8. Kapitel – Friedensgespräche

Tagebucheintrag vom 13. Oktober 2013

Anatol hat lange mit Edouard telephoniert. Gerade erst legt er auf. Sein Gesichtchen glüht – soviele spannende Dinge hatten sie sich zu erzählen. Ja – es geht um die Brontosaurier-Bande, die unsere armen Stegos vor ein paar Tagen in Angst und Schrecken versetzt hat!

Die junge Brontosaurier-Dame mit dem schönen Namen Selma, die dafür gesorgt hatte, dass ihr Bruder und seine Kumpels die ganze geraubte Beute zurückgeben, hat ihre Jungs offenbar gut im Griff – allen voran ihren Bruder, den Anführer der Bronto-Bande. Selbiger hat sich nämlich heute morgen recht zerknirscht bei Edouard gemeldet. Es täte ihm sehr leid, was er und seine Kumpels da getan hätten. Sie seien auf die vielen schönen Sachen der Stegos neidisch gewesen, und vor allem auf den Park im Stego-Viertel.

Edouard hat gemeint, der Park sei doch für alle da. Wenn sie jetzt friedlich sein wollten, könnten die Brontos einfach dort auch hinkommen und auf dem tollen Baum mit „abhängen“. Voraussetzung sei allerdings, dass keine illegalen Substanzen (Edouard hat manchmal eine etwas gestelzte Ausdrucksweise) mitgebracht würden, und dass sich alle vertragen und freundlich miteinander umgehen.

Das fand der Bronto einen guten Vorschlag. Er spricht jetzt mit seinen Kumpels darüber, und es wird dann ganz sicher ein Treffen mit beiden Grüppchen geben. Allerdings wird Selma dabei als Mediatorin fungieren – nicht, dass die Emotionen doch noch mal hochkochen und es wieder Ärger gibt.

Anatol war sehr aufgeregt und hat jetzt doch ein bisschen Bammel. Vor den Bronto-Jungs hat er schon noch Angst – der schwarze Ritter!

Tagebucheintrag vom 14. Oktober 2013

Auf dem Rückweg von der Arbeit (es wurde schon langsam dunkel) bin ich durch den Park gefahren. Und was hab ich da gesehen? Am Stego-Baum: die ganze Stego-Bande und die Brontos, friedlich vereint, mit Kerzchen, Klampfe, Waldmeisterbowle (wo sie die im Oktober herhaben – keine Ahnung!) und Knabberzeug. Anatol war noch nicht wieder dabei, er kann frühestens morgen rausgehen, da er noch nicht so ganz genesen ist von seiner Grippe. Er hat den Kumpels aber gefehlt, und sie wollen, dass er schnell gesund wird und wieder mit dabei sein kann.

Die Dinos so fröhlich und entspannt zusammensitzen zu sehen – das hat mich eben sehr glücklich gemacht.

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7. Kapitel – Ermittlungen

Tagebucheintrag vom 11. Oktober 2013

Anatol geht es langsam besser. Er hat in seinem Nestchen gelesen und vorhin sogar mit seinem Kumpel Edouard gesimst. Edouard liegt auch im Bett, aber mit einem richtigen Schock – wegen des Brontosaurier-Überfalls.

Anatol Handy

Von Edouard hat Anatol etwas ganz Unglaubliches erfahren. Und zwar sei heute eine junge Brontosaurier-Dame im Park gewesen und habe nach den Stegosauriern gesucht. Sie habe alle geraubten Sachen mitgebracht (bzw. fast alle), wollte diese an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgeben – und sich außerdem für den Überfall entschuldigen!

Es handelt sich bei der jungen Dame offenbar um die grosse Schwester eines der Brontosaurier. Sie muss ihren Jungens die Hölle heiss gemacht und ihnen die Beute fast vollständig wieder abgenommen haben (also alles was noch davon da war), um sie zurückzugeben.

