89. Kapitel – Der Tag der deutschen Reinheit

Morgen ist Feiertag in Deutschland. Anatol und Elie freuen sich auf einen freien Tag – ich muss allerdings arbeiten, denn hier in Frankreich ist der 3. Oktober ein normaler Arbeitstag.

Umso mehr beglückt mich jetzt die Aussicht auf einen geruhsamen Abend mit den Butlern und den Katzen. Leider wird es anders kommen, als ich es mir vorgestellt habe.

Um 19 Uhr betrete ich die stille Wohnung und gebe als erstes den Pelztieren zu fressen. Dies wird dankbar entgegengenommen.

Die Butler scheinen gar nicht zuhause zu sein – oder doch? Ein Kratzgeräusch dringt aus dem Schlafzimmer.

Ich begebe mich in selbiges – hier schlägt mir ein äußerst unangenehmer Geruch entgegen: ein Geruch, den man mit Krankheit, starkem Unwohlsein und Zeitmangel in Verbindung bringt!

Das Bett – mein Bett – zeigt nun leider die Spuren einer sehr extensiven Nutzung. Offenbar ist einem meiner tierischen MItbewohner sein Mittagessen nicht bekommen. Betreten sehen die Tiere mich an, während ich mit entsetztem Blick das Ausmaß der Katastrophe entdecke: Ein See von Übelkeit erstreckt sich über die Hälfte meiner Bettüberdecke, zieht sich über den Bettrand bis aufs Parkett hin und verschwindet dann unter dem Bett.

Ich wähne mich einer Ohnmacht nah.

Anatol und Elie haben bereits begonnen, unter dem Bett aufzuwischen. Angesichts des Umfangs der Verschmutzung können sie hier allerdings kaum etwas ausrichten. Eine brutalstmögliche Reinigungsaktion ist erforderlich.

Die Bettüberdecke wandert in die Waschmaschine, um dort bei 90° hoffentlich porentief sauber zu werden … dann entdecke ich, dass auch der Teppich betroffen ist.

Es wird eine lange Nacht des Putzens – die dann morgen hoffentlich in einen Tag deutsch-französisch-dinosaurischer, blütenfrischer Reinheit übergehen wird.

Nachtrag: es ist fast 22 Uhr. Die zweite Ladung Wäsche zappelt in der Waschmaschine. Das Bett ist frisch bezogen, die Kissen und Decken sind enthaart (ich weigere mich, das Innere meiner Waschmaschine in einen Yeti zu verwandeln: was darin gewaschen wird, muss vorher enthaart werden), der Boden abgespachtelt und großflächig gewischt.

Anatol hat mir derweil einen leckeren Salat zubereitet – den darf ich nun essen, und dann muss ich schnellstens ins Bett, denn morgen klingelt der Wecker wieder um 5 Uhr 20.

Topiramat : dreifaches Risiko für Depressionen und Selbstmord

Anatol machte mich heute auf diesen sehr informativen Beitrag von Violetta aufmerksam.

Es ist mir ein Anliegen, ihn auch hier im Blog zu verbreiten, deshalb stelle ich ihn auch bei uns ein.

Das Migräne Projekt

AntiepilepsieDeprWenn es ganz schlimm kommt, dann gibt es für Migräniker die Option, sich mit einem Epilepsiemittel prophylaktisch behandeln zu lassen. Das ist nicht so weit hergeholt, schließlich gibt es eine Menge Ähnlichkeiten zwischen Epilepsie und Migräne.
Der Wirkstoff, der hier vor allem verschrieben wird heißt Topiramat, das Produkt heißt Topamax. Seit 2009 ist das Patent ausgelaufen und der Wirkstoff sollte auch als Generika zu erhalten sein.

Ich habe Topamax auch mal verschrieben bekommen, und meine Neurologin bringt es immer wieder mal ins Gespräch. Ich habe mich aber schon vor über zehn Jahren, nachdem ich den Beipackzettel gelesen habe, dagegen entschieden und bleibe auch dabei. Meine Gründe damals waren vor allem die hohe Lebertoxizität des Medikaments und die hohe Wahrscheinlichkeit, ein Glaukom zu bekommen. Hinzugekommen im Laufe der Jahre sind unendlich viele anekdotische Berichte darüber, dass Leute das Gefühl haben, ihr IQ würde um die Hälfte sinken, wenn sie das Medikament…

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88. Kapitel – Leseratten

Eben erst komme ich von der Arbeit nach Hause. In letzter Zeit werden meine Arbeitstage länger und länger – sie beginnen immer früher und enden immer später. Die Butler haben bereits mehrfach angemahnt, dass ich doch bitte zu einer „anständigen Uhrzeit“ zum Abendessen erscheinen solle. Heute hatte ich eigentlich eine erneute Standpauke befürchtet, aber diese bleibt aus.

IMG_3088Die beiden Saurier sitzen vor dem Laptop und lesen. Offenbar haben sie einen packenden neuen Blog im Netz gefunden, neben den vielen schönen Blogs, die sie bereits lesen.

Ich werde kaum bemerkt. Auf kurze Nachfrage, was es denn da zu lesen gebe, bekomme ich nur ein „Pstttt – es ist grad so spannend!“ zu hören.

Mein Abendbrot werde ich mir wohl nun selber machen müssen … die Saurier sind beschäftigt.

Nur die Auskunft, dass es in dem Blog um die Reiseabenteuer einer mutigen kleinen Schildkröte und ihres Freundes, eines Pariser Streunerkaters, geht, kann ich ihnen ablocken – sowie den Namen und die Adresse des Blogs: Leo & Luzi.

Desillusioniert gehe ich in die Küche. Das Internet macht nirgendwo halt – und nun sind auch meine Butler ihm verfallen.

Nun gibt es erst einmal einen Salat, dann werde auch ich mir diesen Blog näher ansehen!

87. Kapitel – Äußerlichkeiten…?

Verstohlen mache ich mich am Kleiderschrank zu schaffen. Ich will die schöne dunkle Jeans von Somewhere, die ich damals ein wenig zu groß gekauft hatte, herausfischen und dabei möglichst nicht bemerkt werden.

„Du hast zugenommen!“ tönt es da aus dem Wohnzimmer. Anatol lugt hinter seiner Zeitung hervor, die ein Rascheln von sich gibt. „Es macht jetzt schon eine Kleidergröße aus… Deshalb suchst Du doch die dunkle Denim-Hose, nicht? Die liegt übrigens ganz rechts im Schrank, im zweiten Fach.“

Ich erstarre. Soll ich das Biest packen und kurzerhand aus dem Fenster werfen? Es zu Gulasch verarbeiten? Oder ihm einfach fristlos kündigen?

Meine Wut weicht einer traurigen Einsicht. Ja – ich habe zugenommen. Etwa 6 kg. Offenbar ist dies meiner Migräneprophylaxe – den Betablockern – zu verdanken, die ich seit fast zwei Monaten einnehme. Schlimmer als die 6 kg, die ich zusätzlich mit mir herumschleppe, ist die Tatsache, dass ich sie nicht wieder loswerde – trotz beharrlichen Fastens.

„Anatol, Du Untier! Wie kann man nur so gemein sein!“

Anatol hüpft ins Schlafzimmer und sieht mich mich unverfrorenen an. „Wieso gemein? Es ist eben so, dass Du an gewissen Stellen, die gerade für Jeans relevant sind, etwas mehr geworden bist. Die meisten Leute würden das sogar für eine positive Entwicklung halten.“

Ich schüttle den Kopf. „Nichts ist daran positiv! Ich werde fett – das ist es. Was kann ich nur tun …!“ Fast will ich mich schluchzend auf den Boden setzen.

Elie kuschelt sich an mich. „Also ich persönlich finde, dass Du so besser aussiehst. Die Jeans sitzen einfach schöner so. Knalleng halt! Sogar Angelo ist es aufgefallen.“

Ich bin sprachlos! Wo gucken diese prä-pubertären Saurierbengel hin? Gerade will ich Ohrfeigen androhen (obwohl ich gegen Gewalt in der Erziehung bin – aber hier geht es um etwas anderes!), da verkündet Anatol: „Ab jetzt gibt es eine ganz spezielle Diät – und damit kriegen wir dieses Problem in den Griff. Das wäre ja gelacht.“

Ich weise Anatol darauf hin, dass ich seit mehreren Wochen auf FdH bin – ohne jegliche Auswirkung. Immerhin schaffe ich es so, das – zu hohe – Gewicht zu halten. Dennoch ist FdH ganz klar keine Lösung.

Anatol ist gegen solche radikalen Diäten. Er meint, eine echte Nahrungsumstellung mit mehr Rohkost und weniger Kohlehydraten (insbesondere in Form von Weißmehl) sei in meinem Fall die bessere Alternative. Er verspricht mir für heute Abend einen leckeren Salat mit viel roher Paprika und Möhre. Und er behauptet, ich würde auf keinen Fall hungrig ins Bett gehen.

Ich bin gespannt.

Nachtrag: 18. September 2014

Heute Abend habe ich das erste von Anatol extra „kreierte“ Diätessen bekommen: Pellkartoffeln mit sehr wenig Olivenöl, einer Prise Salz und Pfeffer und etwas Thymian. Schmecken tut es sehr gut! IMG_3018

86. Kapitel – Mina in der Tierklinik der Zwerge

Gestern abend hatte es begonnen.

Mina hatte zum Abendbrot nichts essen wollen. Sie war blass und schlapp in ihr Bettchen gekrochen, hatte sich die Decke über den Kopf gezogen und sich leise wimmernd zusammengekrümmt. Elie hatte sie nicht einmal streicheln dürfen, da ihr jede Berührung wehgetan hatte.IMG_3002

Anatol und ich waren aufs äußerste besorgt gewesen. Mina war noch nie krank gewesen; sie hatte bisher keinerlei Krankheitszeichen gezeigt, das Unwohlsein war ganz plötzlich gekommen.

Fieber hatte Mina allerdings nicht gehabt.

Anatol – und da war ich mit ihm einer Meinung – hatte gesagt, dass Mina dringend zu einem Arzt müsse; der Zustand sei besorgniserregend, ja möglicherweise lebensbedrohlich. Da die hiesigen Tierärzte weder Dinosaurier noch schwarz-weisse Stoffkühe behandeln, sei es aus seiner Sicht erforderlich, Mina in die Tierklinik der Zwerge zu bringen. Das Zwergen-Ärzteteam sei auf derlei schwierige Fälle spezialisiert; man könne ihnen Mina bedenkenlos anvertrauen.

Mina war zu diesem Zeitpunkt bereits kaum noch ansprechbar gewesen – sie musste schnellstens zu einem Arzt. Nur wie? Der Drachenflugdienst war im Streik (das Bodenpersonal hatte höhere Gehälter gefordert und die Tarifverhandlungen waren in einen Streik der gesamten Belegschaft gemündet) – und mit dem Auto ist die Tierklinik der Zwerge nicht ereichbar: sie liegt gut versteckt mitten im unzugänglichsten, dichtesten Teil des Göttinger Hainbergs. Ausschließlich der Drachenflieger kann dort auf einer kleinen LIchtung landen – alle anderen Krankentransporte müssen zu Fuss durchgeführt werden.

Anatol hatte jedoch gemeint, sein neues Victoria-Trekkingrad müsste die Waldwege auch bewältigen können; die letzten 200 Meter im dunkelsten Teil des Waldes könne man notfalls zu Fuss – das Fahrrad schiebend – zurücklegen.

So waren wir vier – Anatol, Elie und ich, Mina gut in die Krankentragetasche eingemummelt – nach wenigen Stunden Schlaf in aller Frühe auf dem Fahrrad losgefahren, Richtung Hainberg.

Es war allerhöchste Zeit für Mina.

Hier findet Ihr die Fortsetzung im Blog der Tierklinik der Zwerge!

85. Kapitel – Entengrütze: die Fortsetzung

Am Tag nach der Entengrütz-Aktion ist Elie, mit seinem Eimerchen, einem Schrubber und Wischlappen bewaffnet, tatsächlich in Richtung Angelos Villa losgezockelt. Ich war sehr stolz auf ihn, da er ganz allein alle Putzutensilien zusammengesucht hatte und sichtlich bemüht erschien, die Missetat wieder gutzumachen.

Am späten Nachmittag war er wieder zurückgekommen – aber nicht zu Fuß, sondern in der Limousine von Angelos Eltern. Anatol und ich waren sprachlos gewesen. Elie war aus dem Fond der Limousine ausgestiegen, hatte sein Eimerchen, den Schrubber und die Lappen aus dem Heck des Wagens herausgekramt – und hatte dann von Angelos Vater eine riesige Kuchenbox überreicht bekommen, die Elie kaum allein hatte tragen können. Dann war die Limousine mit den schwarzen Scheiben lautlos fortgefahren.

Elie war so überwältigt gewesen, dass er eine Weile gebraucht hatte, um sich etwas zu sammeln. Dann hatte er uns den sagenhaften Nachmittag geschildert, den er gerade erlebt hatte.

Als er bei Angelo eingetroffen sei, habe er die Fassade der Villa wieder strahlend weiss und makellos wie immer vorgefunden. Angelos Mutter habe ihn empfangen und erklärt, die Reinigung habe Angelo allein erledigen müssen – als Strafe dafür, dass er Anatol erst provoziert und dann verhauen hätte. Elie habe sich zwar keinesfalls richtig verhalten, als er die Entengrütze bei ihnen ans Haus geworfen habe, sie fände es aber vorbildlich von ihm, dass er nun mit seinen Putzssachen vorbeikomme und die Grütze beseitigen wolle. Sie habe eine geeignetere „Bestrafung“ für Elie ausgedacht: und zwar wäre es ihr lieb, wenn Elie ihr heute nachmittag beim Kuchenbacken zur Hand gehen wolle. Sie brauche dabei dringend Unterstützung.

Elie sei abwechselnd rot und blass geworden. Er habe gar nicht gewusst, wie ihm geschehen sei – er habe noch nie eine so luxuriös eingerichtete Küche gesehen. Die Küche allein sei größer gewesen als unsere gesamte Wohnung. An dieser Stelle der Erzählung hatte ich mich geräuspert und Elie darum gebeten, hier nicht zu sehr in die Einzelheiten zu gehen.

