75. Kapitel – Die Waldbühne in Bremke

Gegen 20 Uhr steigen steigen Anatol und ich müde, aber glücklich die Treppe bis in den vierten Stock empor. Unsere Fahrradtour an der Kinzig entlang war phantastisch: einen so schönen Tag haben wir lang nicht mehr erlebt.

Nun dürfen wir uns auf eine sehr unaufgeräumte Wohnung freuen. Die Katzen waren den ganzen Tag allein und hatten Zeit, alles nach ihren Vorstellungen „einzurichten“.

Hinter der Tür wartet das Grauen. Weiträumig verteiltes Katzenstreu, Futterreste, ein mit Katzen-Spuckresten verziertes Bett und eine hungrige Katzentruppe bieten sich unserem entsetzten Blick. Allerdings hatten wir kaum mit einem anderen Zustand gerechnet. Schnell betreten wir den ungastlichen Ort und machen uns an die Auslot- und Entkernungsarbeiten. Wir werden bis MItternacht damit beschäftigt sein.

Anatol betätigt Staubsauger und Wischlappen, ich füttere die hungrige Bande und streichle die miauenden Fellbündel. Leider sieht die Wohnung wirklich aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen.

Elie ist noch nicht wieder zuhause – das wundert mich nicht. Da es aber mittlerweile auf 21 Uhr zugeht, möchte ich doch bei Annas Eltern anrufen – schließlich soll der Saurier ihnen nicht allzulang auf die Nerven fallen. Als ich das Telephon in die Hand nehme, sehe ich, dass Annas Eltern bereits mehrfach angerufen haben. Ich hatte das Handy nicht gehört – die Lärmkulisse im Zug muss das wohl verhindert haben.

Mit einem mulmigen Gefühl wähle ich die Nummer von Annas Eltern. Annas Mutter ist sofort am Telephon. „Hallo! Wir haben schon versucht, Sie zu erreichen. Elie hat sich bei der Waldbühne einen Sonnenstich geholt. Es tut uns so leid! Der Arzt war gleich da – er hat uns glücklicherweise beruhigen können. Es ist nur ein leichter Sonnenstich. Elie hat den ganzen späten Nachmittag und Abend im Bett gelegen, und möchte auch immer noch nicht aufstehen. Etwas Suppe hat er aber getrunken. Möchten Sie kurz rüberkommen? Wir denken, er sollte am besten die Nacht einfach hierbleiben.“

Ein Schreck durchfährt mich. Elie ist in der Tat sehr licht- und hitzeempfindlich, er hat eine ganz helle, dünne Haut. Hat das Biest denn seinen Sonnenhut nicht aufgesetzt, wie ich ihm aufgetragen hatte?

Schnell laufe ich zu Anna nach gegenüber. Gut, dass wir so nah beieinander wohnen!

Elie liegt bleich und schlapp in Annas Bettchen. Anna hat sich ein kleines Piratenbett aufgebaut, von dem aus sie Elie gut überwacht. „Ich gebe ihm alle Viertelstunde ein Gläschen Saft zu trinken – Fridolin, der Arzthelfer, hat das so angeordnet. So bekommt Elie wieder Flüssigkeit!“

Annas Eltern entschuldigen sich vielmals für den Sonnenstich. Dabei können sie doch nichts dafür, dass Elie seinen Sonnenhut absichtlich zu Hause gelassen hat. Er findet, der Hut sähe „uncool“ aus – zudem kratze er!

Annas Vater hatte bei der Waldbühne zwar gleich gemerkt, dass die Sonne zu sehr brannte, und hatte Elie ein Taschentuch mit Knoten an jeder Ecke auf den Kopf gesetzt (das zum Stichwort „uncool“ – da wäre der Hut besser gewesen!), aber offenbar hatte das nicht gereicht. Kurz nach der Vorstellung sei Elie schwindlig und übel geworden – deshalb habe man sogleich nach Fridolin geschickt, welcher einen Sonnenstich diagnostiziert und Bettruhe sowie Flüssigkeitszufuhr angeordnet habe.

Seitdem gehe es Elie etwas besser – er wolle aber gar nicht aufstehen.

Ich sehe dem Spitzbuben sofort an, dass es ihm prächtig geht. Ganz offensichtlich möchte er aber nicht nach Hause, sondern lieber ein weiteres Mal bei Anna übernachten. Da Annas Eltern nichts dagegen haben und Anna ja sowieso schon ihr Piratenbett aufgebaut hat, lasse ich dem Halunken seinen Willen. Er war ja wirklich krank gewesen, und die letzten Tage waren wenig lustig für ihn gewesen.

Anna jubelt – sie freut sich, nicht allein zu sein. Übernachtungsbesuch von Freunden zu haben, ist ja auch etwas ganz Besonderes!

Ich bedanke mich bei Anna und ihren Eltern für die perfekte Pflege des Diplodocus, und kehre zu den Reinigungsarbeiten meines Augiasstalles zurück.

Kurz nach Mitternacht fallen Anatol und ich in unsere Betten – eine lange, traumlose Nacht liegt vor uns.

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