Sie habe gesagt, es sei eine Schande, dass ein Dino dem anderen etwas klaue. Schliesslich lebe man nicht mehr in der Steinzeit! Und sie hat angekündigt, dass sie die Brontosaurier zusammentrommeln und in den Park schicken werde, damit sie sich auch selbst entschuldigen. Normalerweise seien sie eigentlich ganz anständige Jungens. Nur etwas ungestüm.

Da waren wir platt.

Tagebucheintrag vom 12. Oktober 2013

Es ist so gut wie alles wieder da. Kumpel Edouard hat sogar seine Brille wiederbekommen – heile noch dazu!

Man soll doch immer an das Gute glauben.

Im Endeffekt fehlen nur ein paar Kleinigkeiten –  eine Packung Taschentücher und eine Mütze sind noch nicht wieder aufgetaucht, aber die sind möglicherweise im Eifer des Gefechts verloren gegangen. Das Brontomädchen (Selma heisst sie) sagt, die Jungens hätten kein Diebesgut behalten – dafür habe sie gesorgt.

Anatol schleckt jetzt Honig und kriegt nachher noch einen heissen Tee für seinen Hals. Ansonsten soll er sich schonen. Wadenwickel braucht er vorerst nicht mehr, denn das Fieber ist nun unten.

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6. Kapitel – Zum Tierarzt?

Tagebucheintrag vom 9. Oktober 2013

Anatol geht es gar nicht gut. Ich bin gerade nach Hause gekommen … Anatol glüht vor Fieber und hat Schüttelfrost.

 Anatol Fieberthermometer

Eben haben wir Fieber gemessen: er hat 41,2°. Das ist bedrohlich, auch für einen Stegosaurus. Ich erwäge einen Besuch beim Tierarzt – aber Anatol wehrt sich mit Zähnen und Klauen gegen jeden Arzt. Er behauptet sogar, es gebe heutzutage keinen Arzt mehr, der einen Dinosaurier behandeln könne – denn das stehe nicht im veterinärmedizinischen Lehrplan. Na, da hat er vielleicht sogar recht…

Wenn das Fieber heute abend noch so hoch ist, muss der Tierarzt aber kommen.

9. Oktober 2013, 18 Uhr

Anatols Fieber ist nicht gesunken, und er liegt ganz schwach in seinem Nestchen. Ich bekomme es mit der Angst zu tun und rufe kurzerhand die Tierklinik an. Der Anruf verläuft leider nicht sehr konstruktiv.

„Sie haben einen grippekranken STEGOSAURUS zu Hause?“

„Ja. Was kann ich dem geben? Das Fieber muss unbedingt runter.“

„Moment. Da muss ich mich erkundigen.“

– Warteschleifenmusik –

„Ich habe nachgefragt. Der Arzt sagt, das kann nicht sein.“

„Ich hab doch Fieber gemessen! Anatol hat 41,2°!“

„Der Arzt sagt, das kann nicht sein.“

„Das Thermometer ist aber ganz neu!“

„Ja das Thermometer sicher. Aber der Stegosaurus nicht!“

„Das stimmt. Der Stegosaurus ist mehrere Millionen Jahre alt – sagt er jedenfalls.“

„Ihr Stegosaurus SPRICHT mit Ihnen??!!“

„Ja sicher. Sonst wüsst ich ja nicht, dass er Anatol heisst und schon so alt ist.“

Murmeln am anderen Ende der Leitung.

