einen neuen Job. Nein, aus meiner Sicht ist das alles Nepp! Gegen Mobbing muss man anders vorgehen.“

Im Grunde teile ich Elies Meinung. Mobbing sollte man mit rechtlichen Maßnahmen bekämpfen können – aber wir alle wissen, wie schwer das ist. Dem Mobber mit schlauen Sprüchen kommen, wenn er bereits die Oberhand hat, das scheint auch mir sehr gewagt.

Anatol ist indessen fest davon überzeugt, dass es ihm gelingen wird, der Schikane innerhalb kurzer Zeit Herr zu werden. Was gibt ihm diese Sicherheit? Anatol erklärt es uns.

„Beim Coaching haben wir Situationen durchgespielt, die mir tatsächlich mit Angelo passiert sind. Die Coachin hat das alles mit mir analysiert – und nun bin ich der festen Überzeugung, dass Angelo ein Blender ist. Er hat in Wirklichkeit nur wenig Ahnung! Es traut sich aber niemand, mal genauer nachzufragen. Übrigens habe ich gegoogelt: auf der Webseite von Dinojugend forscht steht er nirgends als Preisträger drauf. Vielleicht hat er das nur erfunden! Ich werde mich jedenfalls von dem nicht mehr piesacken lassen.“

Siegessicher verlässt Anatol heute früh das Haus. Ich setze mich an den Computer, um den zweiten Teil meiner Novelle in Angriff zu nehmen, aber es kommen mir keine Ideen. Um 10 Uhr lösche ich alles heute Geschriebene und mache mich daran, die Abstellkammer aufzuräumen. Zu sehr beschäftigen mich die Gedanken an Anatols geplante Anti-Mobbing-Aktion.

Nun ist es 13 Uhr – bald sollten die beiden Butler aus der Schule kommen… jodoch betritt um viertel nach Eins nur Elie die Wohnung.

„Anatol sitzt nach,“ erklärt er lakonisch. „Sie denken darüber nach, ihn der Schule zu verweisen. Also die Lehrerkonferenz. Na ja, ich habs ja gesagt.“

Entsetzt will ich die ganze Geschichte hören, bevor ich den Schuldirektor anrufen werde. Elie fasst den explosiven Vormittag zusammen.

Zur ersten „Begegnung“ mit dem Widersacher sei es in der Französischstunde gekommen. Angelo, der Überflieger, habe bei einer Antwort Anatols einen kleinen Aussprachefehler ins Lächerliche gezogen – worauf seine Clique in hämisches Gelächter ausgebrochen sei. Anatol habe dies allerdings nicht auf sich beruhen lassen, sondern habe dem „Feind“ entgegengeschleudert, wenn er so schlau sei, solle er doch mal den Subjonctif I des Verbs acquérir in der ersten Person sagen. Er würde auf die Antwort notfalls auch warten!

Da Angelo diese Konjugation nicht beherrschte (was ihm im Grunde nicht vorzuwerfen war, da man dieses Verb noch nicht im Unterricht behandelt hatte), obwohl er sich selbst als den ultimativen Französisch-Crack bezeichnete, habe Anatol diesmal die Lacher auf seiner Seite gehabt – nämlich die Schüler, die ebenfalls unter der Knute des Klassenbesten litten.

In der nachfolgenden Pause habe Angelo Anatol mit seiner Clique umringt. Elie, Mirko und Edouard sei das Herz tief in die Hose gerutscht, da sie die Vergeltung der Bande fürchteten. Anatol habe ihnen jedoch vorher gesagt, es werde gewiss nichts passieren. Sollte die Clique ihn auf dem Schulhof tätlich angreifen, habe er endlich einen Beweis für die Boshaftigkeiten, den auch die Lehrer nicht mehr würden ignorieren können. Größere Sorgen mache er sich um den Nachhauseweg, aber dafür habe er auch eine Lösung parat.

Es sei dann zunächst zu einem verbalen Schlagabtausch gekommen. Angelo habe Anatol als „grünen Wurm“ bezeichnet, der einen „Zwergenaufstand probe“. Dies werde ihm schlecht bekommen, wie er noch sehen werde.

Anatol, nun wieder im Vollbesitz seiner legendären Unverfrorenheit, habe darauf geantwortet, er sei lieber ein grüner Wurm, als ein „arroganter, aufgeblasener Lackaffe“. Da Angelo daraufhin vor Wut zu platzen drohte und sich Tätlichkeiten ankündigten, habe Anatol sein Heil in schleuniger Flucht gesucht. In Anbetracht der starken zahlenmäßigen Übermacht des Gegners sei dieser Rückzug nicht ehrlos gewesen. Angelo habe den Flüchtigen jedoch eingeholt, worauf sich ein kurzes Handgemenge entsponnen habe.

Anatol habe es glücklicherweise geschafft, sich aus der Umklammerung des Widersachers zu lösen und flugs auf die große Buche auf dem Schulhof zu klettern. Angelo, vor Wut schäumend, sei bei der Verfolgung Anatols in einer günstig am Fuße der Buche gelegenen Schlammpfütze ausgerutscht und morastbekleistert aus der Lache gestiegen. In diesem Moment habe Anatol begonnen, den bekleckerten Gegenspieler unter lautem Gezeter mit offenbar eigens zu diesem Zwecke mitgeführten, schon etwas älteren Tomaten zu bewerfen.

Ein prompt herbeigeeilter Lehrer habe dem Spektakel schließlich ein Ende bereitet.

Angelo sei in den Waschraum gebracht worden, wo er einer notdürftigen Reinigung unterzogen worden sei. Anatol habe man in das Büro des Direktors geführt. Dieser habe zunächst versucht, Anatol einzuschüchtern – was indessen nicht gelungen sei. Anatol habe auf der Anwesenheit seines Vertrauenslehrers bei der Vernehmung  bestanden. Erst als Herr Hildebrandt ins Zimmer des Direktors gekommen sei, habe Anatol den gesamten Verlauf des Mobbings von seinem Beginn an erzählt. Dies und die danach ad hoc einberufene Lehrerkonferenz habe fast drei Stunden gedauert. Am Unterricht haben weder Angelo noch Anatol mehr teilgenommen.

