156. Kapitel – Hausarbeit und Okara-Makrönchen

Der faulste Tag des Jahres geht zuende. Nachdem ich es immerhin geschafft habe, mich fertigzumachen und anzuziehen, drusele ich bei einer heissen Tasse Tee in meinem Lieblingssessel ein.

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Von Zeit zu Zeit weckt mich das geschäftige Werkeln des Sauriers, der es sich offenbar zum Ziel gesetzt hat, die Küche in eine Hochleistungs-Cuisine zu verwandeln…

Ich schrecke hoch. Anatol ruft nach mir. „Komm sofort her! Es ist fertig!“

Verschlafen reibe ich mir die Augen. Was ist fertig…? Ich schaffe es, mich aus dem Sessel herauszuschälen und schlurfe in die Küche.

„Da!“ ruft der Butler stolz und präsentiert mir sein soeben aus dem Backofen kommendes, offenbar wunderbar geratenes Roggen-Sauerteig-Brot.

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„Diesmal habe ich es in der Porzellanform gebacken,“ erklärt Anatol. „Ich bin gespannt, wie es schmeckt.“

Seit einigen Monaten führt Anatol seinen eigenen Sauerteig. Ich liebe das leckere Sauerteigbrot, das der Saurier jede Woche aus dem Backofen hervorzaubert. Auf die neue Form bin ich ebenfalls neugierig. Bisher war das Brot ein eher flacher Fladen. Diesmal ist es richtig aufgegangen.

Mit Wohlgefallen sehe ich, dass die Küche herrlich sauber ist und dass der Butler die  gesamte Bügelwäsche erledigt hat. Dann lasse ich  mich in meinen Sessel fallen und döse wieder ein.

Etwas später weckt mich das Dröhnen des Staubsaugers. Anatol will offenbar die ganze Wohnung zum Blitzen und Glänzen bringen. Muss das jetzt sein … ich bin so müde… Das Untier saugt um meinen Sessel herum und unten hindurch – dann saust es ins Schlafzimmer, wo es bei den Katzen eine Massenpanik auslöst.

„Es hilft nichts!“ ruft der Saurier. „Dieser Saustall muss auch mal geputzt werden!“

Zum Glück zieht er sich alsbald wieder in seine Küche zurück und macht sich dort am Froster zu schaffen. ‚Was will er da?‘ frage ich mich … aber ich bin zu müde, um nachsehen zu gehen – und schlafe wieder ein.

Als Anatol mich erneut aufweckt, ist es schon Abend. Draußen dämmert es. Der Saurier zeigt mir stolz, was er vorbereitet hat, während ich geschlummert habe:

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„Ich habe Deine alten Reste zusammengekramt, um daraus endlich etwas Anständiges zu backen. Das Okara, das jedes Mal bei der Sojamilch übrig bleibt, wollte ich ja auch schon lange weiterverarbeiten. Hier sind sie – meine phantastischen neuen Okara-Kokos-Makrönchen!“

Stolzgeschwellt präsentiert mir der Butler das Backblech, das er sogleich in den Ofen schiebt.

So so. Meine alten Reste hat das Biest also aufgebraucht. Dass die Vorratsverwaltung selbstverständlich Anatols Aufgabe ist, lässt der plüschige Haustyrann ganz einfach unter den Tisch fallen. Ich entscheide mich, darüber hinwegzuhören.

Nach den Zutaten und der Zubereitung der Makrönchen muss ich nicht fragen – der Butler ist viel zu stolz auf sein Werk, um mir nicht sofort das gesamte Rezept mitzuteilen.

„Ich habe so etwa 100g Okara, vielleicht auch 150g im Wasserbad aufgetaut. Dazu habe ich mehrere Esslöffel Lupinenmehl und den ganzen Rest der veganen weissen Schokopaste gemixt. Die ist also nun aufgebraucht. So war der Teig aber noch etwas dünn. Dann habe ich die Kokosraspeln ganz hinten im Küchenschrank gefunden – ich will dir nicht sagen, seit wann die abgelaufen sind. Schmecken tun sie aber prima. Die hab ich also auch reingetan. Dann kleine Makrönchen daraus geformt, den Backofen auf 180° vorgeheizt, und eine halbe Stunde eingestellt. Gleich sind sie fertig. Ach ja – den Vorratsschrank habe ich auch aufgeräumt. Er hatte es mehr als dringend nötig.“

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„Ping!“ sagt der Backofen. Die dreissig Minuten sind um. Anatol zieht das Backblech aus dem Ofen und stellt es auf den Herd. Dann muss er – abwarten kann der Saurier nie! – sofort ein Makrönchen probieren.

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Zufrieden schmatzt der Butler seine erste Kokos-Okara-Makrone. „Das nächste Mal bleiben sie 40 Minuten im Ofen. Aber lecker sind sie geworden!“

Ich muss dem zustimmen. Hoffentlich sind morgen noch Makronen vorhanden …

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17. Mai 2016, Nachtrag:

Anatol ist sich plötzlich nicht mehr sicher, ob die Okara-Makronen über mehrere Tage haltbar sind. Er hat sich daher – aufopferungsvoll und aus reiner Vorsicht! – über das Schälchen hergemacht.

Es ist nun fast nichts mehr übrig von den Makrönchen.

Gut, dass wir noch einiges an Okara im Froster haben!

 

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