„Äh … Frau C.? Sind Sie noch dran?“

„Ja!“

„Der Doktor will Sie sehen. Sofort.“

„Gut! Ich pack nur schnell den Stegosaurus ein, dann kommen wir!“

„Nein! Der Stegosaurus darf zuhause bleiben. SIE sollen kommen. Sofort!“

“ …. Oh verflixt – mir fällt grad ein, dass ich jetzt einen wichtigen anderen Termin habe … auf Wiederhören!“

Ich lege verzweifelt und auch etwas verärgert auf. Wie helfe ich nun Anatol? Ich weiss ja nicht einmal, ob ein fiebersenkendes Mittel wie Aspirin von Sauriern überhaupt vertragen wird …

Doch noch einmal beim Tierarzt anrufen und sagen, ich hätte mich geirrt und Anatol sei ein Leguan …? Nur wieso spricht der dann … ich befürchte, die Tierklinik sollte ich in der nächsten Zeit vielleicht nicht wieder aufsuchen.

Nun fällt mir ein, dass mir meine Großmutter von kalten Wadenwickeln und einer Zwiebelpackung für den Hals erzählt hatte – gekoppelt mit Halsspülungen mit Cognac oder Wodka. Letzteres lehnt Anatol ab, da er wie ich keinen Alkohol verträgt und damit auch nicht gurgeln will, aber ich merke es mir für den Fall der Fälle.

Dann bereite ich die Wadenwickel und die Zwiebelpackung vor. Die Zwiebeln wirken mit ihren ätherischen Ölen gegen die Halsentzündung und die Wadenwickel helfen gegen das Fieber. Es wird eine unruhige Nacht.

Tagebucheintrag vom 10. Oktober 2013

Das Fieber ist gesunken und Anatol möchte etwas Toastbrot zum Frühstück. Seit vorgestern hatte er nichts gegessen. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

Von jetzt an geht es bergauf.

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5. Kapitel – Anatol ist krank

Tagebucheintrag vom 8. Oktober 2013

Wir wissen jetzt, wieso die Brontos ihr Unwesen im Park getrieben haben. Die Polizeistreife war nicht da, wo sie sonst immer ist (nämlich in unmittelbarer Nähe des Tatorts). Warum sie gestern nicht da war und wie die Brontos das erfahren haben, wissen wir nicht … Anatol will das aber in den nächsten Tagen herausfinden. Vielleicht ein Einsatz in einem anderen Viertel?

Jedenfalls war, als ich gestern zu der Streife gehen wollte, um das Ganze zu melden, niemand da. Keine Polizei, kein Polizeiauto – nichts.

Ich habe Anatol eingeschärft, immer als erstes dort hin zu gehen und zu gucken, ob die Polizeistreife da ist. Und sich mit den Kumpels lieber nur dann am Baum zu treffen, wenn die Streife in der Nähe ist. Andernfalls sollen sie in ein Café gehen oder in der Nähe des Spielplatzes bleiben. Und die Decke bleibt von jetzt an auch zu Hause.

In den nächsten Tagen bleibt der Park jedenfalls Tabu – ich möchte nicht, dass Anatol sich in Gefahr bringt.

Allerdings wird er dort auch nicht so bald wieder auftauchen, denn Anatol ist krank. Er muss sich ausser einem Schock auch noch eine böse Erkältung eingefangen haben:

Anatol krank

Nun liegt er gut eingemummelt unter seiner schönen Decke – oben drauf  die Wärmflasche. Nachher gibt es dann auch heisse Milch mit Honig für den armen Butler.

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4. Kapitel – Der schwarze Ritter

Tagebucheintrag vom 7. Oktober 2013

Ein herrlicher Spätsommertag geht zuende. Es ist eigentlich schon Herbst, aber noch so warm und sonnig, dass man draußen gar keine Jacke braucht.

Anatol möchte trotzdem seine neue Decke, die er zu einem – wie er findet – verwegenen Ritterumhang umfunktioniert hat, mit in den Park nehmen. Anatol verbringt nämlich jede freie Minute mit seinen Kumpels im Park.

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Anatols Umhang

Ich finde es keine gute Idee, die schöne Decke mit nach draußen zu nehmen. Sie kann doch verlorengehen – oder schmutzig werden. Aber es hilft nichts, kein gutes Zureden und keine Warnung: die Decke (nein: der UMHANG!) muss mit. Schließlich ist Anatol „der schwarze Ritter“, der tapfere Held und tollkühne Kämpfer – und der muss einen solchen Umhang haben. Schon ist der Gute aus der Tür heraus, hüpft die Treppe hinunter – und ist weg.