All dies wisse Elie von Herrn Hildebrandt, der ihn bei Schulschluss in Kenntnis gesetzt habe. Vorerst habe man offenbar entschieden, Anatol wegen des Tomatenwerfens, welches als überproportionale Handlung und nicht als notwendige Verteidigung beurteilt worden sei, eine Stunde nachsitzen zu lassen. Darüberhinausgehende Maßnahmen seien allerdings noch nicht beschlossen. Der Direktor habe zunächst vorgehabt, Anatol von der Schule zu werfen, sei damit aber am entschiedenen Widerstand des Lehrerkollegiums gescheitert.

Angelo habe man heute an der Schule nicht mehr gesehen.

Elie lässt den Kopf hängen. „All das wird noch ein Nachspiel haben. Und kein gutes!“

Ich hingegen bin insgeheim stolz auf meinen Butler. Er hat Mut bewiesen, und sich die Ungerechtigkeiten des durchtriebenen Angelo nicht gefallen lassen. Egal was das für Folgen haben wird: wir werden damit klarkommen. Zudem bin ich sicher, dass Anatols Vertrauenslehrer, Herr Hildebrandt, aber auch der Lateinlehrer Herr Justus auf Anatols Seite stehen werden. Beide sind regelmäßig Zielscheibe von Angelos Spitzen, da ihr Unterricht angeblich „nicht ausreichend wissenschaftlich qualifiziert“ sei.

Als Anatol am frühen Nachmittag aus der Schule kommt, haben Elie und ich Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade vorbereitet.

Anatol ist müde, aber gefasst. Er meint, dass es ab jetzt kein weiteres Mobbing mehr geben werde. Die Lehrerkonferenz habe beschlossen, dagegen ganz allgemein vorzugehen. Herr Hildebrandt sei zum Mobbing-Referenten ernannt worden. Sobald man sich als Opfer von Schikane oder Hänseleien sehe, könne man sich nun an ihn wenden. Stolz vertilgt Anatol seine Pfannkuchen. Dann verkriecht er sich, von Emotionen überwältigt, weinend in seinem Nest. Aber diesmal ist es ein gutes Weinen!

Am nächsten Tag werden wir von Herr Hildebrandt erfahren, dass Angelo für ein Auslandssemester an die Harvard-Universität gerufen worden sei. Ob das stimmt, oder ob es nur eine Bemäntelung für ein Aussetzen ist, ist uns egal. Angelo wird erst in sechs Monaten wieder aufs MPG zurückkehren und dann voraussichtlich in eine andere Klasse gehen.

Von jetzt an gehen Anatol und seine Freunde wieder unbeschwert in die Schule.

Nachtrag:

Mobbing in der Schule ist ein sehr ernstes Thema. Wenn Ihr Opfer von Hänseleien und Schikane seid: sprecht mit Euren Eltern und mit den Lehrern darüber. Sucht Verbündete und bleibt nicht allein. Wartet nicht ab, sondern handelt schnell. Gebt dem Mobber keine Macht über Euch, indem Ihr es über einen längeren Zeitraum ertragt. Es wird nicht von allein besser!

Jeder kann Opfer von Mobbing werden. Das Opfer von Mobbing ist niemals schuld daran – schuld ist allein der Täter! Lasst Euch nicht einreden, dass Ihr selbst Ursache des Mobbings seid. Oft ist der Täter neidisch; manchmal entscheidet aber auch nur der Zufall darüber, dass man Opfer von Mobbing wird. Niemand hat es verdient, gemobbt zu werden!

117. Kapitel – Widerstand

Was bisher geschah

Anatol wird von seinem erfolggekrönten Klassenkameraden Angelo und dessen Lakaien – anders kann man die um den Überflieger herumscharwenzelnden Schmeichler nicht nennen – gepiesackt und getriezt. Im Unterricht traut er sich nicht mehr, Fragen zu stellen, und auf dem Schulhof spricht kaum noch ein Klassenkamerad mit ihm. Auf Dinobook und Whatsdino kursieren Meldungen, die Anatol lächerlich machen.

Als ich das gesamte Ausmaß der Schikane, deren Opfer Anatol ist, erkenne, ist meine erste Reaktion ohnmächtige Wut. Fast will ich mir die Schuldigen persönlich vorknöpfen und ihnen eine Abreibung verpassen. Leider muss ich jedoch erkennen, dass Schul- und Cybermobbing ein von den Tätern mit List vorbereitetes Manöver ist: es ist geradezu unmöglich, nachzuweisen, auf wen die Gemeinheiten zurückgehen. Wir haben zwar einen Hauptverdächtigen, aber keine Beweise. Die häßlichen Bemerkungen, die Anatol in der Schule zu ertragen hat, werden meist vor der Clique abgegeben, die auf der Seite des Mobbers steht und die gegen ihn nicht aussagen wird. Wer das Federmäppchen entwendet und in die Mülltonne geworfen hat: es bleibt im Dunklen. Ebenso verhält es sich mit dem Schulheft, in welchem die gemachten Hausaufgaben notiert sind: es verschwindet und wird später zerfleddert und verdreckt auf dem Schulhof wiedergefunden. Der Täter bleibt unerkannt.

Das Opfer hat nur den Schaden – aber keine Zeugen.

Äußerungen, die der Mobber während des Unterrichts abgibt, und die Anatol treffen sollen, werden vom Lehrer nicht immer als „so schlimm“ aufgefasst. Dass sich die spitzen Bemerkungen aber häufen und sich wieder und wieder gegen die selbe Person richten, fällt nicht auf: in jeder Stunde sind andere Lehrer anwesend, die nicht wissen, was in der vorhergehenden und der nachfolgenden Schulstunde passiert.

Das außergewöhnliche Nachhilfeprojekt war Anatols vergeblicher letzter Versuch gewesen, in der Schule und besonders seiner Klasse wieder etwas Ansehen zu erlangen. Aber das Projekt ist von Angelo vor versammelter Mannschaft ins Lächerliche gezogen worden – es wird nun kaum jemals umgesetzt werden. Zu groß ist die Angst der anderen Schüler, ebenfalls in Ungnade zu fallen, falls sie sich an einem solchen Projekt beteiligen.

IMG_3556Anatols Reaktion kann man nicht einmal mehr Verzweiflung nennen. Er liegt unter der Decke in seinem Nestchen und wiederholt seit einer Stunde gebetsmühlenartig den selben Satz: „Ich geh da nie wieder hin!“

Mina, Elies kleine Stoffkuh, hat sich zu Anatol gesetzt und versucht, ihn zu trösten.

