9. Kapitel – Elie

Elie rutscht ungeduldig auf seinem Kissen herum. Ich habe schon seit ein paar Minuten gemerkt, dass er immer unruhiger wird. Jetzt platzt es aus ihm heraus: „Und ich?? Wann komm eigentlich ICH ?! Immer geht es nur um Anatol in Deinen Geschichten!“

Anatol bemerkt etwas spitz, dass es ja Elie selbst gewesen sei, der unbedingt seine Geschichte habe hören wollen … und schon setzt Elie zu einer längeren Tirade an, die ich jedoch unterbreche: nichts ist schlimmer als zwei zankende kleine Saurier. Ich beeile mich, klarzustellen, dass Elie auf keinen Fall eine unwichtige Rolle in meinen Erzählungen spielt. Nur … Anatol ist schon viel länger da als Elie. Und ich muss natürlich der Vollständigkeit halber alles erzählen, was Anatol hier erlebt hat, bevor Elie zu uns kam – am 15. Oktober 2013.

An diesem Tag war mir ein Missgeschick widerfahren – ich hatte mir einen schlimmen Hexenschuss geholt und konnte mich kaum bewegen. Anatol hatte mich mit Medikamenten und einer Wärmflasche versorgt, und war dann losgezockelt, da es ihm endlich etwas besser ging, und er dringend frische Luft im Park schnuppern wollte.

15. Oktober 2013, 11 Uhr 35

Ich habe mich gerade langgelegt und versuche nun, meinen Rücken zu entspannen, da höre ich im Treppenhaus laut um Hilfe rufen! Anatol ist erst eine Viertelstunde weg – und kommt nun in höchster Aufregung die Treppe hochgesprungen so schnell er nur kann! Mein erster Gedanke: „Oh weh, die Brontos müssen heute schlecht draufgewesen sein …“…

Aber da ist Anatol schon in der Wohnung – vollkommen aus dem Häuschen, schnappt nach Luft und schreit mehr als er spricht: ich müsse SOFORT mit ihm zurück in den Park! Da liege ein schwerverletzter Dino im Gebüsch – er habe ihn ansprechen können, also er sei erst noch bei Bewusstsein gewesen, dann aber ohnmächtig geworden!

Er konnte ihn alleine nicht wegtragen – und die Kumpels waren alle schon zum Mittagessen nach Hause gegangen!

Da ist Anatol: im Treppenhaus – und fiept, wir müssen sofort los!!!

Anatol Treppe

Ich hab diesen Hexenschuss und gerade hat es angefangen, dicke Bindfäden zu regnen … Aber ein schwerverletzter Dino draussen – also los!

Schnell sind wir im Park.  Anatol sucht alles ab, er kann sich nicht mehr so genau an die Stelle erinnern, da er sich so erschrocken habe! Es sei etwas tiefer im Unterholz, unter den Büschen gewesen – er sei nur darauf aufmerksam geworden, weil er ein Stöhnen gehört habe!

Da! Wir haben ihn gefunden:
 
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Anatol traut sich nicht an den armen Dino ran – er glaubt, er lebt vielleicht nicht mehr … Anatol hält sich vor Angst die Augen zu und weint!

Ich hebe den Dino natürlich sofort hoch. Er atmet! Aber er blutet und ist nicht bei Bewusstsein. Soweit ich es erkennen kann, ist es ein Diplodocus. Anatol hat ihn hier noch nie gesehen…

Wir bringen ihn schnellstens nach Hause und versuchen, ihn zu verbinden. Aber der arme Dinosaurier verliert sehr viel Blut, ich kann es nicht stoppen. Er muss unbedingt zum Arzt bzw. ein Arzt muss hier herkommen.

Ich entscheide mich, den französischen Tierarzt anzurufen und ihm zu sagen, es handele sich um einen verletzten Leguan. Dann hält er mich vielleicht nicht für verrückt.

15. Oktober 2013, 12 Uhr 30

Der Notarzt ist unterwegs. Ich habe gesagt, der Patient sei eine Art Fund-Leguan … vielleicht merkt er dann nichts.

Der Dino atmet noch. Er stöhnt auch, aber ist nicht ansprechbar. Er hat sehr viel Blut verloren.

Ich fürchte, Anatol kann sich schon mal für eine Bluttransfusion zur Verfügung stellen. Der springt hier grad im Deieck – zwischen der Panik wegen des Dinos und der wegen einer Blutabnahme … davor hat er nämlich große Angst.

15. Oktober 2013, 12 Uhr 40

Der Notarzt ist da:

Notarzt

Er meint, so einen „komischen“ Leguan habe er noch nie gesehen. Es müsse sich um eine ganz illegale Kreuzung von seltenen Arten handeln; wenn der Leguan überleben sollte, müsse er ihn sofort beschlagnahmen. Er nehme ihn jetzt nur nicht mit, weil das Tier transportunfähig sei. Mir wird angst und bange um den Diplodocus!

Die Überlebenschancen stünden nicht gut, meint der Arzt, aber es sei nicht ganz ausgeschlossen, dass er es schaffe.

Anatol hat sich sofort versteckt, als er den Arzt gehört hat. Mir ist es auch ganz lieb, dass der Arzt Anatol nicht gesehen hat, denn auf eine weitere „Beschlagnahme einer seltenen Leguan-Art“ kann ich gerne verzichten.

Der Diplodocus (pardon – der Leguan!) ist nun verbunden, der Notarzt ist weg – er wurde zu einem anderen Notfall gerufen. Nur gut, dass er fort ist!

Die Wunde blutet immer noch ein wenig, der Verband ist schon durch… Aber es ist besser geworden.

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15. Oktober 2013, 14 Uhr 10

Wir haben den kleinen Diplodocus nun in Anatols Nestchen gelegt.  Er schläft, ist also nicht mehr bewusstlos. Der Arzt hat ihm mehrere Aufbauspritzen gegeben, die für Leguane geeignet sind… Leguane sind ja Echsen – ferne Verwandte der Dinosaurier … daher hoffe ich, dass diese Medikamente auch für Dinosaurier geeignet sind.

Sobald der Dino wieder krabbeln kann, muss er hier weg und in Sicherheit gebracht werden – er kann auf keinen Fall bleiben. Der Notarzt hat den Amtstierarzt bereits angerufen und ihm gesagt, er solle hier einen Fundleguan abholen.

Anatol passt jetzt auf den kleinen Diplodocus auf, der in seinem Körbchen liegt.

Und ich brauche dringend einen Flucht- und Rettungsplan!

hier kommt die Fortsetzung: Kapitel 10

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