Ich nehme mir ein Buch und setze mich auf den Balkon, wo Tonio und Capucine in der Sonne dösen. Ein schattiges Plätzchen ist noch frei und ich beginne zu lesen. Ein friedlicher, stiller Nachmittag verstreicht …

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages tauchen den gußeisernen Balkon mit seiner herabrankenden Clematis in seidiges Gold. Es wird kühler. Ich gehe zurück in die Wohnung, wo alles still ist. Anatol ist noch nicht wieder zurück. Ich fange an, das Abendbrot vorzubereiten, obwohl das eigentlich Anatols Aufgabe ist. Er soll sich auch einmal ausruhen können.

Ein leises Wimmern lässt mich aufschrecken. Es kommt aus dem Treppenhaus! Ich stürze zur Tür heraus und sehe dies:

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Ein Häuflein Elend – ohne Umhang! Was war passiert?

Zuerst muss ich Anatol beruhigen. Unter Schluchzen und Weinen höre ich Folgendes heraus:

Anatol war mit seinen Stegosaurier-Kumpels im Park. Alles war toll und der Umhang hatte großen Erfolg…

Und dann kam die Brontosaurier-Bande! Die Brontos sind sehr frech und turbulent, und die Stegos haben ein wenig Angst vor ihnen. Normalerweise kommen sie nicht in den Park, denn da sind oft Polizisten und passen auf – und Polizei mögen die Brontos gar nicht.

Anatol wollte schnell weg, die Kumpels auch… Aber da hatte ihn schon ein Bronto am Wickel – nein am Umhang – und hat ihm die Decke weggeschnappt!!

Leider konnten ihm die Kumpels nicht helfen, die Brontos waren schnell und haben allen im Handumdrehen die Saurierspielsachen weggenommen, dem einen Stego noch fix eins übergebraten, und sind weg! Mitsamt der schönen Decke! Anatol heult.

Ein Versuch, ihn etwas zu beruhigen, ist zunächst fehlgeschlagen. Nun habe ich ihm aber einen Kakao gekocht und konnte ihn dazu bewegen, mir den Tathergang etwas genauer zu beschreiben. Dabei hat Anatol sogar ein Phantombild des Täters aufzeichnen können:

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Mit diesem Beweismittel ausgerüstet machen wir uns in den Park auf, um den Täter zu stellen und ihm vor allem seine Beute – die schöne Decke von Schneeleopard – wieder abzunehmen. Denn Anatol ist sich sicher, dass die Bande noch im Park lauert!

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Im Park ist alles ruhig. Es ist nun Abend geworden – Parkbesucher sind kaum noch anzutreffen. Und weit und breit ist kein Brontosaurus zu sehen:

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Anatol wird nun ganz unruhig. Durch die Tasche hindurch kann ich sein Zittern spüren. „Da war es! Hier ist es passiert!“ ruft er plötzlich. „Da – das ist unser Baum!“

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Angeblich sind an und in diesem Baum immer die Stegos versammelt – und hängen dort gemeinsam „ab“, wie Anatol das nennt. Deshalb sei das auch „ihr“ Baum. Vielleicht waren die Brontos deshalb neidisch? Der Baum hat einen ganz besonders tollen senkrechten Ast, auf dem die Stegosaurier gerne sitzen und sich sonnen …

Da! Ein Geräusch! Es raschelt hinter dem Baum im Gebüsch – vielleicht ein Vogel? Oder eine Maus? Oder … vielleicht ein Brontosaurus!?