Angelos Mutter sei sehr nett gewesen. Sie hätte Elie gezeigt, wie man eine Charlotte backt – dann habe Elie verschiedene Torten verzieren und vom Tortenguss naschen dürfen.

Er habe einen tollen Nachmittag verbracht – und Angelos Mutter offenbar auch.

Dann sagt Elie nachdenklich: „Ich glaube, ich weiss, was Angelos Problem ist. Er hat einfach alles – das ist viel zu viel. Es gibt nichts, was er sich noch wünschen kann. Er kann sich auf nichts mehr freuen: er hat schon alles, was man sich wünschen kann. Anatol, der ist nicht auf Dein Fahrrad neidisch gewesen, sondern auf Deine Freude über das Rad. So etwas kennt Angelo gar nicht. Ich glaube, seine Eltern haben das noch gar nicht verstanden – dass sie ihm viel zu viel schenken.“

Anatol und ich schweigen. WIr glauben, dass Elie den Nagel auf den Kopf getroffen hat.

Die Charlotte, die Angelos Eltern Elie mitgegeben haben, ist sicher die beste, die wir je gekostet haben. Ob wir jemals wieder einen so guten Kuchen essen werden? Wir wissen es nicht.

84. Kapitel – Die Woche für unsichtbare Krankheiten

Anatol und Elie haben wieder einmal bei Violetta im Blog gelesen und löchern mich seit vorgestern, dass ich die 30 Fragen über meine Migräne ebenfalls beantworten und hier in den Blog stellen soll.

Eigentlich hatte ich dazu erst keine Lust. Ich spreche überhaupt nicht gern über die Migräne und tue am liebsten so, als sei alles ok. Anatol und Elie sagen aber, gerade Violettas Beispiel zeige, dass es viel besser ist, Migräne sichtbar zu machen und darüber zu sprechen. Vielleicht werde es dann mehr Verständnis dafür geben – und hoffentlich irgendwann ein Heilmittel.

Hier also die Fragenliste, mit meinen Antworten:

Dinge über meine unsichtbare Krankheit, die Ihr vielleicht nicht wisst:

1. Die unsichtbare Krankheit, die ich habe, ist Migräne.
2. Diagnostiziert wurde die Migräne bei mir 1997,
3. aber ich leide schon seit 1976 unter dieser Krankheit.
4. Die größte Veränderung bzw. Anpassung, die ich dieser Krankheit zugestehen muss, ist die Tatsache, dass ich nichts in meinem Leben tun kann, ohne auf die Migräne Rücksicht zu nehmen bzw. sie einzuplanen. Auch meine Karriereplanung muss ich daran ausrichten – so hätte ich zum Beispiel niemals Anwältin werden können, obwohl ich diesen Beruf gerne ergriffen hätte.
5. Die meisten Leute denken, dass ich vollkommen gesund bin und mir die Migräne nur einbilde.
6. Das Schlimmste am Morgen ist es, mit Migräne aufzuwachen und trotzdem funktionieren zu müssen.
7. Meine Lieblings-Ärzteserie ist: Dr. House
8. Auf welches Gerät kann ich nicht verzichten? Auf mein IPhone – damit kann ich auch aus dem Bett heraus noch kleine Nachrichten schreiben und von lieben Freunden etwas Trost bekommen, wenn ich Migräne habe.
9. In der Nacht ist es am Schlimmsten, wenn die Migräne so stark ist, dass man nur vor sich hindämmern kann und vor Schmerzen seltsame Dinge sieht und hört.
10. Jeden Tag nehme ich mindestens 4 Tabletten und Vitamine.
11. An alternativen Therapien habe ich schon die folgenden ausprobiert: Akupunktur, Homöopathie, Ostheopathie, Pestwurz, medizinische Resonanztherapie, Meditation, Yoga, Migränediät …
12. Wenn ich zwischen einer sichtbaren und einer unsichtbaren Krankheit zu wählen hätte, würde ich keine nehmen! Ich bin froh, im Normalfall gesund auszusehen – das ist immer besser. Allerdings sieht man mir, ebenso wie Violetta, deutlich an, wie krank ich bin, wenn ich einen schlimmen Migräneanfall habe.
13. In Bezug auf meine Arbeit und meine Karriere ist die Migräne ein ganz wichtiger Faktor. Eine freiberufliche Tätigkeit mit vielen beruflichen Reisen oder unregelmäßigen Arbeitszeiten hätte ich niemals ausüben können.
14. Viele Menschen wären verwundert, wenn sie wüssten, dass ich wegen der Migräne oft Existenzängste habe.
15. Am schwersten war für mich zu akzeptieren, dass ich wegen der Migräne nicht mehr ohne weiteres darüber bestimmen kann, wie ich mein Leben führe, und bei allem darauf achten muss, wie ich migränetechnisch damit klarkomme.
16. Etwas, wovon ich dachte, dass ich es niemals meiner Krankheit tun könnte war: einen Vollzeitjob bekommen und darin sehr erfolgreich zu arbeiten. Ansonsten passiert allerdings kaum etwas in meinem Leben, da die restliche Zeit der Migräne oder dem Ausruhen geschuldet ist.
17. Werbung für Migränemedikamente: gibt es hier nicht.
18. Was vermisse ich: meine Unbeschwertheit, und das Gefühl, einfach alles tun zu können, was man sich vorstellt. Heute abend möchte ich mit einer Freundin in ein Konzert gehen – nun kündigt sich die nächste Migräne an. Es wäre so schön, sich einfach auf einen Abend mit Freunden freuen zu können, ohne sich sagen zu müssen „hoffentlich habe ich dann keine Migräne“.
19. Etwas, was mir schwergefallen ist: ich darf wegen der Migräne keinen Tropfen Alkohol mehr trinken. Zu Anfang war es nicht leicht; heute ist es nur noch entnervend, beim Essen mit Kollegen oder Bekannten erklären zu müssen, dass (und warum) man keinen Alkohol trinkt. Die Leute können es einfach nicht verstehen.
20. Ein neues Hobby, das ich seit der Diagnose aufgenommen habe: in meinem Blog zu schreiben.
21. Wenn ich einen Tag lang ganz gesund sein könnte, was würde ich tun? Einfach in den Tag hineinleben – und nicht immer denken: heute musst du diese 20 Dinge unbedingt erledigen, denn wenn Du morgen wieder Migräne hast, kannst Du es nicht mehr.
22. Was habe ich von meiner Krankheit gelernt: ich halte viel mehr aus, als ich gedacht hätte – und wäre froh, wenn ich dies niemals hätte erfahren müssen.
23. Was geht mir wirklich nahe, wenn Leute es sagen? „Deine Migräne ist doch sicher stressbedingt!“ Das ärgert mich, weil es einfach Blödsinn ist: ich habe Migräne, weil ich eben an dieser genetischen, neurologischen Erkrankung leide, und zwar mit und ohne Stress, mit oder ohne viel Arbeit, Freude, Trauer, Ärger, Freizeit … Warum sagt man solche dummen Dinge?
24. Aber ich habe es gern, wenn jemand einfach nur sagt: „Ruh Dich aus, ich bring Dir einen Tee.“
25. Mein Motto: „Es wird irgendwann besser gehen!“
26. Was sage ich jemandem, der auch an Migräne leidet: Such Dir einen Arzt, der sich wirklich mit Migräne auskennt und Dich ernst nimmt. Und lass Dir Triptane verschreiben.
27. Was hat mich überrascht, seit ich mit der Migräne leben muss: man findet immer wieder Dinge, die uns Hoffnung auf Besserung geben!
28. Das Liebste, was jemand getan hat, als es mir nicht gut ging: eine ganz liebe Freundin ist gekommen und hat alle Katzenklos gesäubert. Und mein Chef (mit 41° Fieber immer bei der Arbeit) hat es mir einmal angesehen, wie schlecht es mir ging mit der Migräne, und gesagt, ich solle schnell nach Hause gehen und mich ausruhen… dabei durfte man sonst, wenns nach ihm gegangen wäre, bei der Arbeit gern die spanische Grippe, Pest und Cholera gleichzeitig haben: es musste trotzdem gearbeitet werden. Aber mit der Migräne hat er mich nach Hause geschickt.
29. Warum mache ich bei der Invisible Illness Week mit: vielleicht kann ich so auch andere Menschen anregen, über ihre unsichtbare Krankheit zu sprechen.
30. Dass Ihr dies hier lest, gibt mir Hoffnung, dass unsichtbare Krankheiten vielleicht besser verstanden und irgendwann geheilt werden – ganz besonders natürlich die Migräne!

83. Kapitel – Die Entengrütze

Heute war der erste Schultag nach den Ferien. Elie war mit seinem Roller, Anatol mit dem neuen himmelblauen Victoria-Fahrrad zur Schule gefahren. Ich hatte ihm eingeschärft, das Rad an einer sicheren Stelle abzustellen und auf jeden Fall an eine sehr stabile Verstrebung oder ein Straßenschild anzuschließen. Anatol hatte das fest versprochen – zumal wir dafür ein ganz besonders gutes Bordo-Schloß gekauft hatten. Etwas Sicheres gebe es kaum, hatte uns der freundliche Herr von Zweirad-Schmid garantiert.

Ich selbst war dann ins Büro gefahren, wo ich mich den Vormittag über in eine unangenehme Akte im Bereich des internationalen Kabelgeschäfts vertieft hatte. Hier drohte wohl demnächst ein Prozess – diesen galt es vorzubereiten und insbesondere seine Finanzierung abzusichern. Darauf folgte ein längeres Gespräch mit meinem Chef, der diverse Angelegenheiten mit mir durchgehen wollte.

Gegen 13 Uhr 30 – mein Chef hatte mich endlich in die Mittagspause entlassen – begab ich mich, noch ganz in Gedanken bei meinem Kabelprozess, nach Hause, um dort mit den Butlern zu mittag zu essen, mich etwas auszuruhen und dann gestärkt ins Büro zurückzukehren.

Als ich die Wohnungstür aufschliesse, erwarten mich Stille und tief schlafende Katzen. Weder Elie noch Anatol sind im Haus. Dies ist – um Viertel vor Zwei! – ganz ungewöhnlich. Die 6. Stunde ist um 13 Uhr 05 aus – die beiden Butler sind spätestens um 13 Uhr 20 zu Hause.

Mit einem mulmigen Gefühl nehme ich das Telephon zur Hand und wähle die Nummer des Max-Planck-Gymnasiums – in der Hoffnung, dort noch einen Lehrer zu erreichen. Bevor jedoch die Leitung frei wird, höre ich aus dem Treppenhaus Schluchzen – und es kommt näher.

Ich stürze zur Tür – eine schreckliche Vorahnung im Herzen – und sehe einen weinenden Anatol und einen besorgt guckenden Elie die Treppe hochklettern.

Voller Zorn frage, brülle ich fast: „Anatol, ist das neue Fahrrad etwa gestohlen worden!?“

Elie schüttelt den Kopf. „Nein, das Rad ist da – sicher unten im Fahrradkeller angekettet.“ Anatol nickt und wischt sich mit der Pfote die Tränen aus dem Gesicht. Sprechen kann er allerdings nicht.

Verständnislos sehe ich die Saurier an. „Was gibt es denn zu Weinen? Was ist passiert?“

Elie entschließt sich, mit der Sprache herauszurücken. „Es ist Angelos Schuld. Der hat angefangen!“

Jetzt erst sehe ich, dass Anatols Hemd zerrissen ist und seine Hose sehr schmutzig aussieht. Elie erfasst meinen Blick und bemerkt etwas spitz: „Deshalb ziehe ich lieber gar nichts an. Als Dinosaurier bin ich auch ohne Klamotten perfekt angezogen. So kann nichts schmutzig werden!“

„Was hat Angelo angefangen?“ Mit einem drohendem Unterton mache ich den beiden Butlern klar, dass ich eine Erklärung erwarte – und zwar sofort.

„Angelo hat über das neue Fahrrad gelästert. Anatol hatte es gerade vom dem Schulhof geholt und wir wollten nach Hause, da hat Angelo der ganzen Klasse erzählt, dass Victoria-Fahrräder Schrott von Vorgestern seien. Die hätten nicht mal eine Gangschaltung von Deore – dabei sei das doch heute Standard. Er rate Anatol, den Schrotthaufen zurückzubringen und sich was Anständiges zu kaufen. Er hat dann noch irgendsoeine Nobelmarke genannt, aber die hab ich nicht verstanden. Anatol hatte ihn dann schon im Schwitzkasten, und hat ihm eine reingehauen. Leider hat Anatol dabei nicht daran gedacht, dass Angelo den schwarzen Gürtel in Karate hat … nun ja, es ging nicht gut aus für Anatol. Nachsitzen musste er auch.“

Anatol schluchzt wieder laut auf. „Es ist so ungerecht!“ gelingt es ihm, zu rufen. Dann klettert er – mit Mühe – in sein Nestchen, zieht sich seinen Ritterumhang über den Kopf und ist nicht mehr ansprechbar.

Ich bin bestürzt. Wie kann es sein, dass ein Schüler den anderen so ärgern kann, nur weil dieser ein neues Fahrrad hat? Zumal Angelo das teuerste Hightech-Fahrrad besitzt, das man sich vorstellen kann … Neid konnte also in keinem Fall der Auslöser sein.

„Anatol, Du hättest Angelo einfach ignorieren sollen. Das wäre wohl das Beste gewesen. Nun hat er Dich auch noch verkloppt, weil Du auf ihn losgegangen bist.“

Anatol heult laut auf. „ICH habe den verhauen, dass das mal klar ist!“ Anatols Zustand spricht indessen eine andere Sprache – und Elies sorgenvoller Blick auch. Es muss ein relatives Massakker gewesen sein – gegen einen schwarzen Gürtel in Karate ist wenig auszurichten. Ich nehme mir vor, heute Abend Angelos Eltern anzurufen, um die Angelegenheit aufzuklären. Was Angelo diesmal an Ärger provoziert hat, kann so nicht hingenommen werden – auch wenn Anatols Reaktion nicht richtig war.