Anatols legendäre Chuzpe, seine Fröhlichkeit und Dreistigkeit, sein Selbstvertrauen: es ist alles dem Mobbing anheimgefallen. Anatol ist nicht wiederzuerkennen.

So kann es nicht weitergehen. Uns allen ist klar: es muss etwas geschehen. Nur wie?

Elie sitzt ratlos am Computer.

„Ich hab unendlich viele Seiten gefunden, die sich mit „Mobbing in der Schule“ beschäftigen. Alle sagen das Gleiche: man soll die Lehrer und die Schulleitung informieren. Nur leider ist ja der Direktor auf Angelos Seite! Er ist zu stolz darauf, einen Preisträger von Dinojugend forscht auf der Schule zu haben. Gegen den wird er nie etwas tun. Und die Lehrer auch nicht. Eher müssen wir von der Schule …“

Ich kann es nicht fassen. Da mobbt ein Schüler ungestraft über Wochen einen anderen – und nun soll es gar das Opfer sein, welches weichen muss? Meine Dinos sollen von der Schule, weil ein bösartiger Klassenkamerad ihnen das Leben zur Hölle macht?

Das ist schon deshalb undenkbar, weil es in der Nähe gar keine geeignete andere Schule gibt. Anatols Schule ist ein etwas altmodisches, altsprachlich-humanistisches Gymnasium, an dem man aber nicht nur Latein und Griechisch, sondern auch lebende Sprachen perfekt erlernt. Zudem ist es meine alte Schule … nein, die werden wir nicht aufgeben. Abgesehen davon, dass Anatol auf dem naturwissenschaftlichen Gymnasium, das es hier auch noch gibt, verloren wäre: Mathematik, Physik und Chemie gehören leider nicht zu Anatols Stärken – auch wenn er sich noch so anstrengt.

Nein, wir werden das Feld nicht räumen. Wir leisten Widerstand!

Fortsetzung folgt!

116. Kapitel – Paint it, black

No more will my green sea go turn a deeper blue
I could not foresee this thing happening to you

Es ist Mittag – gleich werden die Butler aus der Schule kommen. Der Tisch ist gedeckt, das Essen vorbereitet: heute soll es Pfannkuchen mit Salat geben. Die zu erwartende Unterbrechung passt mir indessen gar nicht: ausgerechnet jetzt habe ich eine kreative Phase und komme mit meiner Novelle gut voran.

Die Tür geht auf – aber anstelle von zwei fröhlich schwatzenden Sauriern betritt nur ein kleines grünes Wesen die Wohnung. Es lässt den Kopf hängen und wirkt um mehrere Zentimeter geschrumpft. Eine schwarze Wolke scheint es zu umgeben.

Es ist Anatol.

Stumm stellt er seinen Schulranzen in die Ecke und verkriecht sich in sein Nest. Auf meine Ansprache reagiert er zunächst mit einem leisen Weinen, dann sagt er mit erstickter Stimme: „Ich geh da nicht mehr hin – nie, nie wieder!“

Noch bevor ich Genaueres aus Anatol herausfragen kann, kommt Elie herein. Er sieht ebenfalls sehr bedrückt aus.

Was ist passiert?

„ER hat mich fertig gemacht. Vor der ganzen Klasse!“ schluchzt Anatol. Um seine Fassung ist es nun geschehen. „Das Schlimmste ist, dass wir morgen unser Projekt beim Schuldirektor vorstellen müssen – aber ER hat allen schon jetzt gesagt, dass es nicht funktionieren wird, dass meine Idee doof ist und dass ich mir wieder einmal nur Mist ausgedacht habe! Und dass ich sowieso blöd und nervig bin.“

„ER“ ist Angelo – der Widersacher, die Nemesis meiner beiden Saurier. Der Überflieger, dem alles gelingt, der Elie die heimliche Geliebte – Anna – ausgespannt hat und der mit einem Fingerzeig darüber entscheiden kann, wer ab sofort geschnitten und wer in die von allen bewunderte Clique um den Crack aufgenommen wird. Dass Anatol nicht zu letzterer zählt, versteht sich von selbst.

Zunächst in Elies Klasse eingeschult hat Angelo gleich drei Jahrgänge übersprungen und geht nun in Anatols Klasse – wo er nicht nur Klassenbester ist, sondern auch oft den Lehrer vertritt, wenn dieser abwesend ist.

Ich hatte derlei Erzählungen bisher als „Sauriergarn“ abgetan. Anatols desolater Zustand bringt mich jedoch zu der Überzeugung, dass an den Geschichten etwas Wahres sein muss: Anatol geht gern zur Schule, und dass er nun „nie wieder dort hin“ will, ist bedenklich.

In den letzten Monaten hatte ich allerdings seltsame Veränderungen in Anatols Verhalten bemerkt: er sitzt nun bis tief in die Nacht an seinen Hausaufgaben, überprüft alle Arbeiten mehrfach, bevor er sie abgibt und lernt geradezu verbissen alle Fächer nach, in denen er nicht perfekt ist. Ich hatte das auf einen fehlgeleiteten Ehrgeiz geschoben, von dem ich gehofft hatte, dass er sich von allein geben würde. Nun sieht es jedoch so aus, als ob die Arbeitswut der puren Verzweiflung entspringt.

Ich versuche mich dem Problem zu nähern, indem ich zunächst ganz neutral nach dem „Projekt“ frage, um das es augenscheinlich geht. Was hat es mit diesem Vorhaben auf sich?

Das „Projekt“ ist eine von Elie, Anatol, Mirko und Levone erdachte Hausaufgaben-Hilfsorganisation, die darin besteht, dass die die Schüler einander bei den Hausaufgaben helfen. Dies ist keine revolutionäre Idee – derlei Aktionen gibt es ja zu Hauf.

Das Besondere bei der von den kleinen Sauriern ins Leben gerufenen Organisation ist ein Rotationsprinzip: jede Schülerin und jeder Schüler soll das von den anderen Erlernte an den nächsten Schüler weitergeben – so daß auch die schwächeren Schüler einmal in die Rolle des Nachhilfelehrers schlüpfen. Damit das keine Katastrophen zur Folge hat, darf jeder kleine Nachhilfelehrer (soweit er dies wünscht) den eigenen Nachhilfelehrer zur Sicherheit in die von ihm bestrittene Stunde mitnehmen, muss diese aber allein vorbereiten und auch allein abhalten. Nur im Notfall soll der Nachhilfesaurier eingreifen.