Sofort sind wir da. Laub wirbelt auf, und irgendetwas verschwindet in Windeseile im Unterholz! Wir sind jetzt ganz nah dran an der Stelle – und da …

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Etwa Hellblaues liegt da zwischen dem Laub unter den Büschen! Anatol krabbelt sofort hin – und ruft laut „Mein Umhang!! Das ist er!! Ich hab ihn wieder!“

Er ist selig!

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Wir stellen den Umhang sicher und verlassen den Tatort schnell. Bevor wir nach Hause fahren, drehen wir aber noch eine Runde im Park – um noch andere Beuteteile wiederzufinden, und um vielleicht ja auch einen Täter zu stellen und festzunehmen. Wir finden aber weder Beute noch Übeltäter. Stattdessen stoßen wir auf folgende „Hinterlassenschaften“:

Graffiti

Bronto-Graffiti auf der Parkbank – die Brontobande hat also einen echten Raubüberfall mitsamt nachfolgender (oder vorhergehender) Sachbeschädigung an öffentlichem Eigentum begangen. Es scheint sich also durchaus um schwere Jungs zu handeln.

Vorerst verbiete ich Anatol jeglichen weiteren Besuch im Park.

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3. Kapitel – Post

Tagebucheintrag vom 7. Oktober 2013

Eben hat es an der Tür geklingelt – der Postbote war da! Und er hat ein riesengroßes Paket für Anatol gebracht:

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Das Paket ist von einer Freundin – Schneeleopard heisst sie. Sie hat sich ganz große Mühe gemacht und mehrere wundervolle selbstgemachte Geschenke für Anatol geschickt:

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Ein gehäkeltes Bettchen, eine tolle Bettdecke und ein herrlich weiches Kopfkissen – Anatol muss das gleich ausprobieren und kuschelt sich in sein Nestchen mit dem neuen Bett, wo er auch sofort einschlummert.

Ich lese indes den lieben Brief der Freundin und bin gerührt.

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2. Kapitel – Anatols Dienstantritt

Wie ging es mit Anatol weiter? Ich habe in meinen alten Tagebüchern nachgelesen und gebe sie hier im Originaltext wieder:

Tagebucheintrag vom 23. August 2013

Anatol Süsskartoffel Anatol hat heute seinen Dienst angetreten.

Vorerst erscheint er mir sehr motiviert und bemüht, alle Aufgaben zu meiner Zufriedenheit zu erledigen – ich kann mir nicht erklären, warum er bei anderen Anstellungen nicht überzeugt haben soll.

Fast glaube ich an eine Verleumdung seitens der Vermittlungsstelle.

Anatol2Abends hat Anatol sich sehr diskret am Kühlschrank zu schaffen gemacht und mir ein Taboulé hergezaubert.

So ein Haus-Saurier ist großartig.

 

Tagebucheintrag vom 24. August 2013

Alle Katzen sind schwer krank. Im Stundentakt müssen Medikamente gegeben und Brühe eingeflößt werden. Tonio findet sein Katzenklo nicht und Sofa, Zimmerecken und Küchenfliesen halten als Ersatz her. Anatol fliegt von einem Katastrophenherd zum nächsten, wischt auf, gibt mir Medikamente an, damit ich sie verabreiche, kocht Hühnerbrühe.

Am späteren Nachmittag verkriecht er sich in die Wäscheschublade, zieht sich einen meiner Schals über den Kopf und lässt sich nicht mehr blicken. Ich hoffe, dass ich ihn nicht überfordert habe.

Später am Abend:

Anatol möchte vielleicht doch wieder ausziehen. Er ist sich nicht sicher, ob er dem Stress standhält. Für heute Abend hat er mir dennoch ein Gemüsecurry versprochen.

Ich bin entsetzt. Da stellt man einen Haus-Saurier ein, und dann will er schon am zweiten Tag kündigen!

