87. Kapitel – Äußerlichkeiten…?

Verstohlen mache ich mich am Kleiderschrank zu schaffen. Ich will die schöne dunkle Jeans von Somewhere, die ich damals ein wenig zu groß gekauft hatte, herausfischen und dabei möglichst nicht bemerkt werden.

„Du hast zugenommen!“ tönt es da aus dem Wohnzimmer. Anatol lugt hinter seiner Zeitung hervor, die ein Rascheln von sich gibt. „Es macht jetzt schon eine Kleidergröße aus… Deshalb suchst Du doch die dunkle Denim-Hose, nicht? Die liegt übrigens ganz rechts im Schrank, im zweiten Fach.“

Ich erstarre. Soll ich das Biest packen und kurzerhand aus dem Fenster werfen? Es zu Gulasch verarbeiten? Oder ihm einfach fristlos kündigen?

Meine Wut weicht einer traurigen Einsicht. Ja – ich habe zugenommen. Etwa 6 kg. Offenbar ist dies meiner Migräneprophylaxe – den Betablockern – zu verdanken, die ich seit fast zwei Monaten einnehme. Schlimmer als die 6 kg, die ich zusätzlich mit mir herumschleppe, ist die Tatsache, dass ich sie nicht wieder loswerde – trotz beharrlichen Fastens.

„Anatol, Du Untier! Wie kann man nur so gemein sein!“

Anatol hüpft ins Schlafzimmer und sieht mich mich unverfrorenen an. „Wieso gemein? Es ist eben so, dass Du an gewissen Stellen, die gerade für Jeans relevant sind, etwas mehr geworden bist. Die meisten Leute würden das sogar für eine positive Entwicklung halten.“

Ich schüttle den Kopf. „Nichts ist daran positiv! Ich werde fett – das ist es. Was kann ich nur tun …!“ Fast will ich mich schluchzend auf den Boden setzen.

Elie kuschelt sich an mich. „Also ich persönlich finde, dass Du so besser aussiehst. Die Jeans sitzen einfach schöner so. Knalleng halt! Sogar Angelo ist es aufgefallen.“

Ich bin sprachlos! Wo gucken diese prä-pubertären Saurierbengel hin? Gerade will ich Ohrfeigen androhen (obwohl ich gegen Gewalt in der Erziehung bin – aber hier geht es um etwas anderes!), da verkündet Anatol: „Ab jetzt gibt es eine ganz spezielle Diät – und damit kriegen wir dieses Problem in den Griff. Das wäre ja gelacht.“

Ich weise Anatol darauf hin, dass ich seit mehreren Wochen auf FdH bin – ohne jegliche Auswirkung. Immerhin schaffe ich es so, das – zu hohe – Gewicht zu halten. Dennoch ist FdH ganz klar keine Lösung.

Anatol ist gegen solche radikalen Diäten. Er meint, eine echte Nahrungsumstellung mit mehr Rohkost und weniger Kohlehydraten (insbesondere in Form von Weißmehl) sei in meinem Fall die bessere Alternative. Er verspricht mir für heute Abend einen leckeren Salat mit viel roher Paprika und Möhre. Und er behauptet, ich würde auf keinen Fall hungrig ins Bett gehen.

Ich bin gespannt.

Nachtrag: 18. September 2014

Heute Abend habe ich das erste von Anatol extra „kreierte“ Diätessen bekommen: Pellkartoffeln mit sehr wenig Olivenöl, einer Prise Salz und Pfeffer und etwas Thymian. Schmecken tut es sehr gut! IMG_3018

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