Anatol, Elie und ihre Freunde glauben, dass man etwas, das man anderen erklärt, viel besser selbst versteht, als wenn man es nur passiv lernt. Ich finde die Idee großartig, bin mir aber ob ihrer Umsetzbarkeit nicht wirklich sicher.

„Herr Hildebrandt, unser Physiklehrer, mag das Projekt auch!“ sagt Elie. „Er hat uns sogar angeboten, dabei mitzumachen. Aber wir wollten es ja ganz allein organisieren, ohne Lehrer. Nun können wir die Sache wohl in die Tonne verabschieden. Angelo hat es zunichte gemacht. Es will niemand mehr etwas davon wissen.“

Anatol schluchzt laut auf. „Es war meine Idee. Und das ist auch der einzige Grund, aus dem Angelo das Projekt nicht mag!“

Hier werde ich hellhörig. Wie kann es sein, dass ein Schüler ein Projekt zerstört, nur weil es von einem bestimmten anderen Schüler ausgedacht wurde? Ich bin vermutlich zu naiv – aber ich kann es mir kaum vorstellen.

„Angelo kann mich nicht leiden. Seit ich damals das Referat gehalten habe und die Eins in Physik bekommen habe, tut er alles, um mich lächerlich zu machen. Dass Elie ihm Entengrütze ans Fenster geschmissen hat, hat auch nicht wirklich geholfen. Und nun erzählt er überall, wie dumm ich angeblich sei. Wenn ich in der Mathestunde eine Frage stelle, verdreht er die Augen! Als ich gestern in Französisch etwas nicht ganz richtig ausgesprochen habe, hat er laut gestöhnt und „schon wieder“ gesagt … andauernd ist etwas, mit dem er mich bloßstellt! Aber wer in seiner Clique ist, der kann die größten Fehler machen – das macht nichts. Mirko und Edouard stehen auch auf seiner Abschußliste. Mirko hat letzte Woche gesagt, er würde am liebsten sterben. Er hat außer Edouard und mir gar keine Freunde mehr.“

Ich bin fassungslos. Was Anatol beschreibt, ist Mobbing! Warum reagieren die Lehrer nicht, wenn kleine Schüler so drangsaliert werden, dass sie nicht mehr leben wollen? Wutentbrannt kündige ich an, noch heute den Direktor des Gymnasiums anzurufen, die Untaten des Scheusals, das unseligerweise in die selbe Klasse wie Anatol geht, zu melden und Sanktionen zu fordern!

Lautes Protestgeschrei der Saurier ist die Folge. „Auf keinen Fall rufst Du den Direktor an!“ schreit Anatol. „Dann bin ich ein Verräter und brauche nie wieder in der Schule aufzutauchen!“

„Aber das willst Du ja schon jetzt nicht mehr, Anatol“ gebe ich leise zu bedenken.

„Der Direktor ist der Angelos größter Fan“, sagt Elie. „Mit dem brauchst Du nicht zu sprechen. Angelo ist Preisträger von Dinojugend forscht, er hat bei Dinojugend musiziert schon etliche Preise bekommen, heisst es. Der Direktor würde nie etwas gegen Angelo unternehmen – schon damit er auf unserer Schule bleibt. Nein, wir haben das alles schon mit Mirko und Edouard durchdacht. Wenn, dann müssen wir Angelo mit seinen eigenen Waffen schlagen. Leider wissen wir noch nicht, wie. Angelo sagt uns ja auch immer, wie dumm und unfähig wir sind. Daran muss es liegen.“ Elie lässt den Kopf hängen. „Ich weiss nicht, was Anna an ihm findet“ fügt er hinzu. „Vielleicht hat sie Angst, zu den Ausgestoßenen zu gehören, wenn sie sich von ihm trennt? Ich kann überhaupt nicht mehr mit ihr sprechen – jedenfalls nicht allein.“

Vorerst bleibt festzuhalten, dass wir für das Problem keine Lösung haben.

Ich stelle die Pfanne aufs Feuer und beginne, unsere Flinsen zu braten. Dann sage ich zu Anatol: „Ich werde nicht weiter zulassen, dass dieser Angelo Dich und die anderen so schikaniert. Wir werden uns eine Strategie ausdenken. Aber nun wird Mittag gegessen. Danach sehen wir weiter.“

… Fortsetzung folgt

115. Kapitel – Schmu am Bau

Seit Tagen weckt sie uns mit schöner Regelmäßigkeit – die Parkettschleifmaschine, die unser Nachbar allmorgendlich einsetzt, um seine Wohnung grundzuerneuern.

Es ist nicht die einzige Renovierungsmaßnahme, die nebenan durchgeführt wird: seit gestern sind alle Fenster der Nachbarwohnung entfernt, und heute früh sehe ich den Wagen eines Installateurbetriebs vor dem Haus parken. Offenbar soll auch der gesamte Sanitärbereich erneuert werden.

„Bei wem ist denn das, diese ganze Renoviererei?“ frage ich ratlos am Frühstückstisch. Ich kenne natürlich alle Bewohner meines Hauses – aber dies betrifft das Nachbarhaus, und wer genau dort im dritten Stock wohnt, habe ich nicht parat.

„Das ist in der Wohnung von Herrn Hesse“, weiss Anatol zu berichten.

„Richtig – da lebt ja Herr Hesse. Er entkernt seine Wohnung?“ Fast kann ich es nicht glauben. Herr Hesse ist unser alter Gärtner aus dem Kleperweg. Die Gärtnerei am Kleperweg hat Herr Hesse in der dritten Generation geführt… und schon 1872 gab es den Betrieb: Anatol hat es im Internet gefunden.

Mit Wehmut erinnere ich mich an die fabelhafte Schwengelpumpe, die inmitten von Blumenkübeln, blütenbehangenen Pflanzen und Sträuchern im Verkaufsraum der Gärtnerei aus dem darunterliegenden Brunnen Wasser für die Blumen in eine schmiedeeiserne Wanne heraufpumpte. Jedesmal, wenn wir bei Herrn Hesse Blumen kaufen, darf ich die Pumpe betätigen. Wie lang mag es her sein? Bald 40 Jahre … ich seufze.

Herr Hesse ist lange in Rente – die Gärtnerei gibt es nicht mehr. Die Stadt hat das Grundstück gekauft; heute ist darauf ein Turnplatz eingerichtet.