Dies teile ich den Sauriern mit und stelle dann das Mittagessen auf den Tisch. Ich versuche, die beiden mit ein paar Witzen auf angenehmere Gedanken zu bringen, leider erfolglos. Schließlich tröste ich Anatol mit dem Hinweis darauf, dass das schöne Fahrrad ja trotz aller Häme Angelos immer noch da sei, dass er damit herrliche Radtouren werde machen können und dass das Rad von allen ausprobierten am schnellsten gefahren sei. Anatol kann zumindest wieder ein bisschen lächeln.

Mit der Anweisung an die Butler, nun ihre Hausaufgaben zu erledigen, verabschiede ich mich und gehe zurück ins Büro. Für den Nachmittag ist eine längere Abteilungssitzung angesetzt, danach warten noch ein paar Akten auf mich – dann ist Feierabend.

In der Hoffnung, die beiden Saurier nun in besserer Stimmung anzutreffen, fahre ich nach Hause.

In der Wohnung brennt zwar Licht, aber ich sehe weder Elie noch Anatol. Die Katzen verlangen ihr Futter, welches ich ausgebe … dann sehe ich, dass ich 5 Nachrichten auf dem Anrufbeantworter habe: das Gerät blinkt wild. Dies ist mehr als ungewöhnlich – niemand hinterlässt dort sonst eine Nachricht. Ich betätige die Abspieltaste – und höre gleichzeitig ein leises Wimmern aus dem Sauriernestchen! Die beiden Butler sitzen – offenbar verschreckt – im Nest und trauen sich nicht unter der Decke hervor!

Noch bevor ich etwas sagen kann, spielt der Anrufbeantworter die erste gespeicherte Nachricht ab – besser: versucht sie abzuspielen: die Nachricht ist unverständlich. Die Person am anderen Ende der Leitung schreit mit sich überschlagender Stimme in den Apparat – fast glaube ich, mein Trommelfell werde platzen. Schnell drehe ich die Lautstärke herunter und versuche, Nachricht 2 und 3 abzuhören – erfolglos. Bei Nachricht Nummer 4 meine ich, herauszuhören, dass die Anrufer Angelos Eltern sind.

Scharf sehe ich die beiden Saurier an. „Was ist hier los?“ sage ich mit der strengsten, wütendsten Stimme, deren ich fähig bin.

Elie räuspert sich. „Nun ja … wir haben unsere Hausarbeiten gemacht … und damit waren wir so schnell fertig … ja und dann bin ich nochmal zu Angelo gegangen.“

„Und was dann…?“ frage ich drohend. „Nur weil Du zu Angelo gegangen bist, hinterlassen seine Eltern nicht 5 völlig hysterische Nachrichten auf unserem Anrufbeantworter!“

Elie druckst etwas herum. „Das war so gemein, was der mit Anatol gemacht hat! Ich finde, das kann man nicht so einfach gefallen lassen!“

„Ja, das stimmt. Genau aus diesem Grund wollte ich heute Abend mit Angelos Eltern sprechen. Wie zivilisierte Leute das tun. Nur irgendetwas scheint ja vorgefallen zu sein, wenn sie nun so außer sich sind. Was hast Du getan, Elie !?“Ich merke, wie mir die Zornesröte auf die Stirne steigt.

„Ich hab es nicht allein getan!“ schreit Elie. „Mirko und Edouard haben mitgemacht. Wir waren so sauer auf Angelo. Er ärgert Mirko und Edouard auch immer!“

„WAS HABT IHR GETAN ?!“ Ich bin nun so verärgert wie selten.

„Eigentlich haben wir gar nichts Schlimmes gemacht. Also nichts Gefährliches … wir waren im kleinen Wäldchen, am Bach. Da wo der Teich mit der Entengrütze ist …“

Mir schwant Furchtbares. Angelos Eltern haben eine riesige Villa mit strahlend weisser Fassade.

„Dann haben wir in unseren Eimerchen ganz viel Entengrütze und Algen gesammelt. Ja, und die haben wir dann an Angelos Fenster geschmissen. Das hat toll geklatscht, als das dagegen geflogen ist! Leider kam Angelos Mutter ziemlich bald aus dem Haus gelaufen und hat total geschimpft. Wir sind dann schnell weggelaufen. Dummerweise habe ich dabei meinen Eimer verloren – den mit meinem Namen drauf …“ Elie sieht zerknirscht zu Boden.

Ich muss mich setzen. Nun wird mir klar, warum ich aus den diversen Nachrichten auf dem Anrufbeantworter immer wieder das Wort „Fassadenreinigung“ wahrgenommen hatte. Ich hatte mich also nicht verhört.

Das Telephon klingelt. Die Nummer auf dem Display kenne ich mittlerweile: es sind Angelos Eltern.

Mit dem Mut der Verzweiflung hebe ich ab. Offenbar hat man sich am anderen Ende der Leitung zumindest ein wenig beruhigt – ich kann den Namen von Angelos Mutter verstehen. Sie schildert voller Entsetzen die Entengrützenaktion, scheint aber deren Vorgeschichte nicht zu kennen. Nachdem Frau Panquin ihrem Ärger über ihre nunmehr ungewollt begrünte Fassade Luft gemacht hat, setze ich sie von den vorhergegangenen Taten ihres Sprösslings in Kenntnis, und auch davon, dass ich mich deswegen heute abend bei ihr gemeldet hätte.

Frau Panquin ist fassungslos. Sie kündigt einen erneuten Anruf für den morgigen Tag an, wolle aber vorher „gewisse Dinge mit Angelo klären“. Dann hängt sie auf.

Ich werfe Elie und Anatol einen bitterbösen Blick zu. „Elie, Du gehst morgen höchstpersönlich zu Angelos Mutter und entschuldigst Dich bei ihr. Dann hilfst Du Angelo und seinen Eltern beim Säubern der Fassade! Angelo sollte sich bei Anatol für die hässlichen Bemerkungen entschuldigen, das wäre wohl nur angebracht.“

Zerknirscht zieht sich Elie ins Nestchen zurück, wo Anatol schon eingemummelt liegt.

Bevor er einschläft, verspricht Elie, das nächste Mal keine Entengrütze mehr an Angelos Fenster zu werfen. Er werde den Eimer mit der Grütze einfach direkt über Angelos Kopf auskippen. Das werde sicher nicht so großen Ärger machen wie jetzt die blöde weisse Fassade. Schließlich könne Frau Panquin ihren Angelo einfach in die Waschmaschine stecken.

Ich seufze. Was soll aus diesen Biestern nur werden…

82. Kapitel – Das neue Victoria-Fahrrad

Unsere Fahrt nach Offenburg beginnt mit einer Pleite – der Besuch bei Dr. Anselm, den ich schnell vor der Abfahrt des Zuges erledigen wollte, dauert unvorhergesehenerweise deutlich länger als geplant. Anatol und ich verpassen den 9:34er Zug – und müssen erfahren, dass vor 11 Uhr 04 gar kein weiterer Zug mehr fährt.

Anatol hätte nun normalerweise begonnen, lauthals zu schimpfen. Da wir aber auf der Reise zu seinem eventuellen neuen Rad sind, hält er weise den Schnabel. Statt zu zetern schlägt er vor, gleich bei DM noch einige kleine Einkäufe zu tätigen. Und warum nicht danach einen Tee bei Armbruster am Bahnhof trinken?

Genau dies tun wir. Da eine Reise mit der Bahn immer für Hunger sorgt – auch wenn sie noch gar nicht begonnen hat – genehmigen wir uns ein Pflaumenteilchen zum Tee.IMG_2986

Derart gestärkt können wir anderthalb Stunden später unsere Reise nach Offenburg antreten.

Vorher finde ich allerdings beim Besuch der Bahnhofsbuchhandlung ein sehr interessantes Literaturmagazin, welches ich kaufe. Es handelt sich um die neue Ausgabe von „Das Buch als Magazin“ und beschäftigt sich mit der Traumnovelle von Arthur Schnitzler – einem meiner Lieblingsbücher. Das Magazin geht daher mit uns auf die Reise – ich werde später noch genauer darüber berichten.

Um 11 Uhr 22 erreichen wir Offenburg – und wenig später unser Ziel: den Fahrradladen, der die begehrten Victoria-Räder führt.

Warum ist diese Marke Anatol und mir so wichtig? Wir sind sonst keine Marken-Fetischisten – im Gegenteil bevorzugen wir bis auf wenige Ausnahmen No-Name-Produkte.

Der Name „Victoria“ steht für eine lange, traditionsreiche Geschichte. Schon 1886 wurden von der Firma Victoria Fahrräder hergestellt – gegründet wurde sie damals von zwei Radsportlern. Der Radsport war damals ganz neu – gerade Frauen, die für Emanzipation kämpften, fuhren Fahrrad! Diese ersten Radfahrerinnen sind selbstverständlich unsere Vorbilder.

Das Victoria-Fahrrad gehört jedoch auch zu unserer Familiengeschichte. Das „erste Victoria-Fahrrad meines Lebens“ was das meines Vaters. Es entstammte den 50er Jahren und war meinem Vater von seinen Eltern zum 14. Geburtstag geschenkt worden; es war – wie alle Victoria-Fahrräder – ein technisches und ästhetisches Meisterwerk. Da man damals, nach dem Krieg, kaum Geld für Spielereien wie Fahrräder hatte, war das Fahrrad für einen kleinen Jungen der größte Schatz, den man sich vorstellen konnte. Dementsprechend gut wurde es behandelt und behütet.

Ich war von dem Fahrrad schon als kleines Kind beeindruckt: auf der Stange sitzend durfte ich mit meinem Vater zur Schule fahren und die Klingel betätigen, die ein einzigartiges, glockenhelles „PING“ von sich gab.

Als ich 14 war, wurde das Rad gestohlen – eine Familientragödie. Es blieb jedoch nicht für immer verschwunden: ich sah eines Tages den mutmaßlichen Dieb mit dem Fahrrad durch Göttingen radeln, konnte ihn verfolgen, stellen, und der Polizei zuführen. So kam das Fahrrad zu uns zurück.

Natürlich wollte Anatol ebenfalls ein solches Victoria-Fahrrad, und so bekam er das schöne, azurblaue Rennrad geschenkt, das jetzt durch eine Verkettung unglücklichster Umstände in die Fänge des nachbarlichen Bermuda-Dreiecks geriet und dort innerhalb kürzester Zeit verschwand.

Uns ist bewusst, dass es mehr als unwahrscheinlich ist, unser azurblaues Victoria-Rad wiederzufinden. Daher hat Anatol sich entschlossen, einen Schritt in die Zukunft zu tun: ein neues Victoria-Fahrrad soll einziehen.

Vorher müssen wir es allerdings ansehen und probefahren – und eben dies soll heute geschehen.

Ein freundlicher alter Herr – vermutlich der Inhaber – begrüßt uns, als wir bei Zweirad Schmid ankommen. Genau zwei Modelle von Victoria sind zum Ausprobieren da: ein Damen- und ein Herrentrekkingrad. Der alte Herr erklärt uns die technischen Neuerungen, die das Modell erfahren hat: 24-Gang-Kettenschaltung, Aluminiumrahmen, Stoßdämpfung … all dies kennen Anatol und ich nicht. Das alte Fahrrad hatte einen fleißig rostenden Stahlrahmen, 5 Gänge und natürlich keine Stoßdämpfer.

Wir dürfen beide Modelle probefahren. Sie fahren wie von selbst – leicht, schnell und ohne jede Anstrengung: fast haben wir das Gefühl, zu schweben! Das Damenmodell mit seinem 50er Rahmen scheint die perfekte Größe zu haben.

Was nun? Anatol guckt mich aus erwartungsvollen Augen an: ich soll das Fahrrad nun bestellen, das sehe ich ihm ganz deutlich an. Aber zur Zeit steht es mit unserem Budget nicht zum Besten, und mir wäre es lieber, wenn wir das neue Fahrrad erst später im Herbst, im Oktober oder November kaufen würden … Anatol stehen Tränen in den Augen.

„Frag doch wenigstens mal nach dem genauen Preis!“ weint er leise. „Und ob es das Rad in blau überhaupt noch gibt.“

In der Tat ist das blaue Modell nicht auf Lager – ich gehe allerdings davon aus, dass man es bestellen kann.

Der alte Herr blättert im Victoria-Katalog, schreibt sich die Modellnummer auf und ruft beim Victoria-Großhändler an. Ja, das Modell existiert noch, es wird jedoch in 2 Wochen durch ein neues ersetzt. Das neue Modell wird zum Entsetzen von Anatol nicht mehr blau, sondern weiss sein.

Ich sehe ein, dass nun gehandelt werden muss. Bestürzt höre ich mich sagen „Dann bestellen Sie uns bitte das blaue Rad. Jetzt sofort.“ Geichzeitig gehe ich im Geiste den Stand des Kontos durch. Einen solchen Kauf kann es nicht verkraften – die Reserven sind bis auf einen winzigen Rest, der unseren Notgroschen darstellt, ausgeschöpft. Ich bin fassungslos ob der Eselei, die ich gerade begehe.

Erfreut teilt mir der freundliche alte Herr mit, dass das Fahrrad morgen um Punkt 15 Uhr für Anatol und mich bereitstehen wird. Anatol jubelt – und hört damit nicht einmal auf, als ich streng darauf hinweise, dass ab sofort alle (und das heisst: ALLE) weiteren Ausgaben gestrichen sind.

Wie wir Elie das teure Rad erklären wollen, weiss ich nicht.

Für heute überlasse ich es Anatol, hier eine glückliche Eingebung zu haben.

IMG_2990Nachtrag, am 9.9.2014

Eben haben wir das neue Fahrrad abgeholt.

Hier wird es in der Werkstatt genau auf den neuen Fahrer eingestellt.

Anatol ist sehr glücklich.

Man sieht es ihm an, denke ich.

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80. Kapitel – Zensur…?

Meine Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk ist wieder schlimmer geworden. Ich habe die ständige Arbeit am Computer – und vor allem mit der Maus – im Verdacht, dieses Problem auszulösen.

Wenn ich zuhause am Computer (ohne Maus) schreibe, bleibt meine Hand ganz beschwerdefrei. Deshalb habe ich heute die Betriebsärztin zu mir ins Büro gerufen, um ihr meinen Arbeitsplatz zu zeigen und um sie zu fragen, ob ich eine Tastatur mit Touchpad bekommen könne – damit ich nicht mehr mit der Computermaus arbeiten muss.

