84. Kapitel – Die Woche für unsichtbare Krankheiten

Anatol und Elie haben wieder einmal bei Violetta im Blog gelesen und löchern mich seit vorgestern, dass ich die 30 Fragen über meine Migräne ebenfalls beantworten und hier in den Blog stellen soll.

Eigentlich hatte ich dazu erst keine Lust. Ich spreche überhaupt nicht gern über die Migräne und tue am liebsten so, als sei alles ok. Anatol und Elie sagen aber, gerade Violettas Beispiel zeige, dass es viel besser ist, Migräne sichtbar zu machen und darüber zu sprechen. Vielleicht werde es dann mehr Verständnis dafür geben – und hoffentlich irgendwann ein Heilmittel.

Hier also die Fragenliste, mit meinen Antworten:

Dinge über meine unsichtbare Krankheit, die Ihr vielleicht nicht wisst:

1. Die unsichtbare Krankheit, die ich habe, ist Migräne.
2. Diagnostiziert wurde die Migräne bei mir 1997,
3. aber ich leide schon seit 1976 unter dieser Krankheit.
4. Die größte Veränderung bzw. Anpassung, die ich dieser Krankheit zugestehen muss, ist die Tatsache, dass ich nichts in meinem Leben tun kann, ohne auf die Migräne Rücksicht zu nehmen bzw. sie einzuplanen. Auch meine Karriereplanung muss ich daran ausrichten – so hätte ich zum Beispiel niemals Anwältin werden können, obwohl ich diesen Beruf gerne ergriffen hätte.
5. Die meisten Leute denken, dass ich vollkommen gesund bin und mir die Migräne nur einbilde.
6. Das Schlimmste am Morgen ist es, mit Migräne aufzuwachen und trotzdem funktionieren zu müssen.
7. Meine Lieblings-Ärzteserie ist: Dr. House
8. Auf welches Gerät kann ich nicht verzichten? Auf mein IPhone – damit kann ich auch aus dem Bett heraus noch kleine Nachrichten schreiben und von lieben Freunden etwas Trost bekommen, wenn ich Migräne habe.
9. In der Nacht ist es am Schlimmsten, wenn die Migräne so stark ist, dass man nur vor sich hindämmern kann und vor Schmerzen seltsame Dinge sieht und hört.
10. Jeden Tag nehme ich mindestens 4 Tabletten und Vitamine.
11. An alternativen Therapien habe ich schon die folgenden ausprobiert: Akupunktur, Homöopathie, Ostheopathie, Pestwurz, medizinische Resonanztherapie, Meditation, Yoga, Migränediät …
12. Wenn ich zwischen einer sichtbaren und einer unsichtbaren Krankheit zu wählen hätte, würde ich keine nehmen! Ich bin froh, im Normalfall gesund auszusehen – das ist immer besser. Allerdings sieht man mir, ebenso wie Violetta, deutlich an, wie krank ich bin, wenn ich einen schlimmen Migräneanfall habe.
13. In Bezug auf meine Arbeit und meine Karriere ist die Migräne ein ganz wichtiger Faktor. Eine freiberufliche Tätigkeit mit vielen beruflichen Reisen oder unregelmäßigen Arbeitszeiten hätte ich niemals ausüben können.
14. Viele Menschen wären verwundert, wenn sie wüssten, dass ich wegen der Migräne oft Existenzängste habe.
15. Am schwersten war für mich zu akzeptieren, dass ich wegen der Migräne nicht mehr ohne weiteres darüber bestimmen kann, wie ich mein Leben führe, und bei allem darauf achten muss, wie ich migränetechnisch damit klarkomme.
16. Etwas, wovon ich dachte, dass ich es niemals meiner Krankheit tun könnte war: einen Vollzeitjob bekommen und darin sehr erfolgreich zu arbeiten. Ansonsten passiert allerdings kaum etwas in meinem Leben, da die restliche Zeit der Migräne oder dem Ausruhen geschuldet ist.
17. Werbung für Migränemedikamente: gibt es hier nicht.
18. Was vermisse ich: meine Unbeschwertheit, und das Gefühl, einfach alles tun zu können, was man sich vorstellt. Heute abend möchte ich mit einer Freundin in ein Konzert gehen – nun kündigt sich die nächste Migräne an. Es wäre so schön, sich einfach auf einen Abend mit Freunden freuen zu können, ohne sich sagen zu müssen „hoffentlich habe ich dann keine Migräne“.
19. Etwas, was mir schwergefallen ist: ich darf wegen der Migräne keinen Tropfen Alkohol mehr trinken. Zu Anfang war es nicht leicht; heute ist es nur noch entnervend, beim Essen mit Kollegen oder Bekannten erklären zu müssen, dass (und warum) man keinen Alkohol trinkt. Die Leute können es einfach nicht verstehen.
20. Ein neues Hobby, das ich seit der Diagnose aufgenommen habe: in meinem Blog zu schreiben.
21. Wenn ich einen Tag lang ganz gesund sein könnte, was würde ich tun? Einfach in den Tag hineinleben – und nicht immer denken: heute musst du diese 20 Dinge unbedingt erledigen, denn wenn Du morgen wieder Migräne hast, kannst Du es nicht mehr.
22. Was habe ich von meiner Krankheit gelernt: ich halte viel mehr aus, als ich gedacht hätte – und wäre froh, wenn ich dies niemals hätte erfahren müssen.
23. Was geht mir wirklich nahe, wenn Leute es sagen? „Deine Migräne ist doch sicher stressbedingt!“ Das ärgert mich, weil es einfach Blödsinn ist: ich habe Migräne, weil ich eben an dieser genetischen, neurologischen Erkrankung leide, und zwar mit und ohne Stress, mit oder ohne viel Arbeit, Freude, Trauer, Ärger, Freizeit … Warum sagt man solche dummen Dinge?
24. Aber ich habe es gern, wenn jemand einfach nur sagt: „Ruh Dich aus, ich bring Dir einen Tee.“
25. Mein Motto: „Es wird irgendwann besser gehen!“
26. Was sage ich jemandem, der auch an Migräne leidet: Such Dir einen Arzt, der sich wirklich mit Migräne auskennt und Dich ernst nimmt. Und lass Dir Triptane verschreiben.
27. Was hat mich überrascht, seit ich mit der Migräne leben muss: man findet immer wieder Dinge, die uns Hoffnung auf Besserung geben!
28. Das Liebste, was jemand getan hat, als es mir nicht gut ging: eine ganz liebe Freundin ist gekommen und hat alle Katzenklos gesäubert. Und mein Chef (mit 41° Fieber immer bei der Arbeit) hat es mir einmal angesehen, wie schlecht es mir ging mit der Migräne, und gesagt, ich solle schnell nach Hause gehen und mich ausruhen… dabei durfte man sonst, wenns nach ihm gegangen wäre, bei der Arbeit gern die spanische Grippe, Pest und Cholera gleichzeitig haben: es musste trotzdem gearbeitet werden. Aber mit der Migräne hat er mich nach Hause geschickt.
29. Warum mache ich bei der Invisible Illness Week mit: vielleicht kann ich so auch andere Menschen anregen, über ihre unsichtbare Krankheit zu sprechen.
30. Dass Ihr dies hier lest, gibt mir Hoffnung, dass unsichtbare Krankheiten vielleicht besser verstanden und irgendwann geheilt werden – ganz besonders natürlich die Migräne!

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