Die Butler kennen und mögen Herrn Hesse, weil er oft mit ihnen im Park auf der Bank sitzt und Geschichten aus alten Zeiten erzählt. Die beiden lieben es, den ganzen Nachmittag dort mit dem alten Herrn zu verbringen, jeder auf einer Seite sitzend, und sich alle Blätter und Blumen, die sie ihm zeigen, genauestens erklären zu lassen. Aber Herr Hesse ist nun weit über 90 … im Park ist er seltener als früher, und er ist auch nicht mehr so rüstig wie noch im letzten Jahr.

Ich entschließe mich, heute Mittag bei unserem alten Nachbarn zu klingeln und ihn zu fragen, ob alles zu seiner Zufriedenheit verlaufe. Vielleicht ist er aber auch während der Bauarbeiten zu Verwandten gezogen?

Anatol verneint das. „Gestern habe ich ihn beim Bäcker gesehen, als er sein Baguette kaufte. Und da fand ich ihn ziemlich niedergeschlagen. Wir hätten längst vorbeigehen sollen“, fügt er reumütig hinzu.

Ich will nun nicht mehr bis Mittag warten. Sogleich nehme ich meinen Mantel, ziehe die Schuhe an und begebe mich zum Nachbarshaus. Anatol und Elie haben sich still in meine Handtasche verkrochen und kommen mit; zu gern möchten sie wissen, ob bei ihrem alten Freund alles in Ordnung ist. Ich sage es nicht laut, denke es aber: ich befürchte, dass Herr Hesse in Schwierigkeiten ist.

Mehrmals muss ich die Klingel betätigen, bis der Türsummer ertönt. Erleichtert drücke ich die Türe auf und steige die Treppe hoch bis in den dritten Stock. Unter ohrenbetäubendem Lärm öffnet Herr Hesse die Wohnungstür. Die Wohnung: ein Schlachtfeld. Die Möbel sind in der Mitte der Zimmer unter Planen versteckt, darum herum schiebt der Parkettschleifer seine Maschine. Nur ein Zimmer hat noch Fenster – dort steht auch das Bett von Herrn Hesse. Alle anderen Zimmer sind vollständig entkernt: Fenster, Türen, Bodenbelag – alles ist herausgerissen und wird renoviert.

Inmitten dieser Baustelle hat der alte Mann sich ein Plätzchen in seinem noch halbwegs intakten Schlafzimmer eingerichtet. Es versteht sich von selbst, dass wir unseren Freund auf der Stelle zu uns einladen, wo er kurze Zeit später vor einem heissen Tee mit Kandis sitzt.

Langsam trinkt Herr Hesse seinen Tee. Ich finde ihn müde, niedergeschlagen – er ist sehr alt geworden. Als ich nachrechne, wie alt er wohl wirklich sein mag, komme ich auf fast 100 Jahre. Dennoch lebt Herr Hesse ganz allein – warum kümmert seine Familie sich denn überhaupt nicht um ihn, frage ich mich im Stillen …

Um die Bau-Misere in einem etwas positiveren Licht erscheinen zu lassen, beglückwünsche ich den alten Herrn zu der Entscheidung, seine Wohnung vollständig zu erneuern. Wie gern würde ich dasselbe hier durchführen …

„Sicher fühlen Sie sich in Ihrer renovierten Wohnung bald viel wohler als bisher. Während der Bauarbeiten entsteht immer viel Dreck und Lärm – aber hernach ist man froh, sich dazu durchgerungen zu haben! Per aspera ad astra – nicht wahr, Herr Hesse?“ Mit etwas jovialer Schönfärberei gedenke ich, unseren Freund wieder aufzubauen.

Dies gelingt indessen nicht. Herr Hesse seufzt. „Ich bereue es so. Wenn ich das doch alles rückgängig machen könnte. Aber Sie haben es ja gesehen: alles ist herausgerissen und die Arbeiten sind im vollen Gang. Es gibt kein Zurück mehr…“ Hier versagt Herrn Hesses Stimme.

Bestürzt mischt Anatol sich ein. „Aber Ihre Wohnung wird wunderschön sein! Die Arbeiten werden ja von richtigen Handwerkern durchgeführt – Sie werden zufrieden sein, bestimmt!“

Herr Hesse schüttelt den Kopf. „Ich werde ruiniert sein, wenn alles fertig ist. Schon heute sind meine Ersparnisse aufgebraucht durch die Bauarbeiten. Ich habe doch nur meine kleine Gärtner-Rente. Ich habe zwar noch nichts überwiesen, aber ab nächster Woche wird die erste Rate fällig. Ich werde niemals alles bezahlen können. Am Ende werde ich ausziehen müssen. Dabei habe ich mich in meinem ganzen langen Leben noch niemals verschuldet! Aber diese jungen Leute, die mir das alles verkauft haben – die waren so überzeugend! Ich konnte einfach nicht mehr Nein sagen.“ Dem alten Mann stehen Tränen in den Augen.

Anatol und ich tauschen einen wissenden Blick aus.

Unser Freund ist augenscheinlich Opfer einer Bau-Drückerkolonne geworden.

Ich bitte Herrn Hesse darum, uns zu sagen, wo die vertraglichen Unterlagen sind, die er für die Bauarbeiten unterzeichnet hat. Der alte Mann stößt einen tiefen Seufzer aus. „Es sind so viele Papiere – ich finde da nicht mehr durch. Ehrlich gesagt, fürchte ich, dass ich nicht mehr meinen Kopf von damals habe … diese vielen Seiten mit kleingedruckter Schrift überfordern mich!“ Beschämt sieht Herr Hesse zu Boden.

Ich beruhige ihn. „Wenn Sie wüssten, wie viele junge Leute nicht einmal imstande wären, eine einzige Seite zu lesen und zu verstehen …“ Dann schicke ich die beiden Butler in die Wohnung unseres Nachbarn, um den Dokumentenordner zu holen. Ich selbst möchte dort nicht gesehen werden – die Bauleute sollen vorerst nicht merken, dass sich jemand nun um die vertraglichen Angelegenheiten ihres „Kunden“ kümmert.

Kurze Zeit später sitze ich am Schreibtisch, einen Stapel „Kleingedrucktes“ vor mir. All dies sind die Bestellungen, die Herr Hesse in den letzten Wochen getätigt hat. Mit einem neuen Parkettboden und einer Energiebilanz beginnt die Bestellserie – es folgen (jeweils im Abstand weniger Tage): Küche, Sanitär, Fenster, Türen, ein neuer Anstrich und neue Heizkörper. Eine größere Summe als erste Anzahlung – sie wird in der Tat jetzt fällig – muss die Ersparnisse von Herrn Hesse darstellen, darauf folgen Kreditverträge mit einem offenbar recht hohen Zinssatz. Die Endsumme – gerade noch im fünfstelligen Bereich – erscheint horrend.

Ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen und rufe Anatol. Bisher haben die Butler  mit Herrn Hesse in der Küche gewerkelt und gemeinsam das Mittagessen vorbereitet. Heute wird Herr Hesse natürlich bei uns essen – es soll Kartoffelsuppe mit veganer Bockwurst geben: eine von Anatols Spezialitäten.

„Anatol, ich bin entsetzt!“ flüstere ich dem Saurier zu. „Unser Freund ist einer Drückerbande aufgesessen. Das Ganze beläuft sich fast auf 100.000 Euro! Und das Schlimmste: ich fürchte, das ist alles gerade noch legal!“ Fassungslos hält Anatol sich beide Hände vor den Mund. „Das kann doch nicht sein!“ haucht er bestürzt. „Bei so etwas gibt es doch immer eine Möglichkeit zum Rücktritt – das weiss sogar ich!“

Ich zeige Anatol die Bestellscheine. „Sieh mal hier! Alle Verträge sind älter als 14 Tage – die Frist zur Ausübung des Rücktrittrechts ist längst abgelaufen.“

Ob die Verträge tatsächlich vor mehreren Wochen abgeschlossen worden sind, oder ob sie rückdatiert wurden: es ist nicht mehr festzustellen. Herr Hesse weiss nur, dass das Ganze schon „ein paar Tage – oder vielleicht Wochen“ – her ist. Es ist unmöglich, Genaueres herauszufinden. Für Herrn Hesse sind alle Tage gleich … und die jungen Leute, die ihn zu den Renovierungsarbeiten überredet haben, waren immer zu zweit da. Mit anderen Worten: sie haben jeweils einen Zeugen – Herr Hesse nicht.

Elie fragt seinen Freund ganz unbekümmert „Aber wieso hast Du denn das alles unterschrieben, wenn es doch so teuer ist?“ Anatol knurrt böse: „Frag nicht so doof, Elie! Er ist doch schon verzweifelt genug!“

„Doch“, sagt Herr Hesse. „Ich will versuchen, Euch das zu erklären – obwohl ich es selbst nicht mehr verstehe. Es begann vor mehreren Wochen – als es an meiner Tür klingelte. Ich dachte, das ist sicher der Postbote: vielleicht habe ich ein Päckchen oder einen Brief bekommen … und ich freute mich, als ich zur Tür ging und sie öffnete. Da standen diese beiden jungen Männer. Sie sprachen von einer Energiebilanz, die sie bei mir durchführen würden, und wie ich so Energie sparen könnte … das fand ich interessant. So habe ich sie hereingelassen.“

Herr Hesse macht eine kurze Pause. „Heute weiss ich, dass das ein Fehler war. Aber zunächst habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht.“

„Die beiden jungen Männer haben als erstes mein ramponiertes Parkett gesehen. Dafür hätten sie ein großartiges Angebot, sagten sie – mein Parkett würde wie am ersten Tag glänzen und strahlen. Wenn ich mich für die Parkettrenovierung entscheiden würde, könnte ich die von Ihnen auch vorgenommenen Energiesparmaßnahmen günstiger bekommen. Dieses Angebot gebe es aber nur für eine kurze Zeit.“

Hier seufzt Herr Hesse wieder. „Ich dachte, so werte ich meine Wohnung auf – und meine Kinder erben in ein paar Jahren ein wertvolles, renoviertes Apartment. Tatsächlich werden sie aber nur Schulden erben. Wie konnte mir das nur passieren – mir als ehemaligem Kaufmann! Es ist mir so peinlich…“

Der alte Mann kann nicht weitersprechen. Ich ordne an, dass nun zu Mittag gegessen wird und wir dann nach einer Lösung suchen.

Am Nachmittag schicke ich Elie und Herrn Hesse in den Park, und Anatol zum Einkaufen.

Sodann nutze ich das Alleinsein, um mich mit den Kindern von Herrn Hesse in Verbindung zu setzen. Zwar weiss ich, dass dies dem alten Herrn unangenehm ist – aber anders geht es nicht. Auf der Baustelle, in die sich seine Wohnung verwandelt hat, kann man zur Zeit nicht leben, zumal es dort weder Küche noch Bad gibt: der Installateur hat soeben begonnen, die gesamten Sanitäranlagen sowie die Küche herauszureissen.

Glücklicherweise erreiche ich den Sohn von Herrn Hesse, dem ich in ruhigen Worten die Sachlage erläutere. Bestürzt erklärt mir der Herr, er rufe seinen Vater regelmäßig an – und ebenso regelmäßig sage dieser ihm, dass „alles bestens“ sei, es ihm gut gehe und er keine Hilfe brauche. Zu Weihnachten habe er allerdings bereits darüber nachgedacht, ob nicht eine Unterstützung notwendig sei … dies sei im neuen Jahr jedoch von Arbeit, eigener Familie und eben all dem, was täglich anfalle, verdrängt worden. Er werde heute noch am frühen Abend anreisen und seinen Vater zu sich holen. Was man wegen der Renovierungsarbeiten unternehmen könne … darüber müsse er sich später Gedanken machen.

Ich atme auf. Zumindest würde der alte Herr nicht weiter inmitten von Bauschutt leben müssen. Das finanzielle Problem – nun, das war nicht meines. In meiner kurzen gerichtlichen Praxis habe ich ausreichend Erfahrungen mit Drücker-Machenschaften sammeln müssen: nur in wenigen Fällen ist dem auf rechtlichem Wege beizukommen. Die Kolonnen gehen mit äußerster Vorsicht vor – und haben auch allen Anlass dazu.

Dies teile ich Herrn Hesses Sohn mit, als er den alten Vater ein paar Stunden später bei uns abholt. Ich rate dringend dazu, Rechtsrat einzuholen – auch wenn dies nicht immer zum Erfolg führe. Möglicherweise finde man aber doch einen Angriffspunkt. Viel Hoffnung kann ich indessen nicht machen.

Dementsprechend bewegt verläuft das Abendessen mit den Butlern. Anatol ist fuchsteufelswild. „Du kannst mir doch nicht sagen, dass diese Leute damit durchkommen? Sowas muss doch bestraft werden!“ Auch Elie ist fassungslos ob dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit.