Ich muss den Butler halten – allein werde ich der Lage hier nicht mehr Herr. Mein erster Versuch wird darin bestehen, eine Gehaltserhöhung anzukündigen. Zudem hole ich mir Rat bei Freunden. Vielleicht wissen die, was zu tun ist? So ein Telephongespräch tut ja auch gut…

So. Meine Freunde empfehlen mir, dem Butler einen vollkommen eigenen Bereich anzubieten. Das sollte ihm die nötige Sicherheit und auch Rückzugsraum vermitteln.

Die Diskussion mit dem Butler beginnt leider explosiv: Anatol beschwert sich über die unmöglichen Arbeitszeiten. Regelmäßig nach 22 Uhr warme Mahlzeiten bestellen – nein, das sei wirklich nicht die feine englische Art.

Trotz allem Ärger kocht Anatol mir ein Curry. Dabei lassen sich Probleme besser besprechen, findet er.

Anatol Curry

Ich muss sagen: dieser Butler ist unverschämt! Aber er kocht einfach göttlich.

Tagebucheintrag vom 25. August 2013

Ich habe Anatol einen klar definierten Arbeitsbereich zugewiesen: Kochen und Einkaufen, sowie Organisation des gesamten Haushalts. Anatol bekommt ein eigenes Fach im Regal, wo er sein Nest ganz nach seinen Wünschen einrichten kann.

Und ich habe sein Gehalt verdoppelt.

Anatol will jetzt doch bleiben.

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1. Kapitel – Mein Butler Anatol

Anatol und Elie sitzen in ihrem Nestchen. Sie haben gerade überhaupt nichts zu tun, und den beiden ist langweilig! Elie fragt schon zum dritten Mal „Nun erzähl uns endlich noch einmal, wie Anatol zu Dir kam! Bitte!!“

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Nicht, dass die beiden die Geschichte nicht schon auswendig kennen – so oft habe ich sie erzählt … aber offenbar ist sie ihnen immer noch nicht langweilig geworden.

Ich fange also an. „Anatol kam im letzten Sommer zu mir. Das wisst Ihr doch schon.“ Anatol brummt „Na klar weiss ich das! Ich war ja dabei.“ Elie quengelt „Aber ich war noch nicht hier! Ich möchte es so gern noch einmal hören.“

„Im letzten Sommer waren Tonio, Noah und ihre ganze Katzenfamilie schwer krank und mussten gepflegt werden. Weisst Du noch, Anatol? Ich hatte hier eine richtige Tierklinik aufgemacht. Alle Katzen lagen krank in ihren Bettchen und Körbchen und brauchten Medikamente… soviele Patienten konnte ich ja unmöglich allein versorgen. Deshalb brauchte ich dringend Unterstützung! Ich wusste nur nicht, woher die Hilfe kommen sollte.“

An einem Nachmittag war ich in der Stadt unterwegs, und da sah ich plötzlich ein Ladenlokal, das ich noch nicht kannte. „Dinosaurier-Stellenvermittlung“ stand in großen bunten Buchstaben über der Tür. Ich war neugierig geworden! Ich drückte die Tür auf, die sich mit einem melodischen Glockenklang öffnete, und trat ein. Gleich sah ich mich von kleinen samtigen Wesen umgeben, die alle aufgeregt durcheinanderredeten.

Schnell war klar, dass es sich um Stoffdinosaurier auf Arbeitssuche handelte. Das kam mir recht – denn ich brauchte ja Hilfe. Die Dinosaurierdame, die den Laden offensichtlich leitete, fragte mich, was für einen Saurier ich denn suchte? Ich meinte, ich suche eigentlich gar keinen Dinosaurier (das sei mir jedenfalls bisher nicht in den Sinn gekommen), sondern einen Butler. Eine vielseitige Haushaltshilfe, die verantwortungsbewusst und in Eigeninitiative für all das sorge, worum ich mich nicht kümmern könne, und die immer dann da sei, wenn sie gebraucht werde. Eigentlich dachte ich, dass die Dame mich direkt aus dem Laden hinauskomplimentieren würde – schließlich war meine Anfrage ja fast schon frech. Aber nein – sie zückte eine Art mobiles Dino-Pad, öffnete eine Datei und gab ein paar Suchworte ein. Dann sagte sie bedauernd: „Schade. Der für Sie geeignete Kandidat hat soeben eine neue Stelle angetreten. Er ist nicht mehr verfügbar. Allerdings denke ich, dass seine Leistungen Ihre finanziellen Mittel wohl bei weitem überschritten hätten.“ Diese Äußerung fand ich ein wenig unverschämt und wollte gerade etwas anmerken – da fuhr sie fort „Nun, leider haben wir keinen anderen Bewerber, der für Sie in Frage käme. Es tut mir leid. Auf Wiedersehen!“