Ob dies möglich ist, weiss die Betriebsärztin noch nicht. Allerdings will sie nicht, das ich abends zu Hause weiter am Computer arbeite.

Sprich: ich soll nicht mehr im Blog schreiben. Davon würden die Beschwerden schlimmer.

Anatol ist ausgerastet, als er das hörte (er war heute heimlich mit zur Arbeit gekommen und saß im Rucksack, als die Ärztin in meinem Arbeitszimmer war). Anato FotoZum Glück hat er seinen Wutanfall so lange zurückgehalten, bis die Ärztin wieder weg war. Andernfalls hätte sie vermutlich nicht nur orthopädische, sondern auch psychiatrische Behandlungen verordnet.

Nun habe ich einen schimpfenden Saurier hier im Büro sitzen. Zum Glück ist mein Kollege heute noch im Urlaub – es wäre sonst hochnotpeinlich gewesen.

Ich habe Anatol beruhigt. Natürlich werde ich nicht aufhören, im Blog zu schreiben. 

Eher kauf ich mir die ergonomische Tastatur mit Touchpad auf eigene Rechnung.

79. Kapitel – Auf der Suche

Zwei furchtbare Tage und Nächte liegen hinter uns. Anatol hat viel geweint, gewütet… dann wieder sich selbst als den Alleinschuldigen bezichtigt.  Geschlafen hat er gar nicht.

Heute Nacht – es ist bereits nach 23 Uhr – beginnt er langsam, den Diebstahl seines geliebten Fahrrads zu verarbeiten.

Elie meint, Anatol müsse aufhören, sich die Schuld an dem Unglück zu geben. Denn selbst wenn er das Rad an diesem Wochenende abgeschlossen hätte – vielleicht hätte er es in zwei Wochen doch einmal aufgeschlossen im Keller gelassen. Schuld an dem Diebstahl sei in allererster Linie der Dieb – und dann auch der hirnverbrannte Nachbar, der einfach behauptet hatte, das Fahrrad „gehöre zum Haus“ und dürfe frei entliehen werden.

Zudem gebe es möglicherweise ja doch noch Hoffnung: Anatol hatte das Rad gravieren und registrieren lassen. Gemeldet sei der Diebstahl bereits auf der Webseite von Bicycode, des Strasbourger Vereins gegen den Fahrraddiebstahl – bei der Polizei seien wir auch gewesen, um den Diebstahl anzuzeigen. Mehr könne man nicht tun – Anatol müsse nun etwas Vertrauen in die Ordnungshüter haben und diese ihre Arbeit tun lassen.

Da kennt Elie Anatol allerdings schlecht. Sich auf andere Leute zu verlassen – das entspricht dem misstrauischen Saurier gar nicht.

„Den Teufel werd ich tun!“ grummelt er. „Ich werde mein Rad natürlich suchen! Und wehe, wenn ich da jemanden drauf erwische – den mach ich zur Briefmarke!“

Elie rät, in diesem Fall lieber sofort die Polizei zu rufen. Ich kann dem nur beipflichten. Schließlich sei der Besuch im Hôtel de Police heute recht positiv verlaufen – bis auf die lange Wartezeit.

IMG_2984Anatol und ich waren heute am frühen Abend aufs Kommissariat gegangen, um dort Anzeige zu erstatten. Anatol hatte darauf bestanden, dabei anwesend zu sein – trotz der schlechten Erfahrungen, die der Butler – wenn auch selbstverschuldet – mit der Polizei bereits machen musste.

Als wir eingetroffen waren, hatten schon 10 weitere Personen darauf gewartet, irgendeine Missetat, die ihnen widerfahren war, zur Anzeige zu bringen: Nicht ein einziger Sitzplatz war mehr frei gewesen. Die diensthabende Kommissarin hatte mir freundlicherweise erlaubt, in einem Bereich hinter der Absperrung, der für Publikum normalerweise nicht gedacht ist, Platz zu nehmen. Immerhin hatten wir so nicht stehen müssen. Hier sieht man Anatol, wie er aus dem Rucksack herauslugt. Allzusehr wollte er der Kommissarin dann lieber doch nicht auffallen!IMG_2983

Nach einer schier endlos erscheinenden Wartezeit waren wir endlich in das Dienstzimmer der Kommissarin gerufen worden. Anatol hatte sich bis dahin ruhig verhalten – nun war es um seine Selbstbeherrschung geschehen! Mit einem Satz war er aus meinem Rucksack direkt auf den Schreibtisch der Kommissarin gesprungen, die erschrocken zurückgewichen war. Verärgert hatte sie mir zu verstehen gegeben, dass Haustiere auf der Polizeiwache nicht zugelassen seien!

Anatol war nicht mehr zu bändigen gewesen. Dass es sein Rad sei, um das es hier gehe, hatte er noch laut wettern können – dann war es mir mit einem geübten Handgriff gelungen, das Biest in die Tiefen meines Rucksacks zu verbannen, diesen zu schließen und dann unter die Sitzbank zu schieben.

Entsetzt hatte die Polizeibeamtin wissen wollen, was denn das für ein Tier gewesen sei? Ob es gar gefährlich sei? Ich hatte schnell gesagt, es handle sich um einen defekten Furby, der sich nicht mehr ausschalten ließe. Dies erklärte glücklicherweise auch, warum aus dem Rucksack weiter lautes Fluchen und Zetern drang.

Schnell hatte ich den Verlauf des Fahrraddiebstahls dargelegt, das Fahrrad und seine besonderen Kennzeichen beschrieben – nach nur wenigen Minuten war der Vorgang zu den Akten genommen.

Kurze Zeit später hatte ich mit Anatol auf der Straße vor dem Kommissariat gestanden – eine Ausfertigung der Anzeige in der einen, den zeternden Anatol in der anderen Hand haltend. Erst als ich Anatol versprochen hatte, nun mit ihm durch die Stadt zu fahren und überall nach seinem Fahrrad zu suchen, hatte das Geschimpfe schlagartig aufgehört. Dann hatten wir uns auf die Suche nach Anatols Fahrrad gemacht…

Nun, bald um Mitternacht, haben wir die Suche unterbrochen. Elie hat eine Kleinigkeit zu essen vorbereitet – diese verschlingen wir eben. Anatol will gleich noch einmal los, da er sich spät nachts die meisten Chancen ausmalt, sein Fahrrad wiederzufinden.

Die Fahrradsuche wird langsam aber sicher zur Obsession für den Butler.

Elie nimmt Anatol in den Arm. „Du musst loslassen, Anatol. Dein Fahrrad ist nicht mehr da, und das ist sehr traurig. Ich selbst bin auch ganz deprimiert deswegen. Aber Du kannst es nicht ändern. Vor allem kannst Du nicht erzwingen, dass das Fahrrad zurückkommt… vielleicht hast Du Glück und wir finden es zufällig wieder. Aber ich glaube nicht, dass Du es bei Deinen nächtlichen Suchaktionen wiederfinden wirst. Du kannst vor Müdigkeit schon nicht mehr aus den Augen gucken.“

Anatol laufen wieder Tränen über die Wangen. Er hatte sein Fahrrad über alles geliebt. Aber er sieht ein, dass er heute vor allem eines braucht: Schlaf.

Die Suche wird er nicht aufgeben. „Loslassen“ wird Anatol noch lernen müssen.

Ich habe indessen herausgefunden, dass die Firma Victoria nach mehreren Inhaberwechseln immer noch existiert und weiter hochwertige Fahrräder herstellt. Für morgen nehme ich mir vor, heimlich dort anzurufen und unsere Fahrrad-Misere zu schildern. Vielleicht kann man mir dort weiterhelfen.

78. Kapitel – Verlust… das geliebte Victoria-Fahrrad

Anatol weint seit vorhin nur noch. Sein wunderschönes azurblaues Victoria-Fahrrad ist weg – für immer.

Er hatte das Fahrrad in den Keller gestellt und es dort sicher geglaubt. Normalerweise war es immer abgeschlossen – aber für die Fahrt nach Montbard vor 10 Tagen hatten wir das Schloss von Anatols Rad genommen, um mein Fahrrad damit zu sichern. Anatol hatte dann vergessen, sein Rad wieder abzuschließen…

Ein früherer Nachbar war gestern im Haus gewesen, um Sachen abzuholen. Diese Gelegenheit hatte er genutzt, um den Leuten aus dem ersten Stock zu sagen, dass das blaue Fahrrad offenbar herrenlos sei – jeder könne es benutzen.

Meine Nachbarn aus dem ersten Stock hatten das Rad daher gestern ihrer Tochter geliehen. Diese war damit zu einem Open Air Konzert gefahren, hatte es dort mit anderen Rädern anschließen lassen, aber nicht aufgepasst, als die anderen Räder aufgeschlossen worden waren.

Als sie um 5 Uhr früh das Fahrrad suchte, war es weg.

Anatol hatte es 1979 geschenkt bekommen. Zu Weihnachten. Seitdem hatte es ihn nicht mehr verlassen. Der Butler weint und weint und weint – Ihr könnt es Euch gar nicht vorstellen.

Morgen gehe ich zur Polizei und erstatte Anzeige, aber ohne Hoffnung.

Was mache ich nur mit Anatol… das Fahrrad ist unersetzlich. Ein neues Rad wollten die Nachbarn bereits beschaffen, um Anatol zu trösten, oder ihm Geld für ein neues Rad geben – aber darum geht es nicht. Kein Geld dieser Welt wird jemals Anatols Fahrrad, das 1979 unter dem Weihnachtsbaum stand, ersetzen können.

Ich habe Anatol nun gesagt, dass es ok ist, wenn er um sein Fahrrad weint. Als meinem Vater 1984 sein Fahrrad – auch ein Victoria-Rad – gestohlen wurde, habe er auch geweint. Obwohl er schon 45 Jahre alt war.

Das Fahrrad meines Vaters habe ich jedoch ein Jahr später wieder gefunden… und zwar hatte ich jemanden damit durch die Stadt fahren sehen: diese Person hatte ich damals gestellt, das Fahrrad gesichert und die Polizei gerufen … so bekam mein Vater sein Rad wieder. Wunder geschehen manchmal.

Ich konnte Anatol mit dieser Geschichte etwas beruhigen. Vielleicht geschieht ja noch einmal ein Wunder. Andernfalls muss Anatol sich damit abfinden, dass unser schönes blaues Fahrrad in die ewigen Jagdgründe der Fahrräder eingegangen ist und nur in seiner Erinnerung weiterleben wird.

Eben ist Anatol in sein Nestchen gekrochen und will jetzt versuchen, zu schlafen. Dieser Tag hat ihn sehr mitgenommen.

Was heut müde gehet unter,
Hebt sich morgen neugeboren.
Manches bleibt in Nacht verloren –
Hüte dich, bleib wach und munter!

Joseph von Eichendorff

77. Kapitel – Anatol der Meisterkoch

Gestern hatte Anatol ganz entgegen seiner Gewohnheit den Kellerschlüssel verlangt. Er überlässt es sonst mir, in den Keller zu gehen – allenfalls trägt er Elie oder mir auf, ihm etwas aus dem Keller heraufzubringen, aber auch dies geschieht recht selten. Verblüfft hatte ich ihm den Schlüssel ausgehändigt und Anatol war tatsächlich höchstpersönlich in den Keller herabgestiegen.

Kurze Zeit später hatten wir ein lautes Klappern und Klirren im Treppenhaus gehört. Anatol war mit einem großen Beutel auf dem Rücken hereingekommen und hatte dann in der Küche unsere Marmeladengläser ausgepackt.IMG_2963 Diese werden im Keller gelagert und nur, wenn Marmelade gekocht werden soll, heraufgeholt.

Ich hatte begonnen, mich zu freuen. Anatol beabsichtigte offensichtlich, Marmelade herzustellen! Dies waren ganz wunderbare Aussichten.

„Glaub ja nicht, dass Du hier nicht mit eingespannt wirst!“ hatte Anatol geknurrt. „Alles kann ich nun nicht allein machen! Du bringst mich jetzt zum Markt, denn ich muss Obst aussuchen. Und ich brauche jemanden, der das alles trägt.“

Ich schlucke. Einen Kommandoton hat das Biest wieder am Leib – es ist unglaublich. Da ich aber an seinen Marmeladen-Kochkünsten interessiert bin, gebe ich nach.

IMG_2944Kurze Zeit später sind wir auf dem Markt. Anatol kauft Obst in Größenordnungen – mir ist schleierhaft, wie er das alles verarbeiten will. Bezahlen darf natürlich ich.

IMG_2951Schließlich ist alles in die Wohnung hochgetragen und in der Küche ausgepackt. Anatol ordnet an, dass zwei Drittel des Obstes (vorwiegend hat er Zwetschgen gekauft) sofort gewaschen und entkernt werden. Diese Arbeit bleibt selbstverständlich auch an mir hängen: Elie hat sich in weiser Voraussicht gleich nach dem Abwaschen der Pflaumen zu Anna nach Gegenüber geflüchtet.IMG_2953

Ich darf nun also schnipseln und entkernen.

Als 4 kg Pflaumen fertig entkernt sind, zuckert Anatol die eine Hälfte ein und stellt den Topf beiseite. „Das muss jetzt bis morgen Saft ziehen. Aus diesen Pflaumen möchte ich Konfitüre kochen – die anderen werden zu Pflaumenmus verarbeitet. Das sind zwei ganz unterschiedliche Rezepte.“IMG_2958

Die weiteren 2 kg Pflaumen gibt Anatol in die tiefe Backform. Ich merke an, dass die Backform für unsere Kochplatten ungeeignet sei, dass aber der zweite große Topf noch sauber sei.

Anatol schnaubt verächtlich. „Wer kocht heutzutage denn noch Pflaumenmus auf der Kochplatte. Nein – das Mus wird im Backofen gebacken!“

Ich bin baff. Dass man Pflaumenmus im Backofen machen könne, war mir gänzlich unbekannt. Anatol belehrt mich eines Besseren: die Backofenmethode sei deutlich bequemer und das so gebackene Mus schmecke zudem viel besser als das von der Kochplatte. Schließlich verrät mir Anatol auch sein Rezept. Ich bin nun außerordentlich gespannt.