Ich erkläre den Sauriern das Problem. Herr Hesse ist alt – aber er ist nicht geschäftsunfähig. Wenn er möchte, kann er mit seinem Geld kaufen, was ihm gefällt. Von ihm geschlossene Verträge sind gültig.

„Ja aber die Leute haben ihn doch schamlos ausgenutzt – und benutzt!“ schreit Elie wütend.

„Wer soll das beweisen, Elie? Herr Hesse hat keinen Zeugen. Dann hat er sein Rücktrittsrecht nicht ausgeübt … Vor Gericht wird das schwierig. So sehr mir das auch missfällt. Leider habe ich schon diverse Prozesse dieser Art zu Lasten der Geprellten ausgehen sehen. Ich sage nicht, dass es aussichtslos ist. Aber eine einfache Sache wird das nicht vor Gericht.“

Elie und Anatol klettern wortlos in ihr Nestchen. Auch ich gehe ins Bett – der Tag war ereignisreich, und ich bin müde. Bevor ich einschlafe, höre ich die Butler aufgeregt im Nestchen flüstern. Ich kann das nachvollziehen, denn auch ich bin entrüstet darüber, was unserem Freund widerfahren ist.

Am nächsten Morgen muss ich wieder zur Arbeit. Ich trage den Butlern auf, ein Auge auf die Nachbarwohnung zu haben. Die Handwerker haben zwar die Schlüssel und sind auch frühzeitig wieder am Werkeln, aber ich halte es für besser, wenn jemand die Arbeiten – sei es auch nur aus der Ferne – überwacht.

In dem Glauben, für alles gesorgt zu haben, begebe ich mich zur Arbeit.

Um kurz vor 11 Uhr klingelt mein Handy. Anatol ist dran, flüstert aber nur. „Wir sind in der Wohnung! Bei Herrn Hesse – und eben sind die beiden Männer gekommen, von denen er erzählt hat! Wir haben uns versteckt – sie können uns nicht sehen. Sie scheinen verärgert, denn offenbar haben sie eine neue Bestellung dabei, die Herr Hesse unterschreiben sollte!“

Ich bin außer mir vor Sorge. Angstbebend weise ich Anatol und Elie an, auf keinen Fall ihr Versteck zu verlassen. Ich würde auf dem schnellsten Wege kommen, die Identität der beiden Drücker feststellen – und die Butler in Sicherheit bringen.

Als ich etwa eine Viertelstunde später in Herrn Hesses Wohnung auftauche, finde ich nur die fleissig arbeitenden Handwerker vor. Weder die beiden jungen Männer noch meine Butler sind auffindbar.

Bang laufe ich die vier Stockwerke hinauf bis in unsere Wohnung – wo die Saurier gottlob unversehrt und bester Laune soeben das Mittagessen zubereiten.

Anatol pfeift fröhlich, Elie summt dazu. Was ist geschehen?

„Das Problem von Herrn Hesse hat sich gerade in Luft aufgelöst, denken wir!“ kichert Anatol.

Ich muss mich setzen. „Wie kann das sein?“ Ich bin bin perplex.

„Wir haben ein bisschen Hokus Pokus getrieben!“ kräht Elie fröhlich. „Die beiden Männer haben doch Herrn Hesse gesucht. Anatol hat dessen Stimme nachgeahmt – mit einem Rohr! Da hat Anatol hineingesprochen. Die Kerle haben dann im anderen Zimmer nach Herrn Hesse geguckt, weil sie nicht wussten, wo die seltsame Stimme herkam. Und da sind wir aus dem Versteck raus, haben deren Dokumentenmappe geschnappt und sind weggelaufen. Gesehen hat uns keiner.“

Ich ringe nach Luft. „Ihr habt deren Aktentasche entwendet? Verstehe ich das richtig?“ Ich bin fassungslos. „Wo sind die Papiere? Sind die Verträge von Herrn Hesse dabei?“

Anatol nickt. „Die gute Nachricht ist: es sind alle Originalverträge und Kreditverträge von Herrn Hesse, und auch von anderen Kunden in der Dokumentenmappe gewesen. Die schlechte Nachricht: ich glaube, die Mappe ist Elie vorhin ins Altpapier gefallen. Sagt er jedenfalls. Na ja – die Müllabfuhr war gerade hier… nun ist alles weg.“

Ich bin baff. Nervös beginne ich zu lachen – ich kann nicht mehr aufhören. Schlagartig wird mir die gesamte Tragweite der Angelegenheit klar. Die beiden Drücker haben keinerlei Handhabe mehr gegen Herrn Hesse. Kein Originalvertrag liegt ihnen mehr vor. Wollten sie vor Gericht gehen, müssten sie ihre ganze Manipulationsmasche offenlegen. Dies werden sie nicht tun, da bin ich sicher.

Anatol runzelt dennoch die Stirn. „Aber was ist denn mit den ausgeführten Arbeiten… der Parkettfritze ist zum Beispiel heute fertig geworden – morgen wird das Parkett versiegelt. Die Küche wurde vorhin geliefert und wird jetzt eingebaut, die Fliesen sind schon fertig verlegt. Sieht wirklich schön aus! Die Bauarbeiten sind also gemacht worden. Muss Herr Hesse das dann nicht trotzdem bezahlen?“

Ich schütte mich aus vor Lachen. „Herr Hesse hat mit den Handwerkern keinen Vertrag. Die werden sich ihr Geld von den Drückern wiederholen, die sie engagiert haben!“

Drei Wochen später zieht Herr Hesse in eine perfekt renovierte Wohnung ein, um die wir alle ihn beneiden. Allein die Heizkörper sind nicht erneuert worden, weil das Verschwinden der Papiere schließlich doch aufgefallen und die Renovierung daraufhin sang- und klanglos eingestellt worden war.

Ein rechtliches Nachspiel wird es für Herrn Hesse nicht geben: Von den beiden jungen Männern wird niemand mehr etwas hören.

92. Kapitel – Eine Frage der Menschenrechte

Nachdem mir die Butler gestern klar zu verstehen gegeben hatten, dass ich mich nicht genug um sie kümmere, war ich in mich gegangen. Besonders Elie hatte ich in letzter Zeit vernachlässigt. Anatol hatte im September das schöne neue Victoria-Fahrrad bekommen – Elie war bisher leer ausgegangen. Eigentlich hatte ich vorgehabt, ihn zu Weihnachten mit dem langersehnten Tablet zu überraschen. Nun denke ich aber, dass am heutigen Samstag, den 25. Oktober, der richtige Zeitpunkt für das Tablet gekommen ist. Weihnachten muss dann eben etwas sparsamer ausfallen.

