153. Kapitel – Der Müllsheriff goes Zero Waste

Frankreich ist das Land der Plastiktüte. Allgegenwärtig, unumgänglich – ja geradezu unausweichlich umgibt uns das Kunststoffutensil, wohin wir uns auch begeben. Kaum ein Baum der Stadt trägt keinen Tütenschmuck in seiner Baumkrone. In den nun wieder belaubten Wipfeln sieht man die weissen, blauen oder gelben Flecken weniger. Bei jedem Einkauf wird indessen fleissig für Nachschub gesorgt: Tüten über Tüten füllen sich mit Obst, Gemüse und Krempel, um kurze Zeit später im Abfall zu landen.

Anatol hat beschlossen, hiergegen zu Felde zu ziehen (wir berichteten). Seit Tagen surft er im Internet auf den einschlägigen No-Waste-Minimalismus-Seiten – grummelnd und sich nachdenklich am Kopf kratzend.

Heute endlich vermeldet der Saurier freudig und lautstark, er habe den Stein der Weisen gefunden – in Form der Webseite „Zero Waste Home“. Dort heisse es, eine vierköpfige Familie könne bei klugem Wirtschaften nurmehr ein kleines Bügelglas Abfall produzieren – und zwar pro Jahr!

Es sei nun alles daran zu setzen, dies auch zu erreichen. Schließlich seien wir bei unserem Vorstoß gegen den Müll schon weit gediehen. Bestimmt sei es möglich, ebenso müllarm zu leben wie die Leute von „Zero-Waste-Home“! Mit der Methode der „5R“ („Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rot“ – auf Deutsch: „Verweigern, Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln, Kompostieren“) würden wir erfolgreich zum Null-Müll-Haushalt werden – da sei er sich sicher.

Skeptisch ziehe ich die Augenbrauen hoch. Zwar stellt Anatol seit einigen Wochen sehr erfolgreich seine eigene Sojamilch sowie ein etwas gewöhnungsbedürftiges „Joghurt“ her. Wir brauchen so weder abgepacktes Sojajoghurt noch Milch im Tetrapak. Die Mülltütenlage allerdings ist immer noch unbefriedigend – haben wir doch noch keine wirkliche Lösung für unseren Hausmüll gefunden. Und wenn ich an die Unmengen des Verpackungsmülls denke, der uns umgibt, wage ich, Zweifel an dem „kleinen Bügelglas Müll pro Jahr“ anzubringen.

Unsere Realität sieht nämlich so aus:

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Unumgängliche Papier- und Plastikverpackungen, Broschüren, die sich weiterhin in den Briefkasten verirren, Briefumschläge, Mehltüten, Medikamenten-Pappschächtelchen, Kassenzettel und und und … all diese Dinge sammeln sich ganz von allein an und ergeben nach gut zwei Wochen den bekannten, bewährten und gut gefüllten gelben Sack, der  dienstags von der Müllabfuhr abgeholt wird.

Anatol entgegnet hierauf, er werde in den kommenden Wochen den gesamten Papier- und Plastikmüll einer Expertise unterziehen und Stück für Stück festhalten, wie man diesen überflüssigen Abfall reduzieren könne.

Aber wie halten wir es mit dem Hausmüll? Diesen sammeln wir immer noch in einer Plastiktüte – eine Papiertüte kommt hierfür nicht in Frage, da sie von den Obst-, Gemüse- und Teeresten wohl bald durchweicht wäre.

Anatols Antwort auf dieses Dilemma heisst Kompostieren. Seit einiger Zeit durchsucht der Saurier das Internet nach wohnungstauglichen Kompostiermethoden. Die bisher interessanteste Lösung ist eine Wurmkiste. Für diese braucht man nur ein paar Kompost-Regenwürmer (nicht die „normalen“ Regenwürmer, die wir von draußen kennen!), eine spezielle Kistenvorrichtung – und Haushaltsabfälle wie Obstschalen, Teeblätter, Kaffeesatz (letzteres scheint eine Lieblingsspeise unserer fleissigen kleinen Freunde zu sein, konnten wir im Internet lesen). Hat man die Wurmkiste aufgebaut und die Würmer einziehen lassen, muss man sie nur noch mit den gewünschten Abfällen füttern, und das Biomüll-Problem ist gelöst.

Elie hat sich indessen bisher erfolgreich gegen die Installation der Wurmkiste gewehrt. „Ich ziehe dann aus! Würmer finde ich eklig!! Und sicher kommt mich Anna dann nie wieder besuchen!“ hatte er voller Angst krakeelt.

Zumindest seine schlimmste Befürchtung, Anna nie wieder einlanden zu können, bewahrheitet sich nicht: Annas Familie ist deutlich fortschrittlicher als wir und hat bereits einen gut funktionierenden Wurmkompost.

Sobald eine geeignete Ecke für die Wurmkiste gefunden und freigeräumt ist, werden wir dem Biokompost nähertreten. Wir sind sehr gespannt.

Ob wir den Anforderungen des „Zero-Waste-Home“ gerecht werden, ist jedoch noch unsicher.

 

 

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