IMG_2960Als erstes wärmt Anatol den Backofen auf ca. 160°C vor. Dann stellt er die Backform mit den Pflaumen, über die er ein wenig Vanillezucker gestreut hat, in den Ofen. Die Pflaumen müssten nun mindestens 4 Stunden backen. Ab und zu sei es angezeigt, einen Blick in den Ofen zu werfen, und gegebenenfalls auch umzurühren.IMG_2959

Sehr spät am Abend ist das Mus fertig. Es hat mehr als 5 Stunden vor sich hingeköchelt und ist dabei zu einer fast schwarzen, zähen IMG_2961Masse geworden. Diese füllt Anatol in ein Marmeladenglas ab und verschließt es. Danach zieht er sich in sein Sauriernest zurück und schläft ein. IMG_2962

Heute morgen ist Anatol schon um 5 Uhr 30 in der Küche. Er will nicht nur die Pflaumenmarmelade, die wir gestern angesetzt haben, kochen, sondern noch ein anderes Pflaumenmusrezept ausprobieren. Da dies bis mindestens 10 Uhr dauern wird und er danach sowohl das MIttag- als auch das Abendessen kochen will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sehr früh anzufangen.

Die Pflaumenmarmelade wird zunächst langsam erhitzt, bis sie schön vor sich hinköchelt. In diesem Zustand überwacht Anatol sie mit Argusaugen. Er lässt die Marmelade nun aufkochen – und will dabei mit dem langen Holzlöffel umrühren, damit die Marmelade nicht anbrennt.

Aber wo ist der lange Holzlöffel? Ratlos sehe ich Anatol an. „Wir hatten doch noch nie einen langen Holzlöffel, Anatol … also jedenfalls nicht, dass ich wüsste!“

Anatol schäumt vor Wut. Er stampft mit der Plüschtatze auf, dass es nur so knallt. „Wie soll ich denn jetzt die kochende Marmelade umrühren?! Kannst Du mir das mal verraten?“ brüllt er mit hochroten Kopf.

Leider kann der Butler manchmal gewisse Anfälle von Jähzorn nicht unterdrücken – ganz besonders, wenn ihm beim Kochen ein Strich durch die Rechnung gemacht wird.

Das Problem brennt uns nun im wahrsten Sinne des Wortes auf den Nägeln. Die Marmelade ist zur Weissglut gebracht – entsetzt sieht Anatol, wie sie wallet und siedet und brauset und zischt! IMG_2967

Todesmutig ziehe ich mir den Backhandschuh über, nehme einen Esslöffel zur Hand und rühre die brodelnde Masse, so gut es eben geht. Anatol fiept, da ihn ein Marmeladenspritzer getroffen hat. Ja, das brennt!

Nach 30 Minuten ist die Marmelade immer noch nicht fest. Ein übler Verdacht drängt sich mir auf. Hat das Untier etwa keinen Gelierzucker verwendet?

Anatol rümpft pikiert die Nase. „Gelierzucker ist erstens unnatürlich und zweitens überflüssig! Das Obst enthält schon Pektin. Zusätzliches Geliermittel macht die Marmelade zu Beton! Das wollen wir hier nicht.“

Dass unsere Marmelade nun dünnflüssig wie Wasser ist, wischt Anatol mit einer Handbewegung weg. „Papperlapapp!“ knurrt er. „Die wird schon fest werden!“

Endlich darf ich die Marmelade in die von Anatol vorbereiteten Gläser füllenIMG_2970. Von „wird schon fest werden“ kann jedoch keine Rede sein. Anatol schwenkt daher um auf „Die Marmelade schmeckt flüssig sowieso viel besser“.

In der Tat schmeckt die Marmelade köstlich. Wir werden sie eben mit Löffeln essen, soweit das nötig ist.

Das nächste Rezept steht an. Wie gestern soll es ein Pflaumenmus werden – im Backofen zubereitet. Diesmal aber nicht mit Vanillezucker, sondern mit etwas Zimt. Anatol liebt „Aachener Pflümli“ und gedenkt, mit der Zugabe eines Teelöffels Zimt quasi das Original herbeizuzaubern.

Schließlich sind die Pflaumen gewaschen, entkernt und mit ein wenig Zimt in der BackformIMG_2971. Anatol schiebt sie in den vorgeheizten Ofen.

Danach beginnt er, das MIttagessen vorzubereiten: es soll den capverdischen Eintopf mit rotem Quinoa geben. IMG_2978

Anatol wird die Küche heute wohl nicht mehr verlassen. Die gesamte Bügelwäsche hat er nämlich auch noch zu machen.

Ich stelle mich mental auf Tarifverhandlungen ein – der Butler wird die günstige Gelegenheit sicher nicht verstreichen lassen, heute abend eine Gehaltserhöhung zu verlangen. Ich kenne meine Pappenheimer.

Eine Prämie hat sich der Butler heute aber auf jeden Fall verdient.

76. Kapitel – Eine Vogelrettungsaktion

Die Ferien sind zuende. Schweren Herzens haben Anatol und Elie ihre Ranzen für den ersten Schultag gepackt. Auch ich muss morgen wieder zurück zur Arbeit. Dementsprechend gedrückt ist die Laune am Vorabend der „rentrée„, wie man hier in Frankreich sagt.

Um den nächsten Tag zumindest etwas angenehmer erscheinen zu lassen, schlage ich den beiden Sauriern vor, nach der Schule – also gegen 13 Uhr – bei mir auf der Arbeit vorbeizukommen, um zusammen dort zu MIttag zu essen und uns danach auf der Terrasse ein Eis zu genehmigen. So können wir uns doch ein wenig auf den ersten Schul- und Arbeitstag freuen.

Der Tag beginnt problemlos. Um 5 Uhr 20 klingelt der Wecker – pünktlich um 7 Uhr 30 verlassen wir gemeinsam das Haus.

Im Büro wartet das Chaos auf mich – 4 Wochen Abwesenheit müssen in der Mailbox aufgearbeitet werden. Die Kollegen freuen sich, mich wiederzusehen und um 9 Uhr 30 gibt es ein zweites Frühstück mit Tee und Croissant. Der Büroalltag hat ganz eindeutig auch schöne Seiten!

Es wird MIttag – gleich müssen die beiden Butler eintrudeln und mich zum Essen abholen. Da – das Telephon klingelt. Das werden sie sein.

Stattdessen ist mein Chef am Apparat. „Susanne, Deine beiden Saurier und ich haben einen verletzten Vogel hier auf der Terrasse gefunden! Ich wollte mich gerade zum Essen hinsetzen, da sah ich die beiden und das Vögelchen. Nun versuchen wir, den armen Vogel einzufangen. Anatol sagte, ich soll Dich anrufen; Du wüsstest, wie man da  vorgeht …“

IMG_2942Mit den Butlern muss doch wirklich immer etwas passieren. Zum Glück weiss ich in der Tat, was zu tun ist. Ich hole einen Pappkarton von der Poststelle und laufe hinaus auf die Terrasse. Dort gelingt es meinem Chef und mir, das verletzte Vögelchen in den Karton zu setzen. Anatol und Elie halten sich vorsichtig im Hintergrund – sie haben vor meinen Kollegen und meinem Chef doch etwas Angst. 

IMG_2941Das Vögelchen ist ganz verstört. Es drückt sich fest in die eine Ecke des Kartons – schnell wähle ich die Nummer des Vogelschutzvereins LPO.
Der diensthabende Mitarbeiter bittet uns, das Tierchen so schnell wie möglich ins Vogelschutzzentrum zu bringen. Dieses habe eine spezialisierte Vogelklinik, in der der kleine Patient sofort behandelt werden könne.

Da er als einziger ein Auto hat, bietet sich mein Chef an, den Vogel in die Klinik zu fahren. Er ist wirklich ein toller Chef!

In der Klinik wird man ihm mitteilen, dass es sich bei dem Vögelchen um einen relativ seltenen Singvogel, nämlich einen Fliegenschnäpper – genauer einen Trauerschnäpper – handele. Dieser wird sofort auf die Intensivstation gebracht.

Die hilfreichen Retter bekommen indessen ein großes Eis, bevor sie sich auf den Nachhauseweg machen, um dort die ersten Hausaufgaben des neuen Schuljahres in Angriff zu nehmen.

 

75. Kapitel – Die Waldbühne in Bremke

Gegen 20 Uhr steigen steigen Anatol und ich müde, aber glücklich die Treppe bis in den vierten Stock empor. Unsere Fahrradtour an der Kinzig entlang war phantastisch: einen so schönen Tag haben wir lang nicht mehr erlebt.

Nun dürfen wir uns auf eine sehr unaufgeräumte Wohnung freuen. Die Katzen waren den ganzen Tag allein und hatten Zeit, alles nach ihren Vorstellungen „einzurichten“.

Hinter der Tür wartet das Grauen. Weiträumig verteiltes Katzenstreu, Futterreste, ein mit Katzen-Spuckresten verziertes Bett und eine hungrige Katzentruppe bieten sich unserem entsetzten Blick. Allerdings hatten wir kaum mit einem anderen Zustand gerechnet. Schnell betreten wir den ungastlichen Ort und machen uns an die Auslot- und Entkernungsarbeiten. Wir werden bis MItternacht damit beschäftigt sein.

Anatol betätigt Staubsauger und Wischlappen, ich füttere die hungrige Bande und streichle die miauenden Fellbündel. Leider sieht die Wohnung wirklich aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen.

Elie ist noch nicht wieder zuhause – das wundert mich nicht. Da es aber mittlerweile auf 21 Uhr zugeht, möchte ich doch bei Annas Eltern anrufen – schließlich soll der Saurier ihnen nicht allzulang auf die Nerven fallen. Als ich das Telephon in die Hand nehme, sehe ich, dass Annas Eltern bereits mehrfach angerufen haben. Ich hatte das Handy nicht gehört – die Lärmkulisse im Zug muss das wohl verhindert haben.

Mit einem mulmigen Gefühl wähle ich die Nummer von Annas Eltern. Annas Mutter ist sofort am Telephon. „Hallo! Wir haben schon versucht, Sie zu erreichen. Elie hat sich bei der Waldbühne einen Sonnenstich geholt. Es tut uns so leid! Der Arzt war gleich da – er hat uns glücklicherweise beruhigen können. Es ist nur ein leichter Sonnenstich. Elie hat den ganzen späten Nachmittag und Abend im Bett gelegen, und möchte auch immer noch nicht aufstehen. Etwas Suppe hat er aber getrunken. Möchten Sie kurz rüberkommen? Wir denken, er sollte am besten die Nacht einfach hierbleiben.“

Ein Schreck durchfährt mich. Elie ist in der Tat sehr licht- und hitzeempfindlich, er hat eine ganz helle, dünne Haut. Hat das Biest denn seinen Sonnenhut nicht aufgesetzt, wie ich ihm aufgetragen hatte?

Schnell laufe ich zu Anna nach gegenüber. Gut, dass wir so nah beieinander wohnen!

Elie liegt bleich und schlapp in Annas Bettchen. Anna hat sich ein kleines Piratenbett aufgebaut, von dem aus sie Elie gut überwacht. „Ich gebe ihm alle Viertelstunde ein Gläschen Saft zu trinken – Fridolin, der Arzthelfer, hat das so angeordnet. So bekommt Elie wieder Flüssigkeit!“

Annas Eltern entschuldigen sich vielmals für den Sonnenstich. Dabei können sie doch nichts dafür, dass Elie seinen Sonnenhut absichtlich zu Hause gelassen hat. Er findet, der Hut sähe „uncool“ aus – zudem kratze er!

Annas Vater hatte bei der Waldbühne zwar gleich gemerkt, dass die Sonne zu sehr brannte, und hatte Elie ein Taschentuch mit Knoten an jeder Ecke auf den Kopf gesetzt (das zum Stichwort „uncool“ – da wäre der Hut besser gewesen!), aber offenbar hatte das nicht gereicht. Kurz nach der Vorstellung sei Elie schwindlig und übel geworden – deshalb habe man sogleich nach Fridolin geschickt, welcher einen Sonnenstich diagnostiziert und Bettruhe sowie Flüssigkeitszufuhr angeordnet habe.

Seitdem gehe es Elie etwas besser – er wolle aber gar nicht aufstehen.

Ich sehe dem Spitzbuben sofort an, dass es ihm prächtig geht. Ganz offensichtlich möchte er aber nicht nach Hause, sondern lieber ein weiteres Mal bei Anna übernachten. Da Annas Eltern nichts dagegen haben und Anna ja sowieso schon ihr Piratenbett aufgebaut hat, lasse ich dem Halunken seinen Willen. Er war ja wirklich krank gewesen, und die letzten Tage waren wenig lustig für ihn gewesen.

Anna jubelt – sie freut sich, nicht allein zu sein. Übernachtungsbesuch von Freunden zu haben, ist ja auch etwas ganz Besonderes!

Ich bedanke mich bei Anna und ihren Eltern für die perfekte Pflege des Diplodocus, und kehre zu den Reinigungsarbeiten meines Augiasstalles zurück.

Kurz nach Mitternacht fallen Anatol und ich in unsere Betten – eine lange, traumlose Nacht liegt vor uns.

74. Kapitel – Anatol im Schwarzwald

Unsere neue Küche steht. Der Bar-Tisch ist fertig abgeschliffen und geölt, das Katzenmöbel aufgebaut und in Betrieb genommen.

cropped-img_29362.jpgEben haben wir zum ersten Mal am neuen Tisch gefrühstückt. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, an einem Tisch, den man selbst entworfen und gebaut hat, zu essen. Am liebsten würde Anatol nun alle unsere Möbel bauen – davon kann ich ihn glücklicherweise mit dem Hinweis, dass wir ja eigentlich alles haben, was wir brauchen, abhalten.

Das Telephon klingelt. Meine Freundin T. ist am Apparat – sie hat unsere traditionelle Sommer-Fahrradtour geplant und möchte mir die Strecke mitteilen. Da der morgige Tag schönes Wetter verspricht, schlägt sie vor, die Tour gleich für morgen anzusetzen. Ich bin einverstanden – und hoffe, dass Elie, der unter unseren Bauarbeiten doch recht gelitten hatte, die Fahrradtour positiv aufnehmen wird.

Stattdessen meint Elie nur knapp: „Ich kann da nicht mit. Annas Papa nimmt Anna und mich doch morgen nach Bremke in die Waldbühne mit – dort spielen sie Schneewittchen und die sieben Zwerge! Das hatte ich doch gestern gesagt …“

Es stimmt. Das Waldbühnen-Theaterstück hatte ich ganz vergessen. Anatol und ich sind dafür nun doch schon etwas zu alt … ich schlage also vor, dass Elie allein mit Anna und Annas Vater zur Waldbühne zu Schneewittchen und den sieben Zwergen fährt, und Anatol und ich mit dem Fahrrad in den Schwarzwald. Elie hat sowieso nur Augen für Anna, daher ist er sofort einverstanden.

Anatol hat nun viel vorzubereiten, denn das Fahrrad muss durchgecheckt, der Fahrplan studiert und aufgeschrieben und wichtige Utensilien in den Rucksack gepackt werden.

Elie darf heute abend bei Anna übernachten, damit die Abfahrt zur Waldbühne in aller Frühe auch reibungslos klappt. Er ist selig. Ich freue mich, dass diese Sommerferien nun doch noch richtig schön für Elie werden.

Früh klingelt der Wecker.

Angesichts unseres jüngsten Debakels bei der SNCF hat Anatol hat darauf bestanden, die SNCF zu meiden, direkt nach Kehl zum Bahnhof zu fahren und dort den Zug der Deutschen Bahn nach Offenburg zu besteigen. Mit der SNCF möchte Anatol nicht so bald wieder reisen, und idealerweise auch im Strasbourger Hauptbahnhof nicht mehr zusteigen. Ob unser unschönes Erlebnis den Saurier traumatisiert hat?

Der Weg nach Kehl beschert uns nun immerhin eine zusätzliche Strecke von 8 km. Diese sind allerdings schnell zurückgelegt. Kurze Zeit treffen wir in Offenburg ein und steigen dort in T.´s Zug zu.

Anatol versteht sich prächtig mit T. Die beiden beginnen sofort, sich angeregt zu unterhalten – mich überfällt hingegen eine bleierne Müdigkeit, da mir unsere Heimwerkerarbeit offenbar doch noch in den Knochen steckt. Ich werde den Beginn unserer Reise vollständig verschlafen.

Plötzlich tatzelt mir etwas Plüschiges ins Gesicht. Es ist Anatols Pfote. „Susanne, wir sind da. Du musst aufwachen! Wir steigen hier in Hausach aus.“

IMG_2887Schlaftrunken zerre ich mein Fahrrad aus dem Zug und frage mich entgeistert, wie ich bloß hierhergekommen bin? Dann erst fällt mir ein, dass heute unsere Fahrradtour stattfindet – ich reibe mir die Augen und denke, dass wir zunächst ein Frühstück brauchen. Meine beiden Reisebegleiter teilen diese Ansicht – und so kehren wir im schönen Hausach erst einmal ein.

Dann fahren wir los, den Kinzigtalradweg in Richtung Haslach entlang. DIe Sonne scheint, aber es ist kühl geworden – der Herbst steht vor der Tür. Anatol fröstelt; schnell wickelt er sich in mein Halstuch ein und verschwindet damit in meinem Rucksack. Dort schläft er tief und fest ein und meldet sich erst zum Mittagessen wieder. Ich hingegen genieße die angenehm kühler Temperatur – mir ist ja immer zu warm.

Wir haben indessen Haslach hinter uns gelassen und fahren in Richtung Zell. In Zell ist nämlich ein Besuch der legendären Keramikmanufaktur „Hahn & Henne“ geplant!

Kurz vor Zell schwinden meine Kräfte rapide. Ich merke, dass ich in den letzten Tagen zu viel gearbeitet und zu wenig geschlafen habe. Fast möchte ich mich ins Gras legen und aufgeben … Anatol ruft mich zur Ordnung. „Du fährst weiter! Was soll Deine Freundin denn von Dir denken? Dass Du eine völlig untrainierte Sofakartoffel – oder eher ein fauler Kartoffelsack! – geworden bist? Auf jetzt – gleich kehren wir ein!“

IMG_2891Ich bin so müde, dass ich das unverschämte Biest nicht einmal rüffeln kann. In der Tat brauche ich vor allem dringend eine Stärkung. Diese wartet im Landgasthof „Zum Pflug“ in Form von wunderbaren Bratkartoffeln auf uns.

Gestärkt brechen wir zu unserer nächsten Etappe auf: es gilt nun, die Keramikmanufaktur „Hahn & Henne“ in Zell zu erreichen – hier treffen wir etwa eine Stunde später ein.

Die Manufaktur bietet direkt an ihrem Standort einen Werksverkauf an, den Anatol sofort begeistert in Augenschein nimmt. Ganz besonders angetan hat es ihm die „Bienen-Kollektion“, von der er gar nicht mehr lassen will. Ich gebe nach und erstehe ein wunderschönes kleines IMG_2893Honigtöpfchen für den Butler, den ich darauf hinweise, dass Honig in seiner rein veganen Ernährung normalerweise nichts zu suchen hat.

Verschämt gibt Anatol zu, dass selbst streng vegan lebende Saurier wie der Stegosaurus und der Diplodocus durchaus manchmal Honig naschten. Dem will ich selbstverständlich nicht entgegentreten – zumal auch ich dem Honig alles andere als abhold bin.

Das Honigtöpfchen geht daher mit uns auf die weitere Reise. Wenn es einen veganen Inhalt bekommen soll, wird es auch Marmelade ganz wunderbar beherbergen, da sind wir uns sicher.

Unsere letzte Etappe ist das Städtchen Gengenbach. Malerisch inmitten der Weinberge gelegen, gilt Gengenbach als die „Perle unter den romantischen Fachwerkstädten“. Wir schlendern über den Marktplatz mit seinen Cafés und Konditoreien, und malen uns aus, wie herrlich jetzt eine echte Schwarzwälderkirsch-Torte schmecken müsse. Anatol zappelt im Rucksack: hiermit gibt er mir zu verstehen, dass auch er einer solchen Torte nicht abgeneigt wäre.

Ein kleines, verstecktes Café bietet als einziges noch Schwarzwälderkirsch-Torte an. Wir vergessen ob der Köstlichkeit alles um uns herum und sehen erst um 18 Uhr wieder auf die Uhr.

Schrecken erfasst uns. Unser Zug fährt gegen 19 Uhr in Offenburg ab! Anatol beginnt zu zittern – das Trauma des verpassten Zuges nach Montbard hängt ihm tatsächlich immer noch nach! Schnell springen wir auf unsere Fahrräder – bis Offenburg sind es 12 km.

Auf der Fahrt gegegnen wir freundlichen Ziegen

cropped-img_28892.jpg

cropped-img_28882.jpgund fahren am Fuße einer alten Burg durch die Weinberge:

IMG_2894Vier Minuten vor Abfahrt unseres Zuges treffen wir am Offenburger Hauptbahnhof ein. Ich trage das Fahrrad die Treppen hoch bis ans Gleis, springe mitsamt dem Rad in den Zug – die Türen schließen sich und der Zug fährt ab. Zitternd lassen Anatol und ich uns auf einen Behelfs-Sitz fallen: diesmal haben wir es geschafft!

Nun blieb kaum Zeit für eine ordentliche Verabschiedung von unserer Freundin. WIr können sie aber über SMS erreichen: auch sie hat ihren Zug bekommen und ist auf dem Weg nach Hause.

Die heutige Tour war großartig. Wir möchten die nächste Fahrradtour eigentlich am liebsten noch in diesem Jahr unternehmen!

Wie mag Elie wohl den Tag in der Bremker Waldbühne verbracht haben?

73. Kapitel – Anatol heimwerkt III

Der Haussegen hängt schief – und zwar gehörig.

Anatol und ich kamen vorhin ein weiteres Mal vom Baumarkt zurück, und fanden einen vor Wut schäumenden Elie vor.

Gestern wart Ihr im Baumarkt. Vorgestern wart Ihr im Baumarkt – zweimal sogar! Heute seid Ihr schon wieder dort gewesen, und ich sehe es kommen: sicher fahrt Ihr nachher noch mal hin! Währenddessen sitze ich hier rum und kann sehen, wie ich klarkomme! Heimwerken mag ich nun mal nicht, ich würde so viel lieber mit Euch ins Schwimmbad – oder einfach nur spazieren gehen. Vielleicht könnte man sich auch mal wieder unterhalten – und nicht nur hier und da knurren „gibst Du mir den Schraubenzieher rüber?“ Ich darf allein versauern! Ihr seid so GEMEIN!“

Heulend hatte sich Elie nach dieser Suada in sein Nestchen verkrochen. Ich sehe ein, dass es so nicht weitergehen kann. Wir müssen uns um Elie kümmern. Leider ist dies mitten in einem „Bauvorhaben“ wie dem der Küchenumgestaltung schwierig. Wir können ja nicht alles stehen und liegen lassen.

Anatol hat wie immer eine rettende Idee.

„Elie, drüben bei Anna ist das Fenster auf. Ist sie schon wieder aus den Ferien zurück?“

Elie streckt sein tränenüberströmtes Gesichtchen sofort aus dem Nestchen heraus. „Anna? Fenster auf? Echt jetzt?“

„Ja“ sagt Anatol. „Guck doch!“

Es stimmt. Bei Anna ist eindeutig jemand zuhause. Ich ergreife den Telephonhörer und wähle die Nummer von Anna. Nach kurzer Zeit geht Annas Vater ans Telephon.

„Guten Abend! Sind Sie schon wieder aus den Ferien zurück? Wir haben hier einen kleinen Saurier, der sich ganz unglaublich nach Anna sehnt. Könnten die beiden vielleicht morgen zusammen spielen?“

„Ach das wäre herrlich! Wir mussten die Ferien vorzeitig abbrechen, da wir einen ganz ungewöhnlich umfangreichen neuen Auftrag bekommen haben.“ Annas Eltern haben eine Schneiderei. „Den konnten wir nicht ausschlagen. So sind wir schon jetzt zurück und nicht erst in 10 Tagen. Das Drama können Sie sich vorstellen. Anna wird sehr froh sein, dass Elie da ist. Sie dachte, sie sei ganz allein hier! Elie darf gern heute Abend zu uns zum Abendbrot kommen – wir würden uns freuen!“

Schnell überbringe ich Elie die frohe Botschaft. Elie sagt kein Wort, er ist sprachlos vor Freude. Flugs wäscht er sich das Gesicht, wirft seinen Chèche über – und witscht zur Tür hinaus. „Ich komm heute später!“ ruft er noch – dann ist er weg.

Anatol und ich sehen uns glücklich an. Wir beide wissen, was wir zu tun haben: das Auto reservieren und auf zum Baumarkt. Toom hat heute bis 22 Uhr geöffnet!

72. Kapitel – Anatol heimwerkt II

Wie ich ja schon in Teil I andeutete, ist das neue Möbelstück zur Verkleidung der Katzenklos sehr massiv ausgefallen. Dies liegt in der Natur der Sache und ist kein Konstruktionsfehler. Der Wintergarten wirkt nun aber recht zugestellt. Eine weitere Umgestaltung ist dringend erforderlich, wollen wir nicht das Gefühl haben, uns im Wintergarten nicht einmal mehr umdrehen zu können.

Anatol hat daher das Auto reserviert (das Biest tut das mittlerweile ganz selbsttätig, ohne mich zu fragen!) und eine Liste von zu beschaffenden Dingen zusammengestellt. Insbesondere scheint er vorzuhaben, vor der Fensterfront eine richtige „Theke“ aufzustellen, an der man einerseits sehr schön zu Abend essen kann und von der aus die Katzen andererseits eine perfekte Aussicht in den gesamten Hinterhof genießen. Die Theke soll den Raum etwas auflockern und gleichzeitig ein angenehmer Ort werden, an dem man schnell – notfalls im Stehen – eine Kleinigkeit zu sich nehmen kann, wenn man es einmal etwas eiliger hat.

Um 14 Uhr fahren wir los – ein weiteres Mal ist der Toom in Kehl Sundheim unser Ziel. Mittlerweile kennen uns dort fast alle Verkäufer.

IMG_2906In Sundheim begeben wir uns zuerst zu Dreher, um uns zu stärken. Der Pflaumenkuchen dort ist unerreicht!

Danach nehmen wir uns einen großen Transportwagen und betreten die Metallabteilung von Toom. Hier sucht Anatol vier Tischbeine für die neu zu bauende Theke aus. Leider sind diese sehr teuer. Aber – ohne Tischbeine kein Tisch. Daran ist nichts zu ändern.

IMG_2910Auch die Öl- und Lackabteilung suchen wir auf – Anatol stöbert dort für sein Leben gern!

Öl oder Wachs brauchen wir jedoch heute nicht zu kaufen. Winfried riet uns, für die Akazienplatte das Kreidezeit-Hartöl Pure Solid zu verwenden, welches ich letztens gekauft, aber noch nie eingesetzt habe.

Verständlicherweise will Anatol nur noch Produkte von Kreidezeit. Erdzeitgeschichtlich folgt die Kreidezeit auf den Jura – die Zeit, der Anatol entstammt – und dies veranlasst Anatol dazu, die Öle und Wachse von Kreidezeit für ganz besonders hochwertig zu halten. In der Tat sind sie dies – aber nicht aus den eben genannten Gründen. Anatol ist dies gleichgültig: Öl muss von Kreidezeit sein, basta.

Kurze Zeit später verlassen wir mit Tischbeinen, Schrauben, Holzleim und Verstrebungen den Toom. Nun heisst es, das Vorhaben so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen: eilig begeben wir uns nach Hause.

Nachdem alle Materialien in den 4. Stock befördert sind – hierbei hält Anatol sich meist vornehm zurück! – beginnt der Butler sofort, die geplante Theke bzw. den Bar-Tisch zu bauen. Als erstes schraubt er die Halterungen für die Beine in die Akazien-Platte.

