85. Kapitel – Entengrütze: die Fortsetzung

Am Tag nach der Entengrütz-Aktion ist Elie, mit seinem Eimerchen, einem Schrubber und Wischlappen bewaffnet, tatsächlich in Richtung Angelos Villa losgezockelt. Ich war sehr stolz auf ihn, da er ganz allein alle Putzutensilien zusammengesucht hatte und sichtlich bemüht erschien, die Missetat wieder gutzumachen.

Am späten Nachmittag war er wieder zurückgekommen – aber nicht zu Fuß, sondern in der Limousine von Angelos Eltern. Anatol und ich waren sprachlos gewesen. Elie war aus dem Fond der Limousine ausgestiegen, hatte sein Eimerchen, den Schrubber und die Lappen aus dem Heck des Wagens herausgekramt – und hatte dann von Angelos Vater eine riesige Kuchenbox überreicht bekommen, die Elie kaum allein hatte tragen können. Dann war die Limousine mit den schwarzen Scheiben lautlos fortgefahren.

Elie war so überwältigt gewesen, dass er eine Weile gebraucht hatte, um sich etwas zu sammeln. Dann hatte er uns den sagenhaften Nachmittag geschildert, den er gerade erlebt hatte.

Als er bei Angelo eingetroffen sei, habe er die Fassade der Villa wieder strahlend weiss und makellos wie immer vorgefunden. Angelos Mutter habe ihn empfangen und erklärt, die Reinigung habe Angelo allein erledigen müssen – als Strafe dafür, dass er Anatol erst provoziert und dann verhauen hätte. Elie habe sich zwar keinesfalls richtig verhalten, als er die Entengrütze bei ihnen ans Haus geworfen habe, sie fände es aber vorbildlich von ihm, dass er nun mit seinen Putzssachen vorbeikomme und die Grütze beseitigen wolle. Sie habe eine geeignetere „Bestrafung“ für Elie ausgedacht: und zwar wäre es ihr lieb, wenn Elie ihr heute nachmittag beim Kuchenbacken zur Hand gehen wolle. Sie brauche dabei dringend Unterstützung.

Elie sei abwechselnd rot und blass geworden. Er habe gar nicht gewusst, wie ihm geschehen sei – er habe noch nie eine so luxuriös eingerichtete Küche gesehen. Die Küche allein sei größer gewesen als unsere gesamte Wohnung. An dieser Stelle der Erzählung hatte ich mich geräuspert und Elie darum gebeten, hier nicht zu sehr in die Einzelheiten zu gehen.

Angelos Mutter sei sehr nett gewesen. Sie hätte Elie gezeigt, wie man eine Charlotte backt – dann habe Elie verschiedene Torten verzieren und vom Tortenguss naschen dürfen.

Er habe einen tollen Nachmittag verbracht – und Angelos Mutter offenbar auch.

Dann sagt Elie nachdenklich: „Ich glaube, ich weiss, was Angelos Problem ist. Er hat einfach alles – das ist viel zu viel. Es gibt nichts, was er sich noch wünschen kann. Er kann sich auf nichts mehr freuen: er hat schon alles, was man sich wünschen kann. Anatol, der ist nicht auf Dein Fahrrad neidisch gewesen, sondern auf Deine Freude über das Rad. So etwas kennt Angelo gar nicht. Ich glaube, seine Eltern haben das noch gar nicht verstanden – dass sie ihm viel zu viel schenken.“

Anatol und ich schweigen. WIr glauben, dass Elie den Nagel auf den Kopf getroffen hat.

Die Charlotte, die Angelos Eltern Elie mitgegeben haben, ist sicher die beste, die wir je gekostet haben. Ob wir jemals wieder einen so guten Kuchen essen werden? Wir wissen es nicht.

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