Ich war enttäuscht. Gerade hatte ich mich mit dem Gedanken angefreundet, einen kleinen Hausdinosaurier einzustellen. So schnell wollte ich nicht aufgeben! „Sie werden mir doch nicht sagen wollen, dass hier unter all den Bewerbern niemand sein soll, der bei mir den Haushalt führen kann! Das kann ich mir nicht vorstellen.“

Sie druckste etwas herum – irgendetwas wollte sie offenbar lieber für sich behalten – aber da sie sah, dass ich nicht locker ließ, sagte sie schließlich „Nun ja, wir hätten da noch den einen Butler-Anwärter. Allerdings …“

„Was allerdings? Sie haben da also noch einen Butler, der eine Stelle sucht! Das ist doch wunderbar!“

Sie wollte nicht recht mit der Sprache heraus, entschied sich aber doch, mir reinen Wein einzuschenken. „Der Bewerber ist ein wenig …. originell. Wir konnten ihn bisher nicht erfolgreich vermitteln. Wenn Sie Überraschungen mögen, könnte es aber sein, dass er für Sie möglicherweise doch geeignet wäre.“

Nun war mein Interesse geweckt. „Was meinen Sie mit Überraschungen?“ fragte ich.

„Unser Bewerber ist, sagen wir mal … etwas eigenwillig. Er ist leider bisher nie länger als zwei Wochen in einem Dienstverhältnis geblieben. Wir glauben, dass er die passende Arbeit einfach noch nicht gefunden hat.“

Das hätte mir eigentlich zu denken geben sollen. Stattdessen hörte ich mich sagen „Ich nehme ihn. Also – ich stelle ihn ein. Was kostet die Vermittlung?“ Die Dame sah mich mit großen Augen an und beeilte sich zu sagen „Die Vermittlung ist in diesem Fall natürlich vollkommen kostenlos! Sie können Ihren neuen Dienst-Saurier auch sofort mitnehmen. ANATOL!!!!!“ rief sie dann laut.

Ein kleines, flaumiges, ganz grünes Wesen krabbelte aus einer Nische hervor, wo es offenbar bisher in einem Körbchen gedöst hatte, und rieb sich die Augen. Verdutzt sah es mich an. „Sie wollen MICH einstellen?“ fragte es. Und dann: „Sie haben gerade die beste Entscheidung Ihres Lebens getroffen. Ich bringe exzellente Zeugnisse und Empfehlungen mit und bin seit Jahrhunderten in den besten Familien angestellt.“  Es guckte freundlich, aber auch ein bisschen spitzbübisch. „Ich heisse Anatol. Zu Ihren Diensten!“

Da eine Gebühr nicht anfiel, und die Vermittlungsdame angeblich noch viel zu tun hatte, wurden wir schnell aus dem Laden entlassen (etwas sehr schnell, hatte ich das Gefühl), und ich stand mit meinem neuen Haus-Dinosaurier auf der Straße. Er hüpfte mit einem Satz direkt in meine Tasche und meinte „Lass uns bloss hier abhauen! Bin ich froh, da raus zu sein!“

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So kam Anatol zu mir. Und er ist nicht nur zwei Wochen geblieben.

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