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Die weiteren Arbeitsschritte sprechen für sich selbst:

IMG_2912IMG_2913IMG_2914IMG_2915Nun heisst es, die Platte noch einmal gut zu schleifen – Anatol tut dies zunächst mit der Exzenter-Schleifmaschine (240er Blatt), dann per Hand mit 320er, 400er und schließlich mit 600er Schleifpapier. Beim Schleifen ist Anatol Perfektionist – am liebsten würde er noch mit 1000er Blatt schmirgeln.

Dies ist heute aber nicht nötig – das 600er reicht, um eine wundervolle, spiegelglatte Holzoberfläche zu erhalten.

Diese wird nun mit dem Pure Solid von Kreidezeit eingestrichen: IMG_2916IMG_2917IMG_2920Anatol ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Nun muss das Öl trocknen. In etwa 30 Minuten wird Anatol das überschüssige Öl abwischen und die Platte aufpolieren.

Ich bin sehr gespannt.

Zur Fortsetzung!

71. Kapitel – Anatol heimwerkt I

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Nach mehreren Besuchen bei Ikea steht fest: Anatol bekommt keine neue Küche. Anatols Traumküche existiert nicht mehr, und die vorhandenen Küchen sind allesamt enttäuschend.

Die Küchenzeile bleibt daher so, wie sie ist. Anatol meint, er werde dort gewisse Verbesserungen anbringen können, ohne eine vollständige Umgestaltung vorzunehmen. Ich bestärke ihn in diesem Vorhaben.

Anders sieht es jedoch mit unserem Wintergarten aus. Dessen Einrichtung ist außerordentlich unbefriedigend: Der Wintergarten wird beherrscht von Katzenkörben, dem Katzentisch und 4 (in Worten: vier) Katzenklos.

Anatol schlägt daher vor, den Wintergarten in weiterhin katzengerechter, aber doch wohnlicher Art und Weise ganz neu auszugestalten. Dies bedeute zu allererst eine Verkleidung der wenig dekorativen Katzenklos.

Ich bin begeistert von dieser Idee. Der Wintergarten ist bisher der stiefmütterlich behandelte Raum unserer Wohnung. Genutzt wird er nur für die Katzen. Da es im Wintergarten im Sommer sehr heiss und im Winter empflindlich kalt wird, halten sich die Katzen jedoch dort nur selten auf. Eine Neueinrichtung, die mehr auf meine und die Bedürfnisse der Butler abgestimmt ist, erscheint daher angebracht.

IMG_2881Unser erster Gang führt uns in den Baumarkt – zu Toom. Hier wählt Anatol eine geölte Akazienholzplatte aus, die er auf die Maße 120×60 zuschneiden lässt.

Mit zwei 120cm langen Akazienholzplatten kommen wir zuhause an. Anatol hat zusätzlich Seitenteile aus Fichtenholz zuschneiden lassen, die er mit einem Farböl täuschend echt an die natürliche Färbung der Akazienplatte anpasst.

Da das Farböl sich ansonsten aber nicht wie ein Öl verhält, sondern eher wie eine Beize, begibt Anatol sich ins Woodworker-Forum, um Rat von Profis einzuholen. Nach dem obligatorischen Anschiss von übellaunigen Heimwerkerkollegen, den Anatol wie üblich etwas entnervt über sich ergehen lässt, kommt glücklicherweise Winfried zur Hilfe. Winfried weiss alles über Öle, Wachse, Lack und Holz. Auf seiner sehr hilfreichen Webseite erklärt er einfach und freundlich alles, was man über das Thema wissen muss. Im Woodworkerforum hat er uns schon mehrfach weitergeholfen. Seine Freundlichkeit und Kompetenz sind legendär – Anatol hält daher große Stücke auf ihn und fragt ihn um Rat, sobald er nicht mehr weiterweiss.

Auch heute kann Winfried wieder einmal helfen. Er rät Anatol, weiter zu schleifen und zu ölen – so sollte doch noch das Beste aus dem Holz zu machen sein.

Insgeheim möchte Anatol sich gerade ohrfeigen, Winfried nicht vor dem Kauf des Farböls um Rat gefragt zu haben.

IMG_2899Dies ist nun nicht zu ändern. Während das Leinöl in die gefärbten Fichtenplatten einzieht, bereitet Anatol die Halterungen für die Seitenteile vor; dann schraubt er diese fest.

Schließlich kann der Tisch umgedreht werden und sieht nun so IMG_2900aus:

Anatol ist stolz auf seine Handwerkskunst.

Ich hingegen bin skeptisch. Der Tisch ist massiv und nimmt – zumindest optisch – viel Platz in Anspruch. Der Rest des Raumes muss daran angepasst werden.

Eine weitere Heimwerkerarbeit wird sich daher an die hier dargestellte anschließen: Anatol beabsichtigt, einen Bar-Tisch zu bauen. Er soll aus der zweiten, noch übrigen Akazienholz-Platte hergestellt werden.

So umfangreiche Umwälzungen habe ich noch nie in dieser Wohnung vorgenommen. Etwas mulmig ist mir daher bei dem Vorhaben.

Anatol ist das jedoch egal. Er plant bereits den nächsten Besuch bei Toom.

zur Fortsetzung!

70. Kapitel – Der 19. August 1900

Heute vor 114 Jahren wurde meine Omi geboren – weit, weit weg von hier, im schönen Jastrow. Damals war es eine Stadt in Pommern – heute heisst es Jastrowie und liegt in Polen.

Elie und Anatol sind sehr traurig, dass sie diesen Geburtstag nicht mehr mit Omi feiern können – und ich natürlich auch. Anders als Anatol und Elie durfte ich aber viele wunderschöne Geburtstage mit Omi erleben.

An einen erinnere ich mich ganz besonders: den allerersten, den ich bewusst erlebt habe. Es mag Omis 73. oder 74. Geburtstag gewesen sein; ich weiss, dass ich damals noch nicht zur Schule ging. Gefeiert wurde er in der alten Wohnung in Leichlingen – die ganze Familie war da.

Im Esszimmer, das zwischen den beiden großen Flügeltüren lag, war der Tisch ausgezogen worden, um Platz für unzählige Kuchen und Torten zu bieten. Dies weiss ich noch ganz genau: der Geburtstagstisch beherbergte die köstlichsten Kuchen, die ich je gesehen hatte. Ob Omi sie alle selber gebacken hatte? Möglich ist es.

Eine Torte hatte es mir ganz besonders angetan. Sie hatte dunkelbraune und weisse Schichten und einen wunderschön gefältelten Sahneüberzug mit jeweils einer dunkelroten, glänzenden Kirsche auf jedem Stück. Ehrfürchtig und begierig zugleich stand ich vor dieser Torte und zeigte mit dem Finger darauf: „Die Torte da, die möchte ich essen!“

Mama – in ihrem weissen Sommerkleid mit den großen roten Punkten wunderschön – beeilte sich zu sagen „Diese Torte ist leider nicht für Kinder! Erstens ist sie viel zu mächtig, und dann ist auch noch viel Alkohol darin. Davon kannst Du leider kein Stück haben. Du würdest es sowieso nicht aufessen können.“

Gebrüll war meine – berechtigte! – Antwort. Sofort eilte Omi zur Hilfe.

„Das ist doch die Schwarzwälderkirschtorte. Meine Lieblingstorte! Davon darf sie ein kleines Stückchen probieren. Was übrig bleibt, esse ich auf, keine Sorge. Und Alkohol ist so gut wie keiner drin!“ sagte Omi augenzwinkernd und servierte mir ein aus meiner Sicht riesiges Stück, welches ich in der Tat nicht mal zu einem Drittel schaffte. Die übrigen zwei Drittel kamen auf Omis Teller und verschwanden alsbald.

Seitdem war die Schwarzwälderkirschtorte nicht nur Omis, sondern auch meine Lieblingstorte. Leider ist es sehr schwer, eine richtig gute wie die von Omis Geburtstag zu finden. Anatol verspricht mir deshalb gerade, sich das Rezept näher anzusehen und eine vegane Alternative zu entwerfen!

Herzlichen Glückwunsch zum 114. Geburtstag, liebe Omi!

69. Kapitel – Abendphantasien

„…fröhlich verrauscht des Markts
Geschäft’ger Lärm; in stiller Laube
Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.“

31. Juli 2014 – Heute war mein letzter Arbeitstag vor den großen Sommerferien. Müde schleppe ich mich durchs Treppenhaus bis in den vierten Stock. Die Nachbarn sind schon beim Abendessen. Man hört fröhliche Stimmen und Lachen durch die Türen dringen, der Duft von köstlichen Speisen liegt in der Luft.

Hungrig und abgekämpft komme ich an die Wohnungstür. Ich drehe den Schlüssel im Schloss und hoffe inständig, dass mich die Butler nicht vergessen haben. Jetzt eine dunkle, verlassene Wohnung vorzufinden – es wäre deprimierend.

Aber nein – eine solche Wohnung erwartet mich glücklicherweise nicht. Als ich die Tür öffne, höre ich die Saurier in der Küche lachen und schwatzen. Der große Schmortopf steht auf dem Herd – ein herrlich duftendes Curry köchelt darin. Anatol hat dazu einen Salat vorbereitet und entkorkt gerade eine Flasche Wein. Der Tisch im Esszimmer ist gedeckt; die Butler haben zur Feier des Tages sogar Kerzen angezündet. Ein Candle-Light-Dinner mit den Sauriern – ich bin erfreut. So schön hatte ich mir den heutigen Abend nicht ausgemalt.

Elie hüpft von der Küchenanrichte herunter. „Wir haben endlich Ferien!“ ruft er vergnügt. „Fahren wir denn auch weg? Alle meine Freunde sind verreist – Angelo ist sogar in Amerika!“

Anatol weiss, dass Wegfahren schon wegen der Katzen gar nicht möglich ist. Er dämpft Elies Elan und meint „Lass uns jetzt erst mal zu Abend essen. Vielleicht können wir dabei die eine oder andere Ferien-Aktion planen?“

Nachdem das Curry verspeist und der Nachtisch (selbstgemachtes veganes Himbeer-Joghurt-Eis) serviert ist, beginnt Anatol, auf seinem Stuhl hin und her zu rutschen. Unentschlossen druckst er herum, und rückt schließlich mit der Sprache heraus.

„Ihr wisst ja, dass ich so gut wie den ganzen Tag und einen Teil des Abends in unserer Küche verbringe. Die Küche ist mein Haupt-Arbeitsplatz!“

Wir nicken.

„Ja – aber diese Küche ist eine einzige Katastrophe! Man kann darin nicht arbeiten. Nichts ist an der richtigen Stelle, wir haben keine Schubladen, aus denen man schnell die Utensilien hervorholen kann, es gibt keine Hängeschränke über der Arbeitsplatte – diese Küche ist unbrauchbar!“

Anatol hat sich in Rage geredet – sein grünes Dinosaurierköpfchen hat eine rötliche Farbe angenommen. Ich weiss, dass mit dem Butler dann nicht zu spaßen ist.

„Anatol, das ist mir alles bewusst. Aber was können wir tun? Diese Küche ist nun mal so – daran kann ich nichts ändern.“

„Papperlapapp! Die Küche ist riesig – wir müssten sie nur einmal richtig einrichten. So zum Beispiel!“ Anatol springt auf und kramt in einem Zeitschriftenstapel herum. Endlich hat er gefunden, was er uns zeigen will: den Möbel-Prospekt eines schwedischen Einrichtungshauses.

„Da! Guck Dir diese Traumküche an! Und die will ich haben!“

Ikea KücheIch seufze. „Ja Anatol. Diese Küche möchte ich auch haben. Dabei bleibt es aber leider: beim „ich möchte„. Wir können uns erstens eine solche Küche nicht leisten, und haben zweitens hier gar keinen Platz dafür. Wo willst Du denn das alles unterbringen, was Du da auf dem Bild siehst?“

Anatol schluckt. Er weiss, dass die Küchenphantasie eine Utopie bleiben wird. Dennoch sollten wir Verbesserungen in Küche und Wohnzimmer anbringen, findet er.

Da er hiermit Recht hat, stehe ich auf und reserviere das Car-Sharing-Auto für den nächsten Morgen. „Anatol, morgen geht es zu Ikea. Da lassen wir uns inspirieren! Vielleicht finden wir ja die eine oder andere gute Idee, um die Wohnung praktischer und wohnlicher zu gestalten.“

Anatol liebt Besuche bei Ikea.

Elie hingegen lässt traurig den Kopf hängen. „Ich hasse Ikea. Ich hasse Möbelgeschäfte und Baumärkte. Nur Ihr beiden wollt da immer hin! Was soll ich denn morgen machen? Tolle Ferien sind das…!“ Elies Stimme zittert.

„Elie, Du könntest morgen ins Schwimmbad gehen!“ schlägt Anatol vor.

„Ja toll – allein? Du weisst doch, dass alle meine Freunde wegefahren sind – es ist niemand mehr da, den ich kenne! Im Schwimmbad sind jetzt nur die Großen – die, die mich letztes Jahr immer geärgert haben! Vor denen habe ich Angst, wenn ich da allein bin – die schmeissen mich ins tiefe Becken und tauchen mich unter!“

Es stimmt – ein Schwimmbadbesuch ganz ohne Begleitung ist keine gute Idee.

Halbherzig schlage ich vor, dass Elie ins Ikea-Kinderparadies gehen könne, während Anatol und ich die Möbel ansehen. Nun bricht Elie in Geheul aus. „Das Ikea-Kinderparadies hasse ich noch mehr als Ikea und Baumarkt zusammen! Da werde ich immer unter diesen bescheuerten Bällen begraben – schrecklich ist das! Ihr könnt mich mal!“ schreit er.