Damit die Saurier nicht nur Elektronik geschenkt bekommen, habe ich für Morgen – Sonntag –  einen gemeinsamen Fahrradausflug geplant. Ein Ausflug bei schönem Wetter ist immer noch das Höchste für uns alle – zumal das Wochende verspricht, wunderschön zu werden. Leider werden die Dinge anders kommen, als wir es uns wünschen.

Nach der Akupunktur – bei der mir auffällt, dass Fridolin nicht in der Praxis ist, was mich verwundert – begebe ich mich zunächst zu Darty, wo ich diverse Tablets ausprobiere, ohne jedoch fündig zu werden. Die ausgestellten Geräte in meiner Preislage lassen sich nur schwer bedienen oder funktionieren gleich gar nicht.

Unentschlossen betrete ich schließlich das Geschäft mit dem angebissenen Apfel. Eines der Tablets – ich vermute, ein Auslaufmodell – wird hier sogar zu einem recht annehmbaren Preis angeboten: ich lasse es mir von einem der zahlreichen Verkäufer erklären. Während ich noch darüber nachdenke, warum man in anderen Läden Jagd auf Verkäufer machen und sie anderen Kunden oft erst abluchsen muss, hat mir der junge Informatikexperte bereits mehr über das digitale Gerät erläutert, als mein analoger Verstand zu fassen imstande ist. Dennoch entnehme ich dem Wortschwall des freundlichen Verkäufers, dass das ausgesuchte Tablet – „iPad mini“ heißt es im Fachjargon – ein ganz hervorragendes Gerät ist, über das Elie sich sehr freuen wird. Ich höre mich sagen „Gut, dann nehme ich es… Kann man es in Raten bezahlen…?“

Der Verkäufer bejaht dies. Er bittet mich, vor einem überdimensionalen Computerbildschirm Platz zu nehmen und auf seine Kollegin zu warten, die mir bei der Ratenzahlung behilflich sein werde. Ich komme ins Schwitzen. Begehe ich nicht gerade eine rechte Eselei? Ist überhaupt noch Geld auf dem Konto?

Allerdings ist es nun zu spät für einen Rückzieher: das Gerät liegt bereit und der Kauf ist getätigt.

Um die Wartezeit zu überbrücken, wecke ich den riesigen Computer vor mir aus seinem Tiefschlaf auf und gebe die Adresse von Spiegel-Online ein. Was ich dort gleich in der ersten Schlagzeile lese, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.

Heute früh im Morgengrauen hat der Iran eine junge Frau hingerichtet. Sie war 26 Jahre alt und hieß Reyhaneh. Wir hatten mehrere Petitionen zur Begnadigung des jungen Mädchens unterzeichnet. Elie war mit seiner Schülergruppe für Amnesty international unterwegs gewesen, um Unterschriften zu sammeln. Auch an Briefaktionen, sogenannten urgent actions, hatte er sich beteiligt.
All dies war erfolglos geblieben. Das nach einem rechtsstaatlichen Prinzipien in keiner Weise genügenden Prozess ergangene Todesurteil war heute früh vollstreckt worden. Reyhaneh war tot.

Für einem Moment habe ich das Gefühl, nicht da zu sein. Müsste die Welt um mich herum nicht aufhören, sich zu drehen? Müssten sich nicht alle denkenden Menschen empören? Warum passiert nichts…?

Ich sitze mitten in einem vor Menschen wimmelnden Apple Store, lese den Spiegel und kann nicht fassen was dort steht … Um mich herum lachen und schwatzen die Besucher des Stores, beladen mit Einkaufstüten voller Elektronikgeräte, die sie nicht brauchen (schon bald werde ich dasselbe tun, denn dafür bin ich hier…) – während in einem anderen Teil dieser Welt eine Familie ihre durch den eigenen Staat ermordete Tochter beweint.

Ich möchte nun nur noch weg – auch wenn ich weiß, dass das nichts hilft. Ich bringe den Kauf hinter mich und verlasse den Store. Was ist zu tun? Ich kann nichts tun, gar nichts.

Als ich zu Hause ankomme und Elie wortlos sein neues Tablet überreichen möchte, höre ich unter der Saurierbettdecke ersticktes Schluchzen. Ich streichle Elie über den Kopf und lege das Tablet neben ihn. Elie schiebt es weg. „Ich will kein Tablet. Ich will gar nichts. Doch – ich will, dass das Mädchen wieder lebt! Sonst will ich nichts. Wie könnt Ihr Erwachsenen nur so etwas zulassen!“ Ich habe darauf keine Antwort.

Anatol hat uns einen Tee gekocht. Schweigend sitzen wir da.

Heute Abend werden wir eine Kerze für Reyhaneh anzünden.

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25. Kapitel – Help Syrian children!

Anatol and Elie just discovered a video on the internet. Ever since, they have not been able to calm down.

They keep asking me „Why is this, why does nobody do anything to stop it? That can’t be! Why does war exist? We don’t understand!“

I do not understand either. But i am unable to give them an answer.

Both Anatol an Elie now want to show the video in the blog – they hope that even more people will watch it and perhaps will help. The video shows the story of a little girl experiencing the outbreak of war in her country.

Here you can see the video. It was produced by the childrens help organisation „Save the children„. Please watch it, and if you can: please help!

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Anatol und Elie haben heute ein Video im Internet entdeckt. Seitdem kommen sie nicht mehr zur Ruhe.

Andauernd fragen sie mich „Warum gibt es sowas? Wieso tut niemand etwas, damit es aufhört? Das kann doch nicht sein! Wieso gibt es Krieg? Wir verstehen das nicht!“

Ich verstehe es auch nicht … Und ich kann ihnen keine Antwort geben.

Die beiden möchten nun unbedingt, dass das Video im Blog erscheint. Sie hoffen, dass es dann noch mehr Leute sehen und vielleicht helfen. Das Video zeigt die Geschichte eines kleinen Mädchens, in dessen Land ein Krieg ausbricht.

Oben seht Ihr das Video. Es stammt von der Kinderhilfsorganisation „Save the children„. Wenn Ihr könnt: bitte helft!