Ich sehe ein, dass das Ikea-Kinderparadies für Elie ein weiterer Ort des Schreckens ist und biete eine Alternative an: „Elie, möchtest Du morgen vormittag vielleicht einfach zu unseren netten Nachbarn aus dem ersten Stock? Vielleicht gehen sie sogar ins Schwimmbad!“

Elie akzeptiert dies nach kurzem Zögern, wenn auch widerwillig. „Wehe, wenn ich meine ganzen Ferien bei den Nachbarn im ersten Stock verbringen muss – nur weil Ihr die ganze Zeit Wohnungsverschönerung betreibt! Ich will, dass wir auch was Richtiges unternehmen – so wie normale Menschen das in ihren Ferien tun!“

Ich überlege. Welche Ferienattraktion könnte sich bieten, die einerseits gut erreichbar und andererseits nicht zu ruinös ist? Ich erinnere mich an einen Ausflug, den ich vor bald 40 Jahren mit meinen Eltern, meiner Schwester und unserem damals ganz jungen Hund Trolli an die Edertalsperre gemacht habe – im Sommer 1975 muss das gewesen sein. Es ist lang her.

„Elie, wir könnten nächste Woche an den Edersee fahren und dort Boot fahren. Wenn Ihr brav seid, könnten wir sogar darüber nachdenken, dort eine Nacht zu bleiben – im Zelt oder unter freiem Himmel! Voraussetzung wäre allerdings, dass wir jemanden finden, der die Katzen versorgt. Und es muss natürlich warm genug sein.“

Elie strahlt. Die Ferien sind gerettet.

Vorerst steht jedoch der Besuch bei Ikea an.

68. Kapitel – Eine Reise ins Burgund: Abenteuer SNCF

Seit Tagen freue ich mich auf meine Reise zu Bébé und Gaia, den Streunerkatzen, die ich vor mehreren Jahren hungrig und krank auf einem Parkplatz gefunden habe. Freunde aus dem Burgund haben die beiden bei sich aufgenommen, und Bébé und Gaia konnten endlich den harten Asphalt ihres « Parking » gegen ein warmes, weiches Bettchen im schönen Montbard eintauschen. Dorthin soll die Reise gehen : zu Nicolas und Vanessa.

I.

Elie hatte schon frühzeitig angekündigt, dass er diesmal nicht mitkommen werde. Anna – seine heimliche Geliebte – sei aus den Sommerferien zurück und er wolle sie ins Schwimmbad einladen. Anatol hatte etwas skeptisch eingewandt, Anna sei doch sicher schon mit Angelo verabredet – worauf Elie einen Tobsuchtsanfall bekommen hatte.

Angelo ist der ewige Widersacher der Butler – ihre Nemesis. Was ihnen misslingt : Angelo gelingt es. Elie hat eine 5 in Mathe ? Angelo ist Klassenbester. Anatol müht sich erfolglos an einer Etüde von Ševčík ab – Angelo spielt sie mit Bravour. Elie ist in Anna verliebt : sie geht mit Angelo. Aus finanziellen und katzentechnischen Gründen müssen unsere Sommerferien auf Balkonien stattfinden – Angelo reist mit seiner Familie nach Kalifornien (nach Santa Monica, um genau zu sein). Die Liste seiner Triumphe ist lang, und selbiges gilt für die der Misserfolge unserer beiden Helden.

Elie malt sich trotz allem Chancen bei Anna aus – Angelo ist nämlich noch nicht wieder aus Santa Monica zurück. Daher ist Elie sicher, dass Anna die Einladung ins Schwimmbad im Brauweg – das mit der tollen neuen Rutsche ! – nicht ablehnen wird.

Seit vorgestern bereitet Elie den Schwimmbadbesuch akribisch vor. Er hat Karten gekauft, die Badehose bereitgelegt, ebenso das Sonnenöl und den großen blauen Ball zum Aufpusten (den mit dem Nivea-Logo, den es mal als Werbegeschenk in der Droguerie gegeben hatte).

Nun muss nur noch Anna mitkommen. Anatol und ich hegen Zweifel daran, aber wir wollen Elie die Vorfreude nicht nehmen. Insbesondere die Tatsache, dass Elie bisher Angst davor hatte, auf die Rutsche zu klettern und dann ins Wasser zu rutschen, macht uns skeptisch ob des von Elie angestrebten smarten Auftretens gegenüber Anna. Letztes Mal im Schwimmbad hatte Elie sich nicht einmal auf meinem Arm auf die Rutsche getraut. Überflüssig zu erwähnen, dass Angelo bereits vom 10-Meter Turm springt. Aber er ist im Moment nicht da, und so kann Elie bestimmt einen schönen Nachmittag ganz allein mit Anna verbringen.

II.

Anatol und ich haben hingegen andere Sorgen. Bei der Reiseplanung ist Anatol aufgefallen, dass der einzige akzeptable Zug nach Montbard um 6 Uhr 51 in Strasbourg losfährt – unglaublich früh. Wollen wir den Zug sicher bekommen, müssen wir um 4 Uhr 30 aufstehen. Das ist unangenehm, aber machbar. Anatol besorgt die – sündhaft teuren – Billets und kümmert sich darum, dass alles für den nächsten Morgen bereitsteht. Das Frühstück ist schon am Vorabend vorbereitet, meine Bluse gebügelt, Geschenke für Nicolas, Vanessa und die Katzen eingepackt.

Um 4 Uhr 30 klingelt der Wecker.

Mühsam wühle ich mich aus dem Bett und beginne den allmorgendlichen Putzmarathon. Die Katzenklos, das Katzenfutter, unser Frühstück … als alles erledigt ist und ich aus der Dusche komme, ist es bereits 5 Uhr 30. Anatol wippt nervös auf den Fußspitzen und mahnt mich zur Eile. « Wir verpassen noch den Zug ! Leg einen Zahn zu ! »

Elie schlummert tief und fest im Nestchen.

Als wir um 6 Uhr 33 die Wohnung verlassen, zetert Anatol lauthals. Es stimmt : wir sind spät dran. Aber der Bahnhof ist nicht weit – wir parken das Fahrrad wie immer in dem überwachten Parkplatz direkt an den Gleisen. Dann laufe ich los, um schnell zum Zug zu kommen.

Etwas später werde ich jäh gestoppt. Der Aufgang zu den Gleisen (dort erfährt man normalerweise auch, wo die Züge abfahren) ist abgesperrt und die Gleisanzeigen sind deaktiviert. « KEIN DURCHGANG ! RENOVIERUNGSARBEITEN ! » steht mit großen, unfreundlichen Buchstaben an der Barriere. Was nun ? Ist vielleicht an einer anderen Stelle ein Durchkommen ?

Nein. Der Zugang zu den Gleisen ist hier heute definitiv nicht möglich. Entsetzen erfasst mich. Unser Zug fährt in 7 Minuten ab !

Mit zitternden Händen und einer vor Wut explodierenden Handtasche (der Saurier kann kaum an sich halten) schließe ich das Fahrrad wieder auf, fahre den großen Umweg zum anderen Bahnhofseingang, schließe das Fahrrad dort fest – und laufe so schnell ich kann in die Bahnhofshalle, zu der großen Anzeigetafel.

Auf welchem Gleis fährt der Zug ab ? Die Anzeigetafel weist ihn nicht mehr aus. Es ist 6 Uhr 49. Die verbleibenden 2 Minuten wären im Grunde genug, um den Zug zu erreichen – aber nicht, wenn man das Gleis nicht kennt !

Verzweifelt irre ich durch die Gänge – ich fühle mich an einen meiner klassischen Alpträume erinnert ! – und versuche, unser Gleis zu finden. Anatol hält den Atem an – ausnahmsweise hat er das Schimpfen eingestellt.

Da ! Ein Zug auf Gleis 5 könnte der Richtige sein … ich lese in fieberhafter Eile die Haltebahnhöfe auf der Anzeigetafel durch : ja, das ist unser Zug ! Um diese Erkenntnis reicher kann ich jedoch nur noch die Abfahrt des Zuges konstatieren – ohne Anatol und mich.

Keuchend und mit weit aufgerissenen Augen stehen wir auf dem Gleis, während sich der Zug entfernt – unverschämt mit dem hinteren Abteil wackelnd, als wolle er uns sagen : « Ihr kommt nicht mit »!

Anatol bricht in Tränen aus. Ich spüre eine unbändige Wut in mir hochsteigen. Um 4 Uhr 30 sind wir aufgestanden – nur um diesem frechen Waggon hinterherzusehen !

Der nächste Zug geht – das wissen wir bereits – über zwei Stunden später. Er ist deutlich teurer, braucht dafür aber 4 Stunden anstatt 3 bis Montbard. Gibt es vielleicht doch eine andere Möglichkeit, nach Montbard zu kommen ?

Unverzüglich begeben wir uns in die Schalterhalle der SNCF. Eine übellaunige Bahnangestellte empfängt uns. Ich schildere das Missgeschick, das nicht passiert wäre, wenn ich auf der Anzeigetafel das Gleis meines Zuges hätte erfahren können !

Hier belehrt mich die Dame, dass die SNCF aus Sicherheitsgründen zwei Minuten vor Abfahrt gar keine Gleisinformationen mehr erteilt. Die Leute würden sonst versuchen, rennend den Zug zu erreichen ; dies könne zu Unfällen führen.

Mein Hinweis, dass es noch viel sicherer wäre, den Passagieren das Betreten der Züge gleich ganz zu verwehren, trifft nicht auf Wohlgefallen bei der Dame. Mit der Information, dass der Umtausch der Fahrkarte 12 Euro koste, verabschiedet sie mich ohne ein Wort des Mitgefühls.

« Das darf doch alles nicht wahr sein ! » brüllt es da aus meiner Handtasche. « So eine bodenlose Unverschämtheit ist mir noch nie widerfahren! » Anatol kann sich nicht mehr beherrschen und macht Anstalten, aus der Tasche herauszuklettern – vermutlich, um die Dame von der SNCF zu beschimpfen, ja möglicherweise tätlich anzugreifen. Dies unterbinde ich, indem ich die Handtsche mitsamt dem tobenden Saurier in meinen Rucksack stopfe. Mir reicht die missglückte Bahnfahrt – eine Anzeige wegen Beleidigung oder gar Körperverletzung von Amtspersonen muss nicht noch hinzukommen. Den verständnislosen Blick der Bahnbeamten auf meine Handtasche strafe ich mit Nichtachtung. Soll sie doch denken, was sie will.

Eilig verlasse ich die Schalterhalle, eine neue Fahrkarte – noch teurer als die erste – in der Hand. Unser Ersatzzug fährt um 7 Uhr 21, wird zwei Stunden Aufenthalt in Mulhouse haben, dann eine weitere Stunde in Dijon, bevor wir um 13 Uhr 10 (anstatt um 10 Uhr 6) in Montbard ankommen sollen. Die Rückfahrt ist für 18 Uhr 53 geplant. In der Zwischenzeit sollen sich sintflutartige Regenfälle über Montbard ergießen.

Wir hoffen, dass der Schwimmbadbesuch von Elie und Anna gelungener ablaufen wird als der Beginn unserer Reise ins Burgund, und besteigen um 7 Uhr 21 unseren Zug.

Kurze Zeit später treffen wir in Mulhouse ein, wo wir zwei Stunden Aufenthalt haben, bevor der Anschlußzug nach Dijon eintrifft. Zwei Stunden, die wir uns auf dem Bahnhof um die Ohren schlagen müssen. Anatol stöhnt.

IMG_2812Zunächst verlassen wir den Bahnhof, in der Hoffnung, ein Café oder einen Salon de thé zu finden. Draußen erwartet uns jedoch das Nichts – und viel Regen.

Schnell kehren wir in den Bahnhof zurück. Nach kurzer Suche findet sich dort ein richtiges Café, in dem wir mit grünem Tee und Croissants bewirtet werden. Der erste Lichtblick des Tages ! Anatol hat sich in mein Halstuch eingewickelt, denn es ist empfindlich kalt geworden.IMG_2813

Deutlich später kommen wir in Dijon an, haben eine weitere Stunde Aufenthalt, bevor wir unseren letzten Anschlußzug nehmen. Um 13 Uhr erreichen wir – Stunden nach der geplanten Ankunft – unseren Zielort, wo wir bereits sehnlich erwartet werden. Kaum sind wir aus dem Zug gestiegen, bricht die Sintflut über uns herein.

IMG_2820Der Nachmittag vergeht sehr angenehm mit Katzenstreicheln, veganen Leckereien und anregenden Gesprächen. Leider bleibt bis zur Abfahrt um kurz vor 19 Uhr nur wenig Zeit.IMG_2831

Die Rückfahrt beginnt zunächst problemlos, wird aber durch einen auf den Gleisen liegenden Baum jäh unterbrochen. Während wir auf das Freiräumen des Gleises warten, schlägt Anatol vor, den veganen Proviant, den unsere Freunde uns mitgegeben haben, zum Abendbrot zu servieren. Er habe jedenfalls Hunger.IMG_2836

Indessen ist eine Verspätung von fast einer Stunde zusammengekommen. Wir werden daher auch für die Rückfahrt etwas über vier Stunden brauchen.

Wie mag der heutige Tag für Elie verlaufen sein?

66. Kapitel – Im Supermarkt: ein Drabble

Freudestrahlend kommt Elie vom Einkaufen. “Heute war alles kostenlos!” ruft er uns entgegen, eine große Einkaufstüte hinter sich herzerrend.

“Das kann nicht sein,” sage ich. Anatol runzelt die Stirn.

“Ich sag Euch, da war kein Kassierer! Die anderen Leute haben ihre Sachen vor einen Bildschirm gehalten; das hat gepiept. Konnte ich aber nicht genau sehen: bin zu klein.”

Ich erstarre. Anatol verdreht die Augen.

Der COOP hat kürzlich auf automatische Kassen umgestellt.

“Wie bist Du aus dem Laden herausgekommen?” frage ich entsetzt. “Na zu Fuß!” Elie ist nicht groß genug, um die Diebstahlsicherung auszulösen.

Der heutige Einkauf war sehr preiswert.

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Diese Geschichte ist ein sogenannter „Drabble„. Ein Drabble ist eine Geschichte, die aus genau 100 Wörtern besteht – es ist gar nicht einfach, einen Drabble zu schreiben. Ich hoffe, wir haben uns nicht verzählt: Anatol hat auch noch mal nachgezählt.

Auf die Idee mit dem Drabble kam Anatol, als er im dem tollen Blog von Wortman stöberte, wo es außer Drabbles noch viele andere interessante und schöne Geschichten